Filmkritik: „John Rambo“ (2007)

Originaltitel: Rambo
Regie: Sylvester Stallone
Mit: Sylvester Stallone – Julie Benz – Paul Schulze u.a.
Laufzeit: 90 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Action (100 %)

Inhalt: John Rambo, es geht wieder los – und dass, obwohl sich der nunmehr leicht gealterte Elitekämpfer (Sylvester Stallone) längst als friedlicher Bootskapitän in Thailand verdingt. Doch es scheint, als könnte er seiner eigentlichen Bestimmung nicht entfliehen… denn als eines Tages eine Gruppe christlicher Missionare auftaucht, kann er über die Schreckensherrschaft der grausamen Militärregierung nicht mehr hinwegsehen. Die christlichen Helfer, die freiwillig nach Burma wollen um der leidenden Bevölkerung zu helfen, geraten von einer gefährlichen Situation in die nächste – zwar waren sie sich des Risikos bewusst, doch dass sie derart schnell gefangengenommen und daraufhin den sadistischen Militärs hilflos ausgeliefert sein würden, damit hatten sie nicht gerechnet. Bald darauf schickt der Pastor Arthur Marsh (Ken Howard) einen Trupp internationaler Söldner los, um die Gefangenen zu retten – doch es scheint, als wären sie ohne die Hilfe von John Rambo aufgeschmissen… und der zeigt sich in Anbetracht der ruppigen Söldner erst wenig kooperativ.

Auch ein John Rambo bekommt manchmal Hilfe... auch wenn er sie gewiss nicht bräuchte

Kritik: Wer die bisherige Rambo-Reihe kennt, der weiss ungefähr, auf was er sich mit dem neuesten Ableger John Rambo einlassen wird. Ganz im Sinne der Rambo-typischen Einzelkämpfer-Manier wird hier erneut vor politischem Hintergrund (*hüst*) gekämpft – für die Freiheit und für Menschenrechte. Wobei, kann man wirklich derart positiv über den Inhalt eines solchen Films sprechen ? Sicher, der Film ist explizit darauf ausgelegt, dass man die porträtierten Regime-Truppen einfach nur hassen kann – schließlich scheinen sie den lieben langen Tag nichts anderes zu machen als Menschen auf sadistische Art und Weise zu foltern und zu töten. Und, wenn dann auch noch explizit Kinder als Kriegsopfer gezeigt werden, dann vermag es dieses Gefühl der gewünschten und automatisch „gerechten Rache“ nur noch zu verstärken. Aber, kann es so etwas wie „gerechte Rache“ überhaupt geben, beziehungsweise kann man es vertreten, wenn grausame Mörder und Volksschlächter auf eine ebenso grausame Art und Weise für ihre Taten bezahlen müssen ? Kann man dies auch noch, wenn die ausführende Gewalt sozusagen vollkommen unabhängig agiert und sich vor niemand anderem rechtfertigen muss ? Fragen über Fragen, für deren Behandlung in John Rambo allerdings keine Zeit bleibt. Und damit unterscheidet sich der neueste Rambo auch nur bedingt von den teilweise zu „Kultfilmen“ avancierten Vorgängern – ausser, dass der Vietnam-Veteran dieses Mal zu so mancher Gelegenheit Hilfe von (fast) ebenbürtigen Söldner erhält. Auch wenn er die sicher nicht nötig hätte…

De facto sollte man Filme wie die Vorgänger, oder zumindest ähnliche Actionfilmen in denen eher das „was“ anstatt des „warums“ dargestellt wird, mögen, um in Anbetracht der teilweise enorm expliziten Gewaltdarstellungen nicht völlig zu verzweifeln. In ihrer Härte sind sie in etwa vergleichbar mit Szenen aus (absichtlich übertriebenen) Horror-Trashfilmen – mit dem Unterschied, dass alles in John Rambo absolut ernst gemeint ist und auch so wirkt. Tatsächlich prägen diese Szenen auch den Gesamteindruck des Films – einen wirklichen Storyaufhänger gibt es – neben der eher „zufällig“ wirkenden Missionars-Aktion einiger christlicher Helfer – nicht. Weder wird merklich auf die Vergangenheit des Veteranen eingegangen, noch kann man zu irgendeinem Zeitpunkt wirklich hinter die Fassade, das heisst die etwas müden aber dennoch zielsicher wirkenden Augen schauen. So sagt Sylvester Stallone, der einige der wichtigsten Positionen (unter anderem den Regiestuhl und die Hauptrolle) in seinem Film besetzt, dass er den Inhalt des Films (Einzelkämpfer erledigt beinahe eine komplette Militärdiktatur) nicht irgendeiner Doktrin oder Nations-Abhängigen Ideologie zuschreiben wollte. Was genau er aber mit den Rambo-Filmen zu sagen versucht, dass kann man allenfalls in Interviews oder den Making-Of’s versuchen zu erhaschen – die Filme allein liefern hierfür keine nachvollziehbaren Hintergründe (zumindest nicht mehr ab diesem Teil).

Dadurch, dass er das Ganze aber stets in einem äusserst ernsten Rahmen verpackt (Völkermord in Burma), erübrigen sich Fragen nach Moral und Sinn aber eben nicht – im Gegensatz zu reinen (wenn auch ultrabrutalen) „Spaßfilmen“ a’la The Expendables (Review). So hat man als Zuschauer kaum die Wahl, dass Ganze als reinen Unterhaltungsfilm abzustempeln – wenngleich der Faktor Inhalt zu Action auch dafür sprechen würde. Ebenfalls kritisch zu betrachten ist das Auftauchen der christlichen Kirche, die Herr Rambo hier (zuerst wenig begeistert) unterstützt, wenn auch nur indirekt – hier können zweifelsohne etwas ungemütliche Assoziationen entstehen. Zwar geht es ihm offenbar besonders um das Ausschalten der sadistischen Regierungstruppen, doch gerade wenn er ein Kreuz als symbolisches Mahnmal erhält und daraufhin mit Pfeil und Bogen den Schädel eines (sicher, sadistischen) feindlichen Soldaten spaltet… dann kann man dies nicht einfach so hinnehmen. Es gilt also, sich auf die anderen Stärken des Films zu besinnen – die alle auffallend wenig mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben.

Und das sind in erster Linie der Nostalgiebonus und die technischen Aspekte. Von schauspielerischer Qualität kann man bei einem Werk wie John Rambo allerdings nicht wirklich sprechen – in Sachen „Charakterisierung“ genügen ein paar aussagekräftige (oder eben nicht) Blicke der Protagonisten, im großen und ganzen zählen aber die gewaltorientierten Handlungen. Auch Dialoge gibt es kaum, und schon gar nicht zwischen den verfeindeten Parteien. Die allgemeine Optik und das gut ausgewählte Dschungel-Setting können aber überzeugen, dadurch das es in einigen Szenen heftig regnet entsteht eine zusätzliche atmosphärische Komponente. Auch die Kampfszenen, vor allem die spätere große in der Nähe eines Flussufers, sind packend (und recht blutig) inszeniert und sorgen für das nötige Tempo. Die Schnitte sind gar nicht mal so hektisch wie es manche vielleicht erwarten würden; lediglich der Soundtrack weiss sich nicht wirklich in die Liste der gelungeneren technischen Aspekte des Films einzureihen. Er ist größtenteils nichtssagend und wirkt wie schon tausendmal (und woanders) gehört.

Fazit: Ein Ein-Mann-Racheakt gegen sadistische Meuchelmörder eines menschenfeindlichen Regimes – das ist Rambo-typisch, doch leider verzichtet Stallone größtenteils auf eine Ebene, die das Handeln des Hauptcharakters auch nur ansatzweise rechtfertigt oder die dahinterstehende Motivation beleuchtet. Stattdessen gibt es nur noch mehr Blut, umherfliegende Körperteile und einen wahnsinnigen Bodycount – Fans der Reihe werden auch am neuesten Rambo Gefallen finden (wenngleich auch diese Abstriche machen müssen), für Einsteiger gerät der Film durch die Ermangelung an Hintergrundinformationen allerdings zu einem absoluten, vergleichsweise brutalen Durschnitts-Actionfilm (höchstens !) mit fragwürdiger Moral. Gehirn Aus, (ernstgemeintes) Gemetzel an. Nur äusserst bedingt empfehlenswert…

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „John Rambo“ (2007)

  1. Bis jetzt nur das fazit gelesen aber deine begründungen können mich nicht überzeugen, dass ich mit einer wertung von 4 punkten zu frieden sein kann. zu wenig. der verdient mind. 5,5 auch wenn der hart ist , aber so sind die rambo teile na ja der letzte ist 4 real etwas platter. und rambos Motivation ist einfach sich darum zu kümmern die „schwächere“ zu „beschützen“ oder zu retten. Der ist berufen für solch taten und wer soll es sonst tun wenn nicht er!!!
    cu ……
    und was war denn letztens los einfach nicht mehr ans tel. gegangen…. wegen der fahrt nach neuhaus meine ich ttzzzz puh !!….

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