Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – From Chaos To Eternity (2011)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

01. Ad Infinitum
02. From Chaos To Eternity
03. Tempesta Di Fuoco
04. Ghosts Of Forgotten Worlds
05. Anima Perduta
06. Aeons Of Raging Darkness
07. I Belong To The Stars
08. Tornado
09. Heroes Of The Waterfalls‘ Kingdom
I. Lo Spirito Della Foresta
II. Realm Of Sacred Waterfalls
III. Thanor’s Awakening
IV. Northern Skies Enflamed
V. The Splendour Of Angels‘ Glory (A Final Revelation)

Allgemeines / Infos: Es sollte also das Jahr 2011 sein, in dem die Jungs von Rhapsody Of Fire mit ihrer lang gehegten und gepflegten Emerald Sword-Sage abschließen. Und das möglichst beeindruckend-bombastisch und in Form eines neuen Albums – welches passenderweise auf den Namen From Chaos To Eternity getauft wurde. Immerhin könnte man als Neueinsteiger leicht die Übersicht über das groß angelegte, jahrelang ausgearbeitete Konzept und die bisherigen Veröffentlichungen verlieren – wie gut, dass es an dieser Stelle eine entsprechende Übersicht (sowie ausführliche Kritiken) gibt. Was gibt es sonst noch zur Band zu sagen, beziehungsweise wie steht es mit den Erwartungen ? Eines ist sicher: egal was die Jungs in der Zukunft auch anstellen mögen, sie haben sich ihren Platz in der Musikgeschichte erkämpft. Zu nachhaltig und einzigartig waren Alben wie Symphony Of Enchanted Lands, Dawn Of Victory oder zuletzt auch The Frozen Tears Of Angels… wenngleich es zwischendurch auch Alben gegeben hat, die bei den Kritikern und Fans gleichermaßen ausnahmsweise mal nicht auf Begeisterungsstürme stießen. Hier ist vor allem das 2006’er Album Triumph Or Agony zu nennen, welches es bis heute schwer hat in der sonst so hochqualitativen und zu Recht „spannenden“ Diskografie der Band. Und auch die letzte EP, The Cold Embrace Of Fear, wirkte stark konzept- und hörspiellastig und damit relativ schwer zugänglich. Auch hier schein sich die Fangemeinde ein wenig zu spalten… in welche Richtung würde man also auf dem neuen Album gehen ? Eine bekannte, sozusagen traditionelle – oder doch eine merklich neue ? Doch in Anbetracht dessen, dass es sich um ein Abschluss-Album einer Sage handelt, sollte man doch eigentlich davon ausgehen können, dass die Jungs nun nicht noch einmal einen gänzlich frischen Wind wehen lassen werden – was in diesem Fall nur gut und rechtens ist.

Kritik / Songreviews: Bereits das Intro lässt auf großes hoffen – abermals haben sich die Italiener Sir Christopher Lee als Erzähler ins Boot geholt, der hier für ein wohliges Gänsehaut- aber eben auch Nostalgiegefühl sorgt. Hier halten sich Erzählpassagen und orchestrale Untermalung die Waage – wahrlich, ein sehr stimmiges und gewohnt episches Intro a’la Rhapsody Of Fire (9/10). die Überleitung folgt sogleich, und die mündet im Opener und Titeltrack From Chaos to Eternity. Und, welch Freude: tatsächlich schaffen es die Fantasy Metal-Götter, gleichermaßen auf Tradition und dezente neue Elemente zu setzen. Traditionell heisst in diesem Fall und beinahe ohne Worte: der Refrain… ! Dieser Bombast, diese musikalische Perfektion, die Harmonie von Höhen und Tiefen, der geschickte Instrumenten- und Choreinsatz… und auch Leadsänger Fabio Leone gibt sein bestes, was man zweifelsohne hört und spürt. Langjährige Stärken der Band tauchen auf, die sich vor allem in den markanten Soli und den wunderbaren Arrangements widerspiegeln – absolute Oberklasse. Ein wenig frischer Wind rauscht in Form von geflüsterten Strophen-Abschnitten und dem leicht düster-apokalyptischen Touch durch die Boxen. Alles in allem – ein Opener, der es in sich hat und keine Wünsche offen lässt (10/10). Das folgende Tempesta Di Fuoco klingt einerseits vertraut (vor allem durch das markante Gitarrenspiel) und andererseits episch-frisch – denn hier singt Fabio Leone in seiner Landessprache, was bisher vor allem in den balladesken Stücken vorgekommen, und das auch nur höchst selten. Zwischendurch gibt es immer wieder eine große Portion verspielt-abwechlsungsreicher Momente, wie wahnwitzige Soli, Klavierpassagen oder auch mal ein wenig „Dämonengeschrei“ im Hintergrund. Das ist eben ganz großes Kino im besten Sinne der Genre-Intention (Symphonic Fantasy Metal) und zeugt, auch wenn die Jungs schon lange nichts mehr beweisen müssen, von enormen musikalischen Fähigkeiten (9/10).

Es geht munter weiter mit Ghost Of Forgotten Worlds, wobei: munter ist hier wohl der falsche Begriff, man sollte eher sagen bedrohlich-stimmungsvoll. Denn der Titel entpuppt sich größtenteils als Midtempo-Stampfer mit allerlei ruhigen Passagen, besonders die dezenten Gitarren werden hier zwecks eines deutlichen düsteren Gesamteindrucks eingesetzt. Passend dazu läuft das Ganze immer wieder auf den orchestralen Refrain hinaus, der ähnlich episch angelegt ist wie der aus dem Opener. Höhepunkt sind aber zweifelsohne die durchtriebenen Soli-Passagen ab Minute 3.20, die dann ein letztes Mal im Refrain (diesmal mit deutlich heftigeren Schlagzeugeinsatz) münden. Und dann sorgt Fabio Leone noch für ein abschließendes Gänsehautgefühl, indem er den (vergleichsweise) düsteren Track äußerst stimmig abschließt. Brr… ! (8/10). Anima Perduta bestätigt die Vermutung, die man wohl beim Lesen dieses Titels gehabt haben wird: ja, auch hier wird ausschließlich auf Italienisch gesungen. Es handelt sich um einen eher ruhigen Titel mit Hörspielcharakter – allerdigns ohne Erzählpassagen, der Eindruck entsteht besonders durch den Beginn mit den Hintergrundgeräuschen. Gelangt man allerdings zur Mitte, kann das Ganze auch schon mal in ausschweifenden Orchester-Passagen münden – vorsicht ist also geboten, sollte man die Anlage in Erwartung einer Ballade vorher zu weit aufgedreht haben. Allerdings – bis auf die Tatsache, dass hier auf Italienisch gesungen wird, bietet der Titel nicht allzu viel neues; und muss gerade im Vergleich mit früheren Hörspieltiteln mit „magischen“ Wäldern als Setting eher zurückstecken (5/10).

Aber es gibt ja noch Aeons Of Raging Darkness. In der Tat werden hier verschiedene Stilrichtungen der Band miteinander kombiniert, was in einem recht ungewöhnlichen Gesamtbild mündet. Und auch neue kommen hinzu: so darf Fabio Leone nun auch mal etwas kräftiger, rauer Keifen; sowie generell einfach mehr mit seiner Stimme anstellen. Dies zeigt auf, dass er mehr kann als es mancher Rhapsody-Kritiker wohl gerne behaupten würde, und zudem recht wandlungsfähig ist. Wahrlich – Abwechslung bietet dieser Titel reichlich, und auch die Soli können abermals überzeugen (7/10). Und, es ist noch lange nicht Schluss mit der Experimentierfreude: I Belong To The Stars klingt in den ersten Durchgängen irgendwie so gar nicht wie ein typischer Rhapsody Of Fire-Titel. Aber vielleicht ist es gerade dieser Faktor, der das Album so interessant macht ? Und spätestens im Refrain gibt es dann doch noch eine gehörige Portion bekannter Rhapsody-Bombast-Elemente (8/10). Ein weiteres Highlight findet sich im Titel Tornado, in dem es wie der Titel schon vermuten lässt ordentlich zur Sache geht. Wieder ist im Hintergrund ein gewisses Dämonen-Gekeife zu vernehmen, das Ganze wirkt wieder ein wenig düsterer – bis es zum Refrain geht, der abermals für eine „Erleuchtung“ sorgen kann. Sehr gut zur Geltung kommen hier die orchestralen Elemente, gepaart mit einem hämmernden Doublebass (8/10). Und dann gibt es da noch das große Finale… einen geradezu epischen Titel mit mehreren Abschnitten und einer Gesamtspieldauer von etwa 20 Minuten. Hier kommen wieder alle Stärken der Band zum Einsatz – Sir Christopher Lee fungiert hie und da als Erzähler, wahnwitzig-epische Passagen wechseln sich mit deutlich ruhigeren ab, die Soli kommen nicht zu kurz, die etablierten Stimmungen sind grundverschieden. Doch gerade dieses längliche Stück kommt nicht gänzlich ohne Schwächen / Durststrecken aus: während das Ganze zum ersten Mal einen Höhepunkt im Aufbau zur Minute 7 findet, flaut es danach doch merklich ab: hier wird wieder deutlich mehr auf Hörspiel-Elemente und die düsteren Stimmungen gesetzt. Die Emerald Sword-Sage wird äusserst episch, ernst und erwachsen abgeschlossen, gegen Ende hin scheinen es die Jungs beinahe zu übertreiben – der Wahnsinn. Sehr gut ist, dass es nach all der orchestralen Schmettereien ein deutlich gemäßigteres Ende in Form eines kurzen Instrumental-Parts gibt (8/10).

Fazit: Sicher, ganz so eingängig (und trotzdem innovativ !) wie auf den ersten Alben klingen Rhapsody Of Fire nicht mehr. Auch klassische Elemente finden sich nicht mehr so häufig, in erster Linie sind es die düsteren Orchesterpassagen die hier auffallen. Aber so ist es eben – jeder entwickelt sich weiter, und es wäre auch etwas daneben, ständig nur Neuaufgüsse potentieller musikalischer Glanzzeiten serviert zu bekommen. Die Abwechslung machts – und davon gibt es auf From Chaos To Eternity reichlich. Allerdings muss man auch feststellen, dass auf dem neuesten Album die düsteren Klänge klar dominieren – das Ganze wirkt längst nicht mehr so, nennen wir es mal vorsichtig charmant. Verspielt geben sich die Italiener zwar immer noch, die musikalische Grundstimmung ist aber eher vergleichbar mit dem getragenen Eindruck der 2006’er-Scheibe Triumph Or Agony. Etwas Schwermut hier und da, keine wirklich erhabenen Titel (mit Ausnahme des Openers)… es bleibt dabei: Symphony Of Enchanted Lands, Dawn Of Victory oder auch Power Of The Dragonflame / The Frozen Tears Of Angels werden auf ewig DIE munter-epischen Bombast-Meisterwerke der Band bleiben. Dieses Album hier schließt die Saga zwar rundum gelungen ab, doch an alte musikalische Glanzleistungen reicht es nicht heran. Dennoch könnte From Chaos To Eternity sicherlich als das „erwachsenste“ (nicht: bestes !) Album der Band bezeichnet werden.

70button

Advertisements

5 Gedanken zu “Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – From Chaos To Eternity (2011)

    1. Ah, was ich noch fragen wollte… wo bekommst Du denn die Heavy Metal-Kids für Deine Avatare her ? Würde da doch glatt einen Blogpost oder irgendetwas designtechnisches für meinen Metal-Bereich wittern, doch ich schätze dass die Bilder nicht frei verwendbar sind ?

      Gefällt mir

      1. Welche Bilder sind schon frei verwendbar heutzutage…da dürfte man gar keinen Blog mehr erstellen. 🙂 Du kannst ja mal Jimmy Bennett persönlich fragen, der ist so wie auf meinem aktuellen Avatar eh auf jedem zweiten Foto seit frühesten Kindheitstagen zu sehen. ^^ Bei dem davor handelte es sich um Max Charles, der junge Peter Parker aus dem neuen Amazing Spiderman Film. Leider hatte ich nur ein Foto mit genau der Pose gefunden.

        Gefällt mir

    1. Hups, ja; da war noch was… Danke^^ Sehe gerade, dass es auf meiner Version sogar noch einen weiteren Instrumental-Bonustrack gibt.

      Wirst Du etwa doch noch zum Fan, zumindest von deren Cover-Versionen ?

      Hätte da noch eine Manowar-Interpretation im Angebot 😉

      Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s