Filmkritik: „Sunshine Cleaning“ (2008)

Originaltitel: Sunshine Cleaning
Regie: Christine Jeffs
Mit: Amy Adams – Emily Blunt – Jason Spevack – Alan Arkin u.a.
Laufzeit: 91 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Komödie (60 %) / Drama (40 %)

„Leiche im Keller ? Kein Problem !“

Inhalt: So oder so – das Leben ist ein schmutziges Geschäft. Für die beiden Schwestern Rose (Amy Adams) und Norah (Emily Blunt) hat dieser salopp dahergesagte Spruch allerdings eine besondere Bedeutung. Denn finanzielle Missstände bewegen sie dazu, eine besondere Reinigungsfirma zu gründen. Ihre Biohazard Removal / Crime Scene Clean-Up Service GmbH sorgt – wie der Name schon sagt – dafür, dass die menschlichen Überreste von Verstorbenen beseitigt werden. Irgendjemand muss es schließlich erledigen – auch wenn es keine besonders angenehme Arbeit ist. Schließlich tut vor allem Rose so auch etwas für die Zukunft ihrer Familie – sie möchte ihrem Sohn Oscar (Jason Spevack) ermöglichen, auf eine Privatschule zu gehen. Der scheint auf der Regelschule nämlich immer wieder Probleme zu bekommen – hat aber zumindest eine verständnisvolle Mutter. Auch der rüstige Vater der beiden Schwestern, Joe (Alan Arkin) tut sein bestes um der Familie zu helfen. Der Berufsalltag ist nicht immer leicht – und zudem häufen sich noch die privaten Probleme. Und es scheint, als würde auch die Vergangenheit der beiden noch darauf warten, aufgearbeitet zu werden…

Gute Laune vor ernstem Hintergrund - Sunshine Cleaning meistert die Balance

Kritik: Es weht ein frischer Wind – und das ist bei einem Beruf wie dem in Sunshine Cleaning porträtierten auch gut so. Wie man diesen Film auch anpackt – es handelt sich schlicht um eine aussergewöhnlich gut gemachte, bittersüße schwarze Komödie. Wer hier das gewöhnliche erwartet, wird positiv überrascht werden. Angefangen beim wirklich knallharten Filmstart, über den irrwitzigen Arbeitsalltag der beiden Schwestern; bis hin zu einem bewegenden Famlienporträt – der Fokus wirkt niemals eingeschränkt, sodass tatsächlich der Eindruck entsteht, man begleite die beiden Schwestern und ihre Familie auf Schritt und Tritt. Regisseurin Christine Jeffs ist es zweifelsohne gelungen, eine stimmige Balance aus schwarzkomödiantischen Elementen und bewegenden Lebensgeschichten auf die Leinwand zu bannen. In erster Linie hat dies einen hohen Unterhaltungswert zur Folge, doch neben den vielen amüsanten und stellenweise auch ekligen (Matrazen-Szene) Momenten werden immer wieder ernstere Elemente eingeschoben, die den Zuschauer kurz innehalten lassen und auf eine wunderbar subtile Art und Weise tiefgründiges vermitteln. Die heutzutage so angesagte Holzhammermethode sucht man hier glücklicherweise vergebens. Vielmehr wirkt das Gezeigte überaus authentisch und nachvollziehbar, vornehmlich auch durch den direkten Bezug zu den Charakteren.

Die beiden Schwestern bekommen mit ihren Alltagserlebnissen und der damit verbundenen Vergangenheitsaufarbeitung ebenso Aufmerksamkeit zugesprochen wie der Sohn von Rose, Oscar; oder auch die interessanteren Nebencharaktere. Wie Mac (Steve Zahn), der der geheime Liebhaber von Rose ist; oder Winston (Clifton Collins Jr.), der einarmige Verkäufer, der auch mal als Babysitter für Oscar einspringen muss. Der markanteste Nebencharakter ist dann aber doch Lynn (Mary Lynn Rajskub), eine Frau die ebenfalls viel durchgemacht hat, und nun in einem überaus zwiespältigen Verhältnis zu Norah steht. Dass der Film hierbei stets so gut funktioniert und so gut herüberkommt, ist in erster Linie – neben der Grundidee und der Umsetzung der Regisseurin – den Darstellern zu verdanken. Gerade die beiden Filmschwestern, gespielt von Amy Adams und Emily Blunt, leisten eine hervorragende Arbeit – und verstehen es, die Hin- und Hergerissenheit ihrer Charaktere (zwischen Lebensmut und tiefer Trauer) mit einer unglaublichen Intensität und Authentizität auf die Leinwand zu bannen. Auch die zahlreichen Nebendarsteller machen ihre Sache gut, besonders hervorzuheben ist aus dieser Riege sicherlich das Nachwuchstalent Jason Spevak, der seinen Charakter vom Schlag eines starken Aussenseitertypus ebenfalls äusserst versiert spielt.

Verdammt, wieso tut denn niemand etwas... !?

Fazit: Sunshine Cleaning ist zweifelsohne einer dieser US-Filme, bei denen die Attribuierung klein aber fein absolut zutrifft. Ein geringes Budget und generell wenig Aufriss führen dazu, dass man mit relativ neutralen Erwartungshaltungen an den Film herangeht (es handelt sich nun einmal nicht um einen millionenschweren Blockbuster) – und letztendlich doch merklich positiv überrascht werden wird. Die Grundidee ist nett und erfrischend, die Umsetzung gelingt in Anbetracht der angenehmen aus Tragik und (schwarzer) Komödie hervorragend. Die technische Aspekte zeigen abermals auf, dass man auch mit geringen Mitteln einen durchaus ansehnlichen Film gestalten kann – ganz ohne Special Effects oder teure Szenenaufbauten / Kostüme. Alles in allem – Sunshine Cleaning ist eine überdurchschnittliche, intelligente (Tragik-)Komödie; und damit eine klare Empfehlung. Eine noch höhere Wertung wird lediglich dadurch verhindert, dass der Film – insgesamt – dann doch noch ein stückweit zu konventionell, oder nennen wir es: brav daherkommt.

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