Filmkritik: „Bloodrayne: The Third Reich“ (2010)

Alternativer Titel: /
Regie: Uwe Boll
Mit: Natassia Malthe – Clint Howard – Michael Paré u.a.
Laufzeit: 76 Minuten
Land: Kanada / Deutschland
FSK: Ab 18
Genre: Fantasy-Action (100 %)

Inhalt: Eine kampflustige Halb-Vampirin mit dem Namen Rayne (Natassia Malthe) hat es sich zur Aufgabe gemacht, während des zweiten Weltkrieges Nazi-Deutsche aufzuschlitzen. Dies gelingt ihr so gut, da sie bestens mit ihren zwei Schwertern umgehen kann, und zudem über unglaubliche regenerative Fähigkeiten verfügt. Bei einem Angriff auf einen schwer bewachten Zug überschneidet sich ihr Angriff mit dem einer Gruppe Widerstandskämpfer, die von einem Mann namens Nathaniel (Brendan Fletcher) angeführt werden. Schnell wird den beiden Parteien klar, dass sie voneinander profitieren können, und dass sie besser zusammen gegen die Nazis ins Feld ziehen sollten – gerade jetzt, da Rayne den deutschen Kommandanten Brandt (Michael Paré) gebissen hat. Denn der wird nun ebenfalls zu einem Halb-Vampir, was ihm als machthungrigen Nazi entsprechend zugute kommt. Gemeinsam mit dem wahnsinnigen Arzt (Clint Howard) arbeiten die deutschen Schergen nun an einer den Sieg garantierenden „Lösung für das Reich“ – und sehen selbst eine Vampir-Einspritzung für Hitler vor. Nun liegt es an Rayne und den verstreuten Resten der Widerstandskämpfer, eben dies zu unterbinden.

Kritik: Einen Film wie Bloodrayne: The Third Reich kann man eigentlich gar nicht unvoreingenommen konsumieren. Denn auch wenn man sich vornehmlich nicht hinter den Kino-Kulissen bewegt und sich stets Hintergrundinformationen zur jeweiligen Produktion einholt, sollte einem der Name Uwe Boll doch bekannt vorkommen. Und entsprechend verdächtig, denn seine Filme sind in der Allgemeinheit nicht gerade als besonders qualitative, innovative oder gut gemachte Werke geläufig. Viel eher ist ein Groß seiner Filme in etwa vergleichbar mit den sogenannten Mockbustern aus dem Hause The Asylum –  nur, dass Herr Boll es zumeist wirklich absolut ernst meint. Ausnahmen gab es auch, derer sind es jedoch nur wenige: so konnte er mit einem gewissen Anarcho-Humor in Postal punkten, der einzigen geglückten Videospielverfilmung hinter der der Name Boll steht. Nun soll es aber wieder das Bloodrayne-Franchise sein – immerhin ist The Third Reich der (wie passend) bereits dritte Teil der Reihe. Warum Boll sich nun gerade für eine Vampirhatz im Nazi-Deutschland entschieden hat, wird schnell klar; wenn man sich die näheren Produktionshintergründe ansieht.

Denn unglücklicherweise ist Bloodrayne: The Third Reich einer von drei Filmen, die Boll im gleichen Produktionszeitraum fertigstellte – es gesellen sich noch Auschwitz und Blubberella dazu. Ersterer ist ein Versuch einer Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit, und zweiterer ist in etwa eine noch übertriebenere Version von Bloodrayne – ebenfalls im dritten Reich angesiedelt kämpft hier eine deutlich „kräftigere“ Dame gegen Nazi-Schwergen (wobei Boll selbst als „Führer“ auftritt). Man muss die anderen Filme nicht kennen, um das leicht fragwürdige Recycling-Prinzip hinter dieser „Trilogie“ zu entdecken – so konnte man das Set, die Kostüme und viel mehr weitestgehend unverändert lassen. Aber ob sich das gerade bei einem derart sensiblen Thema (das Dritte Reich) anbietet ? Denn eines ist klar: nur Blubberella kann und soll als Parodie verstanden werden, mit den anderen beiden Werken meint der Regisseur es ernst. Und damit gehen auch die Probleme los. Was in Postal noch ansatzweise funktionierte (hauptsächlich durch reihenweise Anarcho-Gags), schlägt in Bloodrayne: The Third Reich mehr als fehl. Es gibt schlichtweg keine Handlung, die einzelnen Szene wirken wie zusammenhanglose Versatzstücke die nicht miteinander harmonieren.

Immer wieder gibt es merkwürdige Sprünge von A nach B, wobei die Orte und Schauplätze für die Story absolut unbedeutend sind. Ja, man wird stellenweise fragen, wo das Ganze denn nun eigentlich spielt – zumindest wenn man einen der Einleitungssätze verpasst. In Deutschland ? In Polen ? Irgendwo im Osten, oder mal hier und mal dort ? Zu keiner Zeit wird auf die Umgebung (oder gar kriegsbezogene Infrastrukturen) Bezug genommen, zumeist spielt sich die Handlung ohnehin nur im inneren von Gebäuden ab. Und auch die begeistern weder durch ihre Auswahl, noch deren Inszenierung – im Gedächtnis bleiben werden eine Art Bordell (aber auch nur, weil die Szenen hier etwas länger dauern), ein Unterschlupf der Widerstandskämpfer, und irgendwelche x-bliebigen Kellerräume. Der „Nazi-Touch“ entsteht durch das Anbringen einer Fahne hie und da – und natürlich durch die Uniformen. Das war’s ! Und Warum musste Boll doch noch ein Konzentrationslager (mit fiesem Kommandanten) zeigen, wenn er letztendlich keinerlei Bezug darauf nimmt ? Die gesamte Inszenierung wirkt unangenehm dilettantisch, und weiss den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt wirklich zu fesseln.

Vielleicht hätte das Ganze besser funktioniert, würde auch Bloodrayne eine Art Parodie oder ein reines Vampir-Nazikuddelmuddel mit (wenn auch fraglichem) Spaßfaktor sein – doch von (Selbst-)Ironie oder Witz gibt es keine Spur in diesem Werk. Stattdessen reiht sich eine dämliche Szene an die nächste, noch dämlichere. Neben zahlreichen Logikfehlern und erstaunten Fragezeichen über den Zuschauer-Gesichtern können hier sicherlich die „Lesbenszene“ im Bordell sowie der „Quickie“ während der Gefangenschaft in einem Transporter als Negativ-Highlights angeführt werden. Und, keinesfalls zu vergessen: das Finale, bei welchem man sich wundern wird. Nein, auch hier nicht im positiven Sinne…

Fazit: Es geht immer schlechter. Bloodrayne: The Third Reich ist ein inhaltsleerer, sinnbefreiter, oder einfach nur strunzdämlicher Film, der die Themenfelder „Vampire“ und „Nazis“ in einer bisher nie dagewesenen Form miteinander kombiniert. In einer wenig durchdachten, einer jeglichen Logik entbehrenden (aber stets künstlerisch-ernstgemeinten !) Art und Weise nämlich, die nicht einmal in der Verpackung glänzt. Die Schauplätze und Szenengestaltungen wirken lieblos, die Darsteller ringen mit ihrem Reststolz in Anbetracht des schrecklichen Drehbuchs… wobei einzig und allein der psychopathische Arzt, gespielt von Clint Howard, einen gewissen Anarcho-Charme entwickeln kann. Doch wenn das schon alles ist und mit merkwürdigen Szenen a’la „Ich habe stundenlang Blut abgenommen“ (Ergebnis: eine Mini-Ampulle) endet… Auch die Actionszenen wirken amateurhaft choreografiert und inszeniert. Gut, dass der Film gerade einmal eine knappe Stunde Spieldauer aufweist (sofern man Intro und Abspann abzieht) – und damit schnell wieder überstanden ist. Seelenloses film-Recycling a’la Boll – für die besonders schmerzfreien.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Bloodrayne: The Third Reich“ (2010)

  1. echt super filmchen hahahhaha, hast ja den film richtig in der luft zerfetzt!! kann ich aber nur zustimmen dass dieser film einfach nur schlecht ist und an einem spurlos vorbeigeht!!! und gut dass du das mit den szenen erwähnt hast 😉 jetzt nur noch far cry glotzen und alles wird gut . Prost !

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