Metal-CD-Review: ALESTORM – Back Through Time (2011)

Land: Schottland – Genre: Symphonic Pirate / Power Metal

Back Through Time
Shipwrecked
The Sunk’n Norwegian
Midget Saw
Buckfast Powersmash
Scraping The Barrel
Rum
Swashbuckled
Rumpelkombo
Barret’s Privateers
Death Throes Of The Terrorsquid

Kritik / Songreviews: Oha, es war ja schon im Vorfeld klar, dass Alestorm wieder einmal ein äusserst treibendes, Laune-machendes Werk abliefern würden. Doch dieses Mal scheinen die Jungs noch ein wenig kräftiger zu agieren, und das was sie da machen wahrlich zu feiern (ob nun mit oder ohne Rum). Der Opener Back Through Time fungiert also als richtungsweisend: was noch vergleichsweise still beginnt und für einige wenige Sekunden an ein Hörspiel erinnert, mündet schnell in einem Trommelfeuer seitens des Schlagzeugs und der Gitarren; später kommen dann weitere Stilelemente hinzu. So auch die geliebten, „typisch schottischen“ und damit deutlich folkigeren Klänge – das Konzept geht voll auf, wenngleich dieser Opener vielleicht schon etwas zu wild daherkommt. Eins ist klar: wer nicht auf eine gewisse Portion „Krach“ steht, der ist mit einem Alestorm-Album deutlich falsch beraten ! Für alle anderen gibt es allerlei fetzige Piratenstories mit passender Instrumentalisierung und vielen weiteren Alestorm-typischen Aspekten. Diese Schottenjungens machen alles – nur keine steril wirkende Musik. Man kann sich irgendwie gar nicht so Recht vorstellen, dass das Album in einem Studio (wie ordinär für echte Piraten) aufgenommen wurde. Sinnbildlich rücken einem jedenfalls ganz andere Bilder vor das geistige Auge ! Aber so war es ja auch beabsichtigt… (8/10). Knapp 3-einhalb Minuten dauert der zweite Titel des Albums, Shipwrecked. Wenn man das Teil so im Kontext hört, wird schnell klar warum gerade dieser Titel als Videoauskopplung gewählt wurde. Es ist einfach die Piratenhymne – nicht ganz so wild (aber immer noch schön dreckig), mit einer etwas klareren Struktur, und ausnahmslos gut verständlichen Lyrics. Genial: der Tempo-Anstieg kurz vor dem Refrain, und der eben genannte selbst: das Ganze macht einfach Laune, und animiert zum Mitsingen. Sehr schön auch, dass man sich bei einem vergleichsweise kurzem Titel wie diesem die Zeit genommen hat eine kurze Instrumentalpassage einzubauen, in der ein Großteil der „schweren“ Instrumente kurz ruht. Dann geht es zurück in den Refrain, und zum enorm treibenden Rhythmus… Pirate Metal Forever ! Noch besser kommt es natürlich mit dem äusserst genialen Video – welches zwar grundsätzlich witzig ist, aber im Gegensatz zu vielen anderen „Gag-Videos“ von großen Bands niemals lächerlich wirkt. Aber auch der Track allein zündet vollends… (10/10).

Können Alestorm eigentlich auch mal etwas… ruhigere Töne anschlagen ? In der Tat, ds sieht man beim folgenden The Sunk’n Norwegian. Wobei ruhig natürlich nicht gleich Ballade heisst – beileibe, wo kämen wir da hin… aber dennoch fällt das Tempo (trotz Doublebass) eher gemäßigt aus, wirkliche Kraft- oder Tempoausbrüche gibt es (ausnahmsweise) mal nicht, der Refrain wirkt klar und stimmig; die Instrumente wechseln sich gleichberechtigt ab. Keine Hymne, aber immer noch großartiger Piraten-Stoff (8/10). Midget Saw geht dann schon wieder deutlich stärker nach vorn, wenn man so will – dieser Titel erinnert ein wenig an Shipwrecked, kommt aber noch ein wenig abwechslungsreicher daher – eine weitere Uptempo-Hymne (9/10) ! Atempausen werden dem Hörer nicht vergönnt… mit Buckfast Powersmash folgt auch schon die nächste Uptempo-Nummer voller folkig angehauchter Elemente und einem typisch… witzigen, nicht ganz ernstzunehmenden Text. Wer (Metal-)Musik zum Feiern und Pogen (und Trinken…) sucht, der ist hier abermals richtig beraten. Gut, die Textpassagen wirken einstweilen etwas merkwürdig, der Refrain haut dann wieder einfach nur drauf – dennoch ein gefundenes Fressen, nicht nur für Fans (8/10). Aber irgendwann muss man eben auch mal wieder entspannen können (beziehungsweise ausnüchtern), dies gelingt dann recht gut (und textlich passend) mit Scraping The Barrel. Mal etwas ruhiger (fast schon untypisch für Alestorm-Verhältnisse !), aber immer noch ein dickes Brett (8/10). Und was wäre dieses Album ohne einen echten, expliziten Lobgesang auf ein spezielles Getränk… den Rum ? Gut, ganz so kultig wie beispielsweise Equilibriums Met kommt Rum dann auch nicht daher (nur im Vergleich aufgrund der Refrains, die beide mit nur einem Wort auskommen), dafür aber mit einem angenehmen Piraten-Touch (6/10).

Nun, es ist schwer, ein explizites „Piratenalbum“ zu kreieren, ohne dass dabei nicht zumindest ein Titel wie ein besserer Lückenfüller klingt. So ein Gefühl könnte sich bei Swashbuckled einstellen – wirklich neues wird hier nicht mehr geboten, das Teil wirkt eher wie ein (lauwarmer) Zusammenschnitt aller vorhergegangen Titel (5/10). Es wäre wohl unfair, das folgende Rumpelkombo wie einen „echten“ Track zu behandeln – denn hier handelt es sich noch nicht einmal um ein Interlude in dem Sinne. Selbst hören, es dauert allerdings nur 6 (!) Sekunden, und fällt damit aus der Wertung heraus. Dann geht es frohen Mutes und in der Hoffnung auf ein wenig Abwechslung an Barret’s Privateers – und, tatsächlich – man wird nicht enttäuscht. Hier handelt es sich um einen gänzlich anders klingenden, noch deutlicheren Schunkel-Track mit entsprechendem Schunkel-Gesang und vermehrt auch Chorpassagen, wobei dieser Begriff eigentlich nicht auf Alestorm anzuwenden ist. Sprechen wir lieber von grölenden Männern als Vocal-Backup… aber dennoch, hiervon könnte man sich ein weiteres Video a’la Shipwrecked nur bestens vorstellen. Hier herrscht erstmals wieder ein waschechtes Piraten-Feeling, ein überaus vergnügsam-fröhliches noch dazu. Und, ein Gitarrensolo gibt es noch obendrauf – Top (10/10). Death Throes Of The Terrorsquid schließt das Album gar episch ab – eine weitere musikalische Seite von Alestorm, die zu überzeugen weiss. Hier wechseln sich die verschiedenen Stimmungen markant ab (so düster wie hier wird es in keinem anderen Track), das Ganze hat merkliche Soundtrack-Qualitäten und ist einer der ernstzunehmenden Titel des Albums. Endlich darf auch der Leadsänger mal etwas von seinem bisherigen an den Tag gelegten Stil abweichen – das sorgt für eine gelungene Abwechslung und ein großes Hörvergnügen. Gerade diese Seite der Band weiss gnadenlos zu überzeugen (10/10).

Fazit: Beim neusten Output der schottischen Pirate-Metaller handelt es sich zweifelsohne um ein überdurchschnittliches, zumeist äusserst Laune machendes Album – und auch wenn es beinahe ausschließlich um recht… triviale Dinge geht; erfüllt es seinen Zweck. Es vermag gut zu unterhalten, und bewegt sich dabei auf einem hohen musikalischen Niveau. So schön und versiert vermag kaum eine andere Band waschechten „Piratensound“ zu präsentieren, das steht fest. Der Gesang bleibt Geschmackssache, Abwechslung gibt es zumeist nur in Form der Instrumentalisierungen – die mal deutlich folkiger, mal deutlich ruhig-epischer, und mal eben gnadenlos schnell-brachial daherkommen. Aber dann gibt es da noch eine Seite an Alestorm, die beinahe unterzugehen scheint, da es sich um den letzten Track handelt – ja, was ist das ? Etwa nur eine Art Experiment, ein Ausflug in etwas ernstere, härtere Gefilde ? Man muss sich aber eingestehen, dass gerade dieser Track eine weitere potentiell interessante Seite an Alestorm aufzeigt. Ein ganzes Album, in diesem (epischen) Stil gehalten, wer könnte etwas dagegen sagen ? Dann aber müsste man eine leichte Genreumschreibung vornehmen, von einem True Folk Pirate Power Metal (ungefähr) hin zu einem Epic Fantasy Pirate Metal (vielleicht). Der wäre dann grundsätzlich ernst und würde von epischen Piratengeschichten und -Kämpfen erzählen… vielleicht auf dem nächsten Album, wenn der Rausch ausgeschlafen ist ?

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s