Filmkritik: „Lammbock“ (2001)

Filmtitel: Lammbock
Regie: Christian Zübert
Mit: Lukas Gregorowicz – Moritz Bleibtreu – Marie Zielcke u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: Deutschland
FSK: Ab 16
Genre: Komödie (100 %)

„Es geht eben nicht ganz ohne pflanzliche Heilmittel“

Inhalt: Stefan (Lucas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu) sind zwei Freunde, die eine gemeinsame Passion teilen. Sie rauchen beide gerne Gras und feiern wilde Partys – und machen diese spaßigen Freizeitvergnügen auch noch zum Beruf. Denn zusammen betreiben sie eine kleine Pizzeria, die passenderweise auf den Namen Lammbock getauft wurde. Doch es sind zweifelsohne nicht die Pizzen, die sich bei den zahlreichen Kunden besonderer Beliebtheit erfreuen. Vielmehr sind es die Beilagen, genauer gesagt die gut versteckten unter der großen Salamischeibe in der Mitte. Hier platzieren die beiden die jeweils gewünschte Menge an pflanzlichen Zusatzstoffen, geruchsdicht verpackt in einer silbernen Tüte. Dies, und der allgemeine Drogenkonsum im Viertel rufen allerdings auch alsbald die Ordnungshüter auf den Plan, die in speziellen „Kiffer-Seminaren“ auf die Jagd auf Drogensünder abgerichtet werden. Einer davon agiert als verdeckter Ermittler und erschleicht sich das Vertrauen von Stefan und Kai – die ihm später sogar ihre eigens angelegte, geheime Plantage in einem Waldstück zeigen. Es wird weiterhin ordentlich gefeiert, konsumiert, der ein oder andre Pilz probiert… und dann taucht auch noch ein Förster auf. Probleme sind vorprogrammiert… doch wer wären Stefan und Kai, wenn sie nicht auch dafür die richtige Lösung parat hätten ?

Kritik: Um es gleich vorwegzunehmen – Lammbock ist weder ein besonders anspruchsvoller Film, noch ist der Inhalt neu oder besonders einzigartig. Aber dies will er auch gar nicht sein – er verspricht, eine passable deutsche Komödie mit amerikanischen Filmvorbildern zu sein, nicht mehr und nicht weniger. So reiht sich die deutsche Produktion in die Riege anderer „Kifferfilme“ aus Übersee ein, die sich ausschließlich auf das eine konzentrieren – den Drogenkonsum und daraus folgernde Absurditäten im Alltag. Man sollte also schon eine gewisse Affinität für derartige filmische Werke mitbringen, um in den Genuss von Lammbock zu kommen – zumal der Film sich absolut nicht scheut, den Drogenkonsum nicht nur zu zeigen; sondern vielmehr als selbstverständlich zu porträtieren. Wer noch weiter gehen möchte, könnte gar von einer Art Verherrlichung des Drogenkonsums sprechen – sicher nicht ganz unberechtigt in einem so eindeutigen Fall. Hier haben die Charaktere zu jeder Gelegenheit einen Joint in der Hand, sie dealen relativ unbeeindruckt von äusseren Einflüssen, sie kümmern sich nicht um Gesetzte und belächeln Ordnungshüter; und wollen dabei möglichst wenig Probleme, dafür aber vielmehr Spaß haben. Sicher, auch wenn es sich um eine explizite Komödie und einen reinen gute-Laune-Film handelt, wäre es nur mehr als verständlich wenn der ein oder andere Zuschauer sich eine solch unkritische Herangehensweise an ein grundsätzlich diskussionswertes Thema nicht antun möchte.

Für alle anderen, hauptsächlich und zweifelsohne auch ein etwas jüngeres, jugendliches Publikum (Hauptzielgruppe etwa 16-25) bietet der Film dennoch ein solides Maß an Unterhaltung und Witz. Gerade die makaberen Dialoge können durch eine gewisse Einzigartigkeit einerseits, dezente Parallelen oder Hommagen an andere Filmvorbilder andererseits (beispielsweise die Werke von Quentin Tarantino) überzeugen. Auch Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz haben als Hauptdarsteller einen großen Anteil am Funktionieren des Films, ebenso wie die Auftritte der zahlreichen, mehr oder weniger bekannten Nebendarsteller. Etwas schade ist es aber doch, dass sich grundsätzliche alle der Gags dann doch wieder auf den Drogenkonsum zurückführen lassen (Gespräche auf „anderen Ebenen“ oder generell Handlung unter Drogen- und Alkoholeinfluss). Hier hätte dem Film eine zusätzliche, „cleane“ Ebene sicher ganz gut getan – so aber verkommt selbst die Polizistenschar zu einer Bande von unfähigen Dilettanten, der verdeckte Ermittler kann mitunter als einziger „ernste“ Aspekt in Lammbock bezeichnet werden. Aber, entsteht eine gute Komödie nicht gerade aus Gegensätzen ? Wer nach solchen sucht, ist mit dieser deutschen Produktion also definitiv falsch beraten: Lammbock ist eine durch-und-durch Komödie, sozialkritische oder tragische Aspekte kommen nicht vor.

Denn auch die stellenweise „ernsten“ Gespräche der Protagonisten (beispielsweise in Bezug auf Liebesbeziehungen) sind eben nicht ernst zu nehmen, wenn mindestens einer der Beteiligten eine Flasche Wodka oder einen Joint in der Hand hält. Das Leben ist eine große Party – und selbst wenn die Stunde der Besinnung naht, kann man sich leicht retten wenn man sich auf seine Unzurechnungsfähigkeit beruft – dem Film nach. In diesem Zusammenhang gerät auch die „Behandlung“ des Försters als äusserst fragwürdig, und hart an der Grenze des für eine Komödie erträglichen. Auch die vermeintlich komödiantischen Nebencharaktere und die ständigen Seitenhiebe auf Torret-Erkrankungen funktionieren demnach nur bedingt – sie sind einstweilen etwas geschmacklos und eher in der Schublade eines Post-Pubertären Humors einzuordnen. Immerhin wirkt der technische Part rundum gelungen, die Optik ist nett und die Schauplätze sind gut gewählt. Auch die Kameraführung, der Schnitt und die Darstellerleistungen bewegen sich auf einem überdurchschnittlichen Niveau; daran kann und soll es also nicht liegen.

Fazit: Bitte nicht hinterfragen oder kritisch anpacken (Stichwort die Moral von der Geschicht‘) – Lammbock funktioniert einzig und allein als – relativ sinnbefreite – Komödie mit pflanzlichem Spaßfaktor. Eine Story im handelsüblichen Sinne kommt nicht vor, dafür aber reichlich makabere Dialoge und grundsätzlich interessante (aber leider nicht ausgearbeitete) Charaktere. Die ein oder andere Situation kann dann aber doch (und ja, auch bei Menschen die rein gar nichts mit einem wie auch immer gearteten Drogenkonsum am Hut haben) für Lacher sorgen. Kurzum: Lammbock kann Spaß machen, wird es aber nicht automatisch. Dafür ist das Themenfeld doch ein wenig zu spezifisch und Zielgruppen-fixiert, das Gesamtergebnis weitaus zu unspektakulär und gerade durch die zahlreichen Hommagen zwar ehrenwert, aber doch wenig innovativ. Absolutes Mittelmaß !

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