Das Kommt Davon – Aber Was Kommt Danach ?

„Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut. Die ganze Natur überhaupt ist eigentlich nichts anderes, als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln; und es gibt überall keine Regellosigkeit“ (Kant)

Die Menschen, die von einem ebenso menschlichen Kenntnisstand heraus darauf schließen, dass sie die einzigen Wesen im ihnen bisher bekannten Universum sind die über die Frage nach dem Sinn des Lebens philosophieren können (ob nun aus theologischer, biologischer, wissenschaftlicher […] oder ganz persönlicher Sicht); beschäftigen sich seit jeher mit eben solchen Fragen, auf die es bis heute keine Antwort gibt. Einerseits ist es eine Gabe; ein wie-auch-immer gearteter Wink des Schicksals oder einer höheren Macht seine eigene Existenz hinterfragen zu können, andererseits ein potentielles Martyrium – zwar kann eine simple Selbstreflexion stets erfolgen, doch eine allgemein gültige Wahrheit scheint zwecks eines Abgleichs nicht verfügbar. Nimmt man das Gegebene an, akzeptiert es und lässt es irgendwo im Hintergrund verschwinden um so mehr Leben zu können, schließlich ist das Hinterfragen der eigenen Existenz oftmals ein Hindernis – oder gehört diese Fähigkeit nicht ohne Grund zur Bandbreite des kognitiv möglichen ? Aber wenn dem so ist, ist es dann bereits ausreichend, sich zwecks einer Beantwortung auf den Weg zu machen selbst wenn man das Ziel nie erreichen würde ? Ja, und wie ist dann eine bereits und lediglich für sich selbst entdeckte Wahrheit als Rastplatz förderlich auf diesem Weg, den man von nun an nicht mehr weiter beschreiten würde ?

Klar ist, dass zahlreiche in Gruppen organisierte Menschen Fragestellungen dieser Art auf ihre ganz eigene, oftmals manipulative Art und Weise missbrauchen. Weltreligionen, Sekten; ja sogar Gewaltverbrecher – sie alle versuchen von ihrem ganz persönlichen Rastplatz aus, andere Menschen ebenfalls zu einem Innehalten zu bewegen, und sie daraufhin nicht mehr loszulassen. Ob dabei nun die Frage nach dem Sinn des Lebens (im Sinne der Eschatologie, der Teleologie) als Grundlage dient oder die nach dem Ursprung dessen, was wir als Universum wahrnehmen – letztlich spielt es keine Rolle, zumal man feststellen wird, dass hinter all dem ein nicht zu verdrängender Dualismus steckt. Ohne Universum kein Leben, ohne Leben keine Frage nach der Rechtfertigung der eigenen Existenz – andererseits ist der Sinn nur eine menschliche Wortschöpfung, wenngleich eine überaus bedeutende. Gab es ihn vor dem Aufkommen der Menschen nicht, so gibt es ihn jetzt – eine (R)Evolution auf der Grundlage der menschlichen Seele. Es ist simpel: was wir im Stande sind zu hinterfragen, spielt eine Rolle, ergibt einen Sinn – mindestens für uns alle, möglicherweise aber auch in einem höheren Kontext.

„Die Undefinierbarkeit des Seins dispensiert nicht von der Frage nach seinem Sinn, sondern fordert dazu gerade auf“ (Heidegger)

Was aber ist nun mit dem potentiellen Missbrauch dieser Fragestellungen, und der Postulierung beziehungsweise Krönung von einzelnen Ideen und Anschauungen als weitreichende Wahrheit ? Vielleicht kommt man gar nicht umher, einen solchen zu begehen – gesetzt, es beginnt bereits mit der blossen Formulierung, die zumeist auf eine Weitergabe wartet. Schließlich heisst es längst nicht mehr ich denke, also bin ich – sondern ich denke, also bist Du. Ohne jemanden als Gegenüber oder zumindest etwas anderes kein Individualismus; was einzig und allein aus der Tatsache resultiert, dass wir; richtig: über einen Körper verfügen. Wichtig ist nur, dass man mit seinen Weltanschauungen niemandem Schaden zufügt – obgleich diese Theorie im folgenden und mit der Beschreibung von einer persönlichen Welt- und Sinnesanschauung widerlegt werden wird. Religiös empfindliche oder generell schnell (ver)urteilende Menschen sollten also nicht mehr weiterlesen – es sei denn…

Was wäre, wenn der Sinn des Lebens so wie wir es kennen nicht das Leben selbst, nicht die Liebe, nicht die Sicherstellung der eigenen Existenz oder ähnliches in den Medien beschriebenes beinhaltet ? Nein, all diese Erklärungsversuche wirken ohnehin zu banal, als dass sie auf einer höheren Wahrheit fundieren könnten. Sicher, ohne die Fortpflanzung wäre das Leben nicht möglich, beziehungsweise der Mensch eine zeitlich noch knapper auftretende Erscheinung im Universum als er es ohnehin schon ist – aber ein Leben leben, nur weil es möglich ist; eine Existenz um der Existenz willen ?

Was wäre, wenn der Sinn des (menschlichen) Lebens darin bestünde, Informationen zu sammeln ?

Die Zeit, die den Menschen auf diesem Planeten (und höchstwahrscheinlich auch in diesem Universum) bleibt, ist vergleichsweise gering – was aber geschieht, wenn sie einmal nicht mehr sind ? Richtig, entweder war alles für die Katz, oder aber es wird eine Art Arche geschaffen. Eine Arche, die mit der allseits bekannten aus der Bibel kaum vergleichbar ist – zumindest nicht auf den ersten Blick. Diese Arche würde demnach alle Informationen, das heisst auch alle Erlebnisse, alle Gefühle, alle Träume, alle Ideen und Vorstellungen; kurz: jede bisher existierende menschliche Seele beinhalten. Wichtig dabei ist nur, sich das, was wir Seele nennen, als eine Art eigenständiger Supercomputer vorzustellen (genau das ist sie ja auch), ein Produkt aus elektronischen Signalen, die sich wiederum aus kleinsten Elementarteilchen zusammensetzen. Noch einmal theoretisch: wenn ihr die Hardware weggenommen würde, hiesse das noch lange nicht automatisch, dass auch die Software aufhört zu existieren. Vielleicht würde sie an einen anderen Ort transportiert oder gar wieder Teil eines übergeordneten Ganzen; etwas, das man sich wie einen Datenstrom vorstellen könnte, der auf kein bestimmtes System angewiesen ist.

Demnach wären die Menschen eine Art Client, der während der irdischen Existenz noch immer an einen Server gebunden ist – davon aber nichts bemerkt. Erst, wenn die äussere Hülle des Clients, der Körper, verschwindet – wird er wieder Teil des übergeordneten Systems. Dafür sprechen würde die Existenz des kollektiven Unterbewussten, dass eben dieses höhere System beschreiben könnte. So wären besonders die Träume der Menschen Teil eines wichtigen Prozesses der Datenübertragung, eine Einspeisung in ein höheres System, einen Wissenspool – jedoch handelt es sich grundsätzlich um eine einseitige Verbindung. Wir geben, aber erhalten nichts. Ist der jeweilige Client wieder Teil des Systems (Absorption), kann er niemals wieder in der ursprünglichen Form neu entstehen – entweder wird er aus alten Teilen neu zusammengesetzt, oder es werden vollkommen „leere“ Hüllen verwendet. Auch mögliche Reinkarnationen oder ein eigentlich nach nachvollziehbares Wissen wäre so erklärbar: vielleicht geht bei einem grundsätzlich zu vernachlässigenden Teil der Wesensbildungen etwas schief (beabsichtigt oder nicht), sie sind nicht gänzlich leer – sondern beinhalten bereits kleinste Teilchen aus dem Wissenspool.

Nimmt man nun an, es wäre so – hätte dies auch eine für manche etwas unangenehmere oder schwerlich zu akzeptierende Folge. Informationen (aus und über Gedanken, Handlungen) sind grundsätzlich neutral zu bewerten. Das heisst, dass man kaum umherkommt, im Zuge der Vorstellung eines übergeordneten Systems welches Informationen sammelt die „guten“ Informationen ebenso anzunehmen wie die „bösen“. Vergleichbar ist dieses Prinzip mit dem einer Zeitung, beziehungsweise den herausgegebenen Nachrichten: sowohl Schreckensmeldungen (häufig) als auch generell als positiv aufgefasste Ereignisse werden herausgegeben. Wichtig ist nur, dass überhaupt Informationen fliessen – eine Differenzierung erfolgt dann letztendlich in den Köpfen der Konsumenten dieser Nachrichten. Und noch einmal: demnach wäre ein jegliches gelebtes Leben, wie kurz oder lang es auch gewesen sein mag, ein Zugewinn an Information. Auch alle anderen Gegenüberstellungen wie ein gesetzeskonform geführtes Leben im Gegensatz zu einem kriminellen – wären mit einzubeziehen. Alles hätte in der Sammelstelle der Informationen, der hypothetischen, metaphysischen Arche – den gleichen Wert, der in erster Linie nur dadurch berechnet würde, dass überhaupt Informationen fliessen.

Diese Vorstellungen lassen einen, wenn nicht gar den wichtigsten Aspekt aller Weltreligionen vermissen – richtig: den, dass nach dem irdischen Leben eine Art Selektion stattfindet – der Weg geht entweder in Richtung „Himmel“ oder „Hölle“. Gute Menschen werden (nachträglich) belohnt, schlechte bestraft – eine Vorstellung, die mit der eben beschriebenen Hypothese überhaupt nicht vereinbar ist. Davon abgesehen ist diese vermeintliche Selektion für denkende Menschen das mitunter größte anzunehmende Übel – denn sinngemäß werden Menschen nicht als Monster geboren, sondern werden durch innere Entwicklungen und äußerliche Einwirkungen in diese Richtung, nennen wir es geschoben. Was hierzu aus schwer zu definierenden freien Zügen beiträgt und was durch unglückliche Umstände entsteht, einmal dahingestellt – potentiell würden so auch Menschen, die aus nicht-selbstverschuldeten Gründen „böse“ geworden sind, nachträglich bestraft. Aber sollte ihnen nicht das so bereits zur sinnbildlichen Hölle gemachte Leben Strafe genug sein ? Wenn es einen wie auch immer gearteten Himmel gäbe, sollte er dann nicht allen Seelen zugänglich sein ? Es wäre ja nun beileibe nicht so, dass in diesem Himmel eine weitere Differenzierung unmöglich wäre. Und nein, es soll an dieser Stelle keine Lanze für Gewaltverbrecher oder andere schwerkriminelle Menschen gebrochen werden – zumindest nicht im irdischen Sinne, denn hier kommen sie um eine gerechte (?) Strafe ohnehin nicht herum. Und das sollten sie auch nicht. Denn nach wir vor gilt im (besten) Fall:

„Das Weltall gehorcht Gott so, wie der Leib der Seele gehorcht, die ihn ausfüllt“ (Joseph Joubert)

Halten wir fest: die Hypothesen gehen in Richtung eines metaphysischen Seelenfeldes, in das alle Seelen wie auch immer wieder eingespeist und neu zusammengesetzt werden. Alle Erlebnisse in dem vom Kosmos oder „Gott“ zugewiesenen Körper sind in einem höheren Sinne als gleichwertig zu betrachten, unabhängig von der Verurteilung im jeweiligen irdischen System. Bleiben nur noch die Theorien um einen möglichen Messias, um eine Hoffnung die sich darum dreht, als Individuum nicht sang- und klanglos in der unendlichen Masse unterzugehen nachdem man seine „Pflicht“ getan hat. Dazu müssen wir noch einmal auf den Server, das Seelenfeld zurückkommen – das wie bereits erwähnt alle Informationen sammelt und gleichwertig behandelt, um das gesammelte in einer Art Arche aufzubewahren, als Zeugnis dessen, dass die Menschheit in Form von Clients existiert hat. Und vor allem auch, wie sie existiert hat und was es mitunter für Unstimmigkeiten gegeben hat. Wenn man davon ausgeht, dass „gut“ und „böse“ zwar gleichsam als Quelle von Informationen behandelt werden, das die Güte aber letztlich doch einen höheren Wert hat – dann wären auch besondere Erscheinungsformen möglich. Erscheinungs- und Daseinsformen, die über das menschliche Begriffsvermögen hinausgehen, und denen eine besondere Rolle zugewiesen wird. „Gott“ selbst könnte als grundsätzlich erschaffendes und gutwilliges Wesen eine solche Erscheinung sein, ein Wesen dass weder an den Server noch an einen spezifischen Client gebunden ist; sozusagen also als sphärisches Wesen zwischen allem und jedem mitschwingt. Vielleicht gibt es aber auch mehrere Götter, die sich wiederum die Frage stellen, wer oder was sie erschaffen hat. Einzig ihre Rolle wäre denen der Menschen gegenüber etwas eindeutiger, übergeordneter und damit wichtiger: sie sorgen dafür, dass weiterhin alles im Fluss ist – indem sie die Grundlagen für den Fluss selbst erschaffen, aber auch dafür sorgen, dass er gespeist wird.

Letztendlich gelangt man bei allen Überlegungen solcher Art, sei es in Bezug auf den wahren Ursprung oder den Sinn des Lebens immer wieder an die gleiche Grenze – zumindest, solange wir in dieser Daseinsform existieren. Ob mit oder gänzlich ohne Existenzberechtigung. Irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem es nicht weitergeht; an dem man droht die Grenze zur Unendlichkeit zu überschreiten – und dies ist etwas, zu was die Menschen zweifelsohne nicht imstande sind. So kann man sich nur auf das paradoxe berufen, auf Dinge, die dem menschlichen Verständnis nach keinen Sinn ergeben oder sich zumindest nicht logisch erklären lassen. Frei im Sinne der berühmten niemals endenden Treppe heisst es demnach: vor dem Urknall war nach dem Urknall, oder auch: dringen wir immer weiter in den Makrokosmos ein (und blicken in die Quarks, auf die potentiellen Strings), dann sehen wir im Endeffekt doch wieder den Makrokosmos, unser Universum von aussen. Nicht… ? Auch gut.

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6 Gedanken zu “Das Kommt Davon – Aber Was Kommt Danach ?

  1. ..und du wunderst dich noch, dass du ständig Kopfschmerzen hast. ^^ Der Sinn des Lebens wird sich einem – wenn überhaupt – erschließen, wenn man tot ist. Bis dahin sollte man sich mit irdischen Dingen auseinandersetzen und sein Leben so gut leben wie es nun halt im Rahmen möglich ist, auch wenn’s manchmal düster, trostlos und leer aussieht. Tue das was du gut kannst und was dir Spaß macht und versuche andere glücklich zu machen und lass dich nicht unterkriegen. Das schlimmste was man machen kann ist sich von anderen Leuten runterziehen lassen und hör endlich auf Fensterkitt zu rauchen! ^^

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  2. Kann das jemand bitte verfilmen, Kopf exploding, komplett durchgelesen und ich muss sagen teilweise etwas holprig zugange, aber danke für deine theoretischen Ergüsse.
    Unabhängig davon, wir müssen uns mal wieder unterhalten bzw. treffen.
    Have a lot fun. Und frohes schaffen.

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