Filmkritik: „Sword Of The Stranger“ (2007)

Originaltitel: Sutorenjia Mukōhadan
Regie: Masahiro Andō
Mit: Tomoya Nagase – Yuuri Chinen – Kouichi Yamadera u.a.
Laufzeit: 102 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 18
Genre: Animationsfilm (Action / Abenteuer)

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“

Inhalt: Ein kleiner Junge reist offenbar ziellos durch die Wirren des japanischen Mittelalters. Er hört auf den Namen Kotarou, und hat trotz seines jungen Alters niemanden bei sich – ausser seinen Hund Tobimaru, der nie von seiner Seite weicht. Und das ist auch gut so, denn seine Reise ist alles andere als ein Spaziergang: aufgrund seltsamer Umstände wird er von den Ming verfolgt. Ein Zufall sorgt dafür, dass er eines Tages auf Nanashi, einen namenlosen Samurai trifft – der sich offenbar die gleiche Unterkunft zwecks einer Möglichkeit zur Rast ausgesucht hat. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden ein gemeinsames, jedoch kaum zu definierendes Band verbindet – der Samurai rettet Kotarou vorerst. Doch nachdem der sich nach einer weiteren beschwerlichen Reise-Etappe zu zweit bei einer Gruppe von Mönchen in Sicherheit wähnt, kommt abermals alles ganz anders. Die Ming werden seiner Habhaft, wobei es scheint, dass sich Kotarou dieses Mal nicht aus eigenen Kräften befreien kann. Doch der namenlose Samurai ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt, ihn plagen Alpträume die in irgendeiner Verbindung mit seiner Vergangenheit zu stehen scheinen. Alles läuft auf einen furiosen Showdown hin, denn es scheint, als hätte ein besonders starker, fremdländischer Krieger nur auf einen Gegner wie den Samurai gewartet… einen Gegner, der ihm ebenbürtig wäre.

Kritik: Sword Of The Stranger ist ein recht gradliniger Animationsfilm, in dem vor allem eins regiert: Action, Action; und nochmals Action. Das historisch inspirierte Samurai-Setting dient also weniger als Grundlage für ein möglicherweise enorm charakterlastiges Epos – sondern vielmehr als Aufhänger für die Veranschaulichung der ‚tatkräftigen‘ Aspekte der Samura-Tradtion. Die zahlreichen Kämpfe werden in Sword Of the Stranger in einer gleichermaßen ästhetischen wie auch brutalen Manier dargeboten – hier können schon einmal die ‚Fetzen‘ fliegen. Von daher dürfte die FSK-Einstufung zweifelsohne gerechtfertigt sein, es handelt sich hier definitiv um keinen Kinderfilm – auch wenn so manches Promo- oder Vorschaubild dahingehende Vermutungen entstehen lassen könnte (kleiner Junge mit treuem Hund, in bester Abenteuer-Charakteristik). Glücklicherweise haben die Macher entsprechend ihres Fokus augenscheinlich viel Zeit und Mühe investiert, die actionreicheren Szenen detailgetreu, flüssig und höchst ansehnlich in Szene zu setzen – sodass die rasanten Kämpfe als waschechte ‚Eyecatcher‘ fungieren. Dies gepaart mit einem äusserst ansprechenden Charakterdesign, stimmigen Landschaften und wunderschönen Wettereffekten führt also auch Anime-Laien nur allzu schnell zu einer Feststellung: in technischer Hinsicht ist Sword Of The Stranger über jeden Zweifel erhaben.

Denn auch der Soundtrack von Naoki Sato entpuppt sich alsbald als kleines Highlight: sei es in den etwas ruhigeren Szenen oder während der gnadenlos gut choreografierten Kampfeinlagen, stets wird der ‚richtige‘ Ton getroffen. Mal deutlich traditionell, mal sanft untermalend, mal reisserisch-antreibend – hier bleiben einfach keine Wünsche offen, zumal sich die Komposition auf einem deutlich hohen Qualitätslevel bewegt.

Was aber ist mit der Geschichte und dessen Inszenierung, dem wohl wichtigsten Aspekt eines guten Animes; der sich kaum hinter einem perfekten technischen Part verstecken kann ? In der Tat weist Sword Of The Stranger gerade in diesem heiklen Bereich auch die mitunter größten und offensichtlichsten Schwächen auf. Es fängt bereits mit der recht klischeehaften von wenig Überraschungen geprägten Konstellation der Charaktere an: ein kleiner Junge der auf der Flucht ist und nur seinen Hund mit sich führt, trifft auf einen namenlosen Fremden der ihm von nun an begleitet und aus so mancher gefährlichen Situation hilft – dies ist die grundsätzliche Beschreibung der Ereignisse im Anime. Hinzu kommt nun nur noch der Fakt, dass der Junge aus bestimmten Gründen verfolgt wird. Das Problem ist, dass der Anime das Ausmaß der hier dargestellten fanatischen Ideologie nicht so recht darzustellen weiss – vielmehr wirkt es, als seien tatsächlich nur eine handvoll Personen beteiligt; alles spielt sich eher im ‚kleinen‘ ab als dass ein größerer Kontext ersichtlich wird. Das ist schade und lässt den Film einiges in Sachen Gesamtwirkung einbüßen – die Actionszenen und die Empathie für die beiden Hauptcharaktere reisst hier zwar einiges wieder heraus, aber eben nicht alles.

Stichwort Hauptcharaktere: tatsächlich liesse sich hier das größte Potential von Sword Of The Stranger ausmachen; umso ärgerlicher ist es, dass auch hier kaum Zeit für ausführlicheres bleibt – gut, schließlich handelt es sich eben nicht um eine Anime-Serie sondern um einen vergleichsweise knappen Film. Irgendwie schafft es der Film aber dennoch, die Balance zwischen (nötigen) Ruhepausen und mitreissender Action zu wahren – ein riesiger Pluspunkt. ebenso bemerkenswert ist folgendes: wo es an so mancher Stelle der Klischees eindeutig zu viele sind, sind es an anderer wieder bedeutend wenige. Dies ist besonders bei der Charakterisierung des Samurai festzustellen. Nein, es ist keine Frau im Spiel, und auch Geld und Ruhm haben keine Bedeutung – wie erfrischend. Auch das Porträt von Kotarou ist sympathisch, wenngleich man sicherlich keine Coming-Of-Age-Charakterisierung im Stile eines Guardian Of The Spirit erwarten kann. Dafür mangelt es bei einer Gesamtspieldauer von 102 Minuten einfach an Zeit.

Fazit: Sword Of The Stranger ist weder ein besonders tiefsinniger, noch ein komplexer, noch ein gänzlich neuartiger Animationsfilm. Dennoch vermag er es, den Zuschauer konstant über die Gesamtlaufzeit zu unterhalten und gerade mit den spektakulären Kampfszenen zu beeindrucken. Die technischen Aspekte sind allesamt ausgezeichnet, auch bei der Charakterwahl hat man ein Händchen beweisen: diese beiden Kerle sind einfach grundsympatisch (und finden trotz widriger Umstände zusammen), man kann gar nicht anders als sie ins Herz zu schließen. So hat man immer eine Identifikationsfigur an der Seite, was auch bitter nötig ist – da es neben den beiden so gut wie keine anderen bedeutenden Charaktere gibt. Zumindest nicht so bedeutend, dass es einen Aufschrei gibt wenn sie unglücklicherweise doch noch im Kampf umkommen… wie die meisten. Kein bahnbrechender Anime, aber sicherlich einer der besseren und, nennen wir es: ‚ehrlicheren‘.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Sword Of The Stranger“ (2007)

  1. Gute Kritik, kann ich im Großen und ganzen nur unterschreiben, wobei sie sich doch recht ernüchternd liest, für eine 8.5/10-Wertung 🙂

    Ich finde es halt erstaunlich wie es die Macher schaffen die beiden Protagonisten einem gleich nach dem 1ten Kampf in den ersten ~10min so sehr ans Herz wachsen zu lassen wie es andere Filme/Animes in 90min nicht schaffen! Oder gehts da nur mir so?

    Nur die Sotry, wie du schon geschrieben hast hat leider seine Schwächen. Es wirkt wirklich alles eher „im Kleinen“ als das man hier das Gefühl hätte das ganze Nationen/Reiche von den Ereignissen Abhängig wären.

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    1. Stichwort Charaktere & Empathie: da kann ich Dir auch unbedingt die Anime-Serie GUARDIAN OF THE SPIRIT ans Herz legen, sofern noch nicht gesehen. Da ist es das Duo Frau / Kind, bei einer Episodenanzahl von 26 entsprechend ausführlich und in einem ganz ähnlich-abenteuerlichen Setting wie bei diesem hier.

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