Metal-CD-Review: DARK MOOR – Autumnal (2008)

Land: Spanien – Genre: (Symphonic) Power Metal

Swan Lake
On The Hill Of Dreams
Phantom Queen
An End So Cold
Faustus
Don´t Look Back
When The Sun Is Gone
For Her
The Enchanted Forest
The Sphinx
Fallen Leaves Waltz

Übersicht: Argh, warum habe ich dieses Dark Moor-Album eigentlich so lange in meinem Regal verstauben lassen ? Einige Zeit nach dem Review des derzeit (2011) aktuellsten Albums Ancestral Romance (siehe hier) widme ich nun aber doch noch einmal ausführlich dem 2008’er Werk der spanischen Band. Aber so ist das eben wenn man im Besitz einer ansehnlichen Sammlung ist – mache Schätze entdeckt man erst viel später als direkt nach dem Kauf. Zumindest ergeht das mir persönlich desöfteren so. Auch hatte ich damals so meine Probleme mit dem Besetzungswechsel der Band – es ist nur ein einziges Mitglied seit der Gründung bestehen geblieben, nämlich Enrik García an der Gitarre. So wurde bei allen Positionen ordentlich durchgewechselt – wobei dies natürlich beim Gesang am deutlichsten auffällt. Schließlich verließ die ehemalige Fronfrau Elisa C. Martín im Jahre 2003 die Band – kurz nach dem Release des sagenhaften Albums Gates of Oblivion (2002). Seitdem zeichnet sich Alfred Romero für die nun männlichen Vocals verantwortlich, wobei sich die Band offenbar wie kaum eine andere aus dem Power Metal-Bereich auf einer Reise befindet. Eine Reise mit ungewissem Ausgang, aber doch reichlich an (musikalischem) Kurzweil während der Zwischenstopps und den verschiedenen Etappen.

Kritik / Songreviews: Wie wäre es denn mal mit einer ungewöhnlichen Ballet-Interpretation (Tschaikowsky’s Schwanensee) als Auftakt ? So fungiert das sagenhaft druckvolle Swan Lake gleichzeitig als Intro und Opener – Dark Moor brauchen eben keinerlei Vorgeplänkel um voll und ganz in ihre ganz eigene (Musik-)Welt einzusteigen. Das mit knapp 8 Minuten Spieldauer recht lange Einleitungsstück stellt sich als waschechte Metal-Sinfonie ohne Gleichen heraus: die Mixtur als „hartem“ Metal und dezent-klassischen Elementen fällt ausserordentlich stimmig aus. Zwar ist die Kombination aus Metal und Klassik nichts neues mehr, da haben gewisse Genrepioniere bereits ganze Arbeit geleistet (blinzel), doch bei Dark Moor klingt das Ganze ausreichend eigenständig und gewiss auch „speziell“ – in einem positiven Sinne. Leadsänger Alfred Romero überzeugt mit seiner gleichsam zarten und kräftigen Stimme, in die er besonders in den Refrains ordentlich Gefühl legt – häufig wird er dabei von einem Hintergrundchor begleitet, der sich jedoch angenehm dezent im Hintergrund hält. Überhaupt scheinen die Metal-Aspekte über die klassischen zu dominieren – doch auch Fans von klassischem Symphonic oder Epic Metal werden reichlich beschenkt. Die Orchester- und Soundtrackartigen Hintergrundmelodien, die hie und da einsetzenden Streicher… alles fügt sich zu einem äusserst positiven Gesamtbild zusammen. Und das Finale von Swan Lake hätte in dieser Version wohl auch Tschaikowsky selbst sehr gut gefallen. Wahnsinn – 10/10.

Das folgende On The Hill Of Dreams bedient sich wiederum beim ebenso bekannten Phantom der Oper, und weiss durch eine nicht ganz so bombastische Instrumentalisierung etwas ruhigere Töne anzuschlagen. Im Vordergrund stehen die Riffs und der Gesang von Romero, der hier von einem weiblichen Gesangspart begleitet wird – was im Refrain seinen (emotionalen) Höhepunkt findet. Stets präsent, wenn auch nur im Hintergrund: eine Art Glockenspiel, welches dem Song einen zusätzlichen mystischen Touch verleiht. Und bei der typischen Panthom Der Oper-Strophe in der Dark Moor Metalversion: einfach nur Gänsehaut (9/10). Phantom Queen beginnt recht plötzlich, und präsentiert gleich eine volle akustische Breitseite mit Streichern und Co, bis die erste deutlich ruhigere Strophe einsetzt; abermals nett dargeboten von Alfred Romero. Der Refrain wiederum weiss durch einen enormen Druck und ein flottes Tempo zu überraschen, der Bombast-Orchester-Eindruck rückt wieder in den Vordergrund. Als weitere kleine Elemente der Abwechslung gibt es auch ein paar Growls zu hören, und natürlich die immer wiederkehrenden und auflockernden Violinen-Parts (8/10).

An End So Cold… die erste waschechte Ballade des Albums. Und was für eine – eine äusserst emotionale, aber gewiss keine Einschläfernde. Dafür sorgen das markante Bass-Spiel, die allgemeine und gut eingesetzte Kraft der Instrumente – und der geniale Refrain. Später gibt es dann auch noch eine wunderbare Instrumentalpassage als Sahnehäubchen serviert (10/10). Mit dem Kracher Faustus geht es dann wieder etwas harscher zugange – besonders der Refrain (der gleich zu Beginn des Songs vorgestellt wird) wirkt in den ersten Momenten allerdings leicht gewöhnungsbedürftig. Doch nach einigen Durchgängen weiss dann auch dieses von Goethe inspirierte Stück sein Potential zu entfalten. Stimme Lyrics, eine gespenstische Atmosphäre… zweifelsohne verstehen die Spanier ihr Handwerk (8/10). Abermals beweisen sie das beim folgenden Don’t Look Back, einem sehr abwechslungsreichen und mitreißenden Stück mit einem eingängigen Gesangspart. Immer wieder gibt es Tempowechsel, mal halten sich die orchestralen Aspekte im Hintergrund, mal dominieren sie geradezu – episch, gefühlvoll, perfekt vorgetragen, was will man mehr (9/10). Und dann kommt When The Sun Is Gone daher und entpuppt sich als wenn nichts gewesen wäre als weitere, waschechte Hymne mit absolutem Ohrwurm-Refrain. Hier fällt auch mir nichts mehr ein ausser… (10/10).

Das nun kommende For Her klingt in den ersten Momenten wie eine passende musikalische Untermalung zu einem Aufbruch zu einer Reise, expliziter noch aus einem Hafen – dieses „auf geht’s“ Gefühl zieht sich auch durch den gesamten Song. Endlich einmal wieder eine explizite Liebeshymne, die allgemein (v)erträglich ist (9/10). The Enchanted Forest kommt schon wesentlich gemäßigter und deutlich  auf einem härten Midtempo-Level daher. Die Riffs treiben das Ganze an, doch insgesamt kann es dieser Song in Sachen Erhabenheit nicht mit den anderen aufnehmen und könnte daher (wenn auch nur vorsichtig !) als Lückenfüller bezeichnet werden (7/10). The Sphinx wiederum erzählt eine typisch stimmige, atmosphärische Geschichte a’la Dark Moor (8/10), und der Fallen Leaves Waltz schließt das Album nochmals mit einer ordentlichen Soundtrack-Portion ab. Epic – 10/10.

Fazit: Etwas passenderes wird man im Power Metal-Bereich zum Thema „Herbst“ nicht finden, das ist gewiss. Aber auch davon abgesehen bietet Dark Moor’s Autumnal einen sagenhaft epischen Power Metal mit allerlei musikalischen Raffinessen und einem mehr als nur angenehmen Leadsänger. Beinahe alles ist perfekt: die Lyrics, die Melodien, die komplexen Strukturen, die ständigen Stimmungs- und Tempowechsel, die geballte Ladung an verpackten Emotionen und Gefühlen, die fetzigen Soli… alles in allem eine klare Empfehlung, diese Scheibe muss man als Power Metal-Fan in seiner Sammlung haben.

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