Filmkritik: „Tomorrow When The War Began“ (2010)


Alternativtitel: – Noch Keiner –
Regie: Stuart Beattie
Mit: Caitlin Stasey – Rachel Hurd-Wood – Lincoln Lewis
Laufzeit: 100 Minuten
Land: USA / Australien
FSK: Ab 16
Genre: Action (50%) / Drama (50%)

Inhalt: Eine Gruppe von australischen Teenagern beschließt, einen besonderen Campingausflug in die tiefe Wildnis zu machen. Im Grunde handelt es sich dabei um recht gewöhnliche Jugendliche, die einfach mal wieder dem Alltag entfliehen möchten – zweifelsohne sind sie aber bunt zusammengewürfelt. Denn die eigentliche Initiatoren des Kurztrips sorgen dafür, dass neben ihren besten Freunden auch andere mitkommen; mit denen sie bisher noch nicht allzu viel zu tun hatten. So werden nach der Ankunft an einem idyllischen Plätzchen die Zelte aufgebaut und die Schlafsäcke ausgerollt – und ordentlich gefeiert und einander kennengelernt. Doch unglücklicherweise wird sich bald herausstellen, dass es nicht die Giftschlangen sind, vor denen die Jugendlichen sich fürchten müssen… bereits in einer Nacht konnten sie das Geräusch von Kampfjets vernehmen, doch haben sie sich nichts weiter dabei gedacht – als sie aber nach Hause zurückkehren, stellen sie mit Erschrecken fest, dass alle Einwohner verschwunden sind. Sie gehen vorsichtig auf Erkundungstour – und finden heraus, dass Invasoren das Land besetzt haben. So gerät ihr kurzer Ausflug einerseits zu einer (vorläufigen) Rettung – aber andererseits auch zu einer Art Verpflichtung. Denn wer könnte nun noch gegen die unbekannten Feinde vorgehen, wenn nicht sie… ?

Kritik: In Fall von Tomorrow When The War Began (zugegeben, ein etwas sperriger Titel) handelt es sich doch um eine recht annehmbare Verfilmung einer gar nicht mal so üblichen oder ausgereizten Idee: einige stinknormale Jugendliche machen einen Ausflug und verhindern damit eine Gefangennahme seitens einer feindlichen Invasions-Armee. Fortan liegt es also an ihnen, beziehungsweise anderen Bürgern die ebenfalls einer Gefangennahme entgehen konnten, ihre Heimat zu retten – wobei sich dies selbstverständlich niemand der Beteiligten hätte erträumen können. Die gesamte Geschichte basiert dabei auf keinem plötzlichem Geistesblitz, sondern auf einem gleichnamigen Buch von John Marsden, welches in Australien ein echter Kassenschlager ist. Gleichzeitig ist das Buch aber auch das erste einer 7-teiligen Serie – sodass der vorliegende Film dementsprechend auch nur ein Kapitel behandelt. Dies erklärt zweifelsohne den vergleichsweise hohen Drama-Anteil des Films; obwohl es sich in erster Linie um einen Actioner handelt. So sind beide Genres zu etwa gleichen Teilen präsent. Es wird sich recht ausführlich Zeit genommen, die verschiedenen Charaktere einzuführen und dem Zuschauer zu ermöglichen, eine entsprechende Empathie zu entwickeln – die Actionszenen beziehen sich vor allem auf das Versteckspiel der Protagonisten, und ihre Flucht. Aber auch ein erster „Gegenschlag“ (gegen die Invasoren) wird porträtiert.

Aber was ist nun eigentlich mit der im Grunde recht ansprechenden Grundidee ? Schnell wird klar, dass man als Zuschauer in vielerlei Hinsicht auf einen zweiten Filmteil vertröstet wird. Denn über die möglichen Hintergründe der Invasion erfährt man wenn dann nur beiläufig erste kleine Details (in einer Radioansprache), die eigentlichen Invasoren bleiben relativ gesichtslos und ermöglichen so keinesfalls die Entstehung eines expliziten Feindbildes. Doch war offenbar auch so beabsichtigt: denn in diesem ersten Teil geht es fast ausschließlich darum, wie die Jugendlichen aus ihrem ehemals „unschuldigen“ und friedlichen Leben herausgerissen werden und erstmals einer unbekannten, zweifelsohne lebensbedrohlichen Gefahr gegenüberstehen. Da erscheint es nur nachvollziehbar, dass es (noch) nicht darum geht, wer die Invasoren sind oder was sie vorhaben; sondern in erster Linie darum dass sie überhaupt existent sind. Den Reaktionen der Jugendlichen gilt dabei das Hauptaugenmerk: so wird beispielsweise recht eindringlich (aber niemals wirklich reißerisch) gezeigt, wie eine streng christlich erzogene Pfarrerstochter einen Mord begeht, begehen muss um ihr Leben und das ihrer Freunde zu retten. Dabei weiss der Film einen kontinuierlichen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten: nach dem etwas langatmigen Start gerät besonders das Versteckspiel in der nunmehr menschenleeren Umgebung zu einem wahren Nervenkitzel-Trip – gleichsam für die Protagonisten und die Zuschauer.

Und das ist gut so – denn so vermag man die fehlende erzählerische Tiefe nicht hauptsächlich durch Actionszenen auszugleichen, sondern durch eine äußerst mitreißende Spannung. Die entsteht zweifelsohne auch durch Identifikation – denn die Kameraführung sowie die Charakter- und Darstellerwahl sind offensichtlich darauf ausgelegt, dass man an der allgemeinen Verzweiflung und Hilflosigkeit  der Protagonisten teilhaben kann. Wobei, ganz so hilflos sind sie dann im Endeffekt doch nicht – wie der Auftakt einer ganz besonderen Art der Intervention aufzeigt. Nach und nach gewinnen die Jugendlichen an Selbstvertrauen und Mut; bewältigen ihre Ängste – und stellen sich letztendlich als „letzte Bastion“ gegen die Invasoren. Hier finden sich dann auch die mitunter einzigen Schwächen des Films – die beinahe unumgänglich gewesen sein dürften. So wartet man als Zuschauer lange Zeit auf das Entstehen einer zweiten und dritten Erzählebene – wobei nur die zweite eingeführt wird, und das auch nur sehr spärlich. Diese zweite Ebene bestünde demnach aus dem Porträt anderer noch freier Bürger – denn es wäre doch ein wenig makaber, wenn wirklich nur die Jugendlichen der Gefangennahme hätten entgehen können. Doch von allen anderen wird lediglich einer gezeigt – ein Arzt, der sich versteckt hielt; andere werden zumindest erwähnt („sie mussten den Preis dafür zahlen“). Die dritte Ebene wäre die bereits erwähnte, die Auseinandersetzung mit der Invasion auf einer komplexeren Ebene – aus der Sicht der Politik, des Militärs, der Nachbarländer und so weiter. Doch davon ist – wie gesagt – noch keine Spur zu sehen. Vielleicht ja im nächsten Teil ?

Fazit: Für einen recht soliden Actionfilm mit ungewöhnlichen Charakteren (allerdings nur, weil sie jung sind; der Rest ist recht stereotyp) und einer ordentlichen Portion Drama (das heißt, Charakterporträts) reicht es im Falle von Tomorrow When The War Began allemal. Technisch ist das Ganze äußerst positiv ausgefallen – einzig die mitunter recht „poppige“ Musikauswahl könnte manche Zuschauer stören; doch offenbar ist der Film auch auf ein merklich jüngeres Publikum (Voraussetzung: über 16) zugeschnitten. Außerdem (und vielleicht gerade deswegen) wirkt das Ganze einstweilen doch merklich naiv – besonders dann, wenn die Jugendlichen warum-auch-immer stets den feindlichen Soldaten entgehen oder sie sogar töten können. Oder wenn sie ein Tankfahrzeug stehlen und damit eine wichtige Brücke zum Einsturz bringen. Oder… Die Erklärung, dass die Jugendlichen „sich in ihrer Heimat einfach besser auskennen“ reicht hier einfach nicht mehr als nachvollziehbare Erklärung. Die Hoffnungen in Bezug auf einen möglichen zweiten Teil sind jedenfalls groß.

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