Filmkritik: „Teufelskind (Joshua)“ (2007)

Originaltitel: Joshua
Regie: George Ratliff
Mit: Sam Rockwell – Vera Farmiga – Celia Weston
Laufzeit: 106 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Drama (60 %), Thriller (30 %), Horror (10 %)

Inhalt: Die Familie Cairn scheint ein relativ unbeschwertes Leben zu führen. Der neunjährige Joshua (Jacob Kogan) spielt gerne Fussball, und wird außerdem als waschechtes Wunderkind in Bezug auf seine Talente am Piano bezeichnet. Sein Vater Brad (Sam Rockwell) verdient recht gut und hat trotzdem noch genügend Zeit für seinen Sohn, seine Mutter Vera (Vera Farmiga) ist eine sich kümmernde Hausfrau durch und durch. Was könnte dieses Familienglück noch perfekter machen ? Richtig, erneuter Nachwuchs – und der kommt in Form einer Tochter daher, die prompt Lily getauft wird. Nun also ist die Familie komplett – doch offenbar sehr zum Missfallen von Joshua, der starke Gefühle der Eifersucht entwickelt – und das nicht völlig grundlos. Offenbar scheinen sich die Prioritäten der Eltern stärker zu verschieben als üblich, und besonders die Mutter hat stark unter den Folgen der Geburt zu leiden – bereits die erste war nicht einfach für sie. Eine Verzweiflungstat scheint geradezu unausweichlich – doch wer hätte ahnen können, dass sie von Joshua ausgeht ?

Kritik: Um die gerade gestellte gleich wieder zu beantworten: die Eltern natürlich, sofern sie ihrem Sohn auch nach der Geburt des kleinen Mädchens noch genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen würden. Doch genau hier setzt der Film an und kommt mit einem reichlich erschreckenden, authentischen und hoffentlich auch aufrüttelnden Porträt einer kleinen Familie daher, bei der nur auf den ersten Blick alles in Ordnung ist. So ist Joshua auch kein Horrorfilm in dem Sinne – auch wenn er in Deutschland so vermarktet wird. Reisserische Horrorstreifen mit Kindern in den Hauptrollen verkaufen sich eben besser als düstere Dramen – für einen ordentlichen Gruselabend ist Joshua allerdings nur höchst bedingt zu empfehlen. Denn die Drama-Anteile überwiegen klar; diese sorgen zwar auch für ein Gefühl des Gruselns – aber ein etwas anderes, eher psychologisches Gruseln. Gerade der Charakter der Mutter wird höchst lebendig porträtiert, und zeigt auf, mit was für Folgen junge Mütter nach der Geburt mitunter zu kämpfen haben könnten. Dieses Phänomen nennt man Postpartale Depression – eine äusserst bedrohliche Form der Krankheit, die gar nicht mal so selten auftritt. Besonders bedrohlich ist sie zweifelsohne, da nicht mehr nur ein Leben auf dem Spiel steht – sondern mindestens zwei (das des Neugeborenen Kindes inklusive).

Was heckt das (nur vermeintliche !) „Teufelskind“ nur wieder aus… ?

Das heisst, mit Joshua ist kein neuer Das Omen-Abklatsch zu erwarten – dieser Junge hier ist eben nicht vom Teufel oder ähnlichem besessen, dementsprechend nachvollziehbar sind seine Handlungen; oder auch: Verzweiflungstaten. Dabei rückt der Fokus nie weg vom äusserst dichten Porträt der Familie, jedes der vier Familienmitglieder bekommt die nötige Aufmerksamkeit zugesprochen. Besonders natürlich auch der junge Joshua, der seine Probleme zwar mitzuteilen versucht – doch wie soll ihn seine Mutter in dieser schwierigen zeit ernstnehmen können ? Besonders interessant ist hierbei sicherlich der Fakt, dass auch der Vater seinen Sohn nicht (mehr) wirklich zu lieben scheint – und alles auf ein zwar furioses, aber gleichzeitig nicht wirklich reißerisches Finale hinausläuft. Neben der grundsätzlich interessanten und sicherlich aussergewöhnlichen Geschichte weiss auch der technische Part des Films zu punkten. Über die gesamte Spielzeit herrscht eine äusserst beklemmende Stimmung, perfekt untermalt von der Kamera-Arbeit und den talentierten Darstellern. Sam Rockwell und Vera Farmiga als Eltern sind ohnehin „alte Hasen“ im Geschäft und wissen die schwierigen Rollen perfekt zu meistern – besonnders markant ist auch Jacob Kogan als Schlüsselfigur Joshua, der sich hinter den Leistungen der „Großen“ ganz und gar nicht zu verstecken braucht.

Fazit: Joshua ist ein äusserst stimmiger, beklemmender, spannender Psycho-Thriller der etwas anderen Art – die Macher zeigen keine Scheu ein erschreckendes Familienleben zu durchleuchten, was im Endeffekt für einen äusserst nachhaltigen Eindruck sorgen kann. Schwächen sind mit der Lupe zu suchen – so könnte man den Film in Bezug auf mancherlei Szenen eine gewisse Langatmigkeit unterstellen. Doch wie gesagt, es handelt sich hier in erster Linie um ein Drama mit hohen Psycho-Thriller-Anteilen – wer einen Horrorfilm mit bösen Geistern, Dämonen und brutalen Morde erwartet, der wird enttäuscht werden. Fans von Dramen, in denen speziell Einblicke in ein besonderes Familienleben gegeben werden, erwartet dagegen ein kleines, hierzulande gar nicht mal so bekanntes Filmjuwel.

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