TV-Kritik / Anime-Review: REQUIEM FOR THE PHANTOM

Typ: Anime-Serie (26-teilig)
Originaltitel: Phantom ~Requiem for the Phantom~
Studio: Genco / Bee Train
Produktion: Nobuhiro Osawa
Regie: Kōichi Mashimo
Land: Japan
Genre: Thriller / Drama

Die Episoden (Englische Titel):

1 Awakening
2 Training
3 Practice
4 Assassination
5 Instant
6 Conflagration
7 Past
8 Abrupt
9 Name
10 Closure
11 Succession
12 Apparition
13 Disguise
14 Surveillance
15 Reunion
16 Confession
17 Truth
18 Confrontation
19 Promise
20 Old Home
21 Anger
22 Rage
23 Decision
24 Face Off
25 Conclusion
26 Elen

See my latest masterpiece… the Zahlen-Schwestern !

Inhalt: In den USA gelangt eine kriminelle Organisation mit Namen Inferno zu mehr und mehr Macht. Dies liegt zweifelsohne an ihrem geheimen ‚Meisterstück‘, einer Auftragskillerin namens Phantom. Eines Tages wird Ein, wie sie von ihrem ‚Schöpfer‘ Scythe Master getauft wurde, bei einem Mord beobachtet. Nun ist es ein eigentlich unbeteiligter, reisender Teenager der in das Fadenkreuz von Ein gerät – doch sie und ihr Meister entscheiden sich, ihn nicht einfach zu töten. Gemeinsam und unter den Fittichen von Inferno verschleppen sie den jungen Reiji, unterziehen ihn einer Gehirnwäsche und machen ihn so zu Zwei – einem Inferno-Auftragskiller ohne Gedächtnis. Reiji beginnt, den Befehlen Inferno’s zu gehorchen und gerät so immer tiefer in eine Welt voller Kriminalität, Grausamkeit und verwirrender Machtspielchen. Doch hört er nicht auf, nach dem wahren Geheimnis seiner Identität zu fragen…

Kritik: Requiem For The Phantom ist zweifelsohne eine der neueren Anime-Serien aus dem Thriller-Genre. Zum Zeitpunkt der Rezension hat die Mafia-Crime-Serie gerade einmal 2 bis 3 Jahre auf dem Buckel – man könnte sie also vorsichtig als state of the art bezeichnen; zumindest rein aufgrund dieser äusserlichen Charakteristika. Aber wie sollte man in so einem Fall (und auf einer Rezensions-Seite, die im allgemeinen viele ältere Werke behandelt) die Messlatte anlegen ? Gewiss, man sollte den Anime-Kontext (Historie, Entwicklung) im Hinterkopf behalten, aber dennoch möglichst unvoreingenommen an das Werk herangehen. Das heisst, dass jegliche Anzeichen einer ‚Plagiatur‘ durchaus festzuhalten sind (Apkupfern von anderen, älteren Animes), ein bestmöglicher Einsatz der technischen Möglichkeiten zur Voraussetzung wird – aber andererseits eben auch, dass man der Serie trotz der großen Konkurrenz eine Chance geben sollte.

Und tatsächlich: Requiem For The Phantom beginnt auffällig stark. Die Mixtur aus Crime-, Thriller- und Drama-elementen geht vollends auf und offeriert eine angenehme erzählerische Dichte. Besonders zu Beginn schwebt sogar noch eine weitere Stimmung im Raum, die unter dem Begriff der Sci-Fi laufen könnte – Menschen können bei Bedarf einer schwerwiegenden Gehirnwäsche unterzogen und zu willenlosen Killermaschinen ‚erzogen‘ werden; woraufhin sie auf einem abgelegenen Stützpunkt irgendwo im Ödland trainieren. Doch diese leicht mysteriöse Stimmung kippt schnell zugunsten einer dramatischen: zwei Hauptcharaktere rücken immer mehr in den Fokus. Der Anime porträtiert hierbei ihr Alltagsleben, beziehungsweise eher das was nunmehr gezwungenermaßen zum Alltag der beiden gehört – und gräbt dabei recht tief. So kommt auch die psychologische Komponente nicht zu kurz, die wiederum durch zahlreiche Action-Einschübe aufgelockert wird. Eine wahrlich dezente und äusserst abgerundete Mischung.

Interessanter-, auch vielleicht auch merkwürdigerweise geht die Serie nach den ersten Episoden (ca. 1-7) einen anderen Weg – zumindest einen anderen, als man vielleicht erwartet hätte. So stellt sich heraus, dass Requiem For The Phantom in insgesamt 3 Abschnitte unterteilt ist. Der erste behandelt die Zusammenführung von ‚Ein‘ und ‚Zwei‘ sowie ihre jeweils eigenen Hintergrundgeschichten und Gefühlswelten (sofern vorhanden), der zweite beginnt mit einer Fragestellung (sollte das sensationelle Paring aus ‚Ein‘ und ‚Zwei‘ schon so schnell wieder ad absurdum geführt werden ?) und steigt tiefer in das Mafia-Setting ein, der dritte bringt einen neuen markanten (weiblichen) Charakter hervor und rückt diesen näher in den Fokus. Nun – all dies mag gewisse Vorteile mit sich bringen (Struktur, Abwechslung); doch auch die Nachteile dieser Strategie werden im selben Atemzug ersichtlich. Denn, und das ist der größte Schwachpunkt der Serie: sie wird von Abschnitt zu Abschnitt schwächer. Schwächer heisst in diesem Moment leider nichts anderes als: uninteressanter, unglaubwürdiger und inhaltlich enttäuschender.

Während die Schwächen (eventuell: fragliche Motivation von ‚Zwei‘) vor allem im ersten Abschnitt den Stärken (Setting, Spannung, Actionszenen, Emotionalität, leichter Mystery-Touch, Mafia-Recruiting) noch klar unterlegen sind, dreht sich der Spieß bereits mit dem Beginn des zweiten Abschnittes um. Hier liegt der Fokus eindeutig auf den Geschehnissen in der Inferno-Organisation, die zwar einen hohen Unterhaltungswert bieten; aber mehr und mehr dem Kontext der Nachvollziehbarkeit des Zuschauers entgleiten. Auf einen Fehler folgen bekanntlich weitere, und so häufen sie sich auch in Requiem For The Phantom – und das nicht zu knapp. So wird das ‚vermeintliche Ableben wichtiger Seriencharaktere‘ (so bezeichnet um Spoiler zu vermeiden) beinahe zur Gewohnheit. Nur soviel vorweg: man sollte sich niemals sicher sein, dass diese oder jene Person das zeitliche gesegnet hat, auch wenn es absolut (!) danach aussieht. Was in den ersten Momenten die Hoffnung auf einen höheren inhaltlichen Kontext weckt (der experimentierende Scythe Master und seine ‚Puppen‘), stellt sich im Nachhinein als simple ‚Muss-Variante‘ für das Drehbuch heraus. Warum genau einige der Protagonisten soviel überleben können, wird jedenfalls nicht ersichtlich – starr im Kugelhagel stehen, Patronen ausweichen, Schüsse in die Brust überleben gehört eben auch zum Alltag der Beteiligten.

Der dritte Abschnitt bietet einerseits ein hohes Potential (Wechselspiel von Mafia und Menschlichkeit Reiji’s), andererseits werden hier aber auch die massivsten Anteile verschenkt. Mitunter findet sich die wohl unglaubwürdigste Charakterentwicklung aller Zeiten (!), sowohl im physischen wie auch psychischen Sinne. Da die Serie jegliche Mystery-Aspekte selbst zerstört (und selbst dem Werk von Scythe nicht allzu viel Bedeutung zumisst), können Aspekte wie diese getrost der Fehlschlag-Abteilung zugeordnet werden. Das Ende hingegen ist schon eher streitbar, immerhin lässt es genügend Spielraum für Deutungen. Allerdings kann man sich auch kaum des Gefühls erwehren, als handele es sich hier ebenfalls um einen ’notwendigen Schlag in die Magengrube der Zuschauer‘ – um künstlich zu ’schocken‘. Denn das ist auch vorher schon einmal passiert (eine gewisse Mord-Szene). Bevor es hier allerdings zu ausführlich wird, die Plus- und Schwachpunkte der Serie noch einmal zusammengefasst:

+ Interessante Mischung aus Mafia-Geschichte, Manipulationsstudie und Charakter-Drama
+ Eine ‚Liebesgeschichte‘ (oder eher: Zuneigung) mal anders
+ Kontinuierliches Spannungspotential
+ Stimmige, düstere Optik
+ Wunderbarer, atmosphärischer Soundtrack
+ Zeitloses Intro und Outro (die ersten)

– Serie ist in 3 nicht gänzlich miteinander harmonierende Abschnitet aufgeteilt
– Charaktere in ‚Superhelden‘-Manier (nichts ist unmöglich, ausser der Tod)
– Schockmaßnahmen a’la Mord an Duke (kleiner Junge) fehl am Platz, rauben Empathie
– Emotionslose und / oder eindimensionale Charakterporträts (teilweise gewollt, aber nervig)
– Abstruse Wandlung einer weiblichen Protagonistin gegen Ende
– Scythe Master und die ‚Zahlenschwestern‘ (ohne Worte)
– Wenig Überraschungen
– Neues Intro und Outro ab einer der späteren Episoden (warum ?)
– Zwei Füllepisoden, die rückblickend erklären (eher: Szenen die man gerade gesehen hat wiederholen)
– Streitbares, (zu) offenes Ende
– Serie insgesamt zu lang (letzter Abschnitt überflüssig)

Fazit: Requiem For The Phantom hätte ein waschechter Volltreffer werden können. Schließlich erfreuen sich die sogenannten ‚Crime-Serien‘ gerade heute (beziehungsweise auch schon 2009) großer Beliebtheit. Der ‚Ermittler‘ wäre in erster Linie der Zuschauer selbst, der geladen ist hinter die Kulissen einer Mafia-Organisation namens Inferno zu blicken, und dabei allerlei düsteren Machenschaften auf die Schliche kommt. Obendrein gäbe es dann eine äusserst ungewöhnliche Selbstfindungs- und Liebesgeschichte serviert – gäbe, hätte, wäre. Letztendlich kommen im Gesamtpaket von Requiem For The Phantom aber eindeutig zu viele Negativaspekte zusammen, von denen man sich den für sich persönlich schwerwiegendsten aussuchen darf. Ist es die Tatsache, dass die drei Abschnitte qualitativ immer weiter absacken, mit dem letzten als unpassendsten und unglaubwürdigsten ? Ist es die kleine Merkwürdigkeit, dass die Hauptprotagonisten offenbar alle ‚Superhelden‘ sind und so gut wie alles heil überstehen (warum auch immer) ? Sind es die zusammenfassenden Episoden, von denen es zwar nur 2 gibt – die einem aber das seltsame Gefühl geben, eventuell und aus Versehen auf die ‚Replay‘-Taste gedrückt zu haben ? Oder ist es der Scythe Master, der dem Zuschauer über die gesamten 26 Episoden das Gefühl gibt, etwas ‚ganz besonderes‘ oder mysteriöses in Petto zu haben – dann aber, gleich einer schlechten Parodie, kläglich mit seinen ‚Zahlenschwestern‘ scheitert ? Vielleicht ist es ein wenig von allem. Für eine überdurchschnittlich gute Anime-Serie sind die zusammengefassten Negativaspekte aber weitaus zu gravierend. Seichte Unterhaltung für Erwachsene, ohne überraschende Twists – schade, da hätte mehr draus werden können, vielleicht sogar müssen. Für Genre-Fans noch empfehlenswert, für Anime-Neueinsteiger aber ein Sakrileg.


50button

„Unausgewogen und letztendlich zu schwach inszeniert.“

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