Filmkritik: „Cutie Honey“ (2004)

Originaltitel: Kyūtī Hanī
Regie: Hideaki Anno
Mit: Eriko Sato u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 16
Genre: Action-Komödie (100 %)

„Für die Liebe, und alles andere kunterbunt-kitischige Zeug !“

Inhalt: Die flippige Honey, eine junge Frau aus Japan, ist immer gut gelaunt und setzt sich stets für das Gute ein. Manchmal tut sie eben dies aber in einem weitaus größeren Ausmaß, als es sich die Allgemeinheit vorstellen kann… sie führt ein geheimnisvolles Doppelleben. Durch eine rätselhafte aber mächtige Technologie kann sie sich – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind – in die Superheldin Cutie Honey verwandeln. Ob nun zu Fuß oder per Motorrad, Honey ist immer flink unterwegs um das Böse zu bekämpfen und für die Kraft der Liebe einzustehen. Und das ist auch nötig – denn der sogenannte Panther-Claw-Clan will die Weltherrschaft an sich reißen. Dann wird auch noch ein Verwandter von Honey entführt, der mehr über die geheime Technologie zu wissen scheint, die Cutie Honey so mächtig macht. Gemeinsam mit der äusserst kritischen Polizistin Aki und einem Reporter macht sie sich auf den Weg, um den Anführer des berüchtigten Clans zu stellen. Doch dafür muss sie erst einmal alle anderen Widrigkeiten und Widersacher aus dem Weg räumen, und nicht zuletzt auch noch zu sich selbst finden.

Kritik: Was zum… ? Deutlich anders dürften die ersten Reaktionen nicht ausfallen, hat man sich das 2004’er Machwerk Cutie Honey aus Japan zum ersten Male vollständig zu Gemüte geführt. Im Grunde könnte man von einer relativ belanglosen Manga und Anime-Adaption sprechen, die nun ihr passend trashiges Live-Action Gewand spendiert bekommt – und das erst nach knapp 30 Jahren (die Blütezeit der Figur Cutie Honey fand bereits in den 70ern statt).  Man könnte – wäre da nicht der Name des Regisseurs, der zumindest bei allen Anime-Fans weltweit für ein wohliges Gänsehautgefühl sorgen sollte. Ganz Recht – niemand geringeres als Evangelion-Großmeister Hideaki Anno selbst hat hier seine Finger im Spiel, und das in einer nicht gerade unerheblichen Art und Weise. Neben seiner Arbeit als Regisseur schrieb er außerdem noch am Drehbuch mit, sodass er seinem Genrekumpel Go Nagai (dem eigentlichen Schöpfer der Cutie Honey-Reihe) reichlich Tribut zollen konnte. Aber hat es sich überhaupt gelohnt, dass aus westlicher Weltsicht ‚alte‘ Franchise noch einmal auszugraben, und einen der Vorlage entsprechenden, dass heisst automatisch reichlich abgedrehten (!) Originalfilm zu produzieren ?

In der Tat ist das eine sehr zwiespältige Frage. Nur eins ist klar: mit Neon Genesis Evangelion als Meisterwerk (sowohl in Bezug auf die Originalserie und die aktuellen Neuverfilmungen) hat der Stoff um Cutie Honey rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil, man könnte den Film eher als eine Art Anti-Evangelion bezeichnen, den man konsumieren kann oder sollte hat man eine zu starke (Grübel-)Dosis Evangelion abbekommen. Denn was Evangelion in Sachen Originalität, Tiefgründigkeit und ‚Epicness‘ auszeichnete, das wird im Prinzip im kunterbunten Cutie Honey-Universum umgedreht. Das Ganze ist also eher als Spaß- und Hommageprojekt zu sehen, bei dem man vergeblich auf eine tiefgreifende Aussage, fulminante Momente oder generell einen zusammenhängenden Plot warten wird. Dafür serviert der Film reichlich absurde Momente, völlig überzeichnete Charakterporträts und absolut trashige Spezialeffekte in bester Power Rangers-Manier. Wer also einmal völlig ‚abschalten‘ oder sich in geselliger Runde von einem waschechten ‚Trashfilm‘ unterhalten wissen möchte, für den könnte Cutie Honey am ehesten etwas sein.

Wollt ihr meine Klauen spüren, ihr Schwächlinge ?

Immerhin – denn im Großen und Ganzen scheint er doch am ehesten auf das Publikum seines Herkunftslandes – Japan – zugeschnitten zu sein. Dort hat die Figur Cutie Honey einen ungleich größeren Kultstatus, und generell ist die Anime-Fangemeinde eine weitaus größere – sodass es dort auch weitaus mehr potentiell interessierte Zuschauer geben sollte. Hierzulande (und in der restlichen westlichen Welt) sollte der Film ob seines abstrusen bis nichtssagenden Inhaltes aber weitestgehend für weniger verständnisvolles Kopfschütteln sorgen. Und das kommt nicht von ungefähr: nicht nur, dass dem Film eine mehr als zu vernachlässigende Story zugrunde liegt, auch die (aberwitzigen) Charakterporträts und die komödiantischen Elemente vermögen es kaum, den Film über seine Gesamtspielzeit von knapp eineinhalb Stunden unterhaltsam zu gestalten. So gelingt vor allem der reichlich abgedrehte und kunterbunte Start, in dem die Zuschauer Cutie Honey zum ersten Mal sehen und erleben – ihre etwas merkwürdigen ‚Vorbereitungen‘ auf einen Kampf, ihre Vorliebe für das leichtbekleidet-sein, ihre ersten Gegenspieler in gewollt-lächerlichen Kostümen, sowie natürlich die ersten ‚richtigen‘ Actionszenen… die (gute !) deutsche Synchronisation tut da ihr übriges, und sorgt für einen zusätzlichen Comedy-Einschlag.

Doch spätestens zur Hälfte des kuriosen Filmspaßes könnte eben dieser leicht wieder kippen: die wirklich witzige Momente kann man nur noch an einer Hand abzählen, die Figuren wirken bereits jetzt in ihren Porträts überstrapaziert, alles fokussiert sich auf einen vermeintlich spektakulären Endkampf, vor dem Cutie Honey erst an einigen anderen Widersachern vorbeikommen muss. Auch die Spezialeffekte und Kampfszenen werden nur noch abstruser, wirken aber schon nicht mehr so positiv-trashig wie noch zu Beginn: Langeweile schleicht sich ein. Da hilft es auch kaum, dass man die Story mit Hintergrundinformationen (nach denen wohl niemand gefragt hätte, nach so einem Beginn – oder fragt jemand nach der Funktionsweise der Power Rangers-Roboter ?) ausschmückte – beziehungsweise es versuchte. So ist oftmals von Honey’s Vater, einem Unfall und dem I-System die Rede, welches offenbar für die aussergewöhnlichen Fähigkeiten der Dame verantwortlich ist. Ein einziges Mal spricht sie gar von einer Wiedergeburt, sodass man sich als Zuschauer einen ungefähren Reim auf die Geschehnisse machen kann. Weitere Erklärungen oder einen Story-Hintergrund, der ein Gefühl der Faszination entstehen lassen kann, gibt es aber nicht.

Fazit: Mehr als leichte, dazu reichlich abgedrehte Kost für zwischendurch – viel mehr kann man einem Machwerk beziehungsweise Spaßprojekt wie Cutie Honey wohl nicht abgewinnen, und das schon gar nicht hierzulande. Wer generell Spaß an relativ sinnfreien Berieselungsmaßnahmen a’la Power Rangers, Godzilla Versus-Filmen und Co hat, der könnte mal einen Blick riskieren – wer Cutie Honey aber als den Film für einen spaß9gen Männerabend einplant, der kann zumindest als… mutig bezeichnet werden. Gerade da der Film gegen Ende hin doch noch etwas ernstere Töne anschlägt – und man das letzte Viertel gewiss nicht mehr vorbehaltlos dem Comedy-Genre zuschreiben kann. Dies mag dann doch noch mit dem Namen des Regisseurs zusammenhängen – doch insgesamt sollte Cutie Honey auch für Hideaki Anno-Fanatiker keine weitere Offenbarung sein. Eher ein Film, den man gesehen haben kann – aber keinesfalls gesehen haben muss, auch nicht als Teil der Filmografie Anno’s.

Advertisements

Die Kommentarfunktion wird noch zu selten genutzt... ändere dies !

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s