Spieletest: CRYSIS (2007, PC)

Release: 15. November 2007
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Crytek GmbH
Genre: Action / Shooter

Wenn der Mann im Anzug zweimal klingelt.

Inhalt: Im Jahre 2020 wird eine US-Amerikanische Spezial- beziehungsweise Eliteeinheit in den Bereich des ostchinesischen Meeres beordert – hier wird eine Gruppe von Archäologen von der Nordkoreanischen Volksarmee (kurz KVA) gefangengehalten. Die Bezeichnung Elite trifft auf diese Spezialeinheit sogar noch zusätzlich zu, da sie alle in Besitz eines besonderen Anzuges sind – den sogenannten Nanosuit. Dieser erlaubt es seinem Träger, spezielle Eigenschaften des Körpers je nach Bedarf zu verstärken oder sich sogar unter einem Tarnfeld zu verbergen. Der Spieler schlüpft hierbei in die Rolle des Soldaten Nomad, der zusammen mit Psycho, Oberhaupt Prophet und zwei weiteren Männern des Nachts auf einer idyllisch wirkenden Insel landet – und sich auf die Suche macht. Auf die Suche nach den Archäologen, vorrangig – doch sie machen dabei auch Entdeckungen, die man so sicher nicht erwartet hätte. So stellt sich bald heraus, dass die Archäologen tatsächlich auf etwas ganz besonders gestoßen sind – und ein Nordkoreanischer General namens Kyong der potentiellen Kraft dieses Fundes habhaft werden will. Doch statt behutsame Untersuchungen durchzuführen, gehen die Koreaner eher mit Brachialgewalt vor. Bald darauf geschieht das unvermeidliche… furchteinflössende, Roboter-ähnliche Außerirdische machen die Insel unsicher. Doch nicht nur das, es entsteht eine gefährliche Sphäre über dem, was offenbar die Basis der fremden Lebewesen ist – in der eine unbeschreibliche Kälte vorherrscht. Nur Nomad und die Mitglieder aus seinem Team können in dieser Umgebung überleben – dank der Hilfe ihrer Nanosuits. Und so ist es auch an ihnen, dem Geheimnis dieser neuen Feinde auf die Spur zu kommen… wenn da nicht gewisse US-amerikanische Generäle wären, die auf eine schnelle Lösung und radikale Maßnahmen plädieren. Doch dieser (Schnell-)Schuss könnte auch nach hinten losgehen…

Wow, was ist dieses CRYSIS doch nur für ein Spiel. Ja, auch heute noch – das heißt knapp 4 Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinungstermin. Unter anderem deshalb gibt es an dieser Stelle noch einmal eine frische Rezension zu eben jenem bahnbrechenden Werk aus dem Hause CRYTEK, welches die PC-Spielegeschichte sicher nicht zu Unrecht markant geprägt und beeinflusst hat. Sicher, und um dies gleich vorwegzunehmen – betrachtet man nur die Story, so kann man den Entwicklern noch keinen Innovationspreis zusprechen. So erfährt man recht wenig Hintergrund-Infos über den eigentlichen Sinn und Zweck der Insel-Mission, den sagenhaften Nano-Anzug, die Charaktere – und die Tragweite dessen, was im weiteren Verlauf des Spiels passiert; wird nicht gänzlich klar respektive inhaltlich untermauert. Auf den ersten Blick könnte man also durchaus von einem eher typischen Shooter sprechen, in dem ein größeres Augenmerk auf optische und handwerkliche Elemente gelegt wird – und eben nicht auf die Story und Präsentation. Doch, und das ist die Überraschung: CRYSIS schafft etwas, was bisher nicht viele Genrevertreter schafften. Seien es die bereits zu Beginn schier atemberaubenden Umgebungen, die sich aus dem Nanosuit ergebenden Möglichkeiten und spielerischen Freiheiten oder die sich im weiteren Verlauf doch noch kontinuierlich intensivierende Inszenierung – selten hat man sich so von einem Spiel (und dann auch noch von einem vermeintlich simplen Shooter) gefangengenommen gefühlt. Dass die Hauptfigur in Anbetracht der mysteriösen Ereignisse ebenso ratlos ist wie der Spieler, sorgt dann – und das vielleicht wider Erwarten – sogar noch für einen enormen Atmosphäre-Boost. Anders gesagt: man will, nein man muss einfach überleben und hinter die angedeuteten Geheimnisse aus der Welt von CRYSIS kommen.

Gerade dieser Hauch eines Survival-Shooters ist es dann auch, welcher CRYSIS so einzigartig macht. Und überhaupt: der weitere Handlungsablauf gestaltet sich als äußerst spannend, wobei die ersten dezenten Einstreuungen hinsichtlich einer gewissen Übernatürlichkeit wunderbar gelingen. Und: ein wenig an die Atmosphäre des Films PREDATOR (mit Arnold Schwarzenegger) erinnern. Bis es dann zu einem entscheidenden Punkt kommt, der Wende… und ein eisiger Hauch über den idyllischen Dschungel weht. Endlich wird die zuerst nur angedeutete Gefahr zu einer wirklich greifbaren – auch wenn man im inneren der Alien-Struktur vielleicht noch die Hoffnung hegte, dass ein friedlicher Kontakt zu den Außerirdischen möglich wäre. Gerade diese Levelabschnitte sind auch die mitunter einzigen, die etwas beengter daherkommen – dafür aber mit einer besonderen Optik und allerlei kleinen Details begeistern. Ansonsten gilt die Devise: man kann sich dort bewegen wo man möchte: auf den vorgegebenen Straßen oder eben mitten durch den dichten Dschungel, durch Flussbette, schwimmend oder tauchend durch das tiefere Wasser. Und natürlich: zu Fuß, mit Fahrzeugen oder Booten. Wählt man einen eher offensiven Weg, kann man an so manchen Stellen auch mal an etwas schwerere Geschützen (wie massige Panzer) kommen, damit über die Hügel rollen – und dabei alles niedermähen, was einem in den Weg kommt. Vielleicht ja auch im Wechsel zwischen der Position an der Hauptkanone und dem Schützenplatz auf dem Dach. Auch gibt es einen Abschnitt, in dem man eine Art Senkrechtstarter fliegt – und dabei aufpassen muss, dass man nicht vom Himmel geholt wird. Im allgemeinen gilt, und das trotz der dennoch immer vorhandenen Linearität, dass das etablierte Gefühl der spielerischen Freiheit schlicht enorm ist – die Landschaften wirken sehr weitläufig, und die meisten Stellen die man im Verlauf des Spiels sieht, kann man auch erreichen. Und wenn das einmal nicht der Fall sein sollte, so bleiben auch die entfernteren Gegenden ein Augenschmaus. Entweder als Stillleben – oder wie in einer besonders beeindrucken Passage als kleiner Film, in dem ein kompletter Berg allmählich zusammenstürzt und eine Alien-Struktur preisgibt.

Auch die hierbei präsentierte Physik fällt mehr als positiv auf – sei es das Verhalten der Gegenstände (wenn etwas explodiert, wenn man etwas wirft), sei es das angenehme Bedienen der Fahrzeuge oder das generelle Verhalten der Waffen (Stichwort Rückstoß, Einschusslöcher). Die Gegner bewegen sich äußerst geschmeidig und größtenteils intelligent, sie kommen dem Spieler hinterher; manchmal bleiben sie eher defensiv, ein anderes Mal stürmen sie direkt auf einen zu. Natürlich bedienen auch sie Geschütze und fahren in Fahrzeugen. Nur eines scheinen sie nicht zu tun: die hiesige Natur zu genießen – was dank der atemberaubenden Grafik von CRYSIS doch ein wenig verwunderlich ist. Selten hat man einen so lebendig wirkenden Dschungel gesehen – der dichte Pflanzenwuchs, das Wippen von Gras und Bäumen im Wind, die malerischen Sandstrände mit dem von leichten Wellen überzogenen, blauen Meer… doch damit hat man erst die Oberfläche angekratzt. So sind größere Bäume zerstörbar, Palmen lassen sich in praktische Stücke zerlegen (sofern man das braucht), dichte Waldabschnitte bieten Deckung und zusätzliche Tarnung – und die Gebäude sind nicht so sicher, wie sie es manchmal zu sein scheinen. So erlebt man immer wieder packende Momente, die speziell aus der Benutzung des Nano-Anzugs resultieren. Besagter Anzug, ein weiteres Highlight und Alleinstellungsmerkmal von CRYSIS, bietet verschiedene Optionen zwecks unterschiedlicher Taktiken. So kann man den Tempo-Modus aktivieren um schnell voranzukommen, den Stärke-Modus um besonders hoch zu springen oder Dinge weiter zu werfen (und Türen einzuschlagen), den Tarnungsmodus um unerkennt zu schleichen… der Möglichkeiten sind es viele, zumal man meistens die Wahl hat wie man vorgeht. Wichtig dabei ist es aber, die Energieanzeige im Auge zu behalten – denn die Reserven sind irgendwann (und das eigentlich recht schnell) verbraucht. Man muss allerdings keine Batterien oder ähnliches suchen, sie lädt sich von selbst – wie auch die Lebensenergie – wieder auf. Dies gerät einerseits zum Vorteil, da man nicht umständlich und akribisch nach Medipacks oder ähnlichem Suchen muss – doch andererseits „entlastet“ man damit auch das Inventar und verringert die Motivation, in der Umgebung nach etwas brauchbarem Ausschau zu halten.

Man stelle sich folgende Situation vor: man schleicht im Tarnungsmodus an ein feindliches Lager heran, ruft den Waffen-Modifizierungsmodus auf und wählt einen Schalldämpfer und Laser als Aufsatz, schaltet die ersten arglosen Gegner aus… und schleicht sich in eines der Gebäude. Vor Blicken geschützt regeneriert man seine Anzug-Energie und schaut sich ein wenig um, tritt dabei aus Versehen zu nah an ein Fenster – Schüsse fallen, man wurde entdeckt. Plötzlich hört man das Dröhnen von Rotoren, ein feindlicher Helikopter ist im Anflug – und legt urplötzlich das Ganze Gebäude in Schutt und Asche (beziehungsweise einzelne Trümmerteile) – Wow, das ist Kino-Feeling pur. Und wem das noch immer nicht reicht, für den gibt es zahlreiche Zwischensequezen in Spielgrafik, die ebenfalls enorm Laune machen – ständig dominieren die satte Action und eine unglaubliche Spielgeschwindigkeit das Geschehen. So gibt es im späteren Verlauf eine Szene, in der ein besonders großes Alien-Monster sich (s)einen Weg durch einen Hügel bahnt, und alle Soldaten (einige Stellen mit KI-Kumpanen gibt es) fassungslos versuchen sich zu verteidigen. Doch diese Bestie will einfach nicht umfallen… und schreitet immer weiter voran, bis an ein Basislager. Überall Getöse, Schüsse, Explosionen, ein gerade eben explodiertes Autowrack fliegt auf den Spieler zu… bis er in letzter Sekunde aus der Basis ausgeflogen wird, aber auch nur, weil sich ein tapferer Soldat für sein Team opfert. Der Wahnsinn… es gibt wohl kaum ein anderes Spiel, welches mit einer so simplen, rein auf situationsbedingter Action basierenden Story den Spieler derart zu fesseln vermag. Für ein zusätzliches Kino-Feeling sorgt auch der Soundtrack, so wie auch die Geräuschkulisse im allgemeinen. Es folgt die obligatorische Übersicht der Positiv- und Negativaspekte – auch wenn man bei CRYSIS wirklich schon sehr genau hinschauen muss, um überhaupt welche zu entdecken.



Positivaspekte von Crysis:

  • Sagenhafte Grafik
  • Zeitloses Dschungel-Setting
  • Verschmelzung von Idylle (Natur) und sinnbildlicher Hölle (Krieg, Außerirdische)
  • Alien-Einflüsse sorgen für Abwechslung (Alien-Mutterschiff, die Sphäre, Eis)
  • Packende Inszenierung, stimmige Atmosphäre
  • Identifikation mit der Spielfigur
  • Tolle Sound- und Musikkulisse
  • Gegner-KI
  • Verschiedene Fahrzeuge (Land, Wasser, Luft)
  • Ausreichendes Waffenarsenal (von klein bis groß und explosiv)
  • Anzug-Steuerung ermöglicht verschiedene Taktiken
  • Freies Speichern
  • 4 verschiedene Schwierigkeitsgrade (bei denen man den Unterschied auch merkt)



Negativaspekte von Crysis:

  • Relativ dünne Story mit einem zu offenen Ende
  • In der Umgebung findet sich zu wenig brauchbares
  • Relativ kurze Spielzeit

Fazit: Alles in allem gilt CRYSIS keinesfalls zu Unrecht als eines der bedeutenderen Spiele der letzten Jahre. Es macht Spaß, ist unglaublich packend und spannend inszeniert, streut einige bisher nie dagewesen Elemente ein (Dschungel + Eis), und bietet ein markantes Gefühl spielerischer Freiheit. Da sei es doch glatt verziehen, dass sich der eigentlich Handlungsablauf relativ linear gestaltet, und dass das Ende doch ein wenig zu offen gehalten wurde. Doch man sollte nicht vergessen, dass es sich hier „nur“ um einen Shooter handelt. In Anbetracht dessen ist CRYSIS zweifelsohne eines der besten Spiele dieses Genres. Die gefühlt etwas zu kurze Spielzeit (je nach Spielweise) und das Gefühl, in Bezug auf weiteres schlicht auf einen potentiellen Nachfolger vertröstet zu werden verhindern zwar eine Höchstwertung… aber dennoch kann respektive muss einfach eine zeitlose Empfehlung ausgesprochen werden.


95button

„Ein legendärer Shooter – vielleicht sogar der beste aller Zeiten.“

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