Filmkritik: „Zombie – Dawn Of The Dead“ (1978)

Originaltitel: Dawn of the Dead
Regie: George A. Romero
Mit: Ken Foree – Scott H. Reiniger – David Emge u.a.
Laufzeit: 141 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

„Lust auf eine Shopping-Tour der besonderen Art ?“

Inhalt: In den USA ist die Hölle los, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Polizeieinheiten sehen sich plötzlich nicht mehr mit den üblichen Verbrechen konfrontiert, sondern mit einer Horde Untoten. Das Problem ist offensichtlich: selbst wenn man einige der seelenlosen, aber dennoch überaus gefährlichen Kreaturen ausschalten würde, kämen dafür andere nach. So scheint sich die Menschheit immer weiter zu dezimieren – einige kämpfen noch immer auf verlorenem Posten, andere streiten sich vor laufenden Fernsehkameras über Recht und Unrecht in Bezug auf das Liquidieren der Zombies, und wieder andere versuchen irgendwohin zu fliehen. Wie auch Reporter Stephen Andrews (David Emge), seine Freundin Francine (Gaylen Ross), Roger (Scott H. Reiniger) und Peter (Ken Foree); die gar einen Helikopter zur Verfügung haben. Gemeinsam haben sie ab, auf zu einer Reise ins Ungewisse – bei der sie verständlicherweise einige Zwischenstopps machen müssen, nicht zuletzt um aufzutanken. So landen sie alsbald auf einem Dach eines riesigen Einkaufszentrums, und erforschen selbiges daraufhin ausgiebig – sie entscheiden sich, vorerst dort zu bleiben. Doch es wird keinesfalls leicht werden, denn… „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück“ !

Kritik: Achtung, Gefahr – es ist immer ein wenig ‚tricky‘ aus einer späteren Sicht über nunmehr in die Jahre gekommene Filme zu urteilen; besonders dann, wenn es sich um echte ‚Kultklassiker‘ oder Meilensteine für das jeweilige Genre handelt. So auch im Fall von George A. Romeros Dawn Of The Dead, hierzulande auch bekannt als Zombies Im Kaufhaus; der als Grundlage für zahlreiche weitere Zombie-Filme dienen sollte. In diesem Fall liegen mehr als 30 Jahre zwischen dem ursprünglichen Erscheinungsdatum (1978) und dem Zeitpunkt der Rezension (2011) – was eine zusätzliche Herausforderung für den jeweiligen Autor bedeuten kann. Sollte man sich möglichst dem damaligen Zeitgeist annähern und versuchen, das Ganze aus der Perspektive der ursprünglichen Zuschauer zu betrachten ? Oder sollte man, wie es vielleicht auch die Intention des Filmemachers war, das jeweilige Werk als zeitloses Porträt behandeln, welches – im besten Fall – bis heute nichts von seiner Aussagekraft verloren hat ? Immerhin zeigen andere Werke differenter Genres, wie der durchaus zeitlose 2001 – Odyssee Im Weltall, dass man durchaus ‚Filme für die Ewigkeit‘ erschaffen kann. Möglich ist es also – nur, ist das auch George A. Romero mit seinem eigentümlichen Zombie-Film gelungen ? Vorab ist bereits eines klar: leichter hat er es nicht, da das Genre des Survival-Horror nicht ganz so frei interpretierbare oder gar ‚fantastische‘ Inhalte offeriert; sondern vielmehr den jeweiligen Zeitgeist, eine Momentaufnahme der Ängste und Befürchtungen einer Generation, widerspiegelt.

So behandelt Dawn Of the Dead eine grundlegende Angst, die sich mit einer epedemie-artigen Mutation und einer daraus folgenden Anarchie und Hilflosigkeit auseinandersetzt. Unzählige Zombies überrennen das Land – und weder das Militär noch die (sich durchaus zur Wehr setzenden) Menschen auf der Straße können nennenswertes dagegen ausrichten. So keimt eine stille Hoffnung auf – eine Hoffnung auf ein noch reines, unbeflecktes ‚gelobtes‘ Land, in dem die Menschen noch sie selbst sein und auch bleiben können. In der Tat ist dies auch einer der wichtigsten Interpretationsansätze wenn es um die Deutung des Filminhaltes geht – sofern man als Zuschauer überhaupt geneigt ist, so ‚weit‘ zu gehen. Denn schließlich porträtiert der Film in erster Linie eines: einen (temporären) Überlebenskampf einiger weniger Hauptprotagonisten, die sich in einem Kaufhauskomplex verschanzen. An sich eine gute und damals sicherlich originelle Idee – so ist das Kaufhaus als eine halbwegs sichere Bastion gegen das Unheil zu sehen, welches, einmal ‚gesäubert‘ – einen sicheren Unterschlupf bieten könnte. Ist die akute Gefahr, nämlich die der ersten Stufe gebannt (die Zombies), heisst das allerdings noch nicht, dass nun Friede herrscht – die Auswirkungen der zweiten Eskalationsstufe (die Anarchie) sollen sich ebenfalls bemerkbar machen. Wenn auch vergleichsweise spät, im Filmkontext – ein Großteil porträtiert tatsächlich nur das Einfinden, Einrichten und ‚Überleben‘ an sich im Kaufhaus.

So weit, so gut – doch Dawn Of The Dead hat mitunter auffällige Schwächen. Dies beginnt mit dem recht abrupten Start in die Szenerie, die bereits den aktuellen Status Quo beschreibt (Zombies haben Menschen überrannt, man ist machtlos) – weitere Veränderungen werden folglich nicht stattfinden. Auffällig ist, dass gerade diese Anfangsszenen von einer gewissen Hektik geprägt sind; erst sind es die zahllosen Dialoge und Auseinandersetzungen vor der Kamera, später dann die etwas eigenartig anmutenden Szenen in einem von Zombies besetzten Gebäude. Alsbald gesellt sich ein weiterer Faktor hinzu: der der Unstrukturiertheit. Doch es dauert nicht lange bis klar wird: dies ist genau so beabsichtigt, schließlich soll ein Gefühl für die ‚Bedrohung‘ und die nun gesellschaftliche Unübersichtlichkeit entstehen. Bis hier ist dem Film also noch wenig vorzuwerfen – doch dann folgt der Wurf ins kalte Wasser. Oder sollte man eher sagen, ins lauwarme ? Denn was die Hauptcharaktere nun an Hektik und Fluchtwillen hinter sich lassen, mündet in einer unendlich desolaten Eintönigkeit. Einmal im Kaufhaus angekommen, zeigen sich die Charaktere (unpassenderweise) nicht gerade von ihrer ‚lebendigen‘ Seite – was zu auffällig vielen unfreiwillig komischen Situationen führt. Gesetzt dem Fall die beschriebene Planlosigkeit und Nicht-Emotionalität (mit all den unmotivierten Handlungen, starren Gesichtern und Leerlaufzeiten) gehört zum Konzept des Films – hätte man selbigen unbedingt um einige Minuten kürzen müssen. In der ungeschnittenen Fassung beläuft sich die Spieldauer nämlich auf gut zweieinhalb Stunden – man wird sich unweigerlich die Frage stellen, wofür soviel Zeit benötigt wird. Der Plot, sofern es einen gibt neben dem grundsätzlich Plot-unabhängigen Überlebenskampf – kommt nicht voran, es gibt kaum Wendungen oder Überraschungen; generell wird dem Zuschauer auffällig wenig geboten wenn es bei Dawn Of The Dead um die Existenz als Medium ‚Film‘ geht.

So stellt sich die ‚ungeschnittene‘ Fassung zugleich als kleine Mogelpackung heraus – zwar hält sich der Gewaltgrad nicht gerade in Grenzen wenn es dann einmal so weit ist – doch die wirklich ‚bedenklichen‘ Szenen lassen sich an einer Hand abzählen. Man erhält lediglich weitere Minuten an Laufzeit – nicht jedoch an Inhalt. Etwas unpassend erscheinen auch die mitunter auffälligen und nervigen Logik-Löcher und Filmfehler, gepaart mit einer nicht-Nachvollziehbarkeit einzelner Charaktermotivationen (warum bei Zombies zögern, dafür aber noch lebende Menschen kaltblütig ermorden ?) oder ausgeführten Handlungen (die länglichen und recht sinnfreien Szenen mit den Lastwagen). Der bereits erwähnten Emotionslosigkeit zum Trotz haben die Charaktere so manches Mal doch noch einen ‚Heidenspaß‘ – warum, wird allerdings nicht ganz ersichtlich. Da wird dann ein wenig Katz-und-Maus mit den Zombies gespielt, im CB-Funk gespäßelt oder eben ‚eingekauft‘ – alles, nur nicht das was man selber in einer solchen Situationen in den Einkaufskorb packen würde. Des weiteren wird kaum ersichtlich, warum gerade diese Zombies so gefährlich für die Menschheit sein sollten – das mitunter schwerwiegendste Manko des Films. Typischerweise dient ein Biss als Ansteckungsmethode; doch diese Kreaturen sind derart langsam und behäbig unterwegs, dass man, richtig: einfach an ihnen vorbeigehen kann oder sie bei Bedarf schnell weg- oder umschubst. Bis sie wieder aufstehen dauert es dann eben seine Zeit (was nicht erklärt, warum sie später doch noch eine Leiter benutzen können), und wenn es (seltenerweise) doch einmal hart-auf-hart kommen sollte, genügt ein Schuss in den Kopf. Wie… unspektakulär, und irgendwie nicht gerade furchteinflößend.

Sicher ist verständlich, dass man dem technischen Part des Films so gut wie nichts ‚anhaben‘ kann, auch oder gerade nicht aus einer heutigen Sichtweise – dass man dem Film sein Alter durchaus ansieht, war zu befürchten. So gibt es keine nachträglich verbesserte Version, die Bildqualität (besonders in Bezug auf die Schärfe, Helligkeit und Farben) lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Klangqualität. Während man in Bezug auf den optischen Gesamteindruck also nur wenig (vergleichsweise) Mittel zur Verfügung hatte und das Ganze nur bedingt ausbaufähig gewesen wäre (durch einen ansprechenderen Kamera-Einsatz beispielsweise), soll und darf ein weiteres Stilmittel allerdings nicht verschont bleiben – richtig, die Filmmusik. Über die Auswahl könnte man noch streiten, auch wenn sich ein Großteil davor grauen wird – nicht jedoch über den wenig dezenten Einsatz. Selten gab es eine Filmmusik, die so aufdringlich und laut in den Vordergrund gestellt wird wie in Dawn Of The Dead – eine oftmals unpassend erscheinende noch dazu. Das letzte Wort gilt den Darstellern, die man in diesen Rollen nicht wirklich ernst nehmen kann – doch daran sind sie selbst nur höchst selten Schuld.

Fazit: Kult ist nicht gleich Kult – kein Film könnte dies besser veranschaulichen als Dawn Of The Dead. Abgesehen von der interessanten Idee und einigen Momenten der Umsetzung bietet dieses 1978’er Werk so gut wie keine Vorzüge – besonders nicht für heutige Verhältnisse. Eine unendliche Monotonie gepaart mit unmotivierten Charakteren und reichlich planlosen Handlungen lassen einen entweder vorzeitig und mental abschalten – oder aber verständnislos die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eine wesentlich verkürzte Spieldauer hätte vielleicht schlimmeres verhindert – aber so bleibt einem nur das Rätseln. Ein Rätseln darüber, wie der Film von der Presse so gelobt werden konnte, und wieso er nach wie vor einen solch markanten Kultstatus besitzt. Doch gibt es wiederum Filme mit einem ähnlichen Schicksal (Blade Runner – als Gegenbeispiel Odyssee Im Weltall)… es reicht einfach nicht, der erste seiner Art zu sein.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Zombie – Dawn Of The Dead“ (1978)

  1. Welche Schnittfassung hast du dir eigentlich angesehen. Es existieren 3 offizielle (es gibt noch mehr, aber das sind alles eher Abwandlungen dieser drei Versionen): Kinofassung, Director’s Cut und…tata…der sog. Euro auch Argento Cut genannt. 🙂 (komm mir grade vor als ob wir über Blade Runner diskutieren würden^^) Letztere ist etwas kürzer geschnitten und fällt damit nicht so „langatmig“ aus. Wenn dir die Bildqualität nicht gefällt, wie wärs mit einer gemeinsamen Sichtung auf dem Medium Blu-Ray? 🙂 Interessant: Laut Wikipedia soll es eine rare japanische Fassung geben, bei dem der Film mit dem Soundtrack von „Suspiria“ untermalt wurde und die Erklärung, dass ein Meteor in der Atmosphäre explodiert sei und nun die dadurch aufgetretene Strahlung die Toten zum Leben erwecke. LOL Meine allumfassende Wertung liegt irgendwo bei 8,5/10.^^

    Zitat Wikipedia:

    „Argento Cut
    Dem „Argento Cut“ (auch bekannt als „Italian Version“ oder „Euro Version“) fehlen einige Dialoge und Szenen, die der Charakterentwicklung dienen und betont stärker die Abenteuer- und Gewaltaspekte des Films. Argento verzichtete auf den Humor der Romero-Fassungen und benutzte als Filmmusik fast ausschließlich die düsteren Stücke von Goblin. Die sozialkritischen Elemente, die Romero beabsichtigte, litten durch Argentos Schnitt etwas – dafür gilt diese Version jedoch als die temporeichste und filmrhythmisch vorteilhafteste. Sie gilt daher als Action-reicher, erreicht aber für viele Fans nicht die stilistische und atmosphärische Dichte der Romero-Version. Wenngleich diese Fassung kürzer als die von Romero ist, finden sich hier Szenen, die den US-Fassungen fehlen. Diese Version ist die Grundlage der meisten europäischen Fassungen. George Romero äußerte sich negativ über diese Version. (etwa 115 bis 117 Minuten) „

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      1. Konnte die Schnittfassung geklärt werden? Der Romero-Cut, bei dem viel Wert auf Charakterentwicklung gelegt wurde, ist nur 126 Minuten lang.
        Der aktionreiche Argento Cut hat sogar nur ca 116 Minuten.
        Irgenwie scheint hier eine total verkorkste Version beurteilt zu werden.

        PS: Zombies im Kaufhaus ist genial!

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