Metal-CD-Review: FLESHGOD APOCALYPSE – Agony (2011)

Land: Italien – Stil: Symphonic Metal / Brutal Death Metal / Technical Extreme Metal

Die Trackliste:

1. Temptation
2. The Hypocrisy
3. The Imposition
4. The Deceit
5. The Violation
6. The Egoism
7. The Betrayal
8. The Forsaking
9. The Oppression
10. Agony

Definitiv nichts für Weicheier oder Warmduscher…

Vorwort: Eine CD-Rezension, die ein Werk der Extreme-Metaller von Fleshgod Apokalypse behandelt; kann einfach nicht ’normal‘ sein. Wer auch nur einige wenige Sekunden eines Titels des 2011’er Albums Agony gehört hat (sofern es nicht gerade das Intro oder Outro betrifft), der weiss in etwa was einen auf diesem Silberling erwarten wird. Eine Art von Musik, die gewiss nicht zu jedem ‚Anlass‘ gespielt werden kann, und die dem Hörer einstweilen einiges abverlangt. Vor allem in Sachen Stressresistenz und Toleranz – Fleshgod Apokalypse lassen wie keine zweite Band aus diesem Genre die Begriffe ‚technische Perfektion‘ und ‚Brutalität‘ miteinander verschmelzen. Wie das im Endeffekt klingt ? Nun, dem ersten Eindruck nach vor allem laut, reichlich ‚wild‘ und durcheinander. Doch was sich, sofern man soweit kommt, beim zweiten Eindruck alles offenbart; zeugt letztendlich doch und sofern man will von der musikalischen Genialität der Band. Wer eine CD zum Abreagieren, zum Agressionsaufbau oder zur Meditation (der manischen Art) sucht, der kann getrost alle Werke von ach-so-brutalen Death- und Black Metal Bands beiseite legen. Die Krone der Schöpfung (des ultra-brutalen Musikerlebnisses) heisst Fleshgod Apokalypse. Und die spielen eben keinen (klischeehaften) Death Metal, sondern einen höchst innovativen und vielschichtigen Extreme Technical Metal mit allerlei Symphonic-Anleihen. Jedoch…

Kritik: Ja, auch eine Band wie Fleshgod Apokalypse kann es eher ‚ruhig‘ angehen lassen. Auch wenn das höchst selten der Fall ist, wie eben im Intro des Albums, Temptation. Knapp 2 Minuten dauert das gute Stück, wobei es am ehesten nach einer Soundtrack- oder Hintergrundmusik für einen Horrorthriller klingt. Ein kontinuierlicher, bedrohlicher Aufbau markiert die Aufbruchsstimmung bis hin zur ersten unbändigen Explosion, die mit dem Beginn von The Hypocrisy stattfindet. Was hier abgefeuert und seitens der Band aufgefahren wird, das spottet schon jeder Beschreibung. Extreme Blastbeats treffen auf rau-brutalen Gesang treffen auf Klassik – diese Mischung ist zwar nicht gänzlich neu oder einzigartig, doch die technische Perfektion hebt das Ganze dann doch auf ein etwas anderes Level. Wenn dann ein Titel wie The Imposition beginnt, gibt es entgültig kein Halten mehr. Die makabere Symphonie aus zerstörerischen (Drums, Gitarren, Growls) und einigen wohlklingenden Elementen (Klassik, Filmmusik, Gesang) wirkt perfekt umgesetzt – dessen wirken aber auch sehr, sehr geschmacksabhängig.

Denn in der Tat fehlt es Agony an etwas – nicht an technischer Perfektion oder grundsätzlichen Stilfragen. Nein – es ist vielmehr die Abwechslung, an die offenbar keines der Bandmitglieder so richtig gedacht hat – ob nun absichtlich (aus Konzeptgründen) oder nicht. So kommt es, dass einzig und allein das Intro und das Outro für ein wenig ‚Ruhe‘ (aber eben auch: Atmosphäre) sorgen können, während dazwischen beinahe alle Titel wie aus einem Guss (oder: einem Maschinengewehr) wirken. Der Drummer vergewaltigt sein Instrument pausenlos, die orchestralen Parts werden immer wieder in die Titel hineingeschmettert, der ‚Sänger‘ röhrt stets in der selben Growl-Lage. Lediglich einige etwas hellere Backgroundgesänge sorgen für ein wenig Abwechslung. Hier hätte der Band ein Konzept, welches auch auf anderen Alben zum Einsatz kommt, sicherlich gut getan. Es klingt im ersten Moment vielleicht unpassend – doch hätte man aus Agony eine Art Brutal Technical Metal Opera machen können. Das ‚Opera‘ hätte hierbei nicht für cleanen Gesang oder noch mehr orchestrale Parts gestanden, sondern in erster Linie für ein Konzept welches markante Stimmungsschwankungen, richtige Höhen und Tiefen vorsieht. Denn auch wenn man der Band oftmals eine gewisse Affinität zur Klassik hinterhersagt (wobei sie bitte niemals mit irgendwelchen Komponisten auf eine Stufe stellen sollte), scheitern sie gerade an einem wirklich zeitlosen Songstruktur- und Aufbauprinzip, welches einen jeden einzelnen Titel wahrhaftig zu einer musikalischen ‚Reise‘ hätte machen können. Warum nicht ein paar Ruhepausen hier und da ? Warum nicht mal ausschließlich die orchestralen Parts einspielen, oder eben ausschließlich die Metal-Elemente, wie eigentlich ausschließlich in THE DECEIT, welches das mitunter einzige Stück ist das ein wenig aus der Masse hervorsticht ? Nein, das Dauerfeuer auf das Trommelfell geht ununterbrochen weiter. Und irgendwann, das ist nur verständlich – eben auch ein wenig auf die Nerven.

Als Videoauskoppelung der noch markanteste Titel The Violation, ein Titel; der das Gesamtwerk hinter Fleshgod Apokalypse recht ordentlich vertritt und vorstellt. Erwähnenswert sind hier abermals die klassischen Samples im Hintergrund, dass extreme Drumming und der Refrain mit der auffälligen Instrumentalpassage. Es ist beinahe so: kennt man diesen Titel, kennt man auch alle anderen des Albums. Deutlich andersartige Stilmittel werden nicht verwendet, das Tempo unterscheidet sich kaum; und vor allem die Stimmung bleibt kontinuierlich auf dem selben Niveau. Das heisst je nach persönlichen Vorlieben: entweder man befindet sich für 45 Minuten in der (musikalischen) Hölle, oder aber im Technical Metal-Himmel. Sicher wissen die Jungs, was sie da tun; ohne Zweifel beherrschen sie auch die Instrumente (und das in einer sagenhaften Ausdauer und Aggressivität); doch irgendwann gleicht das Ganze einer manischen Phase: man tut unendlich viel, das möglichst laut und schnell – aber im Grunde läuft man doch im Leerlauf. So ist der Band nur zu wünschen, dass sie mit dem nächsten Album endlich in den ersten Gang schalten können, um richtig sinnig durchzustarten.

Fazit: Herzrhythmusstörungen und Fehlschaltungen im Stammhirn nicht ausgeschlossen – die Musik von Fleshgod Apokalypse ist wahrlich mit Vorsicht zu genießen. Und sicherlich ist es auch keine Musik für jede Gelegenheit / Stimmungslage, der richtige Zeitpunkt will erst gefunden werden. Oder anders ausgedrückt: der richtige Hörer, der sich an diesem höllischen Machwerk wirklich durchgängig und kontinuierlich erfreuen kann. Aber auch solche wird es geben – wie auch solche, die diese Musik anderen zwecks einer Folterung vorspielen würden. Die Produktionsqualiät und die technischen Aspekte sind über jeden Zweifel erhaben, der raue Gesang wirkt auch vernünftig und gerade durch die zeitweiligen ‚cleanen‘ Passagen des Bassisten minimal abwechslungsreich – doch insgesamt hätte das Ganze auch genausogut eine EP mit 4 oder 5 Titeln sein können. An viel mehr wird man sich ohnehin nicht mehr erinnern (ach, das ist schon ein neuer Titel ?), hat man die CD einmal komplett durchgehört. Da es genügend ‚Freaks‘ gibt, die das Ganze als ‚helig‘ bewerten werden, aber auch genügend Menschen die diese CD nicht einmal im ‚Musikbereich‘ einordnen würden, kann es in diesem Fall nur eine beschwichtigende Gesamtwertung geben. Gewiss ist AGONY kein Müll, sondern etwas ganz spezielles und strapaziöses. Aber eben auch nichts perfektes, dafür gestaltet sich allein die kleine Sache mit dem ‚Zugang‘ zur Musik ein wenig schwierig – die gute alte Klassik offenbart da schon mehr Möglichkeiten. Und nun eine Priese Tschaikowsky zur Beruhigung…


75button

„Zum Grenzen austesten.“

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