Metal-CD-Review: HAGGARD – Tales Of Ithiria (2008)

Land: Deutschland – Genre: Symphonic Progressive Gothic / Black Metal

1. The Origin 1:57
2. Tales of Ithiria 8:07
3. From Deep Within 0:26
4. Upon Fallen Autumn Leaves 6:38
5. In des Königs Hallen 2:05
6. La Terra Santa 4:56
7. Vor dem Sturme 0:36
8. The Sleeping Child 6:12
9. Hijo De La Luna 4:21
10. On These Endless Fields 1:04
11. The Hidden Sign 6:25

Von Rittern und musikalischen Experimenten.

Info: Das bis dato (Juni 2011) aktuellste Studio-Album der deutschen Bandcombo Haggard hört auf den episch anmutenden Namen Tales Of Ithiria, und entführt den Hörer in ein eigens erdachtes Fantasiereich. Es ist also ein wenig anders als auf den bisherigen Alben, wo sich die Band um kreativ-Kopf Asis Nasseri ausschließlich in historisch-konkreten Gefilden bewegte – wie beim letzten Album Eppur Si Muove (Galileo Galilei). Die Fans mussten relativ lange auf den Nachfolger warten – offenbar ließ man sich ordentlich Zeit bei der Produktion. Die Frage ist also, ob sich das Warten auch gelohnt hat, oder vielmehr im speziellen: ob sich Haggard musikalisch weiterentwickelt haben, etwas neues bieten; ob sie ihre höchst eigentümliche Art des Musik-Machens noch weiter perfektionieren konnten. Und, ob sie vielleicht dieses Mal mit einer etwas ausführlicheren Gesamtspieldauer aufwarten…

Kritik: Doch leider wird man schnell feststellen, dass dem nicht so ist. Die Spielzeit fällt mit gerade einmal 43 Minuten abermals etwas knapp aus, ganz besonders; wenn man die Haggard-typischen Intros, Interludien, und diesmal sogar eine Coverversion eines Klassikers gedanklich davon abziehen würde. Es bleiben eben nur eine handvoll „echte“ Songs – was es der Band sicherlich etwas erschwert, gerade bei den Kritikern zu landen. Denn: hier muss wirklich jeder Song sitzen beziehungsweise eine kompositorisch wertvolle Granate sein – Lückenfüller oder Fehltritte könnten das Ganze schnell in einem Desaster enden lassen. Doch man sollte es ruhig angehen lassen – wie auch das Intro des Albums, The Origin. Und, was für eine Überraschung: der Sprecher Mike Terrana sorgt für einiges an Gänsehaut-Stimmung. Auch die Produktionsqualität überzeugt sofort, man wird wohl selten so ein klares, bassiges, episches (Erzähl-)Intro gehört. Die Aussprache des mystischen Einführungs-Textes ist wahrlich einzigartig und genial: es klingt einfach super, wenn Terran loslegt und von Dingen wie women and children, only armed with axes, torches and pitchforks erzählt. Im Hintergrund ist eine Soundtrack-ähnliche Komposition zu hören, die perfekt zu einem epischen Mystery-Fantasy-Abenteuerfilm passen würde (9/10).

Es folgt ein epischer Übergang zum Titeltrack Tales Of Ithiria – und die ersten klassischen Aspekte sind zu hören. Zuerst sind es nur die Sänger, dann setzt die klassische Instrumentalisierung ein. Abermals sind die von Haggard stets so versiert eingespielten Streicher, Flöten und zupfenden Gitarren zu hören. Es folgt eine Gesangspassage – abwechselnd im gemäßigten und im „brutalen“ Death-Metal Stil – und langsam beginnt sich die Instrumentalisierung zu entfalten. Hier findet das übliche Haggard-Wechselspiel beziehungsweise Stelldichein der verschiedenen Stilrichtungen satt: mal verträumt-schön, mal ruhig, mal kräftig… mal Metal-lastig, mal klassisch, mal ein reiner Soundtrack. Und zwischendurch darf auch mal auf deutsch gegrowlt werden.

Doch es machen sich auch erste Zweifel breit: während die Qualität im Intro noch stimmte, scheint es, als hätte der Sound von Haggard noch immer ein gewichtiges Problem: nämlich immer dann, wenn die Metal-Elemente (Gitarren, Drums, Growls) stärker in den Vordergrund rücken. Dann klingen Haggard einfach viel zu dumpf, flach; und wenn man ganz schlecht drauf ist einfach eher mies. Gut, ganz so wild ist es dann auch wieder nicht; und Fans werden kaum enttäuscht sein – doch wenn man bedenkt, dass es sich hier bereits um das vierte Album handelt (und ähnliches bei früheren Alben des öfteren bemängelt wurde), so ist es doch etwas schade dass man sich diese Kritik nicht zu Herzen genommen hat. Und auch in Sachen Innovation gibt es nicht allzu viel neues zu vermelden: wirklich anders als die älteren Haggard-Alben klingt dieses neue Werk dann nun auch wieder nicht (5/10). Also, besinnen wir uns auf die Stärken der Band, die nicht-Metal-Aspekte: so zu hören auch im arg kurzen Interludium From Deep Within, wieder mit dem basslastigen Sprecher. Und wieder: welch ein Unterschied zum vorangegangen Titel ! (8/10).

Es folgt ein weiterer der „echten“ Tracks, Upon Fallen Autumn Leaves. Hier fallen die Metalparts schon wesentlich ausführlicher aus, doch noch immer stört der qualitative Gesamteindruck, gerade wenn die Growls und Gitarren so stark fokussiert werden. Da müsste eigentlich mehr drin sein… und auch ein weiterer Aspekt, der sich bisher auf allen Haggard-Alben niederschlug, erfährt keine Änderung: die Abwechslung ! Abermals fällt das Album enorm düster aus, man müsste schon viel eher von einer Gothic-Stilrichtung sprechen – gerade wenn Damen zu den schroffen Riffs singen. Glücklicherweise gibt es wieder einige interessante Elemente wie markante Streicher, die den Track vor dem Absturz retten (5/10). In Des Königs Hallen ist ein rein instrumentaler Track, der zu den Streichern noch einige Bläser hinzuzieht. Ja, bei so eine mTitel schafft es die Band dann plötzlich doch, verschiedene Stimmungen hervorzuzaubern – das Ganze klingt verträumt, leicht mysteriös, und einstweilen sogar recht fröhlich – eine willkommene Abwechslung zu den düsteren Gothic-Tracks (7/10). La Terra Santa beginnt wieder wunderbar klassisch-experimentell, und, sehr gut: mit gemäßigtem Gesang. Das klingt einfach deutlicher besser als die eher mäßigen Growls, auch wenn der Sound dann einstweilen ein wenig an den von Ayreon erinnert. Später vertieft man sich dann wieder in heftige Stilwechsel, das gelingt zwar, aber der Eindruck etwas wirklich „neues“ zu hören will einfach nicht aufkommen (6/10). Vor Dem Sturme klingt wie eine typische Titelbezeichnung der Band Equilibrium, doch abermals kommt hier der Erzähler (kurz) zu Worte. Sehr kurz – hier muss man sich die Frage stellen, ob Interludien wie diese hier es wirklich „wert“ sind einen einzelnen Titelplatz zu erhalten. Grundsätzlich ja – aber was ist, wenn es davon bereits 1 oder 2 gab ? (4/10). The Sleeping Child ist grundsätzlich als Highlight des Albums zu bezeichnen, keine Frage. Das Stück klingt sehr episch, orchestral, und hinterlässt einen guten Eindruck. Wenn nur die Qualität der Metalproduktion nicht so mäßig wäre… ja dann wäre die Attributierung als musikalisches Meisterwerk gewiss (9/10). Mit einem Coversong von Hijo De Luna folgt dann wieder keines der Highlights des Albums – zum einen passt es nicht ganz zum restlichen innovativen Konzept, und zum anderen handelt es sich schlicht um keine besonders atemberaubende Interpretation des Songs – im Gegenteil (2/10). On These Endless Fields ist ein weiteres Interludium, abermals im gleichen Stile wie die drei zuvor – nichts neues also (3/10). Bleibt nur noch The Hidden Sign, welches das Album gewohnt versiert, aber doch ein wenig unspektakulär abschließt (5/10).

Fazit: Allzu viel neues sollte man auf dieser Haggard-Scheibe nicht erwarten – Fans hingegen werden höchstwahrscheinlich glücklich werden. Die klassischen Parts sind hochqualitativ und gekonnt präsentiert – wie eh und je – die Metal-Parts aber lassen noch immer einiges an Qualität vermissen. Das wäre vielleicht nicht so tragisch wenn es sich um eines der ersten Alben handeln würde (das war es auch nicht, siehe Reviews) – aber beim nunmehr vierten Langspieler der Band… Stichwort Langspieler: viel geboten (rein vom Umfang her) bekommt auch auf dieser CD nicht, zumal ein eigentlich völlig überflüssiger Coversong mit dabei ist. Das Intro wirkt noch überaus nett und episch, und wartet mit einem markanten Erzähler auf – doch dieses Phänomen wird leider merklich ausgenutzt, weshalb die drei späteren Interludien allesamt ähnlich klingen. Keine wirkliche Empfehlung – Haggard müssen noch einiges tun, wenn sie an die Erfolge ihrer bisherigen Alben anknüpfen möchten. Und genau diesen werde ich nun auch lieber lauschen, genauer gesagt Eppur Si Muove – denn besagtes Album war einfach noch ein (deutliches !) stückweit innovativer und frischer. Und, bietet noch markantere Klassik-Parts sowie flotte Instrumentalisierungen. It is of a might divine… ! Eben das trifft leider nicht wirklich auf dieses neueste Album der Band zu.

55button

„Nicht mehr so berauschend wie die Vorgänger.“

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