Filmkritik: „Priest“ (2011)

Originaltitel: Priest
Regie: Scott Charles Stewart
Mit: Paul Bettany – Karl Urban – Cam Gigandet u.a.
Laufzeit: 88 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Abenteuer / Action / Horror

„Niemand stellt sich den Priestern in den Weg !“

Inhalt: Im Priest-Universum tobt seit Jahrhunderten eine erbitterte Schlacht – zwischen den Menschen und blutrünstigen Vampiren. Während sich die überlebenden unter dem Scheffel der nunmehr omnipräsenten Kirche hinter riesige Stadtmauern zurückgezogen haben, schlummern ausserhalb dieser Mauern neue Bedrohungen – doch davor verschließt die Kirche Augen und Ohren. Schließlich war sie es; die mit den Priestern, unglaublich starken Elitekriegern, der Vampirhorde einst die Stirn bot – und siegreich aus einer großen Schlacht hervorging. So glaubt man schlicht nicht an ein erneutes Aufkeimen der gefährlichen Vampir-Saat. Doch als die Nichte eines Priesters (Paul Bettany) entführt wird, macht sich dieser auf, sie zu retten – er glaubt fest an die Wiedererstarkung der Vampire. So geht er ohne die Zustimmung der Kirche hinaus in die Weiten der kahlen Prärie – mehr noch, die Kirche schickt gar andere Priester hinter ihm her um ihn für diesen Frevel der Lossagung von der Kirche zu bestrafen. Auf diesem Weg trifft er auf alte Bekannte – die mal weniger und mal eher freundlich gesinnt sind. Eines ist klar: am Ende dieser Reise steht eine Konfrontation, die über das Schicksal der verbleibenden Menschen entscheiden wird.

Kritik: Das Setting von Priest ist in einer post-apokalyptischen Wüstenwelt voller Gefahren angesiedelt – die man mit dem 2011’er Release erstmals in Realform auf die Leinwand bringt. Ursprünglich als Comicstoff ausgelegt, versucht die Geschichte um einen kampferprobten Priester diesem Ursprung einerseits treu zu bleiben; andererseits aber auch eine neue, für den Realfilm angepasste Seite von sich zu offenbaren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Film mit einer etwas anderen Eröffnungssequenz beginnt – einer Erzählpassage im Comic-Look, die auf die Vorgeschichte eingeht und den Zuschauer so auf das noch folgende vorbereitet. Was danach folgt, gleicht am ehesten einer abenteuerlichen Mixtur aus vielen Fimgenres und stellenweise sogar auffälligen Vorbildern: sei es nun Star Wars, Mad Max oder die Masse an Filmen in denen futuristische ‚Wüstenstädte‘ als letztes Refugium der Menschheit dienen – vieles wird dem geneigten Zuschauer bekannt vorkommen. So erfindet Priest das Genre keinesfalls neu – gesetzt, man wollte dem Film tatsächlich nur ein einziges zuschreiben. Denn neben der, richtig: abenteuerlichen Stimmung ausserhalb der Stadtmauern (Abenteuer) dient eine fortgeschrittene, von einer einzigen Institution kontrollierte Stadt mit entsprechenden Technologien (Science Fiction, Cyberpunk) ebenso als Kulisse wie das Vampir-Setting (Horror). Und auch die Action kommt nicht zu kurz, wobei meist länger auf eine entsprechende Sequenz hingearbeitet wird – die dann etwas ausführlicher porträtiert wird (Das ‚Zugduell‘).

So kann man sich – leider – kaum des Eindrucks erwehren, dass der Inhalt von Priest ein wenig ‚zusammengeklaubt‘ wirkt, und letztendlich kein stimmiges, großes Ganzes ergibt – das Abwechseln mit den einzelnen Genre-Versatzstücke erschwert das atmosphärische Eintauchen in die Szenerie. Doch es gibt noch einen weiteren Faktor, der diesem Eindruck zusätzlich dienlich, dass heisst negativ zu bewerten ist: die überraschend knappe Spieldauer lässt kaum Spielraum für eine stimmige Einführung in die Welt von Priest. Hier ‚muss‘ alles recht schnell gehen, und vor allem auch vereinfacht dargestellt werden: von einem ‚epischen‘ und ‚Jahrhunderte‘ andauernden Kampf zwischen Menschen und Vampiren gibt es keine Spur – mit Ausnahme der Priester als Folgeerscheinung. So kommt es, dass die comicartige Einstiegssequenz als einzige eine auffälligere erzählerische Tiefe aufweist – und man danach alles auf einen typisch-hollywoodlastigen Zweikampf herunterbricht. Das hätte – in Anbetracht des vielversprechenden Settings – einfach nicht passieren dürfen. Stichwort Zweikampf: wer nun genau beteiligt ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden – doch dies sollte bereits nach den ersten Film-Minuten ersichtlich werden. Das lässt auf einen weiteren Aspekt schließen: den der Vorhersagbarkeit. Und tatsächlich bietet der Film kaum Wendungen oder Überraschungen, und krönt das Ganze zu allem Überfluss noch mit einem Happy-End, wie man es sich fast nicht ’schöner‘ hätte vorstellen können. Immerhin hielt man sich – allem Anschein nach – die Möglichkeit für einen zweiten Teil offen, sodass man nicht das Sakrileg begeht schon nach 88 Minuten komplett (!) mit dem Priest-Universum abschließen zu können. Da gibt es sicherlich weitaus flachere Grundideen und Settings, die dieses Schicksal schon eher verdient hätten.

Aber dennoch: so richtig will der Funke einfach nicht überspringen. So kommt es, dass die Film-Wirkung bildlich betrachtet die gesamte Zeit auf der Kippe steht und droht, in den Bereich des Belanglosen abzudriften. Vereinzelte Szenen mit abenteuerlichen Bewegungsabläufen und Ideen in der Choreografie der Kämpfer (‚laufen‘ auf in die Luft geworfenen Steinen) machen es nicht unbedingt besser, so auch nicht die obligatorischen ‚Verschonungssequenzen‘ die den Plot künstlich aufrechterhalten oder zumindest weitere Filmarbeit vermeiden (beispielsweise Make-Up, ausgehend von der geworfenen Öllampe mit dem Ausruf ‚brenne!‘). Immerhin kann so der ein oder andere (unfreiwillige) Lacher generiert werden, denn die offensichtlich zwecks ‚Auflockerung‘ eingestreuten Szenen oder Dialoge sorgen eher für unverständnisvolles Kopfschütteln. Es bleibt der technische Part, der mit ebenso gemischten Gefühlen betrachtet werden kann: die Optik, der Schnitt und der Soundtrack bieten jeweils grundsolide Handwerksarbeit, hinterlassen allerdings auch keinen nachhaltigen Eindruck. Stellenweise wirkt der Film etwas zu dunkel, in anderen Momenten dann schon wieder fast zu grell (Zugfahrt durch Wüste). Die Kampfeinlagen sind stellenweise nett anzusehen und nicht unnötig brutal (FSK 16), doch Choreografien wie die auf dem Zugdach kommen einem abermals auffällig bekannt vor (Matrix). Die Darsteller leisten hier mittelmäßige Arbeit, beziehungsweise rührt dieser Eindruck von ihren doch recht oberflächlich gezeichneten (und dennoch nicht vor Overacting gefeiten) Rollen her.

Fazit: Priest erfindet das Rad nicht neu, im Gegenteil – wer frische Ideen, Innovationen oder einen vor Spannung berstenden Plot erwartet, wird gnadenlos enttäuscht werden. Eine simpel erzählte Geschichte mit leichten Identifikationsproblemen (Genrezugehörigkeit, Filmvorbilder; siehe oben) trifft auf einen nicht immer perfekten technischen Part – schade, da hätte weitaus mehr draus werden können. Oder vielleicht sogar müssen… ?

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