Metal-CD-Review: HOLY MARTYR – Invincible (2011)

Land: Italien – Genre: Epic Heavy Metal

01. Iwo Jima
02. Invincible
03. Lord Of War
04. Ghost Dog
05. The Soul Of My Katana
06. Shichinin No Samurai
07. Takeda Shingen
08. Kagemusha
09. Sekigahara
10. Zatoichi

Infos / Allgemeines: Holy Martyr stehen wie keine andere italienische Combo für die Vertreter des War Metal – in ihren Texten behandeln sie oftmals Krieger und damit verbundene Themen wie Ehre, Stolz, Sieg und Niederlage. Mit Invincible liefern die kampfeslustigen Italiener ihr nunmehr drittes Studioalbum ab – welches sich doch merklich von den Vorgängern abzuheben weiss. In Sachen Qualität, Spielfreude, Hymnenlastigkeit – aber eben auch thematisch. Diesmal geht es nämlich an einen eher untypischen Ort – in den fernen Osten nämlich, genauer gesagt nach Japan; hinein in die komplexe Geschichte der Samurai. Als Quelle der Inspiration nennen die Mitglieder unter anderem die Filme von Akira Kurosawa – und auch sonst scheinen sie recht akribisch in das Thema eingestiegen zu sein. Umso besser – denn das merkt man dem Album an. Auch ihre Spielart hat sich ein klein wenig verändert, ausschließlich zum Guten – doch dazu mehr in der Kritik.

Kritik / Songreviews: Das Album stimmt den Hörer mit dem leicht fremdländisch klingenden Intro Iwo Jima ein – sofort wird klar, wohin die Reise gehen wird. Thematisch wie auch musikalisch – man bereits zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass die „epischen“ und „symphonischen“ Anteile zugunsten traditioneller Instrumente und einer deutlichen Vordergründigkeit der Gitarren gewichen sind. Äusserst passend, wie sich noch herausstellen wird… allzu sehr aus Gaspedal drückt man beim Intro allerdings noch nicht, es ist zweifelsohne ein gutes – aber eben auch kein herausragendes welches man auch als „Standalone“ hören könnte (5/10). Doch dann folgt der Übergang zum Opener Invincible – wohl nicht zu Unrecht der Titeltrack des Albums. Man muss die ersten Eindrücke (auch die der Veränderungen !) erstmal verarbeiten, wenn man die beiden ersten Alben kennt – doch da sich vieles (vielleicht auch alles… ?) zum positiven verändert hat, stellt das kein Problem dar. Der Song klingt insgesamt recht gemäßigt – im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres. Es gibt keine klassischen Instrumente im Hintergrund, keine Chorpassage; und auch keinen wirklich mitreißenden Refrain – und dennoch geht das Prinzip vollends auf. Die neue Kraft von Holy Martyr scheint in der Ruhe zu liegen – in wahrlich eingängigen Riffs die sich über die gesamte Spieldauer ziehen, und generell in einer große Portion gefühlter Spielfreude. Auch wenn das Ganze nichts für Tempo- oder Chorenthusiasten ist, fehlt es diesem Song nicht an Abwechslung und Stimmung (9/10).

Das folgende Lord Of War setzt genau da an, wo der vorherige Song aufgehört hat – und lebt ebenso beinahe ausschließlich von den markanten Riffs. Allerdings kommen hier noch ein „catchy“ Refrain und spannendere Solipassagen hinzu – was den Song zu der perfekten Geschichtsstunde in Sachen Samurai macht. Markant, nach-vorne-preschend, abwechslungsreich; was will man mehr ? (10/10). Mit Ghost Dog erschuf man offenbar das passende Gegenstück in Form einer Ballade. Zumindest ansatzweise – denn auch dieses Stück entpuppt sich als recht wandlungsfähig. Gegen Mitte / Ende wird das Ganze dann doch noch schrittweise härter; wieder erscheinen die Riffs und einige richtig fetzige Soli (8/10). The Soul Of My Katana ist ein Interlude, welches ein kleines Highlight für sich ist – ein Lobgesang auf ein Katana; kurz und knackig (8/10). Sodale – mit Shichinin No Samurai folgt nun auch wieder der nächste Brecher. Wieder ein gut gespielter mit schnellem Tempo, zweifelsohne – schade jedoch dass sich ab diesem Zeitpunkt ein klein wenig Eintönigkeit breitmacht. Die Riffs scheinen einander doch sehr zu ähneln, abermals gibt es keine wirklich erfrischenden Einstreuungen (a’la differente Gesangsparts, Chöre, einen besonderen Refrain) – nur die üblichen Soli-Passagen sorgen für ein wenig Abwechslung (6/10).

Bleiben noch 4 Songs – und die Hoffnung auf etwas mehr Abwechslung und Experimentierfreudigkeit. Ha – und die gibt es tatsächlich, mit Takeda Shingen. Eingeleitet von einem „echten“ Samurai, stellt sich dieser Titel als mitunter verspieltester heraus. Das Schlagzeug wird erstmals richtig drangsaliert, sogar so etwas wie einen „Chor“ gibt es im Refrain. Kurz gesagt: ein weiteres klares Highlight des Albums (10/10). Kagemusha wartet mit einer Spieldauer von knapp 9 Minuten auf – der längste Titel des Albums. Der erste Teil ist ein durchschnittlicher Midtempo-Stampfer ohne großen Wiedererkennungswert (leider), danach wird es allerdings nochmal interessant: traditionelle japanische Klänge leiten eine Art Klagegesang ein, der nur von einer zupfenden Gitarre untermalt ist. Es geht doch – warum nicht so eine explizite Ballade als alleinstehenden Song, mit noch ein wenig mehr Chor… bitte, nur ein ganz klein wenig mehr ! Doch dieser Moment währt ohnehin nur kurz, denn gegen Ende wird nochmal in Midtempo-Manier losgeballert. Schade… (5/10). Sekigahara kommt dann wieder mit deutlich erhöhtem Tempo daher, und geht den Jungs doch recht gut von der Hand. Allerdings – auch hier wird nicht mehr viel neues geboten – bis auf den etwas andersartigen, aber doch recht gewöhnungsbedürftigen Refrain (7/10). Als Abschluss fungiert dann noch Zatoichi; welches sich abermals nicht sonderlich von den vorherigen Stücken abzuheben weiss (5/10).

Fazit: Holy Martyr liefern insgesamt eine recht ansehnliche Scheibe ab, die sowohl von der inhaltlichen Thematik als auch von der Produktionsqualität zu überzeugen weiss. Weitere Stärken sind in der gleichsamen Orientierung zum True– aber auch Power Metal zu finden: meist geht es recht flott zu, aber eben ohne großen Aufriss. Künstlich erzeugte symphonische Elemente sucht man vergebens, was gut ist – aber ein wenig mehr Abwechslung hätte dem Album dennoch ganz gut getan. So klingen die Stücke im großen und Ganzen relativ ähnlich, da sie sich hauptsächlich auf die markanten Riffs und das treibende Schlagzeug verlassen – und natürlich auf den Leadsänger, der zwar ein einzigartiges und kraftvolles Organ hat – es aber wenig variabel einsetzt. Erstmals wäre eine explizite Ballade der Band vielleicht gar nicht so fehl am Platz gewesen – wie sie in Kagemusha angedeutet wurde. Samurais am Lagerfeuer quasi, mit ein wenig Chorgesang und dezenten Instrumenten; aber auch mit einer spürbaren Entwicklung hin zu einem Höhepunkt. Einen solchen findet man nämlich leider viel zu selten, viele Songs wirken wie aus einem Guss. Das Album beginnt äusserst stark, schwächelt aber besonders gegen Ende hin. Es reicht also nicht für den Genrethron – aber dennoch ist gute Unterhaltung mit diesem grundsoliden Werk garantiert.

3 Gedanken zu “Metal-CD-Review: HOLY MARTYR – Invincible (2011)

  1. Auweia…wieviele Bands alleine gibts schon mit dem Präfix „Holy“??? Holy Shit! Der Sänger „knödelt“ mir zu sehr..mmmmmh Knödel..lecker.^^ Einige störts zwar nicht, wenn jemand seine Stimme so forciert, aber der reizt das ganz schön aus. Der ganze musikalische Rahmen ist sonst ok (aber selbst du sprichst die gewisse „Eintönigkeit“ an), sogar das Cover gefällt mir recht gut. (sieht bei weitem nicht dermaßen kitschig aus wie bei anderen Vertretern in diesem Genre) Wenn nur nicht diese exzessive Pressstimme wäre würde er Hansi Kürsch von Blind Guardian wesentlich näher kommen. Muahaha…ich muss dich ja schon dermaßen anätzen mit meinen Parallelzeichnungen. ^^

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    1. Hehe, niemals !

      Im Gegenteil, ich bin stets absolut dankbar dafür ! Schließlich bist du schon etwas länger in diesem Genre unterwegs und bringst freilich auch etwas mehr Hintergrundwissen mit. Also, immer her damit !

      So hat eben jeder sein Spezialgebiet. Wann werde ich mal über die Holy; pardon MIGHTY Dragons, swords & enchanted lands hinauskommen… hmm, für mich ist das Ganze immer noch so spannend wie am ersten Tag, kann noch etwas dauern^^

      Übrigens, dieses Jahr haben Rhapsody Of Fire ja ein neues Album herausgebracht… wie wär’s… ? 😉

      Merke gerade, dass ein Review dazu noch fehlt… dabei habe ich alle anderen Alben der Bands bereits verewigt.

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