Filmkritik: „Krieg Der Welten 3“ (2005)

Originaltitel: War of the Worlds (V)
Regie: David Michael Latt
Mit: C. Thomas Howell – Jake Busey – Peter Greene
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
Genre: Sci-Fi

Einmal müssen die Aliens noch ran.

Info: Nicht erschrecken – man hat keine möglicherweise aussergewöhnliche Fortsetzung des 2005’er Blockbusters mit Tom Cruise in der Hauptrolle verpasst, wenn man Krieg Der Welten 3 (noch) nicht gesehen hat. Nanu, ich kenne aber nur eben diesen Film von 2005, gab es denn auch einen zweiten Teil ? In der Tat, siehe hier – doch dazu mehr in der gleich folgenden Kritik.

Inhalt: Die Erde wird ein weiteres Mal von gefährlichen außerirdischen Lebensformen angegriffen – nachdem die Menschheit sich seinerzeit recht sicher war, sie durch einen Gegenangriff auf dem Mars in die Knie gezwungen zu haben (Vorsicht – das stimmt nicht ganz; siehe Kritik). Doch davon keine Spur – die Außerirdischen scheinen sich sogar noch weiter entwickelt zu haben, und besitzen nun noch effektivere Strahlenwaffen und riesige, spinnenartige Kampfroboter. Die Vernichtung der Menschheit wird durch heftige Erd-Einschläge eingeläutet, die die Menschen erst an Meteoriten denken lassen – umso überraschter und panischer sind sie in Anbetracht der bald klar erkennbaren Bedrohung. Und es scheint, als würden die Außerirdischen nicht stoppen, bis sie die gesamte Erdbevölkerung ausgelöscht haben… nur der Ehemann und Vater George Herbert (C. Thomas Howell), von Beruf Astronom, könnte die Welt nun noch retten. Aber wie… ? So begegnet er auf seinen Weg zu seiner Familie, die sich zum Zeitpunkt des ersten Angriffs in einer anderen Stadt aufhält, unterschiedlichen neuen Bekannten, die sich ihm anschließen. Der eine ist ein eher kampfbereiter, nervöser Zeitgenosse; und auch ein tief religiöser Priester ist dabei. Wird ihm die Kraft seines Glaubens helfen, dieses neue große Unheil zu überstehen – oder sind am Ende doch alle ganz und gar machtlos ?

Kritik: Jeder kennt Filme, über deren Qualität und Inhalt man – wie es in der Redensart so schön heisst – streiten kann. Aber gibt es eigentlich auch Filme, über die man nicht und in keinster Weise streiten kann – weil sie so abgrundtief schlecht sind, dass es eigentliche keine Zweifel geben sollte ? Nun, Krieg Der Welten 3 ist mit Sicherheit ein Kandidat für diese Kategorie. Aber eben auch nur ein Kandidat – denn es gibt tatsächlich Menschen, die dem Film etwas positives abgewinnen (oder sollte man eher sagen: unterstellen) können ! Doch man lasse es sich gesagt sein: in diesem Fall lohnt es sich nicht, sich mit eben diesen Menschen ein wie auch immer geartetes (Wort-)Gefecht zu führen. Ohne jemandem etwas böses unterstellen zu wollen: Kritiker und Filmkonsumenten, die Krieg Der Welten 3 eine auch nur ansatzweise bessere Note geben als eine 5 (nach dem Schulnotensystem mangelhaft), müssen wohl von exakt demselben Kraut gekostet haben wie die Macher dieses Schundwerkes. Nicht nur, dass dem Film keinerlei (oder auch 0) positive Aspekte innewohnen, auch der Produktions- und Entstehungshintergrund gerät mehr als fraglich.

So zeichnet sich die Trashfilm-Schmiede The Asylum für die Produktion verantwortlich – die keinen Hehl aus ihrem Konzept macht. So werden billig und schnell produzierte Filme des öfteren im „Schatten“ der ganz großen Hollywood-Blockbuster fertiggestellt, um auf der Welle des Erfolges (des jeweiligen Originals) mitzuschwimmen. Und sei es, dass sich Zuschauer in den Videotheken nur versehentlich vergreifen, und sich dann zuhause wundern, warum der Film so gar nichts mit dem gemein hat, was die jeweilige Mundpropaganda an Erwartungen ausgelöst hat. Immerhin, das ist doch auch mal ein mutiger und unkonventioneller Weg, „seine“ Filme (die sonst keiner sehen würde) doch noch an den Mann zu bringen, möchte man nun sagen ? Das würde sogar zutreffen, wenn diesen Film-Plagiaten etwas positives innewohnen würde. Das könnten besonders ungewöhnliche Charakterporträts, schockierende Elemente, Gesellschaftskritik und so viel mehr sein – doch davon hat man bei The Asylum bisher wohl noch nichts gehört. So gerät Krieg Der Welten 3 in erster Linie zu einem: zu einem billigen, höchst ärgerlichen und äusserst dreisten Abklatsch. Und es kommt noch perfider: es handelt sich gar nicht um einen dritten Teil, dieser wurde nur künstlich erzeugt um – richtig, noch mehr potentielle Zuschauer zu ködern. In Wahrheit, dafür braucht man eigentlich nur das Entstehungsdatum zu besehen, wurde dieser Teil 3 im beinahe gleichen Atemzug mit dem originalen Krieg Der Welten veröffentlicht, und hatte tatsächlich einen gewissen Erfolg- woraufhin ein weiterer Film gedreht wurde. Nämlich Krieg Der Welten 2 – Die Nächste Angriffswelle. Unter anderem deshalb stimmt auch die offizielle Plot-Zusammenfassung dieses vermeintlichen „dritten Teils“ nicht mehr – Krieg Der Welten 3 ist demnach der erste (!) Teil einer Abklatsch-Reihe, vor der es nicht nur Steven Spielberg grauen sollte – auch ein gewisser H.G. Wells würde sich höchstwahrscheinlich im Grabe umdrehen, wüsste er um dieses Schundwerk.

Aber warum ist der Film eigentlich so schlecht ? Nun, um es festzuhalten – er ist nicht ganz so schlecht wie der zweite Teil der billig-Reihe, der jegliche Wertungsgrenzen komplett nach unten hin auslotete. Vielleicht liegt das auch daran, dass hier noch nicht der Hauptdarsteller Regie führte (!), und die überaus abstruse Reise zum Mars noch in weiter Ferne lag. Man versuchte sich noch auf die etwas ruhigeren, dramatischen Elemente zu konzentrieren – auf ein Porträt, wie verschiedene Menschen auf eine Katastrophe dieser Art reagieren würden. Die Special-Effects sind also nicht omnipräsent vertreten, was auch ganz gut so ist – denn wenn sie dann doch mal zum Einsatz kommen, wirken sie einfach nur unglaublich billig und künstlich. Doch wenngleich man bemüht war, eine Art ernstes Roadmovie vor Sci-Fi Hintergrund zu drehen, ist am Ende leider nicht viel mehr als ein lachhafter Versuch dabei herausgekommen. Nicht nur, dass der Film in Sachen Story beinahe deckungsgleich mit dem originalen Krieg Der Welten von 2005 ist, die Versuche, weg vom Popcorn-Kino Hollywoods (diese Attributierung wurde oft in Bezug auf den originalen Film vorgenommen) zu kommen, schlagen gnadenlos fehl. So entstehen immer wieder vermeintlich ernste Situationen, die aufgrund der schlechten Leistungen der Darsteller und der Regie aber derart verkrampft und unnatürlich wirken, dass unfreiwillige Lacher unvermeidlich sind. Sofern es überhaupt dazu kommt, schließlich könnte gerade so etwas als unterschwelliger Vorteil von sogenannten Billig-Trashfilmen bezeichnet werden – über den größten Teil der Spieldauer wird man sich aber einfach nur schrecklich langweilen.

Denn: es geschieht so gut wie nichts. Was für Hollywood-Fans die Action ist, hätte gerade bei solcher einer B-Movie-Produktion spannende Charakterporträts oder tiefgreifende philosophische Fragen sein können. Stattdessen begleitet man den Hauptcharakter, der unbedingt zu seiner Familie muss – mitunter der einzige Charakterzug (seine Liebe zur Familie), den man über ihn erfährt. Weitaus abstruser wird es, wenn die Nebencharaktere ins Spiel kommen: gerade der erste „Weggefährte“ des verzweifelten Vaters scheint nicht gerade nachvollziehbar zu handeln, und begleitet seinen neuen „Freund“ (?) aus absolut unerfindlichen Gründen. Wahrscheinlich „darf“ er deshalb auch relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, wie auch der Bruder von George (Autsch, sonst eigentlich immer recht gut: Peter Greene), der nicht viel mehr zu tun hat als einige völlig sinnfrei erscheinende (in diesem Zusammenhang) letzte Worte von sich zu geben. Irgendwann kommt dann ein Priester ins Spiel, der mitunter einzige Aspekt der einen Hauch von Frische versprühte. Wie gut hätte man mit einem solchen Charakter arbeiten können – Geroge als eher bodenständiger Wissenschaftler, und ein geistlicher, der den Tod eines Menschen nicht automatisch als negativ bewertet. Hätte ist das Stichwort – denn auch hier fallen die Dialoge nicht besonders geistreich aus. Im Gegenteil, alles beschränkt sich letztendlich auf die eine, schon tausendmal in Filmen abgehandelte Frage: gibt es wirklich einen Gott, wenn er so schreckliche Dinge auf der Erde zulässt ? Nicht nur dass das relativ wenig ist, das Niveau dieser Gespräche und die kaum überraschenden Wendungen (natürlich schwört auch irgendwann der geistliche seinem Gott ab, alles andere wäre auch zu kompliziert gewesen) lassen eine jede Schultheater-Aufführung von Grundschülern wie ganz, ganz großes Kino wirken.

Was bleibt… ? Allerlei Absurditäten und fehlgeschlagene Versuche. Zu keinem Zeitpunkt wirkt das Szenario bedrohlich, die (unfreiwillig ?) eingestreuten Lächerlichkeiten machen jegliche Anflüge von Ernsthaftigkeit (die beispielsweise in einer menschenleeren, zerstörten Stadt hätte aufkommen müssen) zunichte. So besorgen sich George und sein „Freund“ erst einmal Nahrungsmittel als sie die Gelegenheit haben… was kauft mit in solch einer Notsituation am besten ? Richtig, eine ordentliche Tüte Chips (!). Überhaupt, es wird ständig irgendwo irgendetwas gegessen, was die allgemein „bedrohliche“ Lage untermalen soll – Hilfe, die Nahrung wird knapp ! Aber warum eigentlich, wenn alles zerstört ist, müsste doch erst einmal allerlei herumliegen ? Wo sind die plündernden Banden, die bösen Gegenspieler, die sich die Situation zunutze machen ? Dann gibt es da noch so etwas wie eine Geheimwaffe der Außerirdischen, eine Art Giftnebel… doch nicht einmal lachen kann man in Anbetracht dieser lächerlichen Darstellung. Sehr gut, dass sich der Nebel in fest vorgegebenen Bahnen zu bewegen scheint, und man ihm einfach mal ausweichen kann wenn auf einen 1,5 Meter hohen Stein klettert (!). Oder auf den (hermetisch abgeriegelten ?) Dachboden flüchtet. Das absolut vorhersehbare (wenn man die Vorlage kennt) Ende bietet dann den letzten großen Schrecken von Krieg Der Welten 3. Aber was wäre das Ganze ohne ein Happy-End… klar, solange die eigene Frau und der Sohn überlebt haben (warum und wie eigentlich ?), ist die Welt eben in Ordnung.

Fazit: Wenig Wind um Nichts – Krieg Der Welten 3 ist eine einzige Frechheit. Angefangen bei der fraglichen Daseinsberechtigung des Produktionsstudios, hin zu den dreisten Marketingmaßnahmen, bis letztlich auch direkt in den Film hinein. Er bietet kaum neues, sondern kopiert die Vorlage beinahe 1:1, und selbst wenn vermeintlich innovative neue Elemente (wie der Priester) eingeführt werden zeigt sich der Film von seiner lächerlichsten, quälendsten, schrecklichsten Seite. Zahlreiche Durststrecken (die offenbar für ein Gefühl der Beklemmung sorgen sollten – wie lachhaft) verhindern selbst unfreiwillige Lacher, und machen den Film letztlich zu einer eintönigen Zeitverschwendung der besonderen Art. Doch man wäre ungerecht, gäbe man dem Film eine schlechtere oder gleiche Wertung wie dem Nachfolger Krieg Der Welten 2 – denn Krieg Der Welten 3 (beziehungsweise 1.1, wobei die 1 hinter dem Punkt für Fälschung steht) ist mindestens doppelt so gut. Deshalb gibt es auch eine entsprechend gut gemeinte Gesamtwertung…


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„Nicht ganz so schlecht wie Teil 2, aber noch immer jenseits von gut und böse.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Krieg Der Welten 3“ (2005)

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