TV-Kritik / Anime-Review: THE VISION OF ESCAFLOWNE

Fanart-Bild von Masateru (Der Hammer, Respekt !)

Typ: Anime-Serie (26-teilig)
Originaltitel: Tenkū no Esukafurōne
Regie: Kazuki Akane
Idee: Hajime Yatate, Shōji Kawamori
Land: Japan
Genre: Sci-Fi, Fantasy, Mecha, Love Interest

Die Liste der Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Der Lauf des Schicksals (Fateful Confession)
02 Das Mädchen vom Mond der Illusionen (The Girl from the Mystic Moon)
03 Der edle Ritter (The Gallant Swordsman)
04 Das Gesicht des Bösen (The Diabolical Adonis)
05 Die Bruderfehde (Seal of the Brothers)
06 Die Stadt der Intrigen (City of Intrigue)
07 Der Aufbruch ins Ungewisse (Unexpected Partings)
08 Der Tag des Engels (The Day the Angel Flew)
09 Die Schwingen der Erinnerung (Memories of a Feather)
10 Der Prinz mit den blauen Augen (The Blue-Eyed Prince)
11 Die tödliche Vision (Prophecy of Death)
12 Das verborgene Geheimnis (The Secret Door)
13 Der Tempel der Fortuna (Red Destiny)
14 Die Menschmaschine (Dangerous Wounds)
15 Das verlorene Paradies (Lost Paradise)
16 Das Tal der Wunder (The Guided Ones)
17 Das Ende der Welt (The Edge of the World)
18 Die Macht des Schicksals (The Gravity of Destiny)
19 Die Kraft der Liebe (Operation Golden Rule of Love)
20 Das gefährliche Spiel (False Vows)
21 Die Kriegerinnen des Glücks (Reaction of Fortune)
22 Der Engel mit den schwarzen Flügeln (The Black Winged Angel)
23 Die Ruhe vor dem Sturm (Storm Premonition)
24 Die schicksalhafte Entscheidung (Fateful Decision)
25 Die Sphäre des vollkommenen Glücks (Zone of Absolute Fortune)
26 Die ewige Liebe (Eternal Love)

Kommt mit und erlebt die sagenhafte Parallelwelt GAIA.

Inhalt: Hitomi Kanzaki ist eine 15 jährige japanische Schülerin mit zwei besonderen Hobbys: zum einen ist sie eine begeisterte Läuferin, und zum anderen liebt sie es, dem Kartenlegen nachzugehen. Spielerisch sagt sie mit ihren Tarotkarten die Zukunft ihrer Freundinnen heraus, und tatsächlich scheinen sich ihre Visionen des öfteren zu bewahrheiten. Sie hat die Karten auch schon befragt, was sie und ihren großen Schwarm Amano betrifft… doch ein wirklich schlüssiges Ergebnis ist dabei nicht herausgekommen. Eines Tages erfährt sie, dass Amano das Land verlassen würde, woraufhin sie ihn bittet, noch ein letztes Mal die Zeit für sie zu stoppen – bei einem 100-Meter-Lauf. Beim ersten Anlauf aber scheitert sie – sie hat eine starke Vision und fällt daraufhin in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kommt ist Amano bei ihr, und gemeinsam beschließen sie es noch einmal zu versuchen. Doch dieses Mal bleibt es nicht bei einer blossen Vision… tatsächlich taucht eine große, grelle Lichtsäule auf, die einen jungen Krieger und einen gefährlichen Drachen direkt auf den Sportplatz transportiert. Es bleibt kaum Zeit, Fragen zu stellen – denn urplötzlich befinden sich alle Anwesenden in akuter Lebensgefahr. Glücklicherweise schafft es der junge Krieger, der auf den Namen Van hört, den Drachen zu besiegen – woraufhin die Lichtsäule erneut erscheint um ihn offenbar in seine Welt zurückzubringen. Doch Hitomi befindet sich ebenfalls in der Säule…

Sie findet sich inmitten einer ihr fremden Welt wieder, die wie sie erfährt Gaia genannt wird. Am Himmel sieht sie hier verdutzt auf den Mond und die Erde… es scheint sich also um eine Art Zwischenwelt zu handeln. Doch erneut geht alles ganz schnell: dadurch, dass Van den Drachen besiegt und seinen Energiestein an sich genommen hat, ist er nun rechtmäßiger Thronfolger seines Vaters, und wird prompt zum König gekrönt. Ein heimtückischer Angriff der furchteinflößenden Zaibacher aber stört die Zeremonie – woraufhin Van den Energiestein in Escaflowne einsetzt, eine riesige Mecha-artige Kampfmaschine. Dieser sogenannte Guymelef versucht nun mit Van als Piloten, Fanelia und seine Bewohner zu beschützen. Unglücklicherweise scheitert er – und wird von den Zaibachern gefangengenommen. Währenddessen sucht Hitomi verzweifelt nach Möglichkeiten, ihn zu retten – und trifft dabei auf weitere zukünftige Weggefährten, wie den sogenannten Ritter Des Himmels Allen. Doch offenbar werden ihre Vision hier auf Gaia noch stärker und intensiver… und das Reich der Zaibacher scheint einen perfiden Plan zu verfolgen, bei dem sie das Schicksal selbst zu ihren Gunsten beeinflussen wollen.

Kritik: The Vision Of Escaflowne ist eine Anime-Serie, die heute (knapp 15 Jahre nach der Erstveröffentlichung) sicher schon viele gesehen haben werden – ob expliziter Anime-Fan oder nicht. So wurde sie kurz nach der Jahrtausendwende erstmals in deutsch (auf MTV) ausgestrahlt, und findet nach wie vor zahlreiche Revivals durch spezielle, besonders vollgepackte Editionen. Hier soll es jedoch nicht zwangsläufig um die bestmögliche Release-Edition gehen, sondern um den Anime an und für sich. Ja, für welche Zielgruppe ist Escaflowne eigentlich ursprünglich gemacht worden ? Eine Frage, die sich nicht ganz so leicht beantworten lässt, da dem Anime zahlreiche verschiedene Elemente innewohnen. Eines ist jedoch klar: beide Geschlechter werden entsprechend bedient. Die weibliche Zuschauergruppe wird großen Gefallen an der mystischen Love-Interest-Story finden, die männlichen Zuschauer dafür umso mehr an den nett choreografierten Mecha-Kämpfen und den Helden-Sagen um Ritter, böse Widersacher und schreckliche Kriege. Eine vollkommen geschlechtsunabhängige Faszination übt dagegen die Welt Gaia aus, auf der der Großteil der Geschichte spielt – Ausflüge zur Erde finden so gut wie überhaupt nicht statt, und wenn dann nur in Gedanken oder in der Erinnerung. Gaia ist eine grundsätzliche schöne und fabelhafte Fantasy-Welt, die der Serie nach aus reiner Gedankenkraft geformt worden ist – als Folge des Untergangs des sagenumwobenen Atlantis. Doch um weitere Spoiler zu vermeiden sei an dieser Stelle nur angemerkt, dass es zahlreiche weitere Einstreuung solch mystischer Ortschaften und Zivilisationen gibt, sodass der Welt Gaia grundsätzlich eine vielfältige, spannende und Fragen-aufwerfende Entstehungsgeschichte zugrundeliegt. Und natürlich bleibt es nicht nur bei den Ereignissen vergangener Tage, denn alsbald taucht die Frage auf, wie mit diesem speziellen „Erbe“ am besten umzugehen ist. Und da kommt sowohl die „gute“  (vor allem verkörpert durch Allen, Van und Hitomi) und die „böse“ Seite (hauptsächlich verkörpert durch Folken, Dilandau und Kaiser Dornkirk) zum Zuge.

Allgemein fällt auf, dass besonders Jugendliche ihre Freude mit der Serie haben werden – in Bezug auf die Altersgruppe wäre eine Zielgruppe von etwa 15-20 das Optimum. Was natürlich nicht heisst, dass ältere mit der Serie nichts anfangen können – doch während in anderen Serien im späteren Verlauf oftmals ein erheblicher Fokus auf überraschende Story-Twists oder eine Vertiefung der Serien-eigenen Philosophie gelegt wird, dominieren in Escaflowne vor allem der Kampf zwischen gut und böse, sowie die schwankenden (Liebes-)Beziehungen der Charaktere untereinander das Szenenbild. Man könnte also von einem etwas geringeren Anspruch sprechen – doch wenn man einmal genauer hinsieht, trifft das eigentlich nicht wirklich zu. Denn auch Escaflowne behandelt höchst grundlegende Dinge, vor allem zwischenmenschliche Beziehungen und -Werte werden explizit beleuchtet. Auch tauchen stellenweise tiefgreifende Fragen auf, die sich vor allem auf die Verständnis-Ebene beziehen. Etwas schade ist, dass beispielsweise spezielle Hinweise gegeben werden – diese aber jedoch nicht immer aufgelöst oder weiter behandelt werden (beispielsweise die herausgerissenen Seiten aus dem Buch von Allen’s Vater). Doch insgesamt ist die Welt von Gaia eine reichlich bunte – und sogar komplexe, wenn man mal nicht von der recht vereinfacht dargestellten politischen Situation ausgeht. Nein, die Komplexität bezieht sich vor allem auf die verschiedenen Völker, die jeweiligen (zumeist traurigen) Hintergrundgeschichten der Charaktere, und natürlich die besonderen Elemente, die es so nur auf Gaia gibt. Das wären in erster Linie die riesigen Kampfroboter, die Guymelefs – von denen auch Escaflowne einer ist. Allerdings ein ganz spezieller, der von einem noch spezielleren Volk erbaut worden ist. Gerade die Frage nach diesen hier als Hispanos bezeichneten Menschen, sowie die nach den seltsamen „Toren“ und Pforten, die besonders gegen Ende der Serie auftauchen, bleiben jedoch oftmals unbeantwortet. Schade – so muss man sich als Zuschauer größtenteils selbst einen Reim auf den Zusammenhang von Atlantis (damals) zum „heutigen“ Atlantis und dessen Verbindung mit Gaia machen.

Die Kraft der Liebe, die Macht des Schicksals, die Beeinflussung des eigentlich nicht-beeinflussbaren, die Machtgelüste und innersten Wünsche der Menschen (ob nun hier auf der Erde oder auf Gaia) – das sind nur einige der Stichwörter, die man bestens mit der Welt von Escaflowne in Verbindung bringen könnte. Ein Höchstmaß an Unterhaltung ist also garantiert – wobei es immer wieder auch etwas „auflockernde“ Elemente wie eben die ständigen Kämpfe (mal spielerisch-trainierend, mal auf Leben und Tod) gibt. Und, sogar einige recht komische Szenen gibt es – doch keinesfalls ist Escaflowne ein Anime, der in Sachen Slapstick oder Charakterzeichnung übertreibt. Der Grundton ist grundsätzlich ein ernster, epischer. Die optische Gestaltung kann in Anbetracht des Produktionsjahres durchaus als zeitlos bezeichnet werden – die satten Farben und oft naturbezogenen Szenenbilder sorgen stets für einen erhabenen Eindruck. Ebenfalls markant: die Gestaltung der idyllisch wirkenden Städte, und im Gegensatz dazu die düster-futuristische des Zaibacher Reiches. Die Animationen sind geschmeidig, und gerade die Wettereffekte und Kampfszenen wissen zu überzeugen. Überall fliegt etwas herum oder bewegt sich: seien es die Funken beim Aufeinanderklirren der Schwerter, lodernde Flammen, Asche, Federn… das sorgt für einen lebendigen Eindruck. Stichwort lebendig: etwas negativ fällt lediglich die Darstellung der Charaktere (hier mit äusserst länglichen spitzen Nasen) auf. Doch auch daran hat man sich schnell gewöhnt, und andere technische Aspekte wie der Soundtrack räumen mit den letzten Zweifeln auf. Sowohl in Bezug auf die traurig-dramatischen, wie auch auf die actionreich-epischen Szenen findet sich das ein oder Soundtrack-Highlight das für Gänsehaut sorgen kann. Auch das Intro ist wunderschön gestaltet, und zudem mit einem traumhaften japanischen Musikstück unterlegt. Da sei auch verziehen, dass das Outro eher unspektakulär (und musikalisch eintönig) daherkommt. Technisch ist das Ganze also absolut versiert aufgemacht – blicken wir abschließend noch ein letztes Mal auf die inhaltlichen Aspekte von Escaflowne.

Denn genau dort finden sich im Endeffekt die einzigen Negativ-Aspekte der Serie. Beispiel: Tatsachen wie die, dass Hitomi ein wesentlicher Bestandteil der großen Hintergrundgeschichte ist, werden zwar direkt ersichtlich – so geht beispielsweise von ihrem Anhänger eine enorme Kraft aus, die mit der ehemaligen Kraft aus Atlantis zu tun hat. Doch wirklich schlüssig wird die Bedeutung dieser Gegenstände nicht erklärt – durch allerlei Rückblicke oder Visionen entsteht so einstweilen ein recht diffuses Gesamtbild. So kommt man hinsichtlich der Interpretation immer nur bis zu einem gewissen Punkt, doch dann stösst man auch schnell wieder an eine Grenze. So wird man als Zuschauer auch nicht immer wissen, welche Aspekte nun ein wesentlicher, nötiger Bestandteil der Serie sind (um am Ende das nötige Verständnis zu entwickeln) – und welche sich auf eher zu vernachlässigenden Nebengeschichten zurückführen lassen. Dies ist mitunter auch das einzige Problem der Serie: der schwankende Fokus, und das relativ vorhersehbare Ende. So ist von Anfang an relativ klar, dass alles auf einen wohl schlimmen Endkampf zwischen zwei Parteien hinauslaufen wird; doch zwischendurch weicht der Fokus immer wieder von diesem Bezugspunkt ab und orientiert sich vor allem an kleineren Dingen, die das Leben der Charaktere beeinflussen und sie entsprechend beschäftigen. Höhnisch könnte man also fragen: spielt es wirklich eine so große Rolle, ob Person X und Y sich näher kommen, wenn das „Ende der Welt“ bevorsteht ? Doch gerade Escaflowne zeigt in einer ganz besonderen Art und Weise auf, dass es in gewissen Fällen genau darauf ankommen kann.

Fazit: Alles in allem kann The Vision Of Escaflowne durchaus als Anime-Klassier bezeichnet werden, der durch die fantasievolle Gestaltung der Zwischenwelt Gaia mit allerlei zeitlosen Elementen aufwartet. Es gibt zudem keine wirklich nennenswerten Durststrecken, man wird größtenteils gut unterhalten und erwartet voller Spannung die jeweils nächste Folge. Etwas schade erscheint nur, dass der Anime nicht sonderlich komplex, dafür aber leicht verwirrend daherkommt. Im Grunde wäre alles recht „einfach“ – doch die Dramaturgie der Serie sieht eben vor, dass um viele Dinge ein großes Geheimnis gemacht wird. Einige davon werden recht schnell aufgelöst oder sind ohnehin vorhersehbar, andere dagegen erst am absoluten Ende der Serie (Stichwort Dilandau), auf andere wird gar nicht mehr eingegangen. Die mythische Geschichte um Atlantis wird zwar ausreichend porträtiert, vermeintlich (!) weniger bedeutsame Aspekte wie der Anhänger Hitomi’s finden jedoch kaum Erwähnung, sodass man über einige Elemente nur rätseln kann. aber gerade das macht einstweilen ja auch den Reiz der Serie aus… nur das etwas enttäuschende, ein wenig unschlüssige und teilweise sehr vorhersehbare Ende verhindert eine (noch) höhere Wertung.


85button

„Schon jetzt ein Klassiker.“

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