Filmkritik: „Endhiran“ (2010)

Auch Bekannt Als: Enthiran
Regie: S. Shankar
Mit: Rajnikanth – Aishwarya Rai – Danny Denzongpa u.a.
Laufzeit: 174 Minuten
Land: Indien
FSK: ?
Genre: Sci-Fi (10 %) / Komödie (10 %) / Action (50 %) / Drama (30 %)

Inhalt: Nach nunmehr 10 Jahren intensiver Forschung und harter Arbeit ist einem indischen Wissenschaftler die Fertigstellung eines höchst fortschrittlichen Androiden gelungen. Denn die besagte Kreation sieht nicht nur aus wie ein Mensch, sondern kann auch so ziemlich alles was sein Schöpfer kann. Ob Tanzen, Autofahren, den Haushalt schmeissen, eine Dame vor zwielichtigen Gestalten beschützen – all das macht der Roboter mit links. Doch für seinen Schöpfer scheinen all diese Wochen, in denen der Androide schon frei herumstolziert, nur eine Testphase zu sein – er plant größeres. Nämlich den Einsatz in der indischen Armee; mit dem Ziel, dass es von nun an keine menschlichen Verluste mehr geben müsste. Doch wie sich eines Tages bei der ersten offiziellen Anschauungsstunde herausstellt, fehlt dem sonst perfekten Roboter doch noch etwas: Gefühle, Emotionen; kurzum: eine Seele. Denn wie könnte er sonst auf dem potentiellen Schlachtfeld zwischen gut und böse unterscheiden ? Prompt macht sich der findige Wissenschaftler an die Arbeit und pflanzt seinem „Sohn“ weitere menschliche Komponente ein. Unglücklicherweise hat er eines dabei nicht bedacht… je menschlicher der Roboter wird, umso menschlicher werden seine Bedürfnisse und Wünsche…

Kritik: Endhiran ist alles, nur kein gewöhnlicher Film – erst recht nicht aus der Sicht des im Westen üblichen Verständnisses für groß angelegte Blockbuster. Dabei fungiert das makabere indische Filmprojekt als das bis dato teuerste Werk überhaupt, welches jemals in Indien entstanden ist. Moment, Indien… ? Kennen wir dieses Land nicht am ehesten für seine (oftmals schnulzigen) Bollywood-Liebesfilme ? In der Tat, auch dem Mammutprojekt Endhiran liegt – bei allem Science Fiction und Zukunfts-Touch – eine Liebesgeschichte zugrunde, auch wenn man dies auf den ersten Blick sicher nicht vermuten würde. So gibt es auch einige (musikalische) Ausflüge in bester Bollywood-Manier – die typisch-bunten Tanzszenen dauern in etwa 5 Minuten (jeweils) und tauchen immer dann in Endhiran auf, wenn ein gefühlter Storyabschnitt abgehandelt wurde. In diesem Film nutzt man dafür entweder sagenhafte Natur-Kulissen (See mit Sandstrand, Berglandschaft) oder eben die zur Story passenden, deutlich Zukunfts-angehauchten Sets. Alle Music-Szenen haben in jedem Fall eines gemeinsam: es wird getanzt, und das meist nicht allein. Immer mit von der Partie sind die beiden Hauptdarsteller, wobei der männliche Part später sinngemäß von Roboter ersetzt wird – und allerlei Background-Tänzer, die die Choreografien unterstützen. Zugegeben – auch wenn sich ein gewisser Kitsch nicht verhehlen lässt, diese Szenen wirken in Endhiran längst nicht so schmalzig-schnulzig wie in anderen Bollywoodfilmen. Die Choreografien sind nett und abwechslungsreich (besonders durch die verarbeitete Roboter-Thematik), die Gesamtwirkung kommt reichlich pompös daher. Und auch wenn es leichte Verständnisprobleme geben könnte (sofern das Ganze in der vorliegenden Version nicht untertitelt ist) – die Bilder sprechen doch eine klare Sprache.

Was aber ist mit dem vielumworbenen Action-Part, der vielen unter anderem von der Videoplattform Youtube her bekannt sein sollte – eine dort hochgeladene Szene zeigt einen der längeren Kampfszenen ? In der Tat ist dieser vorhanden, wenn auch nicht so ausführlich wie erwartet oder erhofft. Im Grunde sind es der wirklich markanten, längeren Actionszenen eigentlich nur zwei – wenn es in Endhiran dann allerdings mal zur Sache geht, dann richtig. Es gibt wohl kaum einen Film, den man hier zu einem Vergleich heranziehen könnte – gut, The Matrix böte sich noch am ehesten für die erste Kampfszene im Zug an. Doch wenn es dann gegen Ende zur zweiten großen Kampfszene geht, dann ist zweifelsohne großes Staunen angesagt – und gleichzeitig wird klar, warum der Film derartige Produktionskosten verschlungen hat. Das Problem hierbei ist lediglich, dass es ausser dieser (dafür aber deutlich längeren) Szene keine wirklich nennenswerten Action-Highlights gibt. Von einigen recht netten Einfällen wie den Unruhestiftern, bei denen die Fernbedienung plötzlich ihren Geist aufgibt; mal abgesehen. Dies liegt zweifelsohne an der Gewichtung der Themen, die allerhöchstens zur Hälfte auf den Actionszenen liegt. Neben leichten Sci-Fi Aspekten (immerhin ist der Roboter recht futuristisch, und entwickelt sich später in ungeahnten Ausmaßen weiter), dominiert vor allem das groß angelegte (Roboter-)Drama.

Dies beginnt mit der Darstellung dessen, was für Potential ein noch „seelenloser“ Roboter für die Menschen haben könnte / bereits hat, und findet seinen dementsprechenden Höhepunkt mit der „Einpflanzung“ von menschlichen Gefühlen. Wenn die Liebe vorher nur eine höchst seichte rolle gespielt hat, geht es nun richtig los: der Roboter verliebt sich in die Frau seines „Vaters“ und wird aufmüpfig. Ein regelrechter Kampf zwischen Schöpfer / Roboter beginnt zu entbrennen, wobei die gesamte Bandbreite an menschlichen Gefühlen abgearbeitet wird – und stetig Seitenhiebe auf gewisse moralische Fragen abgefeuert werden. All dies würde nicht einmal ansatzweise so gut funktionieren und dementsprechend unterhalten – wäre da nicht dieser gewisse selbstironische Unterton. Der zieht sich durch den gesamten Film und sorgt dafür, dass man Endhiran am ehesten als „Spaßprojekt“ auslegen sollte – ein Projekt, dass trotz seiner immensen Spieldauer von 174 Minuten (!) überraschenderweise niemals langweilt oder nennenswerte Durststrecken aufweist.

Zweifelsohne haben hier alle Beteiligten gute Arbeit geleistet, vom Regisseur bis hin zu den Darstellern, die teils mit deutlichem (aber gewollten !) Over-Acting auftreten. Etwas schade ist allerdings, dass einige der Special-Effects nicht mit dem großen Finale und der generell netten Ansichten auf das Innenleben eines Roboters mithalten können. Eine Szene mit einem weitläufigen Hausbrand beispielsweise fällt leicht aus dem Rahmen, und die Animationen wirken auch nicht immer zu 100% geschmneidig. Auch die scheinbar willkürlich auftretenden Pitch-Effekte (gefühlt: man betätigt die Vorspul-Taste) wissen eher zu stören als zu begeistern. Warum man dem sonst auf menschlich getrimmten Roboter ausgerechnet die Fähigkeit den Kopf um 360° zu drehen verpassen musste, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

Fazit: Wer mal wieder Lust auf ein absolut untypischen Filmerlebnis hat, dabei im besten Falle nichts gegen die sogenannten Bollywood-Tanzfilme hat und am Ende mit einer der wohl abgefahrendsten Actionszenen aller Zeiten (!) überrascht werden möchte – der sollte nach Endhiran Ausschau halten. Sehr angenehm wirkt der selbstironische Unterton, der das eben gezeigte stellenweise schon beinahe wieder parodiert – sowie der äusserst unterhaltsame Roboter, den man mit seinem oberlässigen-Sonnenbrillenblick einfach liebgewinnen muss. Natürlich am ehesten als neutrale Version – denn in der späteren „fiesen“ muss dann auch mal der ein oder andere unbeteiligte dran glauben. Einen Innovationspreis gewinnt das Ganze dennoch nicht – dafür ist die Story im Endeffekt deutlich zu simpel und klischeehaft gehalten. Ein Androide ist blind vor Liebe und baut sich eine Armee um… ja, was eigentlich ? Aber, und um den Film zu zitieren: vielleicht sind wir einfach noch nicht reif für so etwas. Spaß macht’s trotzdem !

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Endhiran“ (2010)

  1. Hallo ich hab den Film gesehen und ich fand ihn echt Klasse. Sicherlich nach Bollywood-Manier, aber so eine Film lohnt es sich anzuschauen 9/10 möglichen Punkten

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