Metal-CD-Review: POWERWOLF – Blood Of The Saints (2011)

Land: Deutschland – Stil: (Epic) Power Metal

  • Agnus dei (Intro)
  • Sanctified With Dynamite
  • We Drink Your Blood
  • Murder At Midnight
  • All We Need Is Blood
  • Dead Boys Don’t Cry
  • Son Of A Wolf
  • Night Of The Werewolves
  • Phantom Of The Funeral
  • Die, Die, Crucified
  • Ira Sancti (When The Saints Are Going Wild)

Infos / Allgemeines: Mit ihrem mittlerweile vierten Studioalbum schicken sich die blutrünstigen Metaller von Powerwolf an, einen weiteren Kracher a’la Bible Of The Beast (Wertung: 9.0/10) an den Start zu bringen. Nachdem die „Werwölfe“ bereits auf dem Vorgängeralbum einen klangvollen Epic Power Metal präsentierten, halten die Jungs an der höchst speziellen Stilrichtung fest, womit sie sich spätestens jetzt ihren festen Platz in den oberen Rängen der wichtigsten / nennenswertesten Power Metal-Bands erkämpft haben. Die Musik von Powerwolf vermag es schlicht aus der unübersichtlichen Masse der Band auszubrechen – was mehrere Gründe hat. Ein typisches Merkmal der Band sind beispielsweise die kirchlich-sakralen Klänge, die einen jeden Titel untermalen und für eine gewisse klangliche Erhabenheit sorgen. Weiterhin scheut sich die Band nicht davor, auf recht eingängige Melodien und vergleichsweise simple Songstrukturen zu setzen, was oftmals für die Entstehung wahrer Hymnen sorgt. Im Grunde ist jeder einzelne Titel eine solche – der Bombast-Sound, die erhabene klassisch-ausgebildete Stimme des Leadsängers und die satte Produktionsqualität tun da ihr übriges. Wer also ein klein wenig Kitsch vertragen kann, der einerseits aus den Songs aber auch aus dem gesamten „Drumherum“ resultiert (Bandnamen, Songtitel, Texte et cetera) – der ist mit dem neuen Werk der Church-Metaller sicherlich bestens beraten. Doch werfen wir einen genaueren Blick auf die einzelnen Titel.

Kritik / Songreviews: Mit Bible Of The Beast haben die Jungs schon ordentlich was vorgelegt – das neue Album ist am ehesten als ein direkter Anschluss an das nunmehr 2 Jahre alte Vorgängeralbum zu sehen. Und das hört man: bereits im kurzen Intro Agnus Dei hört man abermals die Wölfe heulen, die Orgeln erklingen; einen grimmigen Erzähler fabulieren – die perfekte Einstimmung auf das neue Werk. Wenngleich es sich auch sicher nicht um ein aussergewöhnliches, zu Stand-Alone-Zwecken brauchbares Intro handelt, es funktioniert nur im Kontext des Albums und kommt für die kurze Spieldauer ein wenig zu kraftlos / zu wenig innovativ daher  (6/10). Mit Sanctified With Dynamite folgt dann der Opener, der zugleich eine der ersten Mitsing-Hymnen ist. Zweifelsohne – der Refrain geht sofort ins Ohr, die Instrumente legen eine volle Breitseite hin; kurzum: das Ganze macht einfach Laune. Aber, zu einer wahren Über-Hymne (die man noch nie zuvor gehört hat) reicht es noch nicht – das Ganze erinnert noch stark an das Vorgängeralbum (8/10). Doch glücklicherweise folgt mit We Drink Your Blood ein Titel, der zurecht als Video-Single ausgekoppelt wurde – DIE repräsentative, stellvertretende Hymne des Albums. Einfach gestrickt und dennoch voller Bombast und netter Elemente – ob nun der Refrain, die interessanten Gesangspassagen ab Minute 2.30, die eingeworfenen Kirchenlitanei-Zitate a’la Kyrie Eleison; alles wirkt enorm rund und unterhaltsam. Vielleicht aber auch ein wenig zu rund… der letzte besondere Schliff scheint noch auszubleiben (9/10).

Murder At Midnight beginnt mit einer stimmigen Erzählpassage, die bald darauf in schrammige Riffs übergeht. Und auch in eine ansprechende Textpassage, die mit einem besonderen Rhythmus dargeboten wird. Schade nur, dass der Refrain abermals etwas glatt geschliffen wirkt, und der Song auch allgemein mit wenig Höhen oder Tiefen aufwarten kann. Dennoch, mehr als nur solide… (9/10). Nein, es hört nicht auf mit den klischeehaften Songtiteln: All We Need Is Blood ist der nächste Hymnen-Kandidat. Interessant ist, dass der Titel sich offenbar auf Werewolves Of Armenia vom Vorgängeralbum bezieht – die beiden Stücke klingen sehr ähnlich. Lateinische Passagen hie und da sorgen für die nötige „düstere“ Stimmung; ein weiteres Markenzeichen der Band. Zwar klingt das Ganze nun noch professioneller und druckvoller, doch ein Problem bleibt bestehen: wer das Vorgängeralbum kennt, bekommt auch mit diesem Song nicht viel neues geboten (6/10). Auch Dead Boys Don’t Cry beginnt mit einer typischen lateinischen Passage, artet trotz des irgendwie „kultig“ anmutenden Songtitels alsbald in einer weiteren Dudel-Hymne ohne viel Tiefgang aus. Schade – denn simpel strukturierte, eingängige Melodien die einfach nur Spaß machen gibt es auf diesem Album zuhauf, somit stellt dieser Song kein besonderes Highlight dar (6.0/10). Stichwort „Dudelei“ – es fällt zwar schwer dieses Substantiv mit Powerwolf in Verbindung zu bringen, doch irgendetwas ist geschehen. Sicher, es handelt sich um ein weiteres Konzeptalbum mit entsprechend mystischen Textbezügen, doch besonders zur Mitte des Albums driftet das Ganze doch merklich in Richtung Belanglosigkeit. In vielen Stücken sorgen lediglich die melodiös anders gestalteten Übergangspassagen (meist auf Latein) für die nötige Abwechslung, während Refrain und Strophen oftmals die ewig gleichen Elemente aufweisen – Orgelklänge, das schon zum Standard gewordene, ausgerufene „Halleluja“ sowie die sich stark ähnelnden Textinhalte. Das galt berechtigterweise auf Bible Of The Beast als Novum – nun aber scheint man diese Faktoren doch merklich auszureizen. Die Soli’s sind zwar nett, doch schaffen sie es keinesfalls, anderen Genrevertretern Paroli (in Sachen Unterhaltungsfaktor und Virtuosität) zu bieten. So gestaltet sich – leider – auch Son Of A Wolf zu einem sehr eingängigen „Hit“ der kaum von den anderen zu unterscheiden ist, und so schnell in Vergessenheit geraten könnte (6/10).

Night Of The Werewovles ereilt in etwa das gleiche Schicksal – der Titel ist nett, doch wirkt erneut wie schon einmal gehört (zumindest für Powerwolf-Kenner) und rettet sich durch eine kleine, abwechslungsreiche und wirklich „frisch“ wirkenden Passage gegen Minute 3.30 vor dem Untergang in der Masse (7/10). Phantom Of The Funeral ist dagegen schon wieder so bombastisch inszeniert, dass der Titel – endlich – wieder ein hohes Dauerrotations-Potential aufweist. Da stören auch die markanten „Jesus Christ“-Ausrufe nicht, hier spielen endlich wieder alle Stärken der Band zusammen und sorgen so für einen wirklich markantes Hörvergnügen. Die Melodien, der Orgeleinsatz und die Soli’s wirken endlich wieder etwas verspielter und engagierter dargeboten. 3 Minuten Powerwolf pur ! (9/10). Und tatsächlich – auch das folgende Die, Die Crucified macht es richtig und setzt auf eine durchgängig ansprechende Melodie und einen leicht „kitschigen“ Refrain (in welchem Titel gibt es den nicht ?), und sorgt weiterhin durch deutlich ruhigere Passagen für die nötige Abwechslung (9/10). Der finale Track Ira Sancti schließt das Album nicht ganz so episch wie erwartet, aber doch zufriedenstellend ab (8/10).

Fazit: Zweifelsohne bietet die neue Powerwolf-Scheibe für Genre-Neueinsteiger bombastisch inszenierten Power Church Metal (in etwa…) mit stilechten Texten über Vampire, Werwölfe und den roten Lebenssaft – alles garniert mit einer ordentlichen Prise musikalischer Genialität, die sich durch sicher dargebotene lateinische Textpassagen, Orgel-Instrumentaluntermalung und einem allgemein versierten Leadsänger charakterisiert. Für Kenner des Vorgängeralbums Bible Of The Beast aber gestaltet sich das Album dann doch nicht so überraschend oder „frisch“ wie eventuell erwartet, einige Faktoren wirken gar schon merklich aus- beziehungsweise überreizt. Man knüpft eben an der orchestral-kirchlichen Grundstimmung des Vorgängeralbums an – vielleicht aber auch ein wenig zu sehr. Immerhin bietet das Album einige simple, aber doch recht eingängige und Laune-machende Hymnen, vor allem zu Anfang und gegen Ende. In der Mitte ist dann allerdings eine deutliche Durststrecke und ein Hauch einer gefühlten Belanglosigkeit/ Eintönigkeit zu verkraften, das wird man sich selbst als Fan eingestehen müssen. Klare Anspieltipps sind demnach der Opener Sanctifeid With Dynamite, die Videoauskopplung We Drink Your Blood, sowie sicher auch Murder At Midnight, Phantom Of The Funeral oder Die, Die Crucified. Düstere Geschichten aus Transsylvanien die zu wahren Mitsing-Hymnen mutieren, vorgetragen von Leuten die etwas von Musik verstehen – es bleibt wie immer Geschmackssache. Nur eines ist sicher: der absolute Überflieger ist Blood Of The Saints nicht geworden, schon gar nicht im direkten Vergleich mit dem Vorgängeralbum.

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Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: POWERWOLF – Blood Of The Saints (2011)

  1. Sei gegrüßt der Herr, so da is es also, das erwartete Album, da müssen wir uns bald mal wiedersehen.. und mal wieder was glozzen + muss mal in das album reinhören und vllt. noch in andere. bis die tage

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