Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Great Moravian Elegies (2004)

Land: Tschechien – Genre: Melodic Power Metal

1. Up For The Past And Future
2. Forefathers‘ Realm
3. Never Give Up
4. The Blackest Wings
5. Everlasting Flame
6. Unchained Land
7. Hero
8. Calm Down The Fury
9. Brave Men’s Chant
10. Nothing But Dust
11. Out Of The Ashes
12. Homage The Great
13. Aeons Gone Away

Vorwort: Nanu, eine (mir) bis dato unbekannte Melodic Power Metal-Band aus Tschechien ? Tatsächlich existiert die Band Salamandra, wenn auch mit einigen Besetzungswechseln, bereits seit 1998. eine durchaus ansehnliche Zeit und Schaffensperiode also, in der die Band bis heute (2011) insgesamt 5 Studioalben veröffentlicht hat. Great Moravian Elegies ist hierbei das dritte im Bunde, und wurde 2004 auf den Markt gebracht – die Reaktionen waren und sind bis heute entsprechend positiv. Die Band spielt einen erfrischenden Melodic Speed beziehungsweise Melodic Power Metal, wobei auch andere Einflüsse zur Geltung kommen – und die sind nicht zu überhören. So verspricht Great Moravian Elegies einerseits zwar in bekannten Genrepfaden zu wandeln, andererseits aber für ein relativ einzigartiges Metal-Vergnügen zu sorgen. Ich bin gespannt !

Kritik: Und tatsächlich – kaum legt man die vielversprechende Scheibe ein, schallt einem ein ansprechend-erhabenes Intro entgegen, welches Up And Past For The Future getauft wurde. Die Produktionsqualität, die klassisch-symphonisch angehauchten Samples und Arrangements scheinen denen anderer Genrevertreter in nichts nachzustehen. Es beginnt mit einem kurzen Erzählpart vor seichter Instrumentalkulisse, geht dann über in ein wenig Chorgesang – und dann hin zu einer wunderbaren weiblichen Sopranstimme. So kann es gerne weitergehen (9/10). Und dann startet auch schon der Opener Forefathers Realm durch. Der erste Eindruck: nanu, was ist denn das ? Einerseits gespickt mit genretypischen Elementen, andererseits Band-spezifisch aufgepeppt mit recht einzigartigen Elementen (und sei es nur der spezielle Slang des Leadsängers) – das Ganze macht doch erstaunlich Laune. Die Aussprache scheint nicht immer glasklar zu sein – doch das stört nicht, im Gegenteil – sorgt gerade dieser Faktor für eine entsprechende Innovation. Der Titel bietet alles, was man als Genrefan zu schätzen weiss – wobei besonders Liebhaber von Bands wie Rhapsody Of Fire, Kaledon (früher) oder des genrell etwas verspielteren Melodic Power Metals Gefallen finden dürften. Ein absolut eingängiger Refrain mit Ohrwurm-Charakter rundet das Ganze ab – besonders gut zur Geltung kommt auch der kurze Piano-Einschub gegen Ende. 10/10 – vielleicht schon die Hymne des Albums !

Das nächste Stück hört auf den Namen Never Give Up, eine nicht ganz so vergnügt-verspielte Nummer wie der Opener. Aber dennoch: atmosphärische Zwischenpassagen sorgen für die nötige Abwechslung, auch in Sachen Tempo – auch wenn der Doublebass auch hier die hintergründige Soundkulisse zu dominieren weiss. Besonders auffällig ist, dass die Gitarren niemals deutlich vordergründig gespielt werden – andere Instrumente, aber vor allem auch abwechslungsreiche Samples beschreiben die akustische Szenerie. Orgel-artige Klänge, ein kleiner Männerchor und verspielte Flötentöne sorgen für einen Hörgenuss der etwas anderen Art – mal eindeutig in Richtung Melodic Power Metal, mal ein paar Folk-Anleihen – langweilig wird es nicht, und dazu ist das Ganze noch perfekt abgemischt und produziert (8/10). Auch The Blackest Wings beginnt mit einigen Salamandra-typischen Samples, die ein wenig an Holy Knights erinnern (Richtung 80er-Jahre-Synthie), danach beginnt dann eine wunderbare Strophenpassage, die abermals das Können von Leadsänger Dalibor „Panther“ Halamíček unter Beweis stellt. Später gesellt sich noch eine weibliche Gastsängerin hinzu, und erstmals kommen auch die Gitarren richtig schön zur Geltung. Das Highlight schlechthin sind aber sicherlich die Chorgesänge gegen Ende (7/10).

Bisher keine Ausfälle – und auch Everlasting Flame präsentiert sich in einem angenehmen Licht – zumindest, wenn man nichts gegen ein eindeutig balladeskes Stück hat. Diese Ballade zeichnet sich vor allem durch den hintergründigen Frauengesang und den – wieder einmal – sagenhaften Refrain aus. Hie und da setzen wieder die Flöten und der Männerchor ein – und sogar der Doublebass meldet sich kurzzeitig zurück. Wenn so eine Ballade klingt, dann greife auch ich nur allzu gerne zu, zumal es gegen Ende hin doch immer flotter wird (8/10). Mit Unchained Land wird dann wieder eine etwas flottere Gangart eingelegt, was natürlich ebenso oder noch mehr Laune macht. Satte Instrumentalpassagen und Soli, ein melodiöser Refrain – auch wenn dieser nicht ganz so versiert klingt wie die vorherigen, noch immer ein mehr als solides Stück (7/10). Auch Hero weiss den Hörer zu begeistern, auch wenn der Song nicht mehr ganz so spektakulär daherkommt wie vielleicht aufgrund des Titels vermutet (7/10). Calm Down The Fury beginnt mit einer längeren Orgel-Passage und überaus emotionalem Gesang, wobei der Höhe- beziehungsweise emotionale Siedepunkt schnell erreicht wird – mit einer Sopranistin und dem dezenten Männerchor und den lauter werdenden Orgeln klingt das Ganze einfach nur episch-erhaben. Auch wenn es sich zweifelsohne um einen der etwas ruhigeren Titel handelt – doch Salamandra vermögen es, auch ihre Balladen stets anspruchsvoll und abwechslungsreich zu verpacken. Wahnsinn – 10/10.

Der Brave Men’s Chant klingt zu Beginn noch nach relativ wenig – die Strophen wirken zwar textlich ansprechend (klischeehaft, werden einige sagen – so ist das eben bei Heldensagen im Power Metal), doch noch relativ dünn präsentiert. Dann aber setzt der Refrain ein – und das Ganze wandelt sich überraschenderweise doch noch zu einem echten epischen Kracher. Doch nicht nur der Refrain weiss in seiner erhabenen Manier zu Gefallen – auch die Instrumental- und Solipassagen machen wahrlich Laune. So langsam mausert sich das Album doch zu einer echten Hymnen-Zusammenstellung (10/10). Nothing But Dust klingt da schon gänzlich anders, zumindest in den Strophen. Der Titel ist eher im Midtempobereich angesiedelt, und setzt viel deutlicher auf Gitarrenriffs, klaren Gesang und beinahe schon jazzig-fröhliche Samples (7/10). Out Of The Ashes vermag es dann schon nicht mehr, direkt zu überzeugen – der unaufhörlich dröhnende Doublebass und der – relativ – balanglose Gesamteindruck sorgen dafür, dass dieses Stück eher in der Masse der 13 Tracks unterzugehen droht (6/10). Homage The Great ist dann wieder eine explizite Ballade mit sanften Klaviertönen und zarten Gesang, mit einigen gut dosierten Ausbrüchen und dem Einsatz des bereits bekannten Männerchores. Nette Solipassagen und der leicht erhabene Gesamteindruck bugsieren das Stück noch über das Mittelmaß (6/10). Aeons Gone Away schließt das Album absolut rund ab (7/10).

Fazit: Doch, doch – Great Moravian Elegies vermag es eindeutig, aus der Masse der Power Metal-Releases herauszustechen und trotz oder gerade wegen der Eigenständigkeit und Innovation ein überaus eingängiges Hörvergnügen zu bieten. Ein paar Mal gehört, und man wird die Scheibe richtig zu schätzen wissen – auch wenn die Qualität gegen Ende hin gefühlt etwas abnimmt. Einerseits simpel, andererseits doch überraschend technisch und verspielt – Vergleichsbands finden sich trotz des völlig überlaufenen Genres kaum. Und genau das zeichnet eine gute Power Metal-Band aus !

Etwas mäßige Qualität, aber der mitunter herausragendste Titel des Albums:

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