Metal-CD-Review: MERGING FLARE – Reverence (2011)

Land: Finnland – Genre: Melodic Power Metal

01. At Daggers Drawn (04:27)
02. Faker (03:01)
03. Carved in Stone (03:21)
04. Terrordome (04:02)
05. In the Line of Fire (03:04)
06. Steel Redeemer (03:13)
07. Pride and Bravery (04:09)
08. Killing Ground (03:48)
09. Under the Fire (04:06)
10. Star Odyssey (04:08)
11. Sign of the Crimson Storm (04:31)

Vorwort: Aus Finnland stammen die Power-Metaller von Merging Flare – einer Band, deren Mitglieder bereits seit einiger Zeit musikalisch aktiv sind. Allerdings war es für sie erst in den Jahren 2003 und 2005 an der Zeit, zwei Demo-Cd’s unter eben diesem Bandnamen unter das Volk zu bringen. Noch einmal einige Jahre später erhielten sie endlich einen vernünftigen Plattenvertrag, woraufhin die Arbeiten an Reverence begannen – und jetzt, im Jahre 2011, liegt das Debütalbum endlich vor. Die Frage lautet nun: bringen die Jungs aus dem „Heimatland“ des Power Metal wirklich frischen Wind in das Genre – oder handelt es sich lediglich um eine Riesenportion heisser Luft ? Als Vergleichsbands werden jedenfalls stets Hochkaräter des Genres aufgefahren: ob nun Gamma Ray, Edguy oder Primal Fear; all diese Bands sind schon seit einigen Jährchen dabei und haben das ein oder andere hochqualitative Output abgeliefert.

Kritik: Der Opener At Daggers Drawn zumindest lässt großes hoffen – das Ganze klingt sehr versiert vorgetragen, und kommt gar mit einem gewissen Nostalgie-Gefühl daher. Und das, obwohl es sich um ein Debütalbum handelt ! Dennoch, eine gewisse Stimmung der 80er schimmert hie und da durch, die Melodien wirken frisch-verspielt und der Leadsänger weiss in allen Lagen mit einer angenehmen und keinesfalls aufdringlichen Stimme zu punkten. Und dann das: kann es wirklich sein, dass in der zweiten Strophe plötzlich ein gewisser Kai Hansen den Reverence-Schauplatz betritt ? In der Tat, wobei er später gar noch bei einem weiteren Stück mitwirken wird. Der Ersteindruck ist für ein Debütalbum mehr als positiv – so kann und darf es gerne weitergehen (9/10). Faker kommt noch deutlich flotter, und mit sehr abwechslungsreichen Gesangsvariationen daher – so kann es gehen, kurz und knackig (ca. 3 Minuten Spielzeit), und dennoch ein spürbar aufregender Gesamteindruck. Und zudem findet sich immer noch Platz für eine ausgedehnte Solipassage in der Mitte (8/10). Carved In Stone ist dann schon deutlich gemäßigter gehalten. Der Titel zeugt zwar erneut von einer sagenhaften Produktionsqualität, doch bis auf den zumindest ansatzweise innovativen Refrain gehen vor allem die balladesken Strophen ein wenig in der Belanglosigkeit unter (6/10). Wie wäre es denn dann mit Terrordome ? Die im Titel steckende, härtere Gangart manifestiert sich in diesem Fall nicht durch die Instrumentalisierung (stampfendes Midtempo), sondern durch den markant-angestrengten Gesang, der ein wenig an ACDC erinnert, zumindest in den Strophen. In Sachen Abwechslung sicher nicht verkehrt, vor allem der Aufbau zum Refrain gelingt wunderbar melodiös – einmal dort angekommen wirkt das eingerufene in the terrordome dann aber doch ein wenig motivationslos. Später werden gar leichte Parallelen zu Queen ersichtlich – wie gesagt, noch ein bisschen Helloween und Gamma Ray hier und da, und fertig ist das Gesamtpaket Merging Flare. Das kann man mögen, muss es aber nicht – um ein wirklich starkes Debüt abzuliefern, muss sich die Band noch deutlich mehr von der Masse (und den jeweiligen Vorbildern) abheben (6/10).

Vielleicht gelingt ihnen das ja mit In The Line Of Fire ? Interessanterweise scheint Reverence ein Album der Parallelen zu sein, die man als langjähriger Power-Metal-Anhänger sicherlich ziehen kann und darf – stellenweise klingt das Arrangement stark nach früheren Werken der französischen Band Heavenly, wenngleich die Stimme des Leadsängers natürlich gänzlich anders klingt. Aber dennoch – auch dieser Dreiminüter vermag es noch nicht, etwas wirklich neues, innovatives, frisches abzuliefern – und für eine Hommage (an andere Bands oder schlicht das Genre) wirkt das Ganze dann doch etwas zu unspektakulär. Immerhin sind die Soli-Passagen immer wieder nett anzuhören (6/10). Steel Redeemer, der nächste Titel im Bunde, bezieht sich dann wieder ansatzweise auf die etablierte Stimmung in Terrordome – nur, dass diesmal auch die Instrumentalisierung entsprechend mitzieht (sehr, sehr flott). Und tatsächlich: der angestrengt-raue Gesang kommt nun viel besser und weniger künstlich wirkend zur Geltung, die Gitarrenparts sind erstmals von einer eingänig-ansprechenden Melodiösität durchzogen, und der Refrain beziehungsweise der Aufbau zum selbigen wirkt ebenfalls markant-einzigartig. Endlich ! Verschiedene Gesangstimmen kommen zusammen, eine Art „Behilfschor“ stimmt mit ein, ein paar Screams in bester Halford-Manier werden hingeschmettert… der bisher beste Titel des Albums, der Anhänger des Genres erstmals 100%tig zufriedenzustellen weiss (10/10).

Pride And Bravery geht dann schon wieder in eine andere Richtung – aber tatsächlich scheinen nun jegliche Eingewöhnungsphasen überstanden zu sein. Nach dem starken Steel Redeemer weiss nun auch dieser Titel restlos zu begeistern. Midtempo trifft auf Ballade trifft auf emotionsgeladene Hymne – anders lässt sich dieser Titel wohl kaum beschreiben. Geniale Gitarrenparts und ein wahrlich erhabener, dabei leicht melancholischer Refrain sorgen für einen satten, perfekten Gesamteindruck (10/10). Killing Ground folgt sogleich – und wartet zwar mit ansprechenden Strophen, dafür aber einem stark gewöhnungsbedürftigen (da eindeutig zu lauten und aufdringlichen) Refrain auf, welcher nicht so Recht zur restlichen Soundkulisse passen will – wieder ein deutlich schwächerer Song-Moment, vielleicht sogar der schwächste des Albums (4/10). Under The Fire besitzt schon wieder gänzlich andere Anleihen – der Refrain ist sehr simpel, der Chorgesang wirkt eher aufgesetzt; man scheint sich hier eher an gewissen Symphonic Metal-Bands zu orientieren – doch in diese Richtung sollte Merging Flare nun nicht auch noch versuchen zu gehen (5/10). Da erscheint das folgende Star Odyssey schon eher wie die gelungene Form des eben abgeschlossenen Experiments – ein etwas rauerer Gesang, nette Samples, ein ebenso simpler aber hier weitaus besser funktionierender Refrain bugsieren den Song schon wieder deutlich über das Mittelmaß. Wenn da nur nicht die verschiedenen, irgendwie nicht so Recht zusammenpassenden Stilrichtungen wären ! Judas Priest trifft auf Heavenly trifft auf Gamma Ray und diesmal sogar noch auf Galderia – es fällt nach wie vor schwer, einen Titel wie diesen hier als eigenständiges Werk zu betrachten (7/10). Der Bonustrack Sign Of The Crimson Storm schliesst das Album abermals mit einer anderen, deutlich 80er-Jahre-orientierten Stimmung ab – wahrlich, der Stilrichtung sind auf diesem Album viele vertreten (6/10).

Fazit: für ein Debütalbum sicher nicht verkehrt – Merging Flare versuchen mit Reverence, zahlreiche Genres und damit auch die entsprechenden Fans zu bedienen. Nur leider gelingt dieser Spagat nicht immer, sodass einige Songs unbeabsichtigt künstlich-gezwungen wirken. Wenn sich die Finnen dann aber mal für eine Richtung entschieden haben – und das ist hoffentlich der satt-flotte Melodic Power Metal a’la Steel Redeemer (und zur ebenso qualitativen Abwechslung etwas gemäßigt-balladeskere Stücke wie das kultige Pride And Bravery) – dann scheinen sie zu Höchstformen aufzulaufen. Die beiden eben genannten Stücke sind eindeutig die Highlights des Albums, neben dem beinahe ebenso starken Opener mit Kai Hansen. Dazwischen und gegen Ende hin finden sich aber immer wieder Versuche, die Genregrenzen in jeglicher Hinsicht auszuweiten, was eine gewisse Identität der Band vermissen, und eher an eine Art Experimentierphase denken lässt. Wenn die Jungs das nächste Mal noch ein wenig entschlossener ans Werk gehen, dann steht dem wahren Hörvergnügen wohl nichts mehr im Wege. Aber auch so reicht es noch locker für eine Kaufempfehlung.

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