Filmkritik: „Ohne Limit“ (2011)

Originaltitel: Limitless
Regie: Neil Burger
Mit: Bradley Cooper – Robert DeNiro – Abbie Cornish
Laufzeit: 105 Minuten
Land: USA
Genre: Action / Thriller

Inhalt: Eddie (Bradley Cooper) ist schon ein komischer Kauz – er sinniert und philosophiert über das Leben und den Sinn des Seins, doch offenbar kommt er damit nicht besonders gut bei seinen Mitmenschen an. Er war für gerade einmal 5 Minuten verheiratet, seine nächste Freundin Lindy (Abbie Cornish) hat ihn bereits auch wieder verlassen – und der Roman an dem er seit längerem arbeitet, würde wohl so schnell auch nicht fertig werden. Eines Tages aber trifft er zufällig auf seinen ehemaligen Schwager Vernon (Johnny Whitworth), der ihm nach einem kurzen Gespräch eine kleine, unscheinbare Pille überreicht – kostenlos. Und auch das Wirkungsversprechen ist verlockend… mithilfe dieser Droge, kurz als NZT bezeichnet, könne man nicht weniger als 100 % seiner Gehirnleistung in Anspruch nehmen, während man im Normalzustand nicht mehr als 20 % nutzt. Eddie hat nichts zu verlieren und riskiert es – und ist alsbald von der überraschend positiven Wirkung der Droge angetan. Er will schon bald mehr – doch es kommt zu einem weiteren Zwischenfall, bei dem sein Dealer Vernon ermordet wird. Er schafft es jedoch, an Vernon’s Vorrat zu kommen, und nimmt von nun an eine tägliche Dosis der Droge ein. Von Nebenwirkungen scheint es keine Spur zu geben – im Gegenteil, Eddie legt jetzt erst so richtig los. Er steigt in Aktiengeschäfte ein, schreibt sein lange geplantes Buch in nur 4 Tagen zuende, trifft sich mit Wirtschaftsmagnaten… und mutiert mehr und mehr zum Überflieger. Doch auch Eddie kann der Frage, wie hoch der Preis für einen solchen Erfolg möglicherweise ist, nicht ausweichen…

Kritik: Bei diesem Film handelt es sich um ein durchaus ambitioniertes Projekt mit einem frisch durchgestarteten, sympathischen Bradley Cooper (bekannt aus Hangover) als Mittel- und Fixpunkt einer leicht abgedrehten Drogengeschichte. Oder sollte man besser sagen, einer aufgedrehten… ? Denn in Sachen Erzähltempo erinnert Ohne Limit einstweilen an temporeiche Genreklassiker wie Crank, wobei auch die Actionszenen ähnlich dosiert werden. Langweile wird also auch in diesem Fall nicht aufkommen – trotz der eigentlich recht ausführlichen Spieldauer von 105 Minuten. Allerdings hat Ohne Limit ein ganz ähnliches Problem wie eben auch Crank: eine wirklich komplexe oder gar tiefsinnige Geschichte wird nicht erzählt – es geht beinahe ausschließlich um die Wirkungen einer speziellen Droge. Leider wird dabei kaum expliziter auf die möglichen Nebenwirkungen eingegangen, sie werden eher beiläufig erwähnt – sodass der Film die Benutzung der Droge in seinem (fiktiven) Kontext auch niemals verurteilt. Im Gegenteil, man könnte das Ganze, würde ein solches Produkt tatsächlich existieren, gar als eine Art Werbefilm verstehen – denn im gleichen Atemzug wie die positiven Effekte wird auch darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch andere „Überflieger“ wie Eddie unter dem Einfluss der Droge stehen könnten. Der ganz normale, erfolgsorientierte Höchstleistungsalltag eben – dem man demnach nur oder zumindest besser bewältigen kann, wenn das Gehirn auf „vollen Touren“ arbeitet. Etwas schade ist auch die Tatsache, dass die Ereignisse im Film zuerst auf eine groß angelegte Verschwörung schließen lassen – die letztendliche Auflösung aber äusserst unspektakulär, wenn nicht geradezu plump daherkommt.

Bei Ohne Limit handelt es sich eben um einen doch recht gradlinigen Thriller, der mit zahlreichen Actionszenen und einem stellenweise wahnwitzigen Tempo inszeniert wurde. Und, unter diesem Gesichtspunkt funktioniert der Film auch recht gut. Überraschend gut, muss man sagen – gerade auch durch die sehr ansprechende Optik und die guten Darsteller. So gibt es einige irrwitzige Kamerafahrten und Zooms, die man so noch in keinem anderen Film gesehen hat. Glücklicherweise bewegt man sich hierbei noch im Rahmen des erträglichen, das heisst; es findet keine Aus- beziehungsweise Überreizung dieses Konzeptes statt – es dominiert der „wow“-Effekt. Und auch in Bezug auf die Optik im allgemeinen zeigt man sich sehr experimentierfreudig: Szenen, in denen Eddie auf Entzug ist wirken eher matt, schwammig und optisch eingeschränkt – konsumiert er dann die Wunderdroge, scheinen die Farben plötzlich zu leuchten; neue Perspektiven eröffnen sich. Für ihn als Charakter, aber eben auch für den Zuschauer – diese „zwei Blickwinkel“ auf die Welt (einmal nüchtern, einmal unter Drogeneinfluss) sorgen für eine zusätzliche Faszination die von dem Film ausgeht, und ihn auch ein stückweit einzigartig macht. Bradley Cooper spielt den leicht exzentrischen, verzweifelten „Künstler“ äusserst gut und stets glaubwürdig, sodass es auch keine Probleme gibt wenn er neben einer Schauspielergröße wie Robert DeNiro zu sehen ist. Nein, die Szenen in denen die beiden interagieren machen sogar besonders Spaß und sorgen für ein unterschwelliges Knistern in Anbetracht des höchst speziellen Machtkampfes. Denn der eine verdient sein Geld aufgrund seiner langjährigen Lebenserfahrung, der andere erlernt alles was dazu nötig ist quasi an einem einzigen Tag – die Balance aus dem voneinander-profitieren und dem späteren Argwohn ist sehr gut in Szene gesetzt.

Fazit: Wenn ein Film wie Ohne Limit also schon nicht gerade mit philosophischen Ansätzen oder einer markant tiefgründigen Story aufwarten kann, bleibt einem kaum etwas anders übrig als seine Aufmerksamkeit auf die Actionszenen zu lenken – und die sind abermals wirklich gut gemacht und besitzen gar ein gewisses Kult-Potential. Gerade die Szene, in der Eddie sich in seiner Bunkerwohnung versteckt hält, und von dem Russen der ihm einst sein Startkapital lieh aufgesucht wird – zählt zweifelsohne zu den (Action-)Highlights des Films. Eher wenig Inhalt, dafür reichlich Action, Tempo und eine generell angenehme Machart mit starken Darstellern – Ohne Limit weiss Genrefans letztendlich doch noch zu begeistern. Die markantesten Schwachpunkte bleiben die recht einseitige Darstellung des Drogenkonsums und das doch etwas enttäuschende Ende. Hier hätte ein letzter, überraschender und nachhaltig beeindruckender (soweit das in diesem Genre möglich ist) Twist noch den ein oder anderen Prozentpunkt herausholen können. Kein Meisterwerk, aber eine empfehlenswerte Alternative zu Tempo-Filmen wie Crank.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Ohne Limit“ (2011)

  1. Klingt schon interessant das ganze, ich war schon vom Trailer selbst vor ner Weile angetan…so ne Droge könnte ich durchaus gebrauchen.^^ Crank fand ich auch gut, merkwürdigerweise ist einer der Szenen denen viele im Gedächtnis bleiben u.a. die „Marktplatz-Szene“.^^

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