TV-Kritik / Anime-Review: GUNBUSTER 2 OVA

Typ: OVA (6-teilig)
Original- / Alternativtitel: Top Wo Nerae! 2 / DieBuster
Studio: Gainax
Regie / Drehbuch: Kazuya Tsurumaki / Yōji Enokido, Kazuya Tsurumaki
Land: Japan
Genre: Science Fiction (60 %) / Drama (30 %) / Comedy (10 %)

Super… Inazuma… DOUBLE Kiiiiiiick !

 

Inhalt: Die etwas tollpatschig wirkende Nono ist eine junge Frau, die nicht viel mehr im Sinn hat als ihren manchmal allzu fantastischen Träumen hinterherzujagen. Aktuell verdingt sie sich notgedrungen als Kellnerin – doch in Wahrheit möchte sie eine Weltraumpiloten werden und der Menschheit im Kampf gegen eine außerirdische Gefahr helfen. Aber wie könnte ein ’normales‘ Mädchen wie sie, die offenbar über nicht viele Qualifikationen und Erfahrung verfügt, das schaffen ? Eines Tages aber trifft sie auf Prinzessin Lark, eine erfahrene Weltraum- und Kampfpilotin. Nono ist sofort begeistert – erst Recht als sie erfährt, dass sie eine sogenannte ‚Topless‘ ist. Hierbei handelt es sich um Menschen, die über eine besondere Gabe verfügen und sich so ausserordentlich für den Kampf gegen die ‚Space Monster‘ qualifizieren – nicht zuletzt indem sie die sogenannten Buster-Machines bedienen. Bald schon passiert das unerwartete: eines der außerirdischen Wesen gelangt auf die Erde, wird zur unmittelbaren Gefahr – und wird von Prinzessin Lark bekämpft. Im Zuge der Aktion gerät Nono irgendwie auf die Oberfläche des Wesens, welches gerade zur Flucht gen Himmel ansetzt – worauf sich beide in der Weite des Alls wiederfinden. Allerdings hätte ein vermeintlich normales Mädchen wie Nono bereits dies eigentlich kaum überleben können…

Kritik: Aller Einstieg fällt schwer – dies ist eine Feststellung und ein Gefühl, das untrennbar mit dem Gunbuster-Universum verbunden ist. So macht auch der Nachfolger der ursprünglichen, 6-teiligen Gunbuster-Serie (Anfang der 90er) in dieser Hinsicht nicht viel anders – der Einstieg in DieBuster verläuft eher zäh als wirklich stimmig. Doch wer bereits die ursprüngliche Serie komplett gesehen hat (dies wird auch als ‚Voraussetzung‘ in einem kleinen Vermerk bezeichnet), der weiss; dass man sich in seinem ersten Eindruck nur allzu leicht täuschen kann. So beginnt die erste Episode abermals mit einem relativ belanglos wirkenden Porträt eines der weiblichen Protagonisten (die sich alsbald als Roboter entpuppt, der den Menschen aber in nichts nachsteht) und der entsprechenden Einstiegsgeschichte. Hierbei werden die komödienartigen, sketchhaften Aspekte noch stark in den Vordergrund gestellt: so ist der Hauptcharakter – natürlich – wieder ein recht ansehnlicher, manchmal knapp bekleideter; der dazu noch reichlich schusselig und unbeholfen daherkommt. Man kann also kaum anders, als ihn beziehungsweise eher sie entweder sofort liebzugewinnen – oder aber einen leichten ‚Hals‘ zu bekommen sobald die lautstarken Gesprächs- und Ausruf-Eskapen Überhand nehmen. Denn dies geschieht verdächtig schnell – so dass man das Engagement der japanischen Synchronsprecher hierzulande sicherlich als etwas… auffällig bezeichnen könnte.

Doch wie es bereits bei der Originalserie der Fall war – beginnt sich das gar fantastische Universum voller fortschrittlicher Technologien, fremder Gefahren und interessanten Macht-Strukturen alsbald zu entfalten; wenn die ersten Hürden ersteinmal erfolgreich genommen sind. Erneut dient ein hochinteressantes, geradezu ‚episches‘ Science Fiction-Setting als Kulisse für spektakuläre Auseinandersetzungen zwischen der Menschheit und seltsamen außerirdischen Wesen, die aus irgendeinem Grund äusserst feindselig gegenüber den Menschen sind – ein zeitloser Garant für einen hohen Unterhaltungsfaktor. Im direkten Vergleich zur Originalserie wird man natürlich sofort feststellen: DieBuster wirkt wesentlich farbenfroher, schöner gezeichnet und animiert; und auch die Soundkulisse ist eindeutig zeitgemäßer. Zeitgemäßer… ? In der Tat, doch dies hat wie immer zwei Seiten. Einerseits ist es nur gut und sinnig, sich die immer weiter entwickelnden Möglichkeiten in Bezug auf das Genre des Anime zunutze zu machen – doch andererseits geht so auch – gesetzt, es gibt einen geradezu ‚kultigen‘ Vorgänger wie in diesem Fall – ein wenig des ursprünglichen Charmes verloren. Bereits die Originalserie war überaus detailliert und grandios (beziehungsweise zeitlos) im Porträt des Weltalls in all seinen Facetten – nun könnte einstweilen das Gefühl aufkommen, als wären es der Farben gar zu viele. Richtig – DieBuster ist eine aussergewöhnlich ‚bunte‘ Serie, die auch in Sachen Special Effects eher klotzt als nur kleckert. Zwar sind viele der Szenen durchaus nett anzusehen – doch leider fällt es stellenweise schwer, die Übersicht zu behalten. Die relative Hektik in den Kampfsequenzen unterstützt diesen Eindruck noch zusätzlich.

Doch wie bereits angedeutet – wohnt DieBuster, wie auch schon seinem Vorgänger, eine Seele inne. Eine, die gar nicht so leicht zu charakterisieren ist – die jedoch dazu führt, dass die Motivationskurve nach den ersten 2 oder 3 Episoden geradezu urplötzlich steigt – dann aber sogleich ins Unermessliche. Verantwortlich dafür sind mitunter die sagenhaft ‚epischen‘ Szenen, die in ihrer Ausdruckskraft und ihrem Stil stellenweise den bis heute (2011) unerreichten Qualitäts-Grad aus Evangelion 1.11 und 2.22 vorwegnehmen, und dem Zuschauer die Wahl lässt ob er sich darauf einlässt – oder aber das Ganze mit einem Augenzwinkern betrachtet. Das EVA-Mastermind Hideaki Anno war bei der Produktion nicht mehr an Bord, doch er reichte das Szepter an einen ebenso fähigen Gainax-Kollegen – Kazuya Tsurumaki – weiter. So sind für den geneigten Anime-Zuschauer vielerlei Genre-Referenzen zu erkennen; wobei Evangelion dabei am auffälligsten gerühmt wird (die Originalserie von 1995, der Film End Of Evangelion; und offenbar sogar einige Elemente aus dem später erschienenen Film Evangelion 1.11 – beispielsweise der ‚Schrei‘ von Ramiel). So muss man sowohl Gunbuster als auch DieBuster ohnehin zu den ‚Must-Sees‘ zählen, wenn es um die Filmografie des renommierten Anime-Studios Gainax, und damit auch unmittelbar des EVA-Universums, geht.

Aber auch Nicht-Kennern und Genre-Neueinsteigern wird reichlich Unterhaltung geboten – der Zugang erfolgt über die optisch auffällige, ‚bunte‘ Szenerie, die netten Hintergrundzeichnungen und die bombastischen Action-Elemente. Doch dies ist nicht bloss Fassade – hinter all dem steckt durchaus ein interessanter Erzählkern, gepaart mit einer Vielzahl von abgedrehten Ideen und spektakulären Einfällen. Auch wenn die ‚wissenschaftliche‘ Atmosphäre aus Gunbuster nicht mehr wirklich etabliert werden kann, machen die Darstellungen von mehr als futuristischen Weltraum-Aktionen Spaß, sind ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus (die ambitionierten Sprecher, der Bombast-Soundtrack) und bieten selbst denen, die das Setting als reichlich absurd einstufen (auch dies wäre verständlich) im Gegenzug eine große Portion Selbstironie. Aber, wie kann eine Anime-Serie sowohl ‚episch‘ als auch leicht (selbst-)ironisch angehaucht sein ? Diese schwierige Gratwanderung schaffen nur äusserst wenige Produktionen, wobei gerade DieBuster als ausserordentlich positives Beispiel geführt bezeichnet werden kann – nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase bestehend aus den Episoden 1 und 2. So schlagen die Ideengeber zwei Fliegen mit einer Klappe: sowohl die ‚Die-Hard‘ Fans des übernatürlichen, metaphysischen und schlicht spektakulären (ganze Planeten werden verschoben, schwarze Löcher tauchen auf, Kreaturen und Roboter haben Längenmaße von mehreren Tausend – ! – Kilometern) werden bedient, als auch diejenigen; die Wert auf interessante Charakterporträts, zwischenmenschliches und schlicht absurd-witziges legen. Wobei: in DieBuster muss man nicht zwingend der menschlichen Spezies angehören, um so etwas wie eine Seele zu entwickeln…

Fazit: DieBuster – eine Serie, die man als geneigter Anime-Fan unbedingt gesehen haben sollte; wenn nicht gar gesehen haben muss. Lediglich eine Voraussetzung sollte gegebenenfalls erfüllt sein – nämlich dass man bereits den Vorgänger Gunbuster komplett gesehen und für sich halbwegs schlüssig interpretiert hat. Ansonsten könnte es zusätzliche Fragezeichen in Bezug auf das große Finale geben. DieBuster ist ganz großes, wenn auch ein wenig spezielles Genrekino – nur eben aufgeteilt in 6 Episoden und dementsprechend jeweils mit einem Intro, einem Outro, und einer Vorschau auf die nächste Episode. Intro und Outro wissen besonders in ihrer optischen Zusammenstellung zu Gefallen; über den jeweiligen Soundtrack liesse sich sicherlich streiten (zumal er kaum das wiedergibt, was in der Serie passiert) – doch dieser Aspekt ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heissen Stein. Gunbuster und DieBuster bilden zusammen ein ideenreiches Muss für Fans der gehobenen Mecha-Unterhaltung. Da Gunbuster das ‚Original‘ ist und dementsprechend originärer wirkte; DieBuster aber (verständlicherweise) den besseren technischen Part mitbringt, die selbe Wertung (Parallelreview siehe hier).


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„Nicht weniger als ein Anime-Meisterwerk.“

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