Filmkritik: „Suicide Club“ (2010)


Originaltitel: Suicide Club – Manchmal Lebt Man Länger Als Man Denkt
Regie: Olaf Saumer
Mit: Klaus Dieter Bange – Arne Gottschling – Mathieu Süsstrunk – Christian Heiner Wolf
Laufzeit: 96 Minuten
Land: Deutschland
Genre: Drama / Komödie

Inhalt: Fünf grundsätzlich verschiedene Menschen treffen sich bei Sonnenaufgang auf einem Hochhausdach. Obwohl sie sich untereinander nicht kennen, verbindet sie doch ein Wunsch: der Wunsch, ihrem Leben ein jeweils vorzeitiges Ende zu setzen. Doch es gibt Probleme, mit denen keiner so Recht gerechnet hätte: zuerst ist es die langsam aber sicher erwachende Stadt und damit mögliche „Zeugen“ des Gruppen-Freitods – und danach muss sich ausgerechnet einer der Anwesenden übergeben. Schnell wird klar: der optimale Zeitpunkt wurde verpasst. Also wird gemeinsam beschlossen, doch bis zum Abend zu warten – denn der Schlüssel zur Dachtür wurde bereits vorsorglich weggeworfen. Nur, wie vertreibt man sich die Stunden, die einem eigentlich gar nicht mehr geblieben wären ? Aus gähnender Langeweile entstehen zaghaft erste Gesprächsversuche, und man lernt einander erstmals kennen. Irgendwann aber erscheinen zwei Polizisten auf dem Dach, eben weil es bekannt dafür ist dass sich Menschen hier das LEben nehmen – und die 5 verstecken sich in einer Art Schacht. Die darauf folgenden Ereignisse waren abermals alles andere als geplant; und am Abend ist sich jeder sicher: dies war ein Tag, den niemand so schnell vergessen wird.

Kritik: In der Tat ist bereits der Trailer zu dieser kleinen aber feinen deutschen Filmproduktion vielversprechend – eine bunt zusammengewürfelte Truppe trifft sich zum gemeinsamen Freitod ? Das ist ungewöhnlich, und ähnliche Ausgangssituationen gibt es wenn überhaupt nur höchst selten in (zumeist ausländischen) Genrefilmen. So kann man sich bereits vor dem Film relativ sicher sein, dass man eine vergleichsweise „unverbrauchte“ Story erleben wird – die in erster Linie von ihren Protagonisten lebt. Dementsprechend „still“ fällt der Film auch aus: wer in einem Film wie Suicide Club rasante Action oder schnelle Schauplatzwechsel erwartet, ist definitiv falsch beraten. Das GAnze ist eher vergleichbar mit einem Kammerspiel – so bleibt der Schauplatz über beinahe den gesamten Film derselbe (das Hausdach), nur einmal gibt es einen unfreiwilligen Ausflug in eine (fremde) Wohnung. Es ist von daher nur verständlich, dass man bei einer solchen Produktion eher das Augenmerk auf die Dialoge und die zwischenmenschliche „Chemie“ der Charaktere legt – ganz ohne reißerische Maßnahmen.

Sterben oder nicht Sterben, das ist hier die Frage...

Obwohl, gerade im späteren Verlauf gewinnt der Film dann doch noch überraschend an Spannung – dies hat zweifelsohne mit der Idee zu tun, den Schauplatz kurzerhand eine Etage tiefer, das heisst in eine fremde Wohnung, zu verfrachten. Eine sehr gute Idee, wie sich zeigen wird – denn abermals erfährt man als Zuschauer näheres über die Lebenshintergründe der Lebensmüden. Auch wird eine weitere Person involviert – was für Spannung einerseits, für (nötige) Abwechslung andererseits sorgt. Der Film wirkt allerdings nicht erst ab diesem Zeitpunkt makaber (dann aber erst recht !), ein ansprechender schwarzer Humor zieht sich über die gesamte Spieldauer. Jedoch, auch wenn es einige merklich „heitere“ Szenen und Dialoge gibt, wird niemals der ernste Grundton ausser Acht gelassen. In erster Linie ist Suicide Club nun einmal ein Drama – welches verschiedene Persönlichkeiten vorstellt, und nach und nach mehr Aufschluss über die möglichen Beweggründe für die jeweilige Entscheidung das eigene Leben zu beenden, gibt.

Überaus wichtig für das Funktionieren eines solchen Films sind – zweifelsohne – die Darsteller. Und, hier gibt es glücklicherweise auch nichts zu bemängeln. Tatsächlich wirken die Protagonisten wie aus dem Leben gegriffen, als könnten es die eigenen Nachbarn sein – dass es sich dabei um eher unbekannte Darsteller handelt, ist diesem Eindruck zusätzlich dienlich. Jedoch kommt auch ein ambitionierter Film wie dieser (leider) nicht ohne Schwächen aus. Diese beziehen sich jedoch nicht auf den Unterhaltungswert (wie man vielleicht vermuten würde), denn trotz der relativ langen Spieldauer von 96 Minuten und nur zwei Schauplätzen – kommt so gut wie niemals Langeweile auf. Wenn man sich auf eine solche Machart einlassen kann, bei der man automatisch dazu gebracht wird, „zwischen den Zeilen“ zu lesen, versteht sich. Nein, ein auffallender Aspekt ist beispielsweise die Darstellung der Stimmungsschwankungen: natürlich verändert sie sich zwangsläufig, da das eigentliche Vorhaben gescheitert ist und man so noch einige Stunden Zeit hat. Und natürlich soll der Film gerade so aufzeigen, dass ein Leben; auch wenn man schon damit abgeschlossen hat, doch noch einige lebenswerte Momente offeriert (mit denen vielleicht keiner mehr gerechnet hätte). Doch gerade die hier porträtierte „‚Heiterkeit“ wirkt einstweilen stark aufgesetzt, und vielleicht auch ein klein wenig übertrieben – gerade in den Wohnungsszenen wird hier eindeutig etwas zu sehr aus dem Vollen geschöpft. Das wirkt dann – im Gegensatz zum sonstigen Verhalten der Charaktere – erstmals nicht mehr ganz so glaubwürdig.

Fazit: Suicide Club ist ein erfrischend andersartiger, ungewöhnlicher deutscher Film; der eindeutig von seinen Charakteren (+ Darstellern) und der makaberen Ausgangssituation lebt. In der Hinsicht funktioniert er auch blendend – es handelt sich um ein äusserst menschliches Porträt, welches geschickt mit vollkommen gegensätzlichen Emotionen hantiert. Das einzige Problem ist eigentlich nur die Vorhersehbarkeit: denn jedem Zuschauer wird es relativ klar sein, dass es eben nicht zum Freitod kommen wird – sonst wäre das Ganze ein (relativ sinnfreier) Kurzfilm geworden. Doch gerade in Anbetracht dessen gerät das eigentliche ende viel zu unspektakulär und simpel, nicht zuletzt da relativ offen bleibt, was weiterhin mit den Charakteren geschieht. Werden sie sich am nächsten Morgen doch noch einmal treffen ? Oder haben sie neuen Lebensmut geschöpft ? Aber wenn ja, wie werden sie ihre eigentlichen Probleme in den Griff kriegen ? Fragen über Fragen…

Advertisements

Die Kommentarfunktion wird noch zu selten genutzt... ändere dies !

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s