Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Of Wars In Osyrhia (2003)

Land: Frankreich – Genre: Epic Symphonic Power Metal

1. And So Came The Storm
2. Ride With The Sun
3. Doryan The Enlightened
4. The Storyteller
5. Fight For Your King
6. On The Path To Fury
7. Rebirth
8. The Fellowship
9. A Dark Omen
10. The Army Of The White Mountains
11. Of Wars In Osyrhia

Vorwort: Of Wars In Osyrhia ist das Debütalbum der französischen Symphonic Power Metal-Band Fairyland. Bei den Aufnahmen wirkten unter anderem Anthony Parker (Heavenly) an der Gitarre und Elisa C. Martin (Dark Moor) als Sängerin mit. Sie, und auch die Bandgründer Philippe Giordana und Willdric Lievin (die die Band erst Fantasia nannten) verbindet vor allem eines: die große Passion für fantasievolle Geschichten, verpackt in einem möglichst episch-symphonsichen musikalischen Gewand.

Kritik: Und so geschah es, in einer längst vergangenen Zeit, als ein mächtiger Sturm über das Land zog und Angst und Schrecken verbreitete… ein wunderbar-imposantes, von klassischen Einflüssen angehauchtes Intro mit dem Titel And So Came The Storm bildet den Auftakt für ein Fairyland-Album der ganz besonderen Art. Ein besonders herausragendes, hochqualitatives, poetisch-majestätisches nämlich – alles Attributierungen, die bereits beim vergleichsweise kurzen Intro vollends zur Geltung kommen. Ein stimmiger Erzähler bietet die Einführung in die Alben-eigene Geschichte, beziehungsweise das Fairyland-Epos – woraufhin er von einer satten Bombast-Soundkulisse mit Chören und reichlich Prunk abgelöst wird. Wie hätte man dieses Intro noch perfekter gestalten können ? Richtig – 10/10.

Dann schlägt der Opener des Albums, Ride With The Sun, zu – und schöpft erstmals aus dem musikalischen Vollen. Offenbar sind der Kreativität der Band keine Grenzen gesetzt, dementsprechend droht dieses „Volle“ immer wieder überzuschwappen, ein jeder Song steht geradezu kurz vor der Explosion. Doch dafür sind nicht, wie so oft, das Tempo, endlose Gitarrensoli oder übertrieben hohe Gesangsstimmen verantwortlich. Nein, bei Fairyland sind es eine überbordende Fantasie und eine enorme Komplexität der Arrangements, die zu begeistern wissen. So gesellt sich die Band in etwa auf eine ähnliche Ebene wie Rhapsody Of Fire – wobei Fairyland sich eindeutig mehr auf die klassischen Elemente und Chorpassagen fokussieren. Die Klassik ist hier allerdings deutlich mehr Soundtrack und Fantasy-Hörspiel, die Drums und Gitarren fungieren als Beiwerk zu einer theoretisch auch eigenständig funktionierend Gesamtkomposition. Der Opener stellt sämtliche Fähigkeiten der Band zur Schau, und lässt den Hörer beinahe sprachlos zurück. Ein netter Gesangspart, eine bombastische Soundkulisse, ein komplexer aber dennoch überaus eingängiger Refrain; es bleiben keine Wünsche offen – 10/10.

Episch, Epischer... Das Debütalbum von Fairyland

Nun, wem die Leadsängerin bekannt vorkommt, der irrt sich möglicherweise nicht: in der Tat handelt es sich hier um Elisa C. Martin, vielen bekannt als frühere Sängerin der spanischen Metalband Dark Moor. Beim folgenden, höchst mystischen Doryan The Enlightened darf sie ihr Talent dann auch etwas ausführlicher präsentieren – dies gepaart mit einer enormen Bandbreite an aufkommenden Emotionen und sich immer wieder abwechselnden musikalischen Grundstimmungen machen auch diesen Titel zu einem echten Hörgenuss. Wieder hat auch ein überaus episch-eingängiger Refrain den Platz in diesem knapp 6-minütigen Stück gefunden – bei Fairyland sollte man eindeutig von Stücken sprechen, und nicht von Titeln / Tracks / Songs. Nach den 6 Minuten kann man kaum anders als sich überwältigt zu fühlen – auf anderen Alben werden dem Hörer doch zumeist eher Ruhepausen vergönnt, nach einem so druckvoll-epischen Opener ? Wie gut, dass dies hier nicht der Fall ist und Fairyland eine deutliche Marschrichtung vorgeben. Die Hintergründigen Chor- und Männergesänge, der komplexe Instrumentalteppich – vieles offenbart sich dem Hörer erst beim zweiten oder dritten Durchlauf. Gänsehaut pur – 10/10.

Nach den ersten Eindrücken stellt man dann unweigerlich fest, dass hier noch jemand – neben den Gitarristen, Sängern und dem Schlagzeuger – seine Finger im Spiel hat. Und das nicht zu knapp. So kommt man auf Philippe Giordana, der einen nicht unerheblichen Teil zur Gesamtwirkung des Fairyland-Konzeptes beiträgt. einerseits fungierend als Komponist, steuert er auch die unzähligen Keyboard-Passagen bei, spielt die akustische Gitarre und ist außerdem noch für die Backing-Vocals verantwortlich. Der Wahnsinn, was dieser Mann hier (offenbar mit gar nicht mal so protzigen Mitteln) mithilfe seines Kumpanen und Band-Mitbegründers Willdric Lievin zustande bringt – so wirken auch deutlich ruhigere Stücke wie die Nummer 4 des Albums, The Storyteller; ebenfalls äusserst versiert und vielschichtig. Oder kurz: niemals wirklich eintönig oder langweilig. So kommt man als Hörer doch noch an die obligatorische Entspannungsnummer- zur Abwechslung sicher nicht verkehrt – 9/10.

Mit Fight For Your King geht es dann, wie der Titel schon vermuten lässt, wieder etwas expliziter zur Sache – Schwerter klirren nicht nur textlich-inhaltlich, sondern tatsächlich; man hört es leise im Hintergrund. Doch dies ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange, es finden sich viele weitere Feinheiten und nette Ideen. Sofern man genau hinhört beziehungsweise das Stück mehrmals durchlaufen lässt, versteht sich – den Höhepunkt erreicht das Stück dann gegen Ende, bei dem ein leises Glockenläuten gepaart mit einem episch-emotionalen Refrain und einer kräftigen Elisa C. Martin ineinander laufen – 9/10.

On The Path To Fury beginnt in bester Hörspiel-Manier, schlägt dann aber wieder schnell die Brücke zum Symphonic Metal in all seiner Ausdruckskraft. Markant, und ein großer Zugewinn in Sachen Unterhaltungswert, Stimmung und gefühlter Erhabenheit: die rhythmischen Backgroundgesänge, sowie der abermals äusserst erhabene Refrain. Aber auch die Metal-Parts kommen nicht zu kurz: nette Soli, ein deutlich herauszuhörendes Schlagzeug und generell ein hohes Tempo machen auch dieses Stück zu einem echten Uptempo-Bombast-Kracher. Größtenteils – die Stimmungen wechseln sich natürlich immer mal wieder ab. Der Höhepunkt: die mystisch-verspielten Arrangements ab Minute 3.30 – der Wahnsinn. Filmsoundtrack gepaart mit einem Symphonic– und hier auch zweifellos Cosmic Metal, grandios – 10/10.

Im folgenden Rebirth darf sich Elisa C. Martin dann wieder von ihrer gefühlvollen Seite präsentieren. Richtig, es handelt sich um eine Ballade, die erste explizitere auf dem Album. Untermalt wird der bewegende Text von einigen zarten Klavier- und Flötentönen. Doch was wäre eine Ballade wie diese ohne Überraschung a’la Fairyland… und die kommt in Form eines dann doch wieder mehr als erhabenen Refrain daher. Man möchte einfach aus seinem Sessel aufstehen, in den Himmel schauen oder versuchen, die Welt zu umarmen. Epischer geht es nicht – 10/10.

Und es hört nicht auf: The Fellowship ist das nächste Stück, welches man auf Anhieb wieder in die Kategorie epischer Brachialhammer einordnen kann. Besonders markant an diesem Album ist, dass viele der Stücke zwar auf ein ähnliches Konzept setzten – sich die einzelnen Werke aber dennoch gänzlich voneinander unterscheiden. So hat man (im besten Fall) nie das Gefühl, als würde sich ein Titel wiederholen – die jeweilige Kraft, Poesie und Erhabenheit sorgen stets für eine gewisse Unverwechselbarkeit. So kommen auch in The Fellowship die bereits aus den vorherigen Stücken bekannten Männerchöre, Soli-Passagen und ein sagenhaft-epischer Refrain vor – doch man kann einfach nicht an einen Neuaufguss denken, sondern eher daran; wie Fairyland in Sachen Epicness und Erhabenheit immer noch eins draufsetzen können. Ein kurzer Erzählpart und die sagenhafte Instrumentalisierung machen auch diese Nummer zu einem potentiellen Fantasy-Soundtrack der Extraklasse – 10/10.

Bei einem Titel wie The Dark Omen würde man doch sicherlich eine etwas düstere Stimmung vermuten – nun, ansatzweise mag dies auch zutreffen; doch alles was sich bei Fairyland abspielt bewegt sich eben im entsprechenden Rahmen des epischen. Das heisst, auch die düsteren Nummern kommen extrem druckvoll und erhaben daher, und wissen die stimmungstechnische Bedrohlichkeit in einem höher geordneten Kontext anzubieten. Wie gut das funktioniert, zeigt sich bei The Dark Omen: subtil-düstere Samples, die stellenweise ein wenig an Eternal Glory von Rhapsody Of Fire erinnern (Orgel), sorgen für eine zusätzliche Stimmungskomponente. Natürlich gibt es hier reichlich Abwechslung, sodass innerhalb kürzester Zeit eine akustisch vermittelte „Bedrohung“ schnell wieder in einer Aufbruchsstimmung mündet. Ein satt schmetterendes Gloria gibt es obendrauf, sowohl im Stück als auch in Bezug auf die Einzelwertung – 10/10.

Und, wer sich bei diesem Album tatsächlich doch über eine Eintönigkeit beschweren sollte, für den sollte The Army Of The White Mountains das Gegenbeispiel sein. Denn hier handelt es sich um das erste reine Instrumentalstück des Albums. Gewiss ist es auch nicht so, dass hier einfach auf ähnliches Material aus den bereits verwendeten Songs zurückgegriffen wurde – man hört, dass es sich hier um ein besonders eigenständiges Stück handelt. Andere Samples, eine andere Struktur – und vor allem keine Gitarren, sondern Klassik beziehungsweise Filmmusik pur. Das Ganze klingt mystisch, fantasievoll, und ist auch in Sachen Abwechslung gerade das Richtige – 10 /10.

Als Abschluss dieses bisher mehr als sa-gen-haften Albums fungiert dann das knapp 11-minütige Epos Of Wars In Osyrhia, der Titeltrack des Albums also, den man sich bis zum Schluss aufgehoben hat. Und wieder wird deutlich: wer nach Abwechslung sucht, möge sie auch finden – es beginnt bereits mit der höchst unterschiedlichen Spieldauer der einzelnen Stücke. Eigentlich braucht man über diesen grandiosen Abschluss keine Worte mehr zu äussern, ausser: jetzt aber los, das Album kaufen10/10.

Fazit: Wahrlich, hier geht einem das (Metal-)Herz auf – gesetzt dem Fall, man kann sich generell auf dieses musikalisches Genre einlassen, welches sich aus Elementen der Klassik, Heavy- / Melodic-/ Power- /Symphonic Metal und Fantasy-Hörspielen zusammensetzt. Das heisst de facto, das Album ist nichts für Metaller, die sich ausschließlich auf eine möglichst gradlinige, riffbetonte Spielart des Metal einlassen können – und wohl auch nichts für reine Klassik-Fans, die die doch recht prägnant auftretenden Metal-Elemente möglicherweise als irritierend bezeichnen werden. Und, wie gut das ist – erfinden Fairyland mit dieser Scheibe doch beinahe ein gänzlich neues Genre, eben ein solches, welches sich in keine einzelne Schublade einordnen lässt. Fantasy Opera Melodic Power Metal wäre vielleicht eine (nicht wirklich existierende) Bezeichnung, die man diesem Album verpassen könnte – wobei über allem ganz klar der Begriff „episch“ steht.

Eine satte Produktionsqualität, zahlreiche talentierte Musiker, ansprechende Lyrics und gleichsam verspielte und versierte Arrangements machen das Album zu einem einmaligen Genuss. Ein Silberling wie Of Wars In Osyrhia von Fairyland ist nicht einfach nur ein Teil einer einzelnen Band-Diskografie, sondern ganz einfach ein Stück Musikgeschichte – die ein jeder Musikbegeisterte in seinem Regal stehen haben sollte. Auch noch im Jahre 2011, beziehungsweise jetzt erst Recht, sofern noch immer nicht geschehen. Die Musik von Fairyland ist einfach zeitlos, fantasievoll und gnadenlos episch – da muss man nicht erst in Stimmung sein um drauf los zu legen – die Stimmung entsteht ganz von selbst und mit dem ersten Titel des Albums. Es ist selten, doch in diesem Fall relativ eindeutig: Höchstwertung !

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