Filmkritik: „Contact“ (1997)

Originaltitel: Contact
Regie: Robert Zemeckis
Mit: Jodie Foster – Matthew McConaughey – Tom Skerritt u.a.
Laufzeit: 150 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction (60 %) / Drama (40 %)

„Endlich antwortet mal jemand !“

Inhalt: Die Wissenschaftlerin Dr. Ellie Arroway (Jodie Foster) hat alles andere als ein leichtes Leben. Ihre Mutter konnte sie niemals kennenlernen – denn sie verstarb bereits bei ihrer Geburt. Folglich baute sie eine umso stärkere emotionale Bindung zu ihrem liebevollen Vater auf – und frönte mit ihm gemeinsam einem Hobby, welches es ihr seit jeher angetan hat: der Astronomie. Doch nur wenige Jahre stirbt auch ihr Vater – und obwohl Ellie noch ein kleines Mädchen ist, gibt sie sich heimlich die Schuld. Seit diesem verhängnisvollen Tag hofft sie darauf, ihren Vater eines Tages wiedersehen zu können – und stürzt sich wenig später vollends in ihre Arbeit als Wissenschaftlerin. Sie avanciert alsbald zur Leiterin des sogenannten SETI-Projekts (Search for Extra Terrestrial Intelligence), in dem sie mit ihrem Team nach Spuren außerirdischen Lebens forscht; genauer gesagt nach speziellen Signalen. Und tatsächlich: kurz bevor dem kostspieligen und zeitintensiven Projekt das Aus drohte, wird ein Signal empfangen. Nach der anfänglichen Skepsis einiger Beteiligten wird schnell klar, dass kaum ein Zweifel an einer außerirdischen Herkunft des Signales besteht. Mehr noch: innerhalb der komplexen Botschaften versteckt sich eine Art Bauplan, der offenbar den Kontakt mit den noch unbekannten Wesen ermöglichen soll. Doch wer würde sich am besten für eine repräsentative Vertretung der Menschheit anbieten, ja; kann es einen solchen Menschen überhaupt geben ?

Kritik: Ja, es ist immer so eine Sache mit Science Fiction-Filmen aus den USA – gerade wenn es explizit um den Kontakt mit ‚fremden Lebensformen‘ in wie-auch-immer gearteten fiktionalen Zukunftsvisionen geht. Oftmals erleiden Filme dieser Art ein ähnliches Schicksal: mal ist das Budget zu hoch (Effekte vor Inhalt) oder zu niedrig (Eindruck von ‚Trash‘), mal dienen geradezu hanebüchene Ideen und Drehbuch-Umsetzungen als Vorlage, und noch viel öfter entlocken diese Filme dem Zuschauer nicht viel mehr als ein müdes Lächeln. Und das, wo dieser doch im besten Falle eine Gänsehaut bekommen und ein empathisches Gefühl für die wahrlich aussergewöhnlichen Situation entwickeln sollte ! Glücklicherweise erschien im Jahre 1997 Contact, ein Film der gleichsam gespickt ist von Elementen der Science Fiction – aber eben auch von nicht wenigen Drama-Anleihen. Nach vielen Enttäuschungen sollte also kurz vor der Jahrtausendwende wieder ein Film das Licht der Welt erblicken, der in gewisser Hinsicht als Vorzeigebeispiel des Genres fungieren könnte. Was 2001 – Odyssee Im Weltall an Charakterbezügen und nachvollziehbaren Elementen vermissen liess (ihn aber keinesfalls zu einem schlechten Film machte, nachzulesen hier) bringt Contact in Form eines ebenso exzentrischen wie sympathischen Hauptcharakters und größtenteils authentisch porträtierten Ausgangssituationen auf der Erde mit – und das ganz ohne dabei den Sci-Fi-Aspekt in den Hintergrund rücken zu lassen.

So könnte man Contact sinngemäß in zwei ‚Teile‘ aufteilen – nicht in Bezug auf die Spieldauer, sondern vielmehr in Bezug auf die behandelten Themen. Natürlich dient der explizite ‚Kontakt‘ als Aufhänger und Katalysator für die Story im gesamten, doch ein nicht unerheblicher Teil fokussiert sich auf den allzu irdischen beziehungsweise menschlichen Einflüssen auf die Szenerie. Sowohl das Leben von Dr. Ellie Arroway wird ausführlich vorgestellt, als auch die politischen Gegebenheiten in den USA porträtiert – sodass man als Zuschauer alles andere als in ‚kalte Wasser‘ geworfen wird was die weiteren Plot-Entwicklungen betrifft. Im Gegenteil, man bekommt eine Hauptfigur an die Seite gestellt, mit der man sich recht problemlos identifizieren kann; und vor allem auch: die man in ihren Beweggründen verstehen kann. Ein ‚mitfiebern‘ wird also im besten Fall nicht ausbleiben, wohl auch aufgrund eines anderen Faktors: trotz einer Spieldauer von satten 150 Minuten kommt so gut wie nie Langeweile auf. Immer wieder wechselt der Fokus – vom Porträt der Wissenschaftlerin über den ersten Kontakt hin zum ‚Auswahlverfahren‘ der Mission und schließlich dem tatsächlichen Ausflug in unbekannte Sphären – um letztendlich ein halbwegs schlüssiges und zusammenhängendes Ganzes zu ergeben.

Halbwegs ? In der Tat – die Ereignisse in Contact sind nicht durchgängig nachvollziehbar, nicht in Bezug auf die Verständnisebene – aber doch auf die der Glaubwürdigkeit. So manches Mal schweift man dann eben doch ein wenig ab – was nicht erst mit dem abenteuerlichen Ausflug in das All beginnt. Auch das Finale beziehungsweise das letztendliche ‚Resümee‘ ist nicht vollständig zufriedenstellend ausgefallen, plotrelevante Fragen tauchen zwar nicht auf – doch wird das vorangegangen dann doch wieder relativ schnell abgehandelt – wie kurz zuvor auch die Reise und ein gewisses Aufeinandertreffen ‚zweier‘ Charaktere, welches eigentlich als ‚Höhepunkt‘ des Films hätte dienen sollen. Hier hätte man sich ruhig noch etwas mehr Zeit lassen können ! Doch insgesamt schafft es der Film durchaus, den Sci-Fi-Nerv zu treffen und so zum Nachdenken, Spekulieren und Grübeln anzuregen; in der berühmt-berüchtigten ‚was-wäre-wenn‘-Manier. Dem dienlich ist auch der durch-und-durch ansprechende technische Part, der kaum Wünsche offen lässt. Gute und sympathische Darsteller, halbwegs intelligente Dialoge, eine gelungene Optik (abgesehen von einigen eindeutig zu künstlichen Spezialeffekten), abwechslungsreiche Schauplätze und ein wenig aufdringlicher Soundtrack – alles in allem macht Contact kaum etwas falsch.

Fazit: Wer generell ein Faible für gute Science Fiction-Filme hegt, die über simple gut-böse-Szenerian hinausgehen und neben der ‚tatsächlichen‘ Sci-fi (fremde Wesen, die Weiten des Alls, atemberaubende Technologien) noch einen ordentlichen Drama-Part servieren – der sollte bedenkenlos zu Contact greifen können, ohne dabei enttäuscht zu werden. Sicher, ganz so weit aus dem Fenster lehnt man sich nicht, bis auf die Special Effects übt sich das Produktionsteam eher in Zurückhaltung (in Sachen Erzählebenen, Interpretationsangeboten, potentiellen Aussagen) – was Contact zwar noch lange nicht zu einer subtil-unterschwelligen Granate a’la Odyssee Im Weltall macht; aber immerhin zu einem mehr als nur grundsoliden Sci-Fi-Film.

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