Metal-CD-Review: CRYSTALLION – A Dark Enchanted Crystal Night (2006)

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Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

01. A Dark Enchanted Crystal Night (00:55)
02. Guardians of the Sunrise (05:15)
03. Visions (08:05)
04. Eternia (06:42)
05. Crystal Clear (06:14)
06. Tears in the Rain (06:59)
07. Dragonheart (08:20)
08. Burning Bridges (06:46)
09. The Final Revelation (09:30)

„And now we’ll find a way to… ETERNIA !“

Vorwort: Viele haben es bereits damals, beziehungsweise im Jahr 2006 prophezeiht – aus den deutschen Melodie-Metallern von Crystallion könnte schon bald etwas ganz großes werden. Und tatsächlich: wenig später folgte mit Hattin ein sagenhaftes Konzeptalbum. Bis heute ist das aktuellste Album der Band Hundred Days (2009). In dieser (man muss es zugeben: verspäteten !) Rezension soll es jedoch nicht um die neueren Werke der Band gehen, sondern um jenes Einstiegsalbum; welches einerseits der Band als Sprungbrett diente (neben der vergriffenen Demo aus dem Jahr 2005), und andererseits auch den Fans. Genau deshalb empfiehlt es sich auch bis heute als sinnvollstes Album, um sinnig in das musikalische Universum von Crystallion einzusteigen. Legen wir los !

Kritik: Den Silberling eingelegt,  die Lautstärke vorsichtig aufgedreht – was wird den Hörer wohl auf dem etwas sperrig betitelten Album A Dark Enchanted Crystal Night wohl erwarten ? Nun, zu allererst ein kurzes Intro, welches kaum weitere Schlüsse zulässt. In den gerade einmal 55 Sekunden erklingen hauptsächlich stark künstlich wirkende Klänge; es klingt beinahe als ob man sich hier irgendeines drittklassigen Computerprogrammes bediente um einen Treffer zu landen – der Schuss geht verständlicherweise nach hinten los (4/10). Belassen wir es lieber dabei und schreiten zum Opener Guardians Of the Sunrise – denn hier kommt der Sound von Crystallion erstmals in seiner ganzen Bandbreite zum Zuge. Und auch die Produktionsqualität lässt sich anhand dieses Titels beurteilen – und die ist für ein Erstwerk glücklicherweise recht satt; geht also komplett in Ordnung. Doch auch der Inhalt überzeugt sofort – wahrlich ‚catchy‘ wirkende Kompositionen und eine auffällige Vorliebe für beschwingte Melodien machen bereits den Opener zu einem Freudenfest für Liebhaber eines etwas verspielteren, ‚freundlicheren‘ Power Metal. Das heisst de facto, auch Crystallion klingen stellenweise ‚episch‘, wie es sicherlich auch die Intention war – gerade aufgrund der Lyrics – doch definiert sich diese ‚Erhabenheit‘ anders als beispielsweise bei Rhapsody Of Fire. Eine Band wie Freedom Call könnte man schon eher zu einem Vergleich heranziehen. Wichtig sind vor allem eine fast schon übertriebene Eingängigkeit, ein klarer Gesang ohne Scream-Eskapaden; und ein hoher Unterhaltungswert, der vor allem aus der Schwunghaftigkeit der Musik hervorgeht. Into the neverland, take my hand… (8/10).

So knüpft auch Visions an diese Stimmung an, und serviert einen weiteren sehr eingängigen Titel; diesmal allerdings mit deutlicherem Keyboard-Einsatz. Das klingt zwar nicht immer perfekt, aber irgendwie dennoch (oder gerade deswegen ?) charmant, und macht Laune. Ein paar nette Riffs und abwechslungsreiche Soli-Parts machen diesen 8-minüter zwar zu keinem Highlight; aber doch zu einem überdurchschnittlichen Titel den man nicht überspringen wird. Beware the signs of these visions ! (8/10). Ganz anders sieht es dann schon im Fall von Eternia aus – diesen Titel wird man entweder lieben oder hassen. Wobei, wer sich dieses Album zulegt, weiss um die bereits angesprochene Eingängigkeit, und sollte dies auch. Was für andere ein Sakrileg ist, kann ich mir im Falle von Crystallion durchaus ‚antun‘ – etwas schnulzige Klavierklänge mit entsprechend-klischeehaften Gesang und einem typischen Refrain… aber: das Ganze wirkt. Ob nun bei schlechter Laune oder als Abwechslung zum sonstigen Musikkonsum sei einmal dahingestellt. On through the pouring rain and through the raging flame… (10/10).

Mit Crystal Clear folgt ein weitere Titel der Marke überaus eingängig. Hier kommen alle Stärken der Band zusammen: ein dezenter Doublebass im Hintergrund, markante Riffs und der angenehme Gesang machen diesen Titel zu einem echten Kracher. Die Lyrics sind vergleichsweise simpel gehalten, auch der Refrain in seiner Grundstruktur – aber darüber lässt es sich recht gut hinwegsehen, lässt man sich vollends auf die Wirkung des Titels ein. I’m still here, there’s no fear, I will never disappear, I am here, crystal clear (10/10). Das folgende Tears In The Rain hätte dem Titel nach eine Ballade sein können – ist es aber nicht. Und tatsächlich entwickelt das Stück nach einer obligatorischen anfänglichen Eingewöhnungszeit einen recht guten Drive, durch den nicht ganz so klischeebehafteten Refrain und die späteren Soli-Parts (sehr nett !) gerät dieser Titel zweifelsohne zu einem der ‚erwachseneren‘ Stücke der Band. Still unbroken for freedom I’m yearning… (10/10).

Das über 8 Minuten lange Dragonheart (wieder so ein Klischee-Titel !) beginnt noch recht balladesk, doch alsbald schlägt wieder die volle Instrumental-Breitseite zu. Es entstehen gemischte Gefühle: einerseits erscheint die gesamte Instrumentalisierung ein wenig dezenter als s0onst, doch andererseits wirkt gerade der Gesang auffällig ‚gezwungen‘ (erstmalig); die wenig überraschenden Lyrics tun da ihr übriges. Zwar gibt es spätere Soli-Parts, in denen die Gitarren wieder recht ordentlich schrammeln, doch insgesamt schafft es der Titel nicht sinnig über eine Laufzeit von 8 Minuten. Da hilft auch der kontinuierliche Einsatz des Keyboards nicht, beziehungsweise bewirkt eher das Gegenteil… Belive me you can’t kill what doesn’t die ! (5/10). Da lob‘ ich mir doch Burning Bridges – ein Titel, der sogleich mit einem wohligen 80-er Touch beginnt, und gleich darauf wunderbar markante Riff-Reihen präsentiert. So sollen Crystallion klingen – versiert, verspielt, und vielleicht auch mal ein klein wenig überraschend. We are back, back on the street again (10/10). Als Abschluss fungiert dann nur noch der 10-minüter The Final Revelation, welcher dem Album dann noch einmal eine Prise Extravaganz verleiht. Schließlich sind hier zwei Sänger am Werk, die sich ein episches Zwiegespräch liefern. Das lob‘ ich mir; es sorgt für die nötige Abwechslung und klingt auch noch verdammt gut. Ride with the wind, hymns of freedom we sing (10/10).

Fazit: Die Musik von Crystallion könnte im Falle ihres Debüts als absolut harmlos bezeichnet werden – wie das letztendlich zu beurteilen ist, muss jeder nach seinem eigenen Gusto entscheiden. Es wäre nur verständlich wenn das Ganze einigen einfach zu ‚lasch‘ und ‚gedudelhaft‘ daherkommt – doch andererseits gehört ein wenig ‚cheesyness‘ einfach zu einem Genre wie dem des Melodic Power Metal dazu. Nette Texte, ein arkant-klarer Gesang, rhythmische Melodieteppiche sowie manchmal nette und manchmal einfach nur bemühte Samples führen aber vor allem zu einem Gesamteindruck: auch wenn hier keine ‚Perfektion‘ herrscht, ist das Ganze Album äusserst angenehm ausgefallen. Liegt es an der Ehrlichkeit der Musik ? Vielleicht – wenn man sich für eine solche Richtung entscheidet, warum sollte man dem nicht auch nachgehen ? Mich konnten sie jedenfalls überzeugen, ich habe aber auch generell keine Bedenken mir einen ‚fröhlichen‘ (Power-)Metal zu Gemüte zu führen (Freedom Call lässt grüßen). Manche wollen’s eben ‚hart‘ – die sollten dann doch eher zu anderen Band greifen. Schade nur, dass zwei Titel die Durchschnittswertung merklich nach unten ziehen – das sinnlose Intro und das eher schwache (oder schlicht überflüssige) Dragonheart.

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