Filmkritik: „Der Ja-Sager“ (2008)

Originaltitel: Yes Man
Regie: Peyton Reed
Mit: Jim Carrey –  Zooey Deschanel – Bradley Cooper
Laufzeit: 104 Minuten
Land: USA
Genre: Komödie

Inhalt: Warum nicht einfach mal „ja“ sagen ? Genau dies tut der Bankangestellten Carl Allen (Jim Carrey), nachdem er ein ganz spezielles Selbsthilfe-Seminar besuchgt hat. Allerdings nur aufgrund mehrmaligen Drängens seitens seines alten Bekannten Willie (John Michael Higgins), und das, obwohl die beiden sich länger nicht gesehen haben. So konnte er gar nicht ahnen, dass Carl seit seiner Scheidung kaum noch etwas unternimmt, seinen Freunden wann immer es sich anbietet absagt, und seinen Job nur noch als langweilige Pflicht ansieht. Doch offenbar hat der alte Bekannte genau ins Schwarze getroffen… nachdem Carl von Oberguru Terrence Bundley (Terence Stamp) in das Geheimnis des Ja-Sagens eingeschworen wurde, beginnt sich sein Leben langsam aber sicher zu ändern. Und zwar, wie es selbst zu Carls Überraschung scheint – nur zum positiven. Natürlich gilt es, die ersten anfänglichen Schwierigkeiten zu überwinden, doch die ersten kleineren Ja’s sind schnell ausgesprochen – und so begegnet er auch Allison (Zooey Deschanel), eine junge Frau die offenbar auch nichts von einem geregelten, eintönigen Leben hält – und ständig mit ihrem Roller unterwegs ist. Und nebenbei noch in einer Band spielt, einen Fotografie-Kurs für Jogger gibt… und vielseitig interessiert ist. Es scheint, als würde die beiden ein unsichtbares Band verbinden – allerdings nur, weil Carl endlich Ja sagt – zu wahrlich jeder einzelnen Frage oder Bitte !

Kritik: Sag‘ ja, und dein Leben ändert sich zum positiven – im Grunde ist dies die Grundidee des Films, welche natürlich ausreichend Stoff für Situationskomik und allerlei peinliche Situationen bietet. Denn, was wäre eigentlich; wenn man tatsächlich einmal so vorgehen würde wie Carl es im Film tut ? Genau das macht den Reiz des Films aus, wenngleich es sich hier nicht um eine gänzlich frische Idee handelt: bereits Der Dummschwätzer (ebenfalls mit Jim Carrey) bot eine ähnliche Ausgangssituation an, nur dass hier stets die Wahrheit gesagt werden musste. So wird man auch unweigerlich feststellen müssen, dass man dem Darsteller Jim Carrey und seinen oftmals etwas schrägen Figuren aufgeschlossen gegenüberstehen muss – andernfalls vermag der Film kaum, seine volle Wirkung zu entfalten. Denn Mr. Carrey dominiert wie abzusehen war das Szenenbild, und trägt einen Großteil der Gags auf seinen eigenen Schultern – oftmals auch untermalt durch seine schrägen Grimassen und seine wohl einzigartige Gestik. Im Grunde bleibt er sich damit absolut treu – denn bereits seine früheren Filme bauten auf exakt demselben Prinzip auf. Das hat dann mitunter zwei positive Nebeneffekte: Fans der alten Filme werden vermutlich auch den JA-Sager lieben; und Zuschauer die generell eher wenig mit Carrey anfangen können, werden einen Bogen um diesen Film machen (und dabei nichts verpassen). Denn: wirkliche Innovationen, gnadenlose Gassenhauer die über den üblichen Carrey-Umwelt-Horizont hinausgehen, sucht man hier leider vergebens.

Noch etwas fieser gestalten sich allerdings der dramaturgische Aufbau, bei dem allzu schnell absehbar wird, dass das Ganze doch in einer typisch klischeehaften Hollywood-Lovestory münden würde. Gut, die Charaktere sind etwas anders, extravagant – doch das Prinzip bleibt gleich. So werden die komödiantischen Anteile im späteren Verlauf mehr und mehr zurückgefahren, es werden mitunter gar ernste Töne angeschlagen, entsprechende Botschaften generiert; von denen die eine doch glatt zur Hauptaussage des Films deklariert wird. Zumindest kann einem das so vorkommen, die Erkenntnis ist jedoch mehr als ernüchternd: klar ist es mal interessant zu allem „ja“ zu sagen, aber im Grunde sollte man auf seine innere Stimme hören, weshalb auch ein begründetes „nein“ sicher nicht verkehrt ist. Der Film ist also alles andere als eine tiefgründige, intelligente Komödie – er unterhält lediglich auf seichtem Niveau, das aber doch recht gut. Er macht Spaß, und vermag es gar einen Teil der porträtierten Lebensfreude auf den Zuschauer zu übertragen. Dafür sorgen auch die stets glaubhaften Nebencharaktere (bis auf eine Ausnahme > alte Nachbarsdame) und die angesprochene Situationskomik. Schade, doch beinahe unvermeidlich ist, dass jedoch zu keinem Zeitpunkt ein ähnlich frisches, witziges Niveau erreicht wird wie beispielsweise in Bruce Allmächtig.

Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt: weitere kleine Ärgernisse strecken sich über den weiteren Verlauf des Films. So gibt es einige Szenen, die offenbar Seitenhiebe auf konkrete politische und wirtschaftliche Situationen in den USA darstellen sollen – doch an diesen ist letztendlich gar nichts witzig; eher wirken sie bedenklich. So werden Carl und Allison an einem Flughafenterminal als mögliche Terroristen bezichtigt; was doch höchst makaber wirkt – oder man sieht Carl, wie er (in Zeiten der Weltwirtschaftskrise) hunderte von Kreditanträgen bewilligt. Natürlich kann ein Hollywoodfilm da nicht anders als mit der Gutmenschen-Theorie herzugehen und einen Nebendarsteller von unglaublichen Rückzahlungsquoten sprechen zu lassen – Problem gelöst. Aber diese Szenen auf die Realität übertragen… ? Nein, das sollte man doch lieber sein lassen. Wie auch in Bezug auf so ziemlich alle anderen Szenen, gerade auch die der sektenähnlichen JA-Sager-Vereinigung: der Film erschafft einen kleinen Mikrokosmos, der in sich stimmig ist – möchte man diesen Horizont allerdings nur einen Zentimeter weiter dehnen, bricht er sofort in sich zusammen. Nun gut, immerhin handelt es sich hier auch nicht um eine Gesellschaftssatire in dem Sinne, sodass dies den Machern verziehen sei.

Fazit: Wer eine harmlose gute-Laune-Komödie ohne großartige Durststrecken sehen möchte, ist mit dem Ja-Sager sicher gut beraten. Fans von Jim Carrey werden ohnehin zugreifen (und wohl nicht enttäuscht, aber sicher auch nicht positiv überrascht sein), alle anderen sollten einen Blick riskieren – aber einen vorsichtigen, der keinesfalls mit zu hohen Erwartungen einhergehen sollte. Denn all dies, was in der JA-Sager gezeigt wird, gab es so oder so ähnlich bereits… und dafür muss man nicht einmal zwingend über den Rand der Jim Carrey-Filmografie hinausschauen.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Der Ja-Sager“ (2008)

  1. Merkwürdig…erst gestern hab ich mir mal wieder „Der Dummschwätzer“ mit Jim Carrey angesehen. ^^ Der JA-Sager bedient sich auch so einer ähnlichen Idee (wie du ja schon schreibst), nur ist der JA-Sager mal wieder so ein „Einweg-Film“…den man, einmal gesehen, ruhig wieder vergessen kann. Er bietet keine nennenswerten Highlights die zum Wiedersehen einladen würden. Ich finde den Film überflüssig und ich bin u.a. auch Carrey-Fan. ^^ Ich würde auch sagen das Problem unserer heutigen Zeit mit Sicherheit nicht das „Nein-Sagen“ darstellt, im Gegenteil…wir sind eine Gesellschaft aus dümmlichen JA-Sagern geworden, keiner soll/darf/geschweige denn möchte mehr die Wahrheit sagen und damit lag „Liar Liar“ weitaus näher an der Realität als dieser Streifen.

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