Filmkritik: „Eureka Seven – Good Night, Sleep Tight, Young Lovers“ (2009)

Originaltitel: Koukyoushi Hen: Eureka Seven – Pocket Ga Niji De Ippai
Regie: Tomoki Kyôda
Mit: Yûko Sanpei – Kaori Nazuka – Keiji Fujiwara u.a.
Laufzeit: 114 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 12
Genre: Animationsfilm (Science Fiction / Action / Drama)

Sinnvolle Franchise-Fortführung oder billiger Abklatsch einer guten Anime-Serie ?

Inhalt: Die Welt steht Kopf – das Militär hat sich organisiert, um gegen eine feindliche Rasse zu bestehen, die Image genannt werden. Diese seltsamen Wesen haben unterschiedliche Erscheinungsformen, und setzen zusätzlich auf Spionagemethoden, um mögliche Schwächen der Menschen aufzudecken. So ist auch das junge Mädchen Eureka in Wahrheit ein perfekter Spionageroboter, der erst noch unter relativ normalen Umständen aufwächst und dabei den etwa gleichaltrigen Renton kennenlernt. Doch bereits als Kind wird das seltsamerweise als Geheimwaffe bezeichnete Mädchen in Gewahrsam genommen und damit Renton entrissen – der sich daraufhin starke Vorwürfe macht und sich schwört, Eureka niemals wieder alleine zu lassen sollte er sie jemals wiederfinden. Und tatsächlich – als junger Leutnant der Armee trifft er erneut auf die von Experimenten gezeichnete Eureka, und spürt seine schon immer währende Liebe zu ihr erneut aufflammen. Doch inmitten des Chaos wird das Schicksal der beiden Liebenden auf eine harte Probe gestellt… noch immer sind verschiedene Fraktionen hinter Eureka her, die für den weiteren Werdegang des bitteren Krieges eine enorme Rolle zu spielen scheint. Doch solange Renton an ihrer Seite ist, fühlt sie sich wohl und dazu in der Lage, gegen alle Widrigkeiten der Welt zu bestehen. Gemeinsam mit der Nirvash, einer besonderen Kreatur die zu einem Kampfroboter mutieren kann, ziehen sie in den Krieg…

Kritik: Ja, wie soll man einen Film behandeln, der eindeutig als Spin-Off einer bereits abgeschlossenen TV-Serie fungiert (Eureka Seven – Review hier), und sich dementsprechend auch grob an bereits bekannten Inhalten orientiert ? Sollte man ihn als eine Art Bonus oder Zusatz für Fans der Serie betrachten, die hier im besten Fall Antworten auf noch ausstehende Fragen bekommen – oder sogar als komplett eigenständiges Werk, welches gar nicht direkt verglichen werden will ? Aber wie man es auch dreht und wendet – im Fall von Eureka Seven schlägt der einige Jahre nach der Serie produzierte Film leider in vielerlei Hinsicht fehl. Er ist kein wirkliches Serien-Beiwerk in dem Sinne, da er zwar auf bekannte Figuren und Elemente setzt aber grundsätzlich eine vollkommen differente Handlung erzählt – doch auch als eigenständiger Film und für Nicht-Kenner der Serie bietet er kaum Potential. Aber warum ist das so, und wie konnte sich das Studio Bones einen solchen Fauxpas erlauben – nachdem Eureka Seven als Anime-Serie weltweit Erfolge einheimsen und große Fangemeinden formen konnte ? Grundsätzlich kann man bezüglich der Fragestellung nach der Existenzberechtigung dieses Animes in Spielfilmlänge wohl nur vage mutmaßen. Wollte das Studio das EurekaFranchise schlicht noch einmal zum Leben erwecken, um Profit daraus zu schlagen ? Der Bekanntheitsgrad der Serie spräche immerhin dafür.

Dies würde allerdings in keinster Weise erklären, warum das Studio die Fans der Serie – von denen automatisch einige zum Film greifen dürften – auf diese Art und Weise, seien wir ehrlich: foppt. Neueinsteiger hin oder her – wenn man als Studio schon eine Fangemeinde etabliert hat, greift man doch gern auf selbige zurück, das ist nur natürlich und richtig. Renommierte Regisseure und kreative Denker wie Hideaki Anno beweisen dabei mit Reboots von bekannten Serien wie Neon Genesis Evangelion (ebenfalls in Spielfilmform), dass derlei Projekte durchaus von den Fans angenommen werden; ja, es sogar vermögen das Originalwerk noch zu übertreffen – nur ist dazu nicht jeder Filmemacher imstande. Ein solches Negativbeispiel findet sich auch nun in Form des Filmes zu Eureka Seven – leider. Immerhin bot das in Serie gezeichnete Sci-Fi-Universum einiges an Potential, und war auch nach satten 50 Folgen noch längst nicht abgenutzt. Und auch einige Fragen blieben beabsichtigterweise offen, wie auch das eigentliche Ende in seiner leichten Ungewissheit – es bleibt schleierhaft, wieso man bei Bones nicht genau an diese Fragestellungen anknüpfte, sondern stattdessen eine komplett eigenständige Geschichte erzählt.

Kenner der Serie werden die eventuell liebgewonnenen Charaktere der Serie nun nicht mehr wiedererkennen, so verquer werden sie charakterisiert und dargestellt – einzig Renton und Eureka als Hauptfiguren bleiben weitestgehend unverändert. Besonders ärgerlich erscheint auch, dass die Macher des Films offenbar unbedingt jeden Charakter aus der Serie noch mit in den Film hineinquetschen mussten – dies geschieht zumeist ohne Zusammenhang oder Sinn. Ehemals wichtige Figuren verkommen so zu für einige Sekunden lang auftauchende Statisten, und auch sonst wird die Charakterkiste noch einmal ordentlich durchgeschüttelt. Die Erzählung beginnt nun bereits in der Kindheit von Eureka und Renton – an sich eine gute Idee, nur wirkt dies längst nicht so sympathisch und nachvollziehbar wie noch in der Serie (wo sie sich als Jugendliche kennenlernten). Die Liste ist jedoch noch weiterzuführen: Renton ist nun bei der Armee (!), Domenic war von Anfang an sein Lehrmeister (!), die Gekkostate verfolgt nun gänzlich differente Ziele… Fans der Serie werden aller Wahrscheinlichkeit nach gnadenlos enttäuscht werden, da die Geschichte nicht weitererzählt sondern stattdessen auf eine äusserst krude Art und Weise neu interpretiert wird.

Der Film bleibt also eine deutlichere Empfehlung für Neueinsteiger, möchte man nun vermuten ? Doch auch das trifft nicht zu. Ganz nüchtern und mit einer Priese Missmut betrachtet ist der Film zu Eureka Seven eine unangenehme Mischung aus US-Popcornkino und japanischer Pseudo-Philosophie. Während dem Groß der animierten Werke aus Fernost tatsächlich tiefe philosophische Ansätze und wahnwitzige Ideenansätze innewohnen, vermag es dieser Film dieses Prinzip völlig über den Haufen zu werfen. Im Grunde gibt es keine Geschichte, keinen Plot – und dennoch wirkt der Handlungsablauf extrem aufgeblasen und künstlich bedeutungsschwanger inszeniert. Den Ereignissen ist kaum zu folgen, weder erscheint die Ausgangssituation nachvollziehbar, noch sind es die vielen merkwürdigen Vorkommnisse während oder nach den flott inszenierten Kämpfen. Ein Lichtblitz hier, Sternenstaub dort, riesige Explosionen und Regenbogeneffekte – das alles sieht zweifelsohne toll aus und klingt in den Mündern der Synchronsprecher auch spannend – doch letztendlich verkommen diese Elemente zu protzigen Eyecatchern ohne jeglichen Sinn oder Verstand. Mit all dem bewegt man sich gerade noch an der Grenze der Lächerlichkeit, ein minimaler Unterhaltungswert ist trotz der Wirrheit der Geschichte gegeben – doch ein weiterer Aspekt lässt den Eureka Seven-Film entgültig auf den Boden der Tatsachen aufschlagen. Man sollte nicht fragen warum, doch die Macher kreuzten die Mysterien der Eureka Seven-Serie mit denen aus der allseits bekannten Geschichte von Peter Pan und dem Nimmerland – ein überaus kläglicher Versuch, dem Film eine Grundlage und Substanz zu verpassen. Schließlich hält man sich auch diesbezüglich nicht mit Erläuterungen auf, man macht es sich leicht und verweist immer wenn es nötig ist auf diese „höheren“ und nicht greifbaren Aspekte. Nur: harmonischer, verständlicher, nachvollziehbarer oder gar spektakulärer wird der Film dadurch auch nicht. Ganz im Gegenteil.

Auch die subtilen Comedy-Aspekte, die im Verlauf der Serie immer mal wieder auftauchten und zum großen Unterhaltungswert beitrugen, wirken im Film enorm aufgesetzt, deplatziert und unnatürlich. Auf eine Art und Weise wirkt nun alles deutlich ernster und verkrampfter, die Dialoge schlicht nur noch abstrus – sodass die Macher händeringend nach Gründen für diese seltsame Stimmung suchen mussten (siehe Verknüpfung mit der Peter Pan-Fabel). Die technischen Aspekte sind ebenfalls zwiespältig zu betrachten. Zwar stimmt die Optik im Grunde mit der der Serie überein und weiss zusätzlich mit einigen netten Effekten sowie ausgedehnten Kampfszenen aufzuwarten – doch unglücklicherweise wurden einige Szenen der Serie in einer höchst auffälligen Art „recycelt“ (neu gezeichnet und vertont, Szenen sind jedoch identisch), was nicht gerade zum ohnehin schon auf der Kippe stehenden Innovationsfaktor beiträgt. Auch der Soundtrack ist ähnlich – nur fällt er in dieser komprimierten Form und zwischen all den bunt-lauten Actionszenen nunmehr kaum noch auf. Kurzum: das technische Niveau der Serie kann gehalten werden, mehr aber auch nicht – nun darf man dabei nicht vergessen, dass es sich hier um einen unabhängigen Spielfilm mit separatem Release handelt. Dafür haben die Macher dann also doch nicht weit genug in ihre Trickkisten gegriffen und den Film zusätzlich schmackhaft (sich abhebend, besonders, einzigartig) gestaltet.

Fazit: Ob nun für Fans der Serie oder Neueinsteiger, der Film zu Eureka Seven ist ein Totalausfall – und das trotz des vielversprechenden Inhaltes, der DVD-Aufmachung oder des Trailers. Im Kern sollte ein jeder halbwegs anspruchsvoller Zuschauer eine waschechte Mogelpackung vorfinden, die sich auf das Franchise der erfolgreichen Eureka-Fernsehserie stützt – aber Fans und Gelegenheitszuschauer gleichermaßen zu verärgern weiss. Die einen werden aufgrund der Charakterdarstellungen am ehesten an eine nicht witzige Parodie der Serie denken, die anderen (eher: alle) werden nur Bahnhof verstehen in Anbetracht des Getöses und den aufgeblasenen, vermeintlich bedeutsamen Elementen. Im Vergleich zur Serie kann man am ehesten von einer Ausschlachtungsstrategie der miesesten Art sprechen – die Wertung würde entsprechend ausfallen. Doch es gilt, alle Seiten der Medaille zu betrachten – sodass Eureka Seven – Der Film am ehesten für Nicht-Kenner der Serie geeignet ist. Diese werden – bei wirklich gutem Willen – vielleicht positives in Bezug auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Träume und deren Beziehung zur Realität erfahren können. Das war es dann allerdings auch schon gewesen – viel Lärm um nichts. Und ein letztes Mal: leider !

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6 Gedanken zu “Filmkritik: „Eureka Seven – Good Night, Sleep Tight, Young Lovers“ (2009)

  1. PS: Ich finde das Ende wirklich ein wenig merkwürdig.
    Wieso kann Eureka nicht sprechen? Wo sind sie? Fragen die ich mir auch stellen muss
    wenn ich diese Szene aus dem Film vor Augen habe.
    Und warum zweifelt im Film ausgerechnet Hap an Holland?

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  2. Ich stimme dir und deiner Kritik zu.
    Allerdings muss ich auch sagen das ich die Idee des Films nicht schlecht finde.
    Die Macher hätten ja das Ende der Serie aufgreifen können und gleichzeitig mit der Vorgeschichte, also der Kindheit von Ranton und Eureka, vielleicht schon das Geheimnis um die Auffindung von Eureka lösen können.
    Weiterhin hätten Sie in der Handlung des Films die größten Fragen der Serie beantworten und trotzdem die bestehende Story beibehalten können. Wie wäre es, wenn Eureka Ranton kurz nach ihrer Rückkehr entrissen worden wäre. Jedoch er und die Crew um Holland vorher wieder zum Militär gegangen wären. Es hätte dann auch sein können das einigen Image, der Frieden aufgrund der Angriffe durch Dewey Novak, nicht gefallen würde und somit eine Rebellion in der Reihen der Image und einen Krieg mit den Menschen starten würde.

    Und so hätte alles an der Serie angelehnt (vll) einen Sinn ergeben. Ich meine es wäre doch durchaus möglich gewesen das Holland und die anderen erst danach erfahren hätten das Eureka und Ranton zusammen, ihre Erlösung bedeuten und sie es somit nicht mehr für nötig hielten den beiden dieses zu verschweigen. Denn dazu würde ja dann auch passen das die Type Zero schon als Zweisitzer im Film auftaucht also mit einer Doppelkabine.

    Aber trotzdem hast du Recht der Film hätte das Potential der Serie ausnutzen sollen also auch der vergebenen Chancen in der Serie selbst.
    Man könnte doch mal den Anstoß geben (vll) eine überarbeitete Neufassung zu kreieren, die die Serie und den Film zum Vorbild hat um die neue Story und das lösen der Fragen der Serie zu vereinen.

    Mfg
    herb

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  3. Mhm… Ich muss zugeben, dass auch ich zeitweise den Leitfaden in der Geschichte nicht ganz verstand, oder mich schlichtweg fragte was die Macher damit wohl andeuten/sagen wollten, dennoch: Ich stimme auf keinen Fall damit überein, dass der Film schlecht sei. Im Gegenteil, mir hat er gut gefallen. Die Grafik ist gut, ich find die im Vordergrund stehende Romantik wenig aufgesetzt (was schnell der Fall sein kann) und ich bin auch von der neuen Handlung positiv überrascht. Okay, ich geb zu, ich bin davon ausgegangen der Film würde den Anime weiterführen und freute mich auf mögliche Antworten auf ungeschlossene Fragen, aber das neue Konzept ist erfrischend, überraschend und es ist mutig die Story, mit dem Risiko damit die (ja relativ große) Fangemeinde nicht anzusprechen, komplett neu aufzuziehen.

    Alles in allem habe ich schon bessere Anime-Filme gesehen, aber dieser steht vielen in nichts nach, auch nicht der Serie. Zwischendurch hätte ich mir, wie gesagt, einen deutlicheren Handlugsbogen gewünscht oder eine Erklärung oder Auflösung von „Behauptungen“ die gemacht wurden (z.B. ob Eureka gar nicht die „Auserwählte/Waffe“ sei) und auch das Ende hat mich nicht 100% zufrieden gestimmt (wieso kann sie nicht sprechen? wieso geht Nighty? hat Eureka ihr Gedächtnis verloren? Wie hat sie ihn geheilt? Und WO sind sie? dafuq!) aber das macht der Film in vielen Stellen wett. Und vielleicht sind genau diese Fragen oder Unsicherheiten die sich da bei mir aufgetan haben ein Grund den Anime nochmal zu sehen.

    Ich wünsche denen, die den den Film noch nicht gesehen haben, viel Spaß. Hört nicht alzu sehr auf die Rezesion oben, macht euch euer eigenes Bild, es lohnt sich. =)
    Greetz

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    1. Danke für die ausführliche Antwort und (Gegen-)Kritik. Damit kann man doch schon viel eher etwas anfangen als mit der Aussage des ersten Kommentators zu diesem Artikel (siehe unten).

      Wenn Du magst, kannst Du mir eine Wertung nennen, die dieser Film Deiner Meinung nach verdient hätte (von 0-10 Punkten) – ich werde diese dann oben mit aufnehmen, sodass mein Text zwar hoffentlich immer noch ernst genommen wird, aber man sieht dass es andere, gegensätzliche Meinungen gibt. Danke und MfG, Oliverdsw

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  4. das ma ein scheiß hier,
    nur weil ihr zu blond seit den zu verstehen
    und sich ma in die Lage von dennen zu versetzen,
    müsst ihr den schlecht machen
    das ma das dämmlichste was ich in web gesehen habe,
    irgendwelche die meinen sie können kritik verüben,
    über was sie rein gar nix wissen wie es hier der fall ist!
    Ihr seit schlecht – der Film ist gut!

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