Metal-CD-Review: HALFORD – Resurrection Remastered (2006)

Land: Großbritannien – Genre: Heavy Metal

1. Resurrection
2. Made In Hell
3. Locked And Loaded
4. Night Fall
5. Silent Screams
6. The One You Love To Hate
7. Cyber World
8. Slow Down
9. Hell’s Last Survivor
10. Temptation
11. God Bringer Of Death
12. Fetish
13. Sad Wings
14. Twist
15. Drive
16. Savior

Infos / Hintergründe: Die meisten Schwermetaller und Szene-Kenner dürfte es freuen, dass es wohl niemals still um den Judas Priest-Leadsänger (mit einer Unterbrechung in den 90’ern) Rob Halford wird. Hoffentlich wird das auch noch lange so bleiben ! Seit 1969 (!) ist der Mann mit dem goldenen Stimmorgan am Werkeln, wobei ihm sein bis heute geschichtsträchtiger Durchbruch bereits im Jahre 1974 mit seiner damaligen Hauptband Judas Priest gelang. Diese mehr als beträchtliche Rock beziehungsweise Metal-Amtszeit brachte ihm entsprechende viele Erfolge ein, aber auch den Rang eines Metal-Pioniers oder gar Metal-Gottes. So kann man seinen Namen problemlos mit denen anderer wichtiger Genregrößen in Verbindungen bringen, wie auch Ozzy Osbourne und Ronnie James Dio (Rest In Peace), für die er auch so manches Mal eingesprungen ist – beispielsweise bei einem Auftritt von Black Sabbath, bei dem Osbourne aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht selbst singen konnte. Eine unglaubliche Historie voller markanter Daten und Details, eine unglaublich interessante Persönlichkeit die dahintersteckt und wohl schon so ziemlich alles im Leben mitgemacht hat – das ist Rob Halford, der sich neben Judas Priest auch weiteren Dingen die mit Musik zu tun haben widmet – wie seinen Solo-Projekten. Bereits 1995 veröffentlichte er ein Album mit dem Titel Voyeurs (unter dem Bandnamen TWO), welches von den Fans allerdings nicht überdurchschnittlich gut aufgenommen wurde. Denn für dieses Album wechselte er sei angestammtes Genre – und betrat merklich experimentellere, gar Gothic-angehauchte Genrepfade. Doch einige Jahre später folgte etwas… eine echte Bombe namens Resurrection (jetzt unter dem Bandnamen HALFORD). Dieses Album erfuhr im Jahre 2006 eine Auffrischung im Zuge einer Remastered-Version, auf die sich dieses Review auch bezieht.

Kritik / Songreviews: Die Remastered-Version hat einige Bonustracks spendiert bekommen, die es in sich haben – an der Qualität der Musik wurde jedoch nur unwesentlich geschraubt. Wer also erst jetzt in die Welten von HALFORD einsteigen möchte (spät, aber es kommt vor), der sollte eher zur 2006’er Edition greifen, da man einfach mehr für das Geld bekommt. Das Album beginnt mit dem Titeltrack Resurrection (treffend in Bezug auf die Historie Halford’s). Er ist Auferstanden aus der Asche, voller Tatendrang und einer Stimme, die ihresgleichen sucht. Und einem Sound, der schlicht genial-brachial und sehr „true“ klingt, zieht man andere Alben aus den eher progressiv angehauchten Subgenres zu einem Vergleich heran. Die Riffs sind wie die gesamte Produktionsqualität satt und kräftig, das Ganze macht einfach unglaublich Laune (9/10). Made In Hell, ein Titel, der mit einem fliessenden Übergang an den Opener anknüpft; wirkt dagegen ein klein wenig „entspannter“ – zumindest wenn es um den Gesang geht. Die Instrumentalisierung fällt recht ähnlich aus – der Sound von HALFORD ist recht gradlinig und schnörkellos. Die Begeisterung entsteht nicht aufgrund der musikalischen Komplexität und Vielschichtigkeit, sondern durch die klaren Strukturen, den satten Sound und die treibende Grundstimmung. Und, nicht zu vergessen: die wunderbaren Gitarren-Soli – bei diesem Titel ist mitunter eines der besten zu hören, gegen Ende (9/10). Es folgt Locked And Loaded, ein Midtempo-Titel der erst nicht ganz so spektakulär wirkt – dennoch hat man das Gefühl, als möchte man einfach mitwippen oder -nicken, das Ganze geht sofort ins Ohr. Ein dickes Gitarrensolo und wunderbar klare Drums runden den Titel ab, der für eine Midtempo-Nummer ein starkes Stück ist (8/10).

Titel 4 horcht auf den Namen Night Fall, und startet diesmal direkt mit kraftvollen Riffs und Drums, auch hier hält sich Halford etwas mehr zurück als noch im Opener. Hier geht der Midtempo-Rhytmus aber nicht ganz so problemlos ins Ohr, der Refrain ist zwar nett; könnte aber genausogut zu einer Ballade passen. Auch das Solo gegen Ende ist nicht ganz so ausgefeilt wie bei den Titeln zuvor (6/10). Die Silent Screams dagegen untermalen den ersten explizit in Richtung Ballade gehenden Titel (zu Anfang…), der mit einem interessanten, bewegenden Songtext aufwartet. Natürlich bleibt es nicht bei der minimalistischen, zurückhaltenden Instrumentalisierung, später kommen wieder die treibenden Riffs und das Schlagzeug hinzu. Sogar eine kurze Doublebass-Passage lässt sich entdecken. Und, dieser Refrain… zeitlos, gut; KULT (10/10). The One You Love To Hate kommt dann mit einem etwas aggressiverem Gesang und einem Gastauftritt von Bruce Dickinson (Iron Maiden) daher, klingt letztendlich aber gar nicht so markant oder einzigartig; schade eigentlich (6/10). Auch Cyberworld ist nicht sonderlich spektakulär, es fehlt das entscheidende letzte gewisse Etwas; das Ganze wirkt eher wie ein (besserer) Lückenfüller (6/10). Es folgt Slow Down, was wohl auch auf die musikalische Wirkung zutrifft: hier handelt es sich um eine weitere, eher getragene Midtempo-Nummer mit wenig Bumms und regulärem Gesang ohne viel Schnickschnack. Wie immer sehr versiert, aber wohl nur für Fans von etwas ruhigeren Halford-Titeln ein Genuss (5/10).

Aber letztendlich sollen auch Fans der etwas schnelleren Gangart (nochmals) befriedigt werden, und zwar mit Hell’s Last Survivor. Aber ohnehin sollte man sich nicht an Genregrenzen aufhalten, erst recht nicht, wenn ein Heavy Metal so schön, kräftig und „catchy“ präsentiert wird. Hier spielt Mr. Halford endlich wieder alles aus, was er mit seiner Stimme anstellen kann, musikalische Eintönigkeit hört sich anders an. Die zugrundeliegende Instrumentalisierung ist ein wenig flotter als bei den vorherigen Titeln, auch die Drums bekommen einen kleinen Tempo-Anschub, und das Gitarrensoli gegen Ende ist abermals ein echter Genuss. Das besondere Highlight sind aber sicher die stimmlichen Ausflüge, ob nun im Refrain oder in den Strophen. Das geht unter die Haut, macht Laune, und treibt an. Wenn man bedenkt, dass dieser Titel ursprünglich nicht auf dem Album vorhanden war (zumindest in Europa), dann kommt man doch leicht ins Stocken (10/10). Temptation geht dann wieder den etwas gemäßigteren Weg, mit einer Midtempo-Instrumentalisierung und ohne großartige Stimmenakrobatik. Dennoch, für eine explizit langsamere Nummer geht das Stück völlig in Ordnung (7/10). Godbringer Of Death ist ein knapp 3-minütiges Stück, dass etwas anders klingt als die anderen – besonders der Gesang scheint hier durch den ein oder anderen Filter gerauscht zu sein, sodass ein eher zwiespältiger Eindruck entsteht. Als Interludium betrachtet sicher nicht schlecht – aber als alleinstehender Track einfach nichts besonders (6/10).

Die Attributierung „besonders“ dürfte dann aber auf das folgende Stück zutreffen, Fetish. Wie der Titel es bereits vermuten lässt, der Songtext ist ein wenig… anders, und generell ungewohnt. Und zum leichten „Freak-Eindruck“ holt Rob Halford hier wieder alles aus seiner Stimme heraus und singt konstant in einer sehr hohen, leicht „quietschenden“ (positiv gemeint) Stimmlage. Schön dreckig (inhaltlich, stimmlich, Riff-technisch), mal komplett anders, einfach nur hörenswert (8/10). Sad Wings scheint eine gewisser (wohl wenig unauffälliger) Seitenhieb auf Judas Priest zu sein, schließlich war er als das Album erstmals erschien gerade nicht mehr der hiesige Leadsänger – und widmete sich eher „seinem“ Ding. Der Titel hat eine recht flotte Instrumentalisierung, der Gesang ist alles andere als einschläfernd; und überhaupt klingt das Ganze automatisch verdächtig nach Kult (7/10). Es verbleiben 3 eher kurze Titel, sowohl in Bezug auf die jeweilige Spieldauer als auch auf die Titelbezeichnungen. Der erste ist Twist, eine weitere Midtempo-Nummer ohne viel Bumms; doch dafür gibt es erstmalig einen deutlich eingängigeren (wenn auch simpleren) Refrain (7/10). Drive macht einfach nur Laune (8/10), und Saviour ist eine beinahe-Hymne, die das Album rund abschließt (8/10).

Fazit: Nicht umsonst wird dieses Album (egal ob nun in der ursprünglichen oder der Remastered-Version) als Klassiker und Meilenstein bezeichnet – es markiert die Rückbesinnung Rob Halford’s auf seinen „alten“ Sound (beziehungsweise den von Judas Priest), und klingt dementsprechend „true“ und schön heavy. Die Produktionsqualität ist enorm, wie auch die Gesamteistung aller Beteiligten (Halford als Sänger – genial, sowie natürlich die Leute hinter den Instrumenten), weiterhin ist das Album besonders in der Remastered-Edition randvoll bepackt mit Heavy Metal-Brechern allererster Güteklasse. Man bekommt also entsprechend etwas für das investierte Geld. Etwas schade scheint nur, dass auf dem Album generell etwas zu wenig Abwechslung herrscht, viele Stücke sich einander stark ähneln, und wahrliche Über-Hymnen a’la Silent Scream oder The Last Survivor in der Minderheit bleiben. Dennoch, dieses Album kann man jedem Metaller (ja, auch denen, die sonst in anderen Subgenres unterwegs sind) ans Herz legen. Hier wird ein Stück Musikgeschichte geschrieben – zwar in einer weniger epischen Manier, aber dafür in einer schnörkelos-klaren, kräftig-einprägsamen.

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Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: HALFORD – Resurrection Remastered (2006)

  1. Hehe…du hast die etwas härtere Station mit „Fight“ noch vergessen (Rob war angetan von Pantera).
    „Silent Screams“ ist ein genialer Titel…mir gefällt der klagende Text sehr gut. Rob Halford (Sabbath-Fan und mit Ozzy gut befreundet) ist damals u.a. auch deswegen eingesprungen, weil Dio nicht mit Sabbath auf diversen Gigs von Ozzy Osbourne ein Teil der VORband bilden wollte. Die beiden verbindete ein ewiger Zwist, was aber auch an Dio’s exzentrischer Persönlichkeit gelegen haben mochte.^^ Innerhalb Sabbath hat es allgemein ständig gekriselt, ich glaube das ist typisch für Musiker. Aber auch Ozzy hat Dio’s tot scheinbar bedauert. Das Bild am Beitragsende von Rob erinnert irgendwie auch stark an Osbourne, tausch die Köpfe aus und du siehst keinen Unterschied. ^^

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