Filmkritik: „2010 – Das Jahr In Dem Wir Kontakt Aufnehmen“ (1984)

Originaltitel: 2010
Regie: Peter Hyams
Mit: Roy Scheider – John Lithgow – Helen Mirren u.a.
Laufzeit: 116 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction

„Russen und Amerikaner, so haltet doch endlich ein !“

Anmerkung: Der Film 2010 bezieht sich unweigerlich auf die Geschichte und die Ereignisse des Films 2001 (1968) von Stanley Kubrick. Man muss den Originalfilm nicht zwingend gesehen haben, doch wäre es zwecks eines besseren Verständnisses und einer Nachvollziehbarkeit zumindest hilfreich.

Inhalt: 9 Jahre nach den Ereignissen aus 2001 (Link) hat Dr. Heywood Floyd (Roy Scheider), der sich für die Leitung der 2001er Mission und damit die Reise zum Jupiter verantwortlich zeichnete, noch immer keine Ruhe. Aber wie auch – seitdem es still an Bord des nunmehr irgendwo im All schwebenden Raumkreuzers Discovery wurde, haben die Amerikaner auch 9 Jahre später noch keine Erklärung für das, was damals geschehen ist; geschehen sein könnte. Doch zwischenzeitlich hat sich auch die politische Lage auf der Erde zugespitzt, was weitere Forschungen vorerst in den Hintergrund rücken liess – der Kalte Krieg ist in vollem Gange. Wie es das Schicksal will haben nun jedoch die Sowjets als einzige ein Schiff das eine so weite Reise wie die zum Jupiter antreten könnte – die Aleksei Leonov. Nur missmutig lässt sich die sowjetische Crew um Kosmonautin Tanya Kirbuk (Helen Mirren) auf einige amerikanische Gäste an Bord ihres Schiffes ein – doch sie braucht das Team um Dr. Heywood Floyd, HAL-Konstrukteur Dr. R. Chandra (Bob Balaban) und Ingenieur Dr. Walter Curnow (John Lithgow). Denn sie alle verbindet ein gemeinsames Ziel: endlich hinter die Wahrheit der seltsamen Monolithen und den Verbleib der verschollenen Crew der Discovery zu kommen.

Kritik: 2010 – Das Jahr In Dem Wir Kontakt Aufnehmen ist offensichtlich als Nachfolger zum 1968 erschienenen Filmklassiker 2001: Odyssee Im Weltall angelegt – und macht dementsprechend keinen Hehl daraus, sich stark sowohl an der eben genannten Filmvorlage, als auch am Buchstoff von Arthur C. Clark zu orientieren. So wird die ehemals aufgebaute Geschichte um die seltsamen schwarzen Monolithen weitergeführt, wobei nicht nur diese in ihrer Gänsehaut-auslösenden Manier erneut auftauchen – sondern auch der Supercomputer HAL 9000 und ein gewisser, wichtiger Originalcharakter des ursprünglichen Films. Wer nun (vielleicht berechtigterweise) vermutet, dass einige der ursprünglichen Fragen aus 2001 endlich beantwortet würden, der liegt jedoch falsch. Zwar nehmen die ‚Außerirdischen‘ (oder welche metaphysische Lebens- oder Daseinsform auch immer) erneut Kontakt auf, und das dieses Mal sogar noch weitaus expliziter – für was genau die Monolithen allerdings stehen, was geschieht wenn man sie berührt, was mit den ‚verschwundenen‘ Forschern geschieht oder was für Ziele diese geheimnisvolle ‚Macht‘ tatsächlich hegt, das bleibt nach wie vor schleierhaft. Vielleicht ist das auch ganz gut so – schließlich wollte man dem Original keinesfalls den Charme des undurchsichtig-mysteriösen rauben, in dem man den Zuschauer nun endlos aufklärt.

Mindestens eine Antwort gibt es dann aber doch serviert: nämlich die auf die Frage, was mit dem Supercomputer HAL 9000 geschehen sein könnte beziehungsweise warum er so ‚fehlerhaft‘ arbeitete, was bekanntlich einigen Wissenschaftlern zum Verhängnis wurde. So halten sich die ansatzweisen ‚Enthüllungen‘, das Aufbauen auf die alten Mysterien und sogar noch das Einführen neuer Fragen die Waage, was zweifelsohne positiv zu bewerten ist. Allerdings gibt es einige andere Faktoren, die 2010 weitaus expliziter in eine bestimmte Richtung lenken, als dies noch bei 2001 der Fall war. So bleibt das Setting grundsätzlich das gleiche, doch bekommt es einen enormen ‚Erden-Touch‘ spendiert: schließlich tobt der Kalte Krieg, die USA und die UDSSR liegen sich mächtig in den Haaren und treiben ihre Machtspielchen. Umso ungünstiger ist es da, dass die neue Crew größtenteils aus Russen und zu einem kleinen aber wichtigen Teil aus Amerikanern besteht – Konflikte sind hier vorprogrammiert. Allerdings ist die Grundidee dieser vermeintlich spannenden Differenzierungen (‚im Weltall gibt es wichtigeres als irdische Probleme‘) selbst für das Produktionsjahr 1984 nicht neu, wirkt ein wenig plump umgesetzt, und schießt mit dem völlig überzogenen Finale endgültig den Vogel ab. Zugleich wirkt g4erade dieses Finale in höchstem Maße entmystifizierend, hat also nichts mehr mit den surrealen, interessanten und rätselhaften metaphysischen Ausflügen aus 2001 zu tun. So schließt sich – leider, muss man sagen – auch der Kreis: 2010 ist längst nicht mehr so spannend wie der Vorgänger. Die Sci-Fi-Aspekte rücken eher in den Hintergrund, über allem scheint die Bedrohung des Kalten Krieges zu schweben – eine etwas unglückliche Konstellation, da die grundsätzlich hochinteressanten und bewegenden Entdeckungen im All so nicht mehr sinngemäß (in diesem Moment wichtiger und spannender als alles andere) porträtiert werden können. Wie bereits erwähnt, bis zum Finale…

Auch der Einsatz der Technik wirkt längst nicht mehr so zeitlos und ‚kultig‘ wie noch im Originalfilm. Offenbar ist hierfür auch das geringe Budget mitverantwortlich, welches die Macher dazu veranlasst haben muss, deutlich mehr Tempo vorzulegen. Gerade die unschönen Weltraumszenen werden so auffällig schnell ‚abgearbeitet‘, werden aber doch lange genug eingestreut um einen eher negativen Eindruck zu hinterlassen. Auch die verheißungsvolle Symbolik (besonders die der Monolithen) kommt etwas unbalancierter zum Tragen: einmal als simpel kopierter (und dann doch nicht mehr so mystisch erscheinender) Klotz im All, ein anderes Mal dann wieder gar deutlich überstrapaziert als ‚Planetenfresser‘. Als durchaus sinnig sind dagegen die nicht verwendete Szenen aus dem ursprünglichen 2001 zu bezeichnen, gerade das Wiederauftauchen eines alten Charakters als ‚Geist‘ sorgt für eine stimmige Atmosphäre. In Bezug auf den Soundtrack hätte man sich vielleicht ähnlich orientieren sollen – doch wirklich beeindruckende Szenen a’la 2001 (‚weniger ist mehr‘ in Bezug auf die atemberaubenden Weltraumbilder, untermalt von klassischer Musik) sucht man nun vergebens. Glücklicherweise leisten die Schauspieler, die nun weitaus ausführlichere Sprechpassagen haben, eine solide Arbeit – allen voran Roy Scheider, der zweifelsohne zum ‚Hauptdarsteller‘ avanciert ist. Allerdings hat dies auch einen Nachteil: während man im Original stets das Gefühl hatte, es gäbe keinen wirklichen Hauptakteur (= universellere Bedeutung), driftet das Schauspiel nun etwas merklicher in Richtung einer ‚One-Man-Show‘.

Fazit: 2010 hat in vielerlei Aspekten deutlich ‚mehr‘ zu bieten als sein großes Kult-Vorbild 2001 – mehr Tempo, mehr Story, mehr Special-Effects, mehr offenkundige Botschaften. Doch man sollte sich nicht beirren lassen und automatisch auch von einem ‚besseren‘ Film im gesamten ausgehen – denn das Gegenteil ist der Fall. In der (majestätischen) Ruhe liegt die Kraft, dies lehrte uns 2001 – ein Film der ohne Bombast-Effekte, längere Sprechpassagen oder eindeutige Aussagen ausgekommen ist. Wie sollte man also sinngemäß an einen solchen Vorgänger anschließen ? Eine Frage, die das Team um 2010 nicht beantwortete – doch es zumindest versuchte. Es ist kein komplett fehlgeschlagenes Projekt, aber doch ein weitaus weniger faszinierendes und weniger nachdenklich stimmendes als das Original.

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