Filmkritik: „2001: Odyssee Im Weltraum“ (1968)

Originaltitel: 2001 : A Space Odyssey
Regie: Stanley Kubrick
Mit: Keir Dullea – Gary Lockwood – William Sylvester u.a.
Laufzeit: 141 Minuten
Land: Großbritannien, USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction

„To infinity and beyond… !“

Inhalt: Die Menschheit befindet sich seit ihrer Entstehung in einem kontinuierlichen Evolutionsprozess. Was vor 4 Millionen Jahren noch höchst grundlegende evolutionäre Entwicklungen waren, wie das auflesen von Gegenständen zwecks Benutzung als Werkzeug oder eben auch Waffe, sind heute vor allem technologische Fortschritte. So haben die Menschen ihren Lebensraum erweitert – sie reisen durch das Weltall und sind bereits in der Lage, weiter entfernte Planten des Sonnensystems anzufliegen und zu erkunden. Ganz in der Nähe einer Mondbasis stossen die Forscher auf einen mysteriösen Monolithen, der tief unter der Oberfläche vergraben lag. Der Zweck dieses Gebildes bleibt jedoch schleierhaft, und auch der Ursprung – doch offenbar sondert er eine Strahlung ab, die auf Jupiter gerichtet ist. Da alle Beteiligten wahrlich unglaubliches hinter diesem Fund vermuten, wird eine Expedition zum Jupiter geplant, die nur mithilfe der neuesten technischen Errungenschaften möglich ist. Immerhin dauert die Reise gut und gerne zwei Jahre – eine Zeit, in der der Supercomputer HAL 9000 die meisten Bordfunktionen steuert und überwacht. Das Problem ist nur, dass der Computer eines Tages höchst menschliche Züge an den Tag legt, und somit die Mission gefährdet… und überhaupt, was wird die Crew dort in der Umlaufbahn des Jupiters erwarten ?

Kritik: Wenn es um die Filmkritik zu einem Filmklassiker wie 2001: Odyssee Im Weltraum geht  könnte man im Grunde und an dieser Stelle einen vorzeitigen Schlussstrich ziehen. Denn: kaum ein anderer Film hat in der Geschichte so sehr polarisiert wie dieser. Von den einen als zeitloses, metaphysisches Meisterwerk gelobt, von den anderen als allzu pompöses, filmisches Theaterstück um so gut wie nichts abgetan – fristet der Film bis heute ein äusserst abenteuerliches Dasein, das nach wie vor Früchte trägt. Einer Tatsache ist sich allerdings so gut wie jeder bewusst: der Film hat nicht umsonst einen absoluten Kult- und Ausnahmestatus inne, und zählt gleichzeitig zu einem der bedeutendsten Werke aller Zeiten – nicht nur auf das Science Fiction-Genre allein bezogen. Dies hat mehrere Gründe, von denen einige hoffentlich in dieser Rezension benannt werden können.

Zu allererst ist anzumerken, dass dem Film eine recht spektakuläre Idee zugrunde liegt, die sich sowohl in der tatsächlich auf der Leinwand gezeigten Geschichte wie besonders auch in der recht eigentümlichen Art der Inszenierung widerspiegelt. Kaum ein anderer Film trägt eine derart signifikante Handschrift eines Regisseurs, der spätestens ab dem Jahre 1968 in aller Munde sein sollte – Stanley Kubrick. Und tatsächlich, mit diesem Werk schaffte er großes – wenn auch nicht von jedermann gleich angenommenes und interpretiertes. Dies liegt zweifelsohne an der überaus offen gehaltenen Geschichte, die, wenn man so will – die Evolutionsgeschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Die offensichtliche Besonderheit ist, dass die Menschen hierbei nicht ‚allein‘ sind – und es dem Filmkontext nach auch niemals waren. Ein schwarzer Monolith dient als repräsentatives Artefakt, als Beweis für die Existenz einer außerirdischen Lebensform die allem Anschein nach weitaus höher entwickelt sein muss. Ein simpler Steinblock wird so zu einem mystischen Monolithen, welcher zu so unglaublich viel imstande ist – nicht zuletzt sei hier von der Wirkung auf den Zuschauer gesprochen. Dieser Monolith würde also nicht nur zu einem Katalysator des Sci-Fi-Genres werden, sondern auch als eine Art Spiegel fungieren, der der Menschheit vorgehalten wird.

Dementsprechend beziehen sich auch so gut wie alle Fragestellungen auf diesen schwarzen Steinblock, der bis heute als größtes Mysterium gilt. Im ganz eigenen 2001’er Filmkontext, aber eben auch darüber hinaus – selten vermochte es ein Film den Zuschauer derart zum nachdenken aufzufordern. Hier wird keine Lösung auf dem Silbertablett präsentiert, ja nicht einmal erwähnenswerte Hinweise gibt es – ein Beschäftigen mit der Materie über den blossen Filmkontext hinaus wird so zu einem Pflichtprogramm, möchte man in irgendeiner Form ansatzweise mit dem Gezeigten ‚abschließen‘. Kubrick selbst sagte einmal, dass er sein Ziel nicht erreicht hätte gäb es Zuschauer die den Film voll und ganz verstehen – doch dies festzustellen, gleicht einer Unmöglichkeit. Ein jeder wird den Film anders aufnehmen und interpretieren, und ob sich dabei tatsächlich auch die ursprünglichen  Intentionen des Ideengebers vor dem jeweiligen geistigen Auge zu erkennen geben, das wird wohl auf ewig fraglich bleiben. Jedoch sollte man auch einen Film wie 2001: Odysse Im Weltraum nicht in dem Sinne ‚verschonen‘, ihn aufgrund seines Kultstatus weniger kritisch anzufassen. Schließlich muss es auch einen Grund für die Kritiker geben, die den Film eben nicht in den höchsten Tönen loben – sondern gewisse Aspekte bemängeln.

Und, in der Tat – würde man den Film wie einen, nennen wir es ‚handelsüblichen‘ Film behandeln, dann würde er im direkten Vergleich der üblichen Aspekte eindeutig hinterherhinken. Die Story ist zwar genial, zweifelsohne – gerade durch die Abdeckung eines gigantischen Handlungsspielraums sowie dem leicht übernatürlichen Touch, dem Porträt des Menschen auf dem Weg zu einer nächstmöglichen, potentiellen Evolutionsstufe – doch die Inszenierung fällt äusserst gewöhnungsbedürftig aus. Bevor man überhaupt auf die technischen Aspekte zu sprechen kommt, sind es vor allem die stellenweise ‚riesigen‘ Lücken im filmischen Output-Bereich, die direkt auffallen. Ja, welcher Film beginnt schon mit einem pechschwarzen Bildschirm, und lässt lediglich die Musik Bände sprechen ? Welcher Film ‚darf‘ dann auch zu einem späteren Zeitpunkt und zwecks eines Intermezzos den Bildschirm wieder für einige Minuten schwarz werden lassen ? Und vor allem: welcher Film darf sich so unglaublich viel Zeit lassen, diese oder jene Szene zu porträtieren ? Oftmals vergehen Minuten, ohne dass man das gezeigte nicht in wenigen Sätzen wiedergeben könnte – richtig, das gezeigte – nicht jedoch das übermittelte (siehe Interpretations- und Wirkungsfaktor). Doch so wird erstmals verständlich, wie es zu eben solchen negativ gestimmten Kritiken kommen konnte – nicht jeder kann sich auf eine solche, höchst spezielle filmische Machart einlassen. Sie gleicht am ehesten einer Theateraufführung, in der ein kleines Szenenbild auf der Bühne lediglich als Aufhänger gilt – ein Großteil der Wirkung aber durch die Musik und die unterschwelligen Botschaften transportiert wird.

So ist 2001: Odyssee Im Weltraum kein Film im Film-Sinne, sondern vielmehr ein Ausnahmewerk mit speziellem Anspruch. Es gilt, sich auf das Gezeigte einzulassen und möglichst keine Minute zu ‚verpassen‘ – auch wenn es wieder einige geben wird, die in diesem Punkt widersprechen. Doch selbst wenn man eine Lanze für die Negativkritiker brechen müsste, könnte man lediglich zugestehen, dass die Handlung zu ‚frei‘ gehalten wird, und durch viel zu wenige Dialoge und zu wenig handfeste ‚Action‘ (nennen wir es besser ‚Ereignisse‘ im grundsätzlichen Sinne) vorangetrieben wird. Aber: ein Konzept, einen tieferen Sinn, eine Existenzberechtigung; all dies sind Dinge, die 2001 zweifelsohne mitbringt. Gelangt man – neben all den mystisch-mataphorischen Interpretationen des Inhaltes – doch noch einmal zu den technischen Aspekten, so muss man unweigerlich feststellen, dass der Film hier seine größten Stärken hat. Es ist unglaublich, wie weit Kubrick und sein Team ihrer Zeit ‚voraus‘ waren was dies betrifft – man vermag es kaum, das Gesehene exakt zu datieren, vielmehr entsteht ein zeitloser Gesamteindruck. Mitverantwortlich sind hier sicherlich auch die ohnehin zeitlosen Musikstücke, die immer wieder und in ausführlicher Länge eingespielt werden. Einen besonderen Schauer jagen einem allerdings die eigens komponierten, apokalyptischen Stücke über den Rücken, die aus verzerrten Instrumenten und surreal anmutendem Chorgesang zusammengesetzt sind. Stellenweise kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die jeweiligen Stücke sehr ‚aufdringlich‘ benützt werden – doch dies gehört ebenso zum Konzept des Films wie die frei gehaltenen Aussagen.

Doch nicht nur die grandiose Musik, auch die Gestaltungsarbeit im Gesamten wirkt atemberaubend – die Szenen im Weltall sind einfach nur ‚episch‘ und über jeden Zweifel erhaben. Auch die Innenausstattung der Schiffe, die technischen Gerätschaften und natürlich die Monolithen – all diese Dinge sind derart zeitlos gehalten, dass man kaum von altersbedingten Schwächen sprechen kann. 2001 wirkt heute noch immer so wie im Jahre 1968 – wobei die damaligen Zuschauer andere ‚zugute‘ kommende Voraussetzungen hatten um in den (vielleicht schockierenden) Genuss des Films zu kommen. Man sollte heutzutage lediglich auf die nachbearbeitete Fassung zurückgreifen, diesen kleinen ‚Fortschritt‘ darf und sollte man dann doch mitnehmen – und schon sieht man keinen Film aus dem Jahre 1968, sondern einen aus… einer zeitlosen Sphäre, ganz so wie es die Intention von Kubrick war. Auch die Schauspieler leisten hier gute Arbeit – ein weiterer Punkt, der in negativ gestimmten Kritiken gerne auftaucht. Sicher sind sie absolut emotionslos und leicht apathisch – doch genau dies gehört – wieder einmal – zum Konzept des Films. Wären diese Dinge nicht geplant, sondern ‚aus Versehen‘ entstanden, dann sähe das Ganze schon wieder anders aus. Aber so – Hut ab vor den Leistungen aller Beteiligten.

Fazit: Was ist 2001: Odyssee Im Weltraum nur für ein Film… vielleicht ist es gar keiner. Nur eins ist klar: man sollte dieses Werk unbedingt einmal gesehen haben, da es nicht zu Unrecht als revolutionär galt, noch immer gilt – und als  Basis für viele spätere Science Fiction-Werke fungierte. Und wer weiss, welcher heute aktiver Regisseur sich nicht doch eine Scheibe von Kubrick’s Ausnahmewerk abschneidete – da es zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Rezension bereits 2011 schlägt, bietet sich nunmehr ein Film geradezu explizit an: Tree Of Life von Terrence Malick. Wie dem auch sei, für eine Höchstwertung lässt der Film, wie sollte man es nennen: eine Universalbedeutung vermissen; beziehungsweise bietet er letztendlich doch zu wenig Anhaltspunkte. Zwar ist die beliebte Holzhammermethode auch keine Lösung, doch zumindest eine Richtung sollte erkenntlich sein – dies ist ein Aspekt, der in 2001: Odyssee Im Weltraum ein wenig abhanden gekommen ist, was die mitunter zahlreichen negativen Kritiken erklärt. Seitenhiebe auf die Nachteile des technologischen Fortschrittes, potentielle höhere Mächte und die Evolutionsgeschichte hin oder her – am Ende heisst es eben doch frei, freier, 2001. Ein Werk, in dem man (beinahe) alles sehen kann, was man möchte – beeindruckend, nachhaltig wirkend und wunderbar opulent ist es aber allemal, von daher sollte man keinesfalls zu niedrig ansetzen.

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