TV-Kritik / Anime-Review: GUARDIAN OF THE SPIRIT

Typ: Anime-Serie (26-teilig)
Originaltitel: Seirei no Moribito
Studio: Production I.G
Produktion: Akio Matsuda, Hisako Matsumoto, Shinjiro Yokoyama, Tomoyasu Nishimura
Land: Japan
Genre: Fantasy, Abenteuer

Die Episoden (Englische und Deutsche Titelangaben):

1 Barusa, the Female Bodyguard / Balsa, die Leibwächterin
2 The Hunter and the Hunted / Jäger und Gejagte
3 A Fight to the Death / Kampf um Leben und Tod
4 Torogai’s Writings / Torogais Brief
5 Secret Step, the Blue Hand / Die blaue Hand
6 To Die in the Misty Blue / Tod in den Augen
7 Chagum’s Resolve / Chagums Entscheidung
8 The Swordsmith / Der Schwertschmied
9 Shuga Thirsts / Shugas Durst
10 Soil and Heroes / Erde und Held
11 Flower Wine for Tanda / Blumenwein für Tanda
12 Summer Solstice Festival / Das Sommersonnenwendfest
13 Neither Human Nor Tiger / Weder Mensch noch Tiger
14 The Knot / Der Knoten
15 Untimely Death / Junger Tod
16 The Pursuit / Mit vollem Ernst
17 Water-Wheel Burning / Das Wasserrad in Flammen
18 Ancient Village / Das alte Dorf
19 Chagum`s Escape / Flucht
20 Trap / Zur Höhle des Jägers
21 Jiguro Musa / Jiguro Musa
22 Season of Awakening / Zeit des Erwachens
23 Chasing after Sig Salua / Auf der Jagd nach Sig-Salua
24 Last Hope / Die letzte Hoffnung
25 Banquet / Freude
26 Beginning a Journey / Aufbruch

„Oh Hüter des heiligen Geistes, errette Du auch meine Seel‘ !“

Inhalt: In einer längst vergangenen Zeit… eine junge Speerträgerin namens Balsa streift durch das asiatisch geprägte Yogo-Imperium. Der Kaiser regiert mit eiserner aber gerechter Hand über das weite Land, in dem verschiedenste Volksgruppierungen mit jeweils unterschiedlichen Traditionen und Wissensständen leben. Die Nachfolge des Kaisers ist im Grunde gesichert – zusammen mit seiner Frau hat er zwei männliche Kinder. Einer davon ist der junge Prinz Chagum, der jüngere der beiden – doch offenbar scheint mit ihm irgendetwas nicht zu stimmen. Und tatsächlich – angeblich trägt er einen Wasserdämon in sich, weshalb im einige nach dem Leben trachten. Schließlich würde ein solcher Dämon für eine lang andauernde Dürre sorgen können, weshalb sogar der Kaiser und damit Chagum’s Vater selbst in haarsträubende Anschlagsversuche verwickelt zu sein scheint. Doch nachdem Balsa bei einem Unglück beherzt eingriff und dem Prinzen unerwartet das Leben rettete –  vertraut sich ihr die Mutter des Prinzen an. Mehr noch – sie bittet Balsa, mit ihrem Sohn fortzugehen, auf das er von nun an zwar nicht mehr am Hofe, aber dennoch in Sicherheit leben könnte. Da Balsa einst ein bestimmtes Versprechen gab, welches darin bestand eine bestimmte Anzahl von Leben zu retten, willigt sie ein – und flüchtet daraufhin mit dem jungen Prinzen. Doch die Verfolger lassen nicht lange auf sich warten…

Auf ihrem nun gemeinsamen Weg treffen die beiden auf den Kräutersammler Tanda, sowie dessen Lehrmeisterin Schamanin Torogai. Als höchst ungleiches Quartett lernen sie, miteinander auszukommen und die Verfolger stets abzuschütteln – doch wie lange würde dies funktionieren ? So täuschen sie den Tod des Prinzen vor, und wähnen sich vorerst in Sicherheit. Es stellt sich heraus, dass in Chagum kein Wasserdämon lebt – sondern ein Ei eines Wassergeistes. Gemeinsam müssen sie alle herausfinden, was es mit dem Ei auf sich hat, und ob es, einmal geschlüpft, positive oder negative Folgen für das Land haben würde. Und nicht zuletzt muss Balsa ihrem Eid treu bleiben und Chagum beschützen, komme was wolle…

Kritik: Auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht – bei der Anime-Serie Guardian Of The Spirit handelt es sich weder um eine Actionserie noch um eine detailgenaues Historien-Epos. Nein, vielmehr ist das Setting ein zu gleichen Teilen historisch als auch fantastisch-fiktiv beeinflusstes – theoretisch. In der Praxis heißt das, dass man als Zuschauer anstatt ellenlanger Actionszenen oder gar ‚Bosskämpfen‘ viel eher höchst abenteuerliche Entdeckungsreisen und vielschichtige Charakterporträts serviert bekommt. Zwar gibt es, wie es die Existenz einer Speerkämpferin als Hauptcharakter bereits vermuten lässt, so manches mal eben doch ein spektakuläres Kampf-Intermezzo – doch diese halten sich stets im Rahmen und sind zudem perfekt inszeniert. Und – wie gut die Serie mit dieser Herangehensweise funktioniert, zeigt sich nicht erst in den späteren Folgen. Von denen gibt es immerhin 26 Stück – wobei die Motivationskurve bereits in der ersten auf ein sehr hohen Pegel ansteigt, und danach kaum noch verblasst. Ein fiktives Imperium welches sehr harmonisch, altertümlich und traditionell anmutet, ein herrschender Kaiser als Machthaber, an jeder Ecke interessante Figuren und abenteuerlustige Charaktere ? All das gepaart mit einem angenehm ländlichen Setting, in dem die Natur eine ebenso große Rolle spielt wie mysteriöse Mythen und längst vergessen geglaubte Praktiken ? Besonders zu Beginn kann man sich der Anziehungskraft von Guardian Of The Spirit kaum entziehen.

Denn schließlich offenbart die Serie auch sogleich, mit ‚wem‘ man es als Zuschauer hauptsächlich während der 26 Episoden zu tun haben wird: Balsa und Chagum. Und diese bilden zweifelsohne eines der bisher unverbrauchtesten, originellsten und sympathischsten Charakterpaare der gesamten Anime-Ära. Die eine ist ein stets umherstreifende Abenteurerin und versierte Kämpferin, die jedoch niemals planlos oder ungerecht handeln würde – der andere ist ein junger und in der ländlichen und volksnahen Welt noch etwas unbeholfener Spross des Kaisers, der seinen eigenen Weg erst noch finden muss. Und, soviel kann man verraten – er wird ihn finden und gehen, und dabei so manches Mal über sich hinauswachsen. Dies im höchst emotionalen und ungekünstelten Zusammenspiel mit Balsa, die mehr und mehr Muttergefühle für den Prinzen entwickelt, macht die Serie zu einem wahrhaften Genuss – und das auf dem höchsten nur erdenklichen Niveau. Eine kaiserliche Coming-Of-Age Geschichte trifft auf abenteuerliches Freiheitsporträt einer zielstrebigen Kämpferin trifft auf Zusammenspiel von dem ‚hier‘ und einer Parallelwelt, aus der auch das mysteriöse Ei hervorgeht – welches eine lange Zeit bedrohlich im Prinzen schlummert und auf sein ‚Erwachen‘ wartet. Der Themenfelder sind es wahrlich reichlich in Guardian Of The Spirit, ebenso tauchen stets neue und interessante Charaktere auf die sich entweder in intelligenten Wortgefechten oder aber in atemberaubenden und ‚ehrenvollen‘ Kämpfen duellieren – als Motivation dient beiden Seiten das Wohlergehen des Prinzen, auch wenn ein jeder dies ein wenig anders interpretiert.

Die Stimmungen befinden sich im Wandel, die Beweggründe verändern sich, die Emotionen drohen zu explodieren – bei dieser Serie spielt sich ein Großteil der Spannungen im zwischenmenschlichen Bereich ab. Man wird kaum umher kommen, gerade die Hauptcharaktere liebzugewinnen – auf das eine bemerkenswerte Empathie entstehen und man bis zum Ende kontinuierlich mitfiebern kann. Die Serie bleibt dabei in vielerlei Hinsicht herausragend – von der überaus gelungen Optik und den wundervoll gezeichneten Charakteren und Hintergründen über den stets stimmigen Soundtrack bis hin zu den Sprechern; alles bewegt sich auf einem konstant hohen Qualitätslevel. Selbst die deutsche Synchronisation gibt kaum Anlass zur Sorge, im Gegenteil: wie schön ist es doch, dass ein offensichtlich junger Prinz endlich einmal eine passend erscheinende Stimme verpasst bekommt, und nicht von einem Teenager im Stimmenbruch gesprochen wird. Auch an Balsa’s Stimme wird man sich nicht nur schnell gewöhnen, man hört ihr einfach gerne zu – was der Serie ebenfalls zu gute kommt, werden mitunter Rückblenden in etwas längeren Passagen dargeboten. Die kratzige Stimme der altklugen Schamanin passt dabei ebenso zum Gesamtkonzept wie die zurückhaltende Stimme von Tanda – in technischer Hinsicht lässt die Serie keine Wünsche offen. Und auch inhaltlich gibt es nur äußerst wenige Schwachpunkte – richtig, wenige: ganz ohne kommt selbst eine hochwertige Serie wie Guardian Of The Spirit nicht aus.

Bei aller Liebe zum äußerst charmanten Setting, den interessanten Charakteren und der mystischen Geschichte um den Wassergeist – insgesamt scheint es, als ließe die Serie so manches Mal etwas vermissen. Nicht immer fällt es leicht zu bestimmen, was genau – denn glücklicherweise hält die allgemeine Ästhetik und die grundsätzlich interessante und Fragen-aufwerfende Geschichte den Zuschauer über die meiste Zeit bei Laune. Bei 26 Episoden hätte man die erzählerische Dichte aber entweder doch noch etwas vertiefen können – oder, was der Serie sicherlich am besten bekommen hätte, um einige Erzählstränge erweitern sollen. Chagum und Balsa bekommen gerade noch genügend Aufmerksamkeit, die anderen Charaktere sehen dagegen schon etwas blasser aus – auch wenn sie im ‚hier und jetzt‘ mit ihren jeweils ganz speziellen menschlichen Eigenschaften punkten und für Unterhaltung sorgen können. Was sich aber genau am Hof abspielt, welche Machtspielchen im Hintergrund getrieben werden oder wie generell das Verhältnis vom Kaiser zum Volk ist, das wird allerhöchsten angeschnitten – und zumeist eher beiläufig. Das ist etwas schade – zumal auch die von Mythen umwobene Geschichte um den Wassergeist eher simpel gehalten und entsprechend inszeniert wurde. Der Überraschungen oder Twists gibt es wahrlich nicht viele. So kommt es, dass man Guardian Of The Spirit, auch wenn es etwas schmerzt, schon beinahe wieder als ‚leichte Kost‘ bezeichnen könnte. Gewiss, keinesfalls in Bezug auf den generell intellektuellen Anspruch und die gehobene Ästhetik, aber eben doch auf die Geschichte, die relativ wenig Fragen aufwirft und so gut wie selbsterklärend ist. Wirklichem Kopfzerbrechen, wie es in einigen anderen hochkarätigen Anime-Serien entstehen kann, dürfte sich hier kaum jemand hingeben. Aber vielleicht muss es ja auch nicht immer sein – dafür punket die Serie in Sachen Originalität und Einzigartigkeit.

Die Positiv- und Negativaspekte von Guardian Of The Spirit im Überblick:

+ Charmantes, unverbrauchtes Setting
+ Packende Stimmung, emotionale Dichte
+ Gelungene Kombination von fantastischen Aspekten und (inspirierter) Historie
+ Adäquate Gesamtlaufzeit
+ Interessante und höchst sympatische Charaktere
+ Unterschwellige Emotionalität und (Lebens-)Philosophie
+ Authenzitätsgefühl
+ Perfektes, wehmütig stimmendes Finale
+ Gelungene Optik
+ Stimmiger Soundtrack
+ Gute Synchronsprecher
+ Tolles Intro und Outro

– Mangel an Komplexität und potentiellen weiteren Erzählebenen
– Kaum Überraschungen

Fazit: Anime einmal anders – wer eine frische, unverbrauchte Geschichte erleben möchte, der sollte unbedingt zugreifen. Voraussetzung hierfür wäre lediglich, dass man sich mit dem geschichtsträchtigen Setting anfreunden kann, und zugunsten von spannenden Wortgefechten und Porträts verzwickter Situation auch mal auf den ein oder anderen ‚echten‘ Kampf verzichten kann. Trotz einiger (eher zu vernachlässigenden) Schwächen im erzählerischen Bereich bleibt kaum etwas anderes übrig: Guardian Of The Spirit ist zwar nur vielleicht einer der besten Animes aller Zeiten, mit ziemlicher Sicherheit aber der Beste im Bereich  Fantasy / Abenteuer. Hier kann ihm einfach kein anderer Titel das Wasser (wie passend) reichen – bisher. Eine klare Empfehlung für Freunde der gehobeneren Anime-Kunst !


95button

„anspruchsvoll, majestätisch – eine hervorragende Anime-Serie.“

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