Filmkritik: „Oben“ (2009)

Originaltitel: Up
Regie: Pete Docter – Bob Peterson
Mit: Edward Asner – Jordan Nagai – Bob Peterson u.a.
Laufzeit: 96 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 0
Genre: Animationsfilm (Abenteuer 60 % / Fantasy 30 % / Drama 10 %)

„Lasst uns gemeinsam abheben !“

Inhalt: Der rüstige Rentner Carl Fredricksen lebt allein in einem kleinen Häuschen in der Stadt, welches er standhaft gegen die Bauunternehmer verteidigt, die gleich nebenan neue Gebäudekomplexe entstehen lassen. Warum er dabei sogar zu rabiateren Methoden greift, wird schon bald ersichtlich: seine geliebte Frau ist bereits verstorben, und seitdem lebt er still und allein vor sich hin. er will sich nicht auch noch das letzte nehmen lassen, was ihm noch bleibt – doch gerade dazu scheint es nun zu kommen. Carl soll in ein Altenheim umziehen, doch am Tag der geplanten Abreise entscheidet sich der Rentner überraschend für einen Ausflug der etwas anderen Art. Er bindet eine ungeheure Zahl an Helium-Ballons an sein Haus, reisst es so aus dem Fundament und fliegt auf und davon. In den luftigen höhen kann er endlich entspannen – jedoch nur verdächtig kurz, denn schon bald darauf klopft es an der Tür. Ein blinder Passagier befindet sich ebenfalls an „Bord“ des fliegenden Hauses – es ist ein kleiner Pfadfinderjunge namens Russell. Mit seiner leicht aufgedrehten Art scheint er den ruhesuchenden Rentner zuerst nur auf die Nerven zu gehen… doch schon bald packt die beiden ein gemeinsamen Abenteuerfieber, und eine generationsübergreifende Freundschaft bahnt sich an.

Kritik: Mit Animationsfilmen aus den USA ist das immer so eine Sache – gerade wenn sie aus dem Hause Pixar kommen. Sicher, das Studio hat für einige unvergessene und damals äusserst unkonventionelle Hits gesorgt – beispielsweise Toy Story oder Ratatouille. Aber bedeutet das auch automatisch, dass jeder Film aus diesem Hause für Furore sorgen kann – oder sorgt der Einfluss der westlichen Kultur und Vermarktungsstrategie (im Gegensatz zu Animationsfilmen aus Fernost) gar für einen unangenehmen Beigeschmack ? Glücklicherweise ist dem nicht so im Falle des 2009’er Werks Oben – an welchem offensichtlich wieder einige Spezialisten und Meister ihres Faches gearbeitet haben. (Zu) hohe Produktionskosten hin oder her – das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die relativ einfach gestrickte Geschichte kommt mit einem äusserst bemerkenswerten Unterhaltungsfaktor daher, besonders natürlich für die kleineren Kinozuschauer. Aber auch die Erwachsenen Begleiter werden sich nicht langweilen oder sonstige Gründe für Beschwerden vorbringen können: tatsächlich wohnt dem Film eine spürbare Portion der alten und zweifelsohne charmanten Disney-Magie inne.

In erster Linie ist es die ungewöhnliche Freundschaft der beiden Hauptcharaktere die zu begeistern vermag, da sie auch ganz universell und als Plädoyer für generationsübergreifende Freundschaften / ein multigenerationelles Zusammenleben gesehen werden könnte. Die Macher inszenieren das Ganze hierbei äusserst kindgerecht und zumeist wenig reißerisch, sodass niemand Angst haben muss „zuviel des Guten“ präsentiert zu bekommen – auch wenn das Tempo zum Finale hin noch einmal deutlich zunimmt. Denn auch einige Actionszenen finden in dem großen Abenteuer-Kontext ihren verdienten Platz, wobei hier niemals wirklich ein Gefühl einer „echten Bedrohung“ aufkommen wird – schon gar nicht wenn all die gut animierten, „putzig“ wirkenden Tiere (vor allem Hunde) involviert sind. Der einstige Held von Carl, der Abenteurer der schon länger im Dschungel lebt und offenbar etwas zuviel Sonne (oder ähnliches) abbekommen hat, bildet hier die einzige Ausnahme. Auch wenn hier nicht ganz vor Klischees Halt gemacht wird – alles wirkt angenehm ausgewogen und zudem noch spannend inszeniert.  Die technischen Aspekte tun da ihr übriges – von der sagenhaften Bild- und Animationsqualität über den Detailreichtum der Szenerien bis hin zum Soundtrack – hier wird geklotzt und nicht geklekert, ganz im Sinne eines abendfüllenden Familien-Blockbusters eben.

Doch auch Oben kommt nicht gänzlich ohne Schwächen aus, auch wenn es sich hierbei – zweifelsohne – um Kritik auf hohem Niveau handelt. So fallen die eigentliche Geschichte sowie die inhaltlichen Themen im Endeffekt relativ simpel und oberflächlich aus; trotz des Wissens dass es sich hier um einen expliziten Kinder-/ Familienfilm handelt. So kann man Oben kaum mit anderen (animierten oder gezeichneten) Nicht-US Kinderfilmen vergleichen, da diese einerseits mit anderen Techniken hergestellt werden, aber des öfteren auch weitaus mehr Tiefsinn und Interpretationsmöglichkeiten (ja, auch bei Filmen mit einer FSK 0) anbieten – gerade wenn es sich um Animes aus Japan handelt. Sicher, bei den Logik-Lücken greift der Fantasy-Aspekt; doch etwas anders sieht das Ganze dann bei den Charakteren aus. Warum beispielsweise der junge Russell kaum behandelt wird, bleibt ein kleines Rätsel. Hier gerät die Charakterisierung doch recht einseitig, dafür wurde beim alten Carl schon deutlicher aus dem Vollen geschöpft. Auch vermag die Geschichte im Großen und Ganzen keinen wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen – mit „Schuld“ daran hat sicherlich das zu stark entmystifizierte Ende, welches die vorherigen „fantastischen“ Erlebnisse wieder ein wenig relativiert; den Zuschauer also wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Fazit: Gute, für alle Altersklassen gerechte Familienunterhaltung aus den USA – Oben begeistert durch einen gewissen kindlichen Charme, eine entsprechende Verspielt- und Witzigkeit; und nicht zuletzt durch seine optische Gestaltung. Ebenfalls nett sind die teilweise zu entnehmen Aussagen, die zutiefst menschlich sind und sich mit Themen wie Verlust, Selbstbewusstsein, Hilfsbereitschaft oder auch der Bedeutung von Freundschaften beschäftigen. Eine höhere Wertung wird letztendlich nur dadurch verhindert, dass es sich gefühlt schlicht um einen „weiteren“ gut gemachten Animationsfilm aus dem Hause Pixar handelt – aber um keinen, der wirklich markant aus der Produktionsgeschichte heraussticht, und das schon gar nicht inhaltlich. Sei es drum – eine Empfehlung kann allemal ausgesprochen werden.

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