Filmkritik: „The Good, The Bad, The Weird“ (2008)

Originaltitel: Joheunnom Nabbeunnom Isanghannom
Regie: Kim Jee-Woon
Mit: Lee Byung-Hun – Song Kang-Ho u.a.
Laufzeit: 130 Minuten
Land: Südkorea
FSK: Ab 16
Genre: Western-Action (80 %) / Komödie (20 %)

„Her mit der verdammten Schatzkarte… !“

Inhalt: Irgendwo in den Weiten der Mandschurei, in den 1930er Jahren… Drei vollkommen unterschiedliche Protagonisten treffen aufgrund einer seltsamen, aber gleichzeitig vielversprechenden Schatzkarte aufeinander. Seltsam ist sie, da niemand so genau weiss, zu welchen Reichtümern oder bedeutungsvollen Artefakten die Karte möglicherweise führen könnte – doch da schon bald die gesamte Mandschurei hinter der Karte her zu sein scheint, glaubt ein Jeder auch an deren Aussagekraft. Doch so unterschiedlich die Beteiligten dieser Schnitzeljagd sind, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe: der Bandit Chang-Yi (Byung-Hun Lee) beispielsweise überfällt einen Zug um an die Karte zu kommen – er hat einen mysteriösen Auftraggeber und wird entsprechend entlohnt. Der etwas eigentümliche Tae-Goo (Kang-Ho Song) ist allerdings bereits an Bord – und scheint eher zufällig von der Existenz der Karte Kenntnis zu nehmen. Dann taucht auch noch der Kopfgeldjäger Do-Won (Woo-Sung Jung) auf, der eigentlich hinter Chang-Yi her ist, aber nun auch mehr von der Karte wissen möchte. Eine rastlose Hetzjagd durch die Wüste beginnt, wobei die Karte mehrfach den Besitzer wechselt – und zwangsläufig allerlei Helden im Kugelhagel ihr Leben lassen.

Kritik: Einer ist gut, einer böse, ein weiterer einfach nur merkwürdig. Diese Adjektive beschreiben nicht nur drei der Hauptcharaktere von The Good, The Bad, The Weird – sondern höchstwahrscheinlich auch die Bandbreite der jeweils unterschiedlichen Zuschauerattributierungen in Bezug auf den Film als Gesamtwerk. Gerade für die jeweils „gut“ und „böse“ gestimmten Fraktionen gibt es beinahe glichwertige Gründe, sodass man sich vorerst auf einen Kompromiss einigen könnte: The Good, The Bad, The Weird ist weder gut noch schlecht, sondern schlicht ein etwas eigentümlicher Film mit zahlreichen Besonderheiten. Aber woran liegt das, gar am Herkunfts- und Produktionsland; und demnach den durchaus schwerlich definierbaren südkoreanischen Kultureinflüssen ? Doch gerade dies ist hier absolut nicht der Fall; bei einem Film, der sich sehr offensichtlich an Vorbildern aus dem Westen orientiert. Nicht umsonst weist der Filmtitel eindeutige Parallelen zu Sergio Leone und sein Meisterwerk Zwei glorreiche Halunken auf (internationaler Titel: The Good, The Bad And The Ugly), und kommt diesem Werk auch inhaltlich nahe – wenngleich der Faktor Comedy im Werk von Kim Jee-Woon verständlicherweise eine weitaus explizitere Rolle spielt. So finden sich auch Vergleichsmöglichkeiten in anderen „verspielten“ Italo / Western / Actionwerken wie zum Beispiel Sukiyaki Western Django von Takashi Miike (Review hier) – wobei gerade selbiger Film alles ist, nur kein Meisterwerk.

Folglich ist auch The Good, The Bad, The Weird ein Film verschiedendster Einflüsse und Stilrichtungen, was in einem als durchaus ungewöhnlich zu betrachtenden Genremix mündet. Eine mysteriöse Karte, hinter der die gesamte Mandschurei hinterher zu sein scheint; gepaart mit dem Porträt dreier vollkommen unterschiedlicher Hauptprotagonisten die sich gegenseitig bekämpfen, aber dennoch zwischen allen Fronten stehen ? Allerlei rasante Actionszenen wie Verfolgungsjagdten auf Pferden, Autos und Motörrädern ? Wilde Schiesserien inmitten von ärmlich wirkenden Wohngegenden, ein stattlich inszenierter Zugüberfall ? Und dann mischt sich auch die Regierung beziehugnsweise das Militär mit ein… klingt das in mancherlei Ohren vielleicht schon stark nach einem fernöstlichen Indiana Jones-Abklatsch ? Gewiss, und dies kommt nicht von ungefähr: das deutsche Coverdesign sowie der DVD-Rückentext „rät“ sogar zu Vergleichen, und nennt im gleichen Atemzug auch noch die kultige Mad Max-Reihe, die ebenfalls durch eine riesenportion Abenteuer und Endzeitstimmung zu überzeugen wusste. Wer jetzt denkt, dass man gerade bei Filmaufmachungen mit derartigen Verweisen auf andere Werke eher vorsichtig sein sollte – der hat zweifelsohne recht. So bleibt nicht aus, dass sich The Good, The Bad, The Weird automatisch mit einigen recht hochkarätigen Vertretern des internationalen Abenterfilm-Genres messen muss, wobei er denkbar schlecht abschneidet.

Doch ganz unabhängig von an- oder unangebrachten Vergleichen, der Film weiss auch aus einer gänzlich eigenständigen Perspektive heraus nicht zu punkten. Das mitunter gravierendste Problem ist die unsäglich dünne Story, die weder mit einer nennenswerten Portion Charme noch Innovation aufwartet. Vom Anfang bis zum bitteren Ende geht es – oberflächlich betrachtet – einzig und allein um eine seltsame Schatzkarte und die entsprechende Jagd. Der vermeintliche „Clou“ des Films ist nun, dass diese lediglich als Metapher für andere, nicht materielle Ziele dienen soll; es also gar nicht um unendliche Reichtümer et cetera geht. Dies ist zwar nett gemeint und lässt auf die Behandlung gewisser psychologischer und moralischer Grundsatzfragen schließen, doch diese werden dem Zuschauer schon aus unendlich vielen anderen Filmen bekannt vorkommen. Ein wirkliches Gefühl für die Szenerie oder die Charaktere vermag kaum aufzutauchen, die Motivationen der jeweiligen Charaktere erscheinen entweder zu undurchsichtig (The Weird), zu künstlich-konstruiert (The Good) oder schlicht zu simpel (The Bad) – und dass, obwohl gerade diese das größte Potential in Bezug auf den Unterhaltungswert des Films aufweisen. Denn mit der Story allein hätte man wohl absolut niemanden hinter dem Ofen hervorlocken können – verständlicherweise.

Ein nicht unerhebliches Problem sind nämlich auch die zahlreichen Actionszenen. Diese kommen äußerst zahlreich und längentechnisch nicht gerade knapp vor – jedoch lassen sie einen jeglichen Inhalt, Sinn oder Verstand vermissen. Sicher, sie sind zwar nett gemacht und inszeniert – doch man wird schnell feststellen, dass sie in ihrem Kern absolut unspektakulär sind und die ohnehin schon platte Handlung keinen Zentimeter vorantreiben. Unverständnis und irritierte Gesichter werden so spätestens bei der sich unendlich lange hinauszögernden Verfolgungsjagd in der Wüste unvermeidlich – die Szenen die hier geboten werden, gehören zweifelsohne zu den unfreiwillig makabersten, die man je in einem Fernost-Actionfilm gesehen hat. Sicher, man könnte das Ganze wieder aus der Comedyperspektive respektive der der gewollt-übertriebenen betrachten – schließlich meint es The Good, The Bad, The Weird nur selten absolut ernst. Doch auch unter diesem Gesichtspunkt wissen diese abstrusen Szenen nicht zu überzeugen, sie sind schlicht nur das, was bereits auch auf die Beschreibung des Inhaltes zutrifft: absolut belanglos. Tatsächlich schlägt der Film zwischenzeitlich etwas ruhigere Töne an (wenn gerade mal wieder nicht mit Cowboy-Platzpatronen geschossen wird) – doch gerade dann sollte auch den Action-Fanatikern klar werden, dass das hier gebotene nicht einmal ansatzweise mitzureissen vermag. Nie kommt das Gefühl auf, als würde hier Filmgeschichte geschrieben (hoch angesetzt), noch das hier „Legenden geboren“ würden (schon eher treffend im Filmkontext). Die Geschichte neigt sich nach einer relativ langen Spieldauer gen Ende, und bis auf ein paar Minuten sinnentleerter Unterhaltung ward letztendlich nicht viel gesehen; zumindest weniger als man vielleicht erwartet hätte. Die grundsätzlich angenehmen technischen Aspekte (Kamera, Schnitte, Soundtrack, Darsteller) vermögen es zumindest, diesen negativen Eindruck wieder leicht zu heben – leicht, mehr aber auch nicht.

Fazit: Generell sollte man eine gewisse Vorliebe für die sogenannten Italo-Western mitbringen, und sich dazu noch damit arrangierren können, dass diese Szenerie zusätzlich von einigen asiatischen Einflüssen bereichert wird. Wer Sukiyaki Western Django mochte, könnte auch mit The Good, The Bad, The Weird glücklich werden – allen anderen sei es unbedignt empfohlen, doch lieber mit dem „Original“ (Zwei Glorreiche Halunken) oder deutlich besseren West-Vertretern des Abenteuer-Genres (Indiana Jones) Vorlieb zu nehmen. Dann doch eher Solo – dieses Trio lässt den Zuschauer weitestgehend kalt.

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