Filmkritik: „The Punisher / War Zone“ (2008)

Originaltitel: Punisher: War Zone
Regie: Lexi Alexander
Mit: Ray Stevenson – Dash Mihok – Colin Salmon
Laufzeit: 103 Minuten
Land: USA
Genre: Action

Inhalt: Der Punisher Frank Castle (Ray Stevenson) wird nur noch von einem angetrieben: von seinem unendlichen Hass. Denn einst wurde seine Familie von einer Bande Verbrecher ausgelöscht, woraufhin er zum selbsternannten Rächer wurde – eben auch um dort durchzugreifen, wo das Gesetz allein nicht ausreichen würde. Seine Ziele sind dabei hauptsächlich Oberhäuper von kriminellen Organisationen, doch auch generell kennt er kaum Pardon für jede Art von Verbrechern – ob sie ihr Handwerk dabei im großen Stil betreiben oder nicht. Eines Tages dann, als er im Rahmen einer weiteren Rächer-Kampagne gegen ein Mafiakartell vorgeht, erschießt er; wie er später erfährt, einen Beamten – folglich und nach seinem Credo einen unschuldigen. Dies nimmt ihn doch mehr mit als erwartet, und was noch schlimmer ist: Billy Russoti (Dominic West), der Anführer der Mafiosis, hat überlebt – allerdigns schwer gezeichnet. Passend zu seinem neuen, schrecklichen Äusseren nennt er sich von nun an Jigsaw – und entführt prompt die Witwe des verstorbenen Undercover-Ermittlers. Eigentlich wollte der Punisher schon aufgeben und sich zurückziehen – doch diese Frechheit ruft ihn erneut auf den Plan. Und alsbald wird klar, dass diese Unstimmigkeiten nur in einem finalen Showdown geregelt werden können…

Kritik: In der Tat darf man mit Punisher: War Zone keinen bezugnehmenden, offiziellen Nachfolger zum 2004’er The Punsiher mit Thomas Jane erwarten – obwohl der Film genau so ausgelegt ist und stellenweise auch vermarktet wird. Während bereits besagte 2004’er Verfilmung des Marvel-Charakters für höchst geteilte Kritikermeinungen sorgte, dürfte War Zone es eben diesen nicht ganz so schwer machen. Denn: es handelt sich hier schlicht um einen weiteren fehlgeschlagenen Versuch, der Figur des Punishers so etwas wie Leben einzuhauchen. Oder, vielleicht beabsichtigt der Film das ja auch gar nicht ? Denn wie liesse sich sonst die relativ sinnfreie Aneinanderreihung von ultrabrutalen Actionszenen und merkwürdigen Storyfragmenten erklären ? Selbige lässt sich übrigens – trotz der doch geringfügig längeren Zusammenfassung – in einem Satz zusammenfassen. Es bleibt also kaum Zeit, nach einem näheren Sinn oder anschaulichen Charakterporträts zu suchen (was vielleicht ganz gut so ist, denn beides kommt definitiv nicht vor) – es wird nach bester Rambo-Manier um sich geballert, geschlagen, massakriert – ob nun mit handelsüblichen Waffen, stumpfen oder spitzen Gegenständen, einem Stuhl (Achtung, Augen zuhalten) oder gar der nur vermeintlich (!) schlichten Punisher-Faust…

Alles in allem… ein absolut grässlicher, inhaltsloser, noch dazu gewaltverherrlichender und menschenverachtender Film, möchte man nun sagen ? Diese Attributierungen treffen zweifelsohne zu. Jedoch kann man dem Film einen gewissen (wenn auch abstrusen) Unterhaltungswert nicht abstreiten – ganz im Sinne eines „echten Männerfilms“ a’la The Expendables scheut er es nicht, den flachen Plot allein durch immer härtere Gewaltszenen und völlig unglaubwürdigen, überspitzt dargestellten Protagonisten voranzutreiben. Man muss sich schon mit einer derartigen Machart anfreunden können, um War Zone zumindest ein klein wenig abzugewinnen – denn auf einer anderen Ebene funktioniert er einfach nicht. So gibt es zuhauf temporeiche, recht gut inszenierte Ballerszenen; und auch die Schauplatzwahl wirkt grundsätzlich ansprechend – das Ganze hat etwas von einem typisch dunkel-industriellen Hinterhof-Feeling mit allem was dazugehört: dunkle Gassen, Treppenhäuser, Hausdächer, einem stilechten „Unterschlupf“ für den Punisher… wobei natürlich keiner der Schauplätze von umherfliegenden Kugeln (und Körperteilen) verschont bleibt.

Schade nur, dass der Punisher hier selbst Rambo zu toppen scheint, indem er es mit jeder noch so großen Armee aufnehmen würde (und dabei selbstverständlich stets als Sieger hervorzugehen weiss). Der Bodycount steigt also ins Unermessliche, während die vermeintliche Handlung relativ ungenutzt vor sich hindümpelt… ebenso wie einige der zumindest potentiell interessanten Charaktere. Als Beispiel wären hier der Ermittler anzuführen, der seit nunmehr 5 Jahren am Fall des Punishers dran ist – und offenbar eine Art unausgesprochenen Pakt mit ihm besiegelt hat. Potentiell interessant ist das Ganze, da hier niemals auf die Hintergründe eingegangen wird, und überhaupt alle Charaktere derart oberflächlich porträtiert werden, dass einem der 2004’er Punisher wie eine ausgefeilte Charakterstudie vorkommen muss. Am gravierendsten fällt das zweifelsohne beim Hauptcharakter auf, der stets mit der gleichen Miene durch die Welt zieht – ob er dabei nun den Schädel eines Widersachers einschlägt oder ein Brötchen isst. Ebenfalls ein nerviges Eigentor: eigentlich sollte man erwarten, dass der „Bösewicht“ spätestens nach seiner zweiten Verhaftung (oder war es zu Beginn doch nur ein OP-Termin) eingesperrt wird – immerhin hat er 2 Polizisten auf dem Gewissen und noch weitere Vergehen auf dem Kerbholz. Doch offenbar scheut der Regisseur… halt, die Regisseurin (!) nicht davor zurück, in War Zone stets von einer höchst merkwürdigen Moralvorstellung gebrauch zu machen. Wenngleich sie nur rein fiktiv ist (was zu hoffen ist), vermag gerade dieses Porträt von Recht und Unrecht übel aufzustossen, sie macht ihn zu einem explizit menschenverachtenden Werk dass es in dieser Hinsicht durchaus mit Folterfilmen a’la Saw oder Hostel aufnehmen kann.

Denn es gilt: ist man Besitz einer wichtigen Information über kriminelle Machenschaften (die grundsätzlich Leben retten könnte), ist es vollkommen in Ordnung… wahlweise oder auch gleich alles zusammen: 1 oder 2 Polizisten zu töten, Hausfriedensbruch zu begehen, eine Mutter und ihre Tochter gewaltsam als Geiseln festzuhalten und zu bedrohen, andere Menschen zu Erpressen, als eigentlich bereits abgeschotteter Kannibale wieder frei herumzulaufen (!). Sollte dies als Kritik am amerikanischen Rechtssystem verstanden werden (eher unwahrscheinlich), wurde eindeutig über das Ziel hinausgeschossen. Und was ist eigentlich mit dem guten alten Frank Castle, der ja ach-so-menschliche Züge an sich hat, indem er den Mord an einem Unschuldigen so tief bedauert ? Kein Problem, schließlich „begleicht“ er diese Schuld indem er der Witwe erst einen Sack voll Geld (!) zukommen lassen will, doch als diese nicht annimmt, letztendlich doch noch ihr Überleben (und das ihrer Tochter) gewährleistet. Allerdings erscheint es dann doch etwas verwunderlich, dass ihn dieser eine Mord so sehr trifft, ob das Opfer nun „unschuldig“ war oder nicht (ein höchst dehnbarer Begriff) – denn der Punisher hat in Bezug auf das Morden alles andere als eine reine Weste. Gut, es handelte sich ja „nur“ um Hunderte von Schuldigen, da drückt selbst das Gesetz ein Auge zu. Und auch dass diese Menschen Familie und Kinder (unschuldig) haben könnten, scheint ihn nicht besonders zu interessieren…

Fazit: Die einzige Frage die nach dem Ansehen von War Zone offenbleibt ist wohl die, was eigentlich die Mitarbeiter im Leichenschauhaus nach einem weiteren Rache-Feldzug von Frank Castle in Anbetracht der meist etwas… entstellten Leichen zu sagen haben. Doch da der Film nicht gerade mit Hintergründen oder allgemeiner Nachvollziehbarkeit zu punkten weiss, sei auch diese Nicht-Beantwortung verziehen. Wer auf relativ hirnlose Action (meist ausgehend von einem Normalsterblichen, der warum-auch-immer zu einem unsterblichen Superhelden mutiert ist) steht, der wird an War Zone vielleicht dennoch Gefallen finden. Immerhin kann man dem Film alles unterstellen – nur nicht, dass es ihm an Unterhaltungswert mangelt. Dafür sorgen entweder die Actionszenen, die expliziten Ekel-Aufnahmen (nur in der ungeschnittenen Fassung), die zahlreichen was zum-Momente oder die allgemeine Verwunderung über die Ereignisse.

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