Filmkritik: „V Wie Vendetta“ (2005)

Originaltitel: V For Vendetta
Regie: James McTeigue
Mit: Natalie Portman – Hugo Weaving – Stephen Rea u.a.
Laufzeit: 120 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Thriller (70 %) / Action (20 %) / Sci-Fi (10 %)

„Es lohnt sich immer, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen“

Inhalt: In einem imaginären, zukünftigen Großbritannien wird die junge Evey (Natalie Portman) während der Ausgangssperre auf der Straße von einigen Schergen des totalitären Regimes belästigt. Bevor es für sie wirklich brenzlig wird, taucht plötzlich ein maskierter Mann aus den Schatten auf – es ist V (Hugo Weaving), der die Regierungsermittler kurzerhand ausser Gefecht setzt. V ist ein eigensinniger Freiheitskämpfer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat gegen das brutale Regime vorzugehen – wobei ihm offenbar alle Mittel Recht sind, selbst wenn es sich um ebenso brutale Morde handelt. Mit Evey gelangt nun eine neue Figur auf sein Schachfeld – V entscheidet sich schließlich dazu, sie in seine Pläne einzuweihen. Und auch das Volk wird eine nicht unbedeutende Rolle in V’s groß angelegtem Revolutions-Plan innehaben. Dumm nur, dass auch die Regierung nicht schläft; und entsprechende Gegenmaßnahmen vorsieht. Ihr oberstes Ziel ist es nun, V und Evey zu fassen. Ein gnadenloser Kampf entbrennt – an dem nicht nur die die Regierung und V beteiligt sind, sondern auch zahlreiche Einzelpersonen. Wer wird am Ende über die Zukunft Großbritanniens entscheiden ?

Kritik: V wie Vendetta basiert ursprünglich auf einer Comic-Vorlage, die nun von den Brüdern Larry und Andi Wachowski (The Matrix 1-3) adaptiert und produziert wurde. Und auch wenn man es nicht direkt vermuten würde, setzt der Film in erster Linie nicht auf ausführliche Actionszenen – sondern größtenteils auf Symbolik und spannende Thriller-Elemente. So bezieht sich die Handlung des Films auf Guy Fawkes, der an einem verhängnisvollen Tag versuchte, das Parlament Englands in die Luft zu sprengen. Dies geschah am 05. November 1605 – im Grunde ist V nun eine moderne Reinkarnation dieser Person, oder besser und ganz im Filmsinne: dieser Idee. So wird der 05. November abermals zum Stichtag – V gibt sich erstmals öffentlich zu erkennen, und macht deutlich, dass er recht genau 1 Jahr brauchen würde, seine Pläne in die Tat umzusetzen.

Dabei bekommt er Hilfe von Evey, was er offenbar so nicht geplant hatte – doch schnell wird klar, dass V ein höchst intelligenter und gewiefter Mann ist. Ein Mann, der sich unter einer Maske verbirgt, welche den gesamten Film über nicht abgelegt wird. Doch im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen die Identitäts-Enthüllung eines Maskierten auch eine wie auch immer geartete „Lösung“ mit sich bringt, geht V Wie Vendetta ohnehin einen ganz anderen Weg. Anhand der Dialoge macht V Evey (und dem Zuschauer) klar, dass es eben nicht um die Person an sich, sondern um deren Ideale und Ideen geht. Doch auch diese Regel scheint nicht absolut fix: denn Evey verleibt sich in V, wobei gerade über dieser höchst speziellen Beziehung der beiden stets ein undurchsichtiger Schleier liegt. Die absolute Aufmerksamkeit des Zuschauers ist gefordert – auch aufgrund der vergleichsweise anspruchsvollen Dialoge, in denen mit gehobener Sprache, Zitaten und auch unterschwelligem nur so um sich geworfen wird.

Aber, ist V Wie Vendetta deshalb automatisch ein anspruchsvoller Film ? Nicht wirklich – denn im weiteren Verlauf der Geschichte wird doch recht schnell deutlich, dass lediglich die „Verpackung“ eine für Hollywood durchaus untypische, andersartige ist. Die Charaktere sind ungewöhnlich, interessant und jeweils ausserordentlich gut gespielt; die Schauplätze sind stimmig in Szene gesetzt, es werden Bezüge zur (imaginären) Vergangenheit des Landes hergestellt, ein Geruch der Verschwörung liegt ständig in der Luft. Und, es werden so gut wie alle Fragen beantwortet. Doch gerade dieser Fakt, und die Entdeckungen die man als Zuschauer macht wenn man zum Kern der Geschichte vordringt – zählen nicht gerade zu den Stärken von V Wie Vendetta. Bei aller Liebe zu einer kryptischen Verspieltheit, Jahrzehnte-übergreifenden Rätseln und Polit-Komplotten – letztendlich ist die Story des Films überraschend simpel, was nicht so recht zum sonst „erfrischenden“ Eindruck der gerade während der Dialoge etabliert wurde, passen will.

V Wie Vendetta ist eben doch „nur“ eine Hollywood-Produktion – allzu weit aus dem Fenster lehnen wollte man sich offenbar auch nicht. Die menschenfeindliche Regierung wird daher wie gewohnt mit Haudrauf-Symbolik porträtiert, sodass automatisch Assoziationen zum Dritten Reich hergestellt werden können – wobei niemals wirklich ersichtlich wird, wie genau es eine solche Regierung an die Macht geschafft hat. Wobei, gerade dafür wird ja letztendlich eine (im Filmkontext verblüffende) Erklärung geliefert – doch wirklich glaubwürdig erscheint diese nicht. Einen Vergleichsfilm, den man hier zu Rate ziehen könnte, wäre Equilibrium mit Christian Bale, in der die Menschen durch das „Löschen“ von Gefühlen gefügig gemacht werden. Beiden Filmen liegt eine höchst ähnliche Story zugrunde, wobei V Wie Vendetta selbstverständlich nicht so trashig (in diesem Fall allerdings ein Pluspunkt für Equilibrium) wirkt. Beide Filme haben ihre Stärken – der eine (Equilibrium) kann definitiv als leichtere Kost bezeichnet werden, der andere als etwas gehobenere – doch „Spaß“ beziehungsweise Unterhaltung und Spannung bieten beide gleichermaßen.

Auch der technische Part kann durchweg überzeugen, wobei besonders die Leistungen der Darsteller hervorzuheben sind. Gerade Natalie Portman, die sich mit ihrer Rolle in Star Wars (Episode 1-3) sicher nicht gerade in die Herzen der Kritiker spielte, trägt hier einen großen Teil zur ganzheitlichen Filmwirkung bei. Sehr gelungen sind neben der allgemeinen Optik und der Kameraführung die Szenenaufbauten, die stets eine gewisse Liebe zum Detail aufweisen. Auch der Soundtrack ist angenehm, und weiss besonders im Zusammenhang mit den symbolträchtigen Momenten zu glänzen (Tschaikowsky’s 1812-Ouvertüre). Besonders auffällig sind die sinnigen charmanten Bezugnahmen zu Medien der hier „alten Zeit“ – seien es nun verbotene Bilder, Musikstücke oder Filme.

Fazit: Eine ambitionierte Idee, ein ausserordentlich guter Start – leider hält V Wie Vendetta das anfangs etablierte Niveau nicht. Gerade im späteren Verlauf gibt man sich allzu deutlichen Klischees hin, nachdem man sich ewig mit der Entschlüsselung der Informations-Häppchen beschäftigte enttäuscht die letztendliche Auflösung. Wenngleich die Actionszenen keine markante Relevanz haben, sind sie gut gemacht – hier wird erstmals der Comic-Ursprung ersichtlich. Leider führten aber wohl gerade diese dazu, dass der Film eine FSK-16 Freigabe erhielt… ein Quasi-Eigentor also. Im Gedächtnis bleiben werden die untypischen Dialoge, die Optik einer düsteren Zukunftsvision und die eindringlichen Charakterporträts. Und die stellenweise tiefsinnigen Aussagen, die am ehesten an Aphorismen erinnern – von denen es gleich mehrere serviert gibt. Wer also mit etwas intelligenteren und handwerklich gut gemachten Zukunfts-Thrillern anbandeln möchte – der darf getrost zugreifen. Doch ein kleiner, fader Nachgeschmack bleibt… ob es an der letztendlichen Plattitüde der Story oder den Methoden des „Freiheitskämpfers“ liegt, das sollte man selbst beurteilen.

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