Leitfaden: Wie Werden Kriegsfilme Bewertet ? Tipps & Tricks

Eine der großen Kritikerfragen ist stets die nach dem ‚wie‘ – im allgemeinen, aber sicherlich auch und gerade in Bezug auf ein einzelnes Filmgenre. Das Genre, um das es an dieser Stelle gehen soll, horcht auf den Namen ‚Kriegsfilme‘, wobei in diesem Fall speziell einem bestimmten Subgenre die Aufmerksamkeit gelten soll. Gemeint sind alle Kriegsfilme (rein historische, Dramen, Actioner) die sich direkt mit dem Thema ‚Zweiter Weltkrieg‘ auseinandersetzen, die nicht ohne Grund den wohl höchsten prozentualen Anteil am Hauptgenre ‚Kriegsfilm‘ ausmachen.

Man weiss, dass das (wichtige und nie vollständig ‚aufgearbeitete‘) Thema ‚Zweiter Weltkrieg‘ auch in den Medien bereits unzählige Male verarbeitet, nacherzählt oder interpretiert wurde – so eben auch im erfolgreichen Medium Film. Ohne zwingend eine jegliche Stellung im Hinblick auf die geschichtlichen Ereignisse zu beziehen, muss man sich als Kritiker jedoch zumeist zwei (vorsichtigen) Fragen stellen, die man nur selten vollständig und zu jedermanns Zufriedenheit beantworten kann.

Zum einen ist es die Frage, ob es wirklich (immer) nötig ist, über all die Jahre und Jahrzehnte immer wieder ’neue‘ Filme über den wohl schlimmsten aller Kriege zu produzieren – grundsätzlich und aus moralischen Gesichtspunkten müsste man diese Frage an dieser Stelle sicherlich uneingeschränkt bejahen. Doch was, wenn gerade diese Filme auffällig oft aus der ‚Traumfabrik‘ Hollywoods kommen und zumeist als besonders ’spannend‘, ‚aufdeckend‘ oder ‚wahrheitsgetreu‘ bezeichnet werden ? Es scheint nicht nur so, es ist Fakt dass mit eben diesen Filmen ein ähnliches Geschäft gemacht wie mit anderen – man bedient schließlich und letztendlich den gleichen Markt. Schaut man auf die nie enden wollende Flut an Filmen über unangenehme Dinge wie den Holocaust oder die allgemeine Verbannung der Menschenrechte während der Zeit des Dritten Reiches, muss man sich also die Frage stellen, ob hierbei stets die ‚Aufklärung‘ im Vordergrund der Beweggründe steht; oder nicht gar doch ein weniger humaner.

Natürlich ist diese Form der (filmischen) Aufarbeitung grundsätzlich ’nötig‘, um es noch einmal explizit zu erwähnen – doch folgert sie sogleich in der nächsten oftmals wichtigen (Kritiker-)Frage: kann man diese Filme in Anbetracht des historischen Hintergrundes noch mit den üblichen Maßstäben bewerten ? So erhalten, dies ist unzähligen Plattformen oder anderen Medien zu entnehmen, gerade filmische Werke über den Zweiten Weltkrieg oftmals durchweg positive Bewertungen und allgemeinen Zuspruch – gemessen mit den sonst üblichen Maßstäben. Aber, fliesst hier nicht doch ein größerer, verschwiegener Anteil der ‚moralischen Wichtigkeit‘ der Aufarbeitung mit ein, den man gar nicht explizit ausklammern will oder darf; da man sonst sogleich als ‚verharmlosend‘ eingestuft wird ? So schließt man sich schnell der allgemeinen Masse an, die übliche Maßstäbe wie die Frage nach dem Wahrheitsgehalt – es sei denn man trennt Realität (historische Fakten) und Fiktion (Gefühlsleben oder Interpretationen) bereits von vornherein – oder die technischen Aspekte nicht oder nur kaum zur Bewertung ansetzt.

Was also soll oder ‚darf‘ man tun, um diesem Dilemma zu entgehen ? Sollte man Filme wie Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan oder Das Leben Ist Schön ebenso unvoreingenommen und kritisch anfassen wie jedes andere (Kriegs-)Drama welches sich nicht explizit mit einem bestimmten Krieg auseinandersetzt ? Die Antwort kann nur lauten: natürlich sollte man dies, zumindest soweit es möglich ist.

Ohne einen moralinsauren Dialog anstoßen zu wollen, ist oftmals ein simpler Gedankengang hilfreich: was, wenn in einigen Jahrzehnten folgende Generationen einen Film über den Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Geschichtsunterrichts auf dem Lehrplan haben ? Welcher Film würde das der Meinung der zuständigen Lehrer nach wohl am ehesten sein ? Doch wohl kein Film, der sich lediglich das Thema ‚Zweiter Weltkrieg‘ auf die Brust schreibt, ansonsten aber wenig zu bieten hat (beispielsweise in Bezug auf die Recherchearbeit, die Detailtreue, die Inszenierung) – genau diese Fragestellung beziehungsweise diese Suche nach den ‚besten Filmen‘ dieser Art ist also ebenso eine ‚Mission‘ für Filmkritiker, wie sie es im allgemeinen auch ist. Keinesfalls sollten hier andere Maßstäbe geltend gemacht werden; die letzte Schlussfolgerung für den Blog Oliverdsw.Wordpress kann also nur lauten: man sollte nicht gleich lauthals aufschreien, wenn man einen (zu) niedrig bewerteten Film zum Thema Zweiter Weltkrieg entdeckt.

Die einzige Voraussetzung, und dies ist dann das mitunter einzig ’spezielle‘ an Filmen zum Zweiten Weltkrieg; ist die, dass man ein Grundmaß an Geschichtswissen und ein halbwegs übliches Moralverständnis mit an den Tag bringen sollte – natürlich nur, wenn man selbst einen entsprechenden Film begründet bewertet, wie es Kritiker eben gerne tun. Als Zuschauer sei weiterhin jedem das vergönnt, was er selbst für richtig erachtet.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Leitfaden: Wie Werden Kriegsfilme Bewertet ? Tipps & Tricks

  1. Hör mir auf mit Kriegsfilmen. Ich hab letztlich „The Hurt Locker“ gesehen und diese Grütze hat tatsächlich 6 Oscars abgeräumt. What da fuck????? Sobald irgendein Kriegsthema in Hollywood verwurstet wird kann man den Film in die Tonne kloppen. Das bezieht sich jedenfalls auf die neuzeitlichen Filme. Schrecklich diese „wir sind die Guten und alle anderen sind die Bösen“ US Army Propaganda.

    Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s