Metal-CD-Review: HAGGARD – Awaking The Centuries (2000)

Land: Deutschland – Stil: Epic Symphonic Black Metal

INTRO:
Rachmaninov: Choir (00:38)
Pestilencia (01:54)
CHAPTER I:
Heavenly Damnation (02:59)
CHAPTER II:
The Final Victory (03:35)
Saltorella La Manuelina (00:57)
CHAPTER III:
Awaking The Centuries (09:34)
Statement zur Lage der Musica (01:19)
CHAPTER IV:
In A Fullmoon Procession (05:18)
Menuett (01:19)
CHAPTER V:
(Part I) Prophecy Fulfilled (06:23)
(Part II) And The Dark Night Entered
Courante (01:10)
Rachmaninov: Choir (02:34)

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Wirklich ein (musikalisches) Jahrhundert-Erwachen ?

Info: Mit Awaking The Centuries liefert die ungewöhnliche Bandcombo Haggard ihr nunmehr drittes Studioalbum ab. Während vor allem die ersten beiden Alben für ein völlig neuartiges, innovatives und unterhaltsames Klangerlebnis sorgen konnten, hatte sich im Jahre 2000 bereits eine gewisse Fanbase etablieren können. Was der Band nur zugute kam – schließlich gibt es Haggard bereits seit 1989, doch das erste etwas „populärere“ Werk war eben ihr Debütalbum, welches erst 1997 folgte. Auch dieses Mal soll wieder auf höchstem musikalischen Niveau Unterhaltung geboten werden, getreu dem Credo: die Mitglieder von Haggard machen alles – nur keine gewöhnliche Musik.

Kritik: Genau das wird auch dieses Mal wieder ziemlich schnell klar, sorgen zwei klassische Stücke für den Auftakt des Albums. Bereits das sehr kurze Rachmaninov: Choir kann für eine wohlige Gänsehaut und eine gewisse andächtige Stimmung sorgen, man kann einfach nicht anders als gespannt auf die folgenden Titel zu sein (9/10). Der zweite Teil des Intros folgt mit Pestilencia, ebenfalls einem klassischen Stück, welches mit einigen markanten Paukenschlägen und Flötentönen eingespielt wurde. Es klingt – passend zum Album – wie ein Auftakt zu einer epischen Reise, bei der man noch nicht genau weiß, was einen erwarten würde. In der zweiten Hälfte sorgen einige französische Sprachpassagen für zusätzliche Aufhorchen – was ist hier eigentlich los ? All dies gelingt Haggard wunderbar – nur die lateinischen Passagen wirken doch merklich gestelzt und wenig nach dem zuvor etablierten Hörspiel-Charakter (7/10). Doch dann folgt der erste Full-length-Titel des Albums, Heavenly Damnation. Deutlich wird, dass sich die Band in Sachen Produktionsqualität gesteigert hat – die klassischen Parts wirken versiert und erhaben wie eh und je – die Metal-Elemente nun nicht mehr ganz so künstlich-blechern wie stellenweise noch zuvor. Doch ganz hat man diesen Eindruck nicht abschaffen können: es besteht immer noch eine merkliche Divergenz zwischen den wunderbar klaren Klassikparts voller Streicher, Blasmusik und Chorgesängen – und den „härteren“ Metal-Elementen auf der anderen Seite. So ganz wollen diese beiden gänzlich verschiedenen Richtung hier einfach nicht fusionieren – wohl von der Grundkomposition und dem innovativen Konzept her, aber nicht im Endergebnis. Dennoch, ein lohnenswertes Stück Musik (7/10).

Nach gerade einmal drei Titeln folgt bereits ein The Final Victory… ? Doch tatsächlich klingt gerade dieses Stück wunderbar stimmig. Ein Erzähler sorgt für den Fortgang der Geschichte, dann setzt ein apokalyptisch-guter Chor ein, begleitet von markanten Streichern. Growls kommen erst nur selten, später dann in einer ausführlicheren Passage zum Einsatz, sodass in Anbetracht der verschiedenen Stilrichtungen ein wahrlich aufregender Gesamteindruck entsteht. Hier wirkt die Produktionsqualität auch durchgängig gut – es gibt nichts zu meckern (10/10). Das folgende Saltorella La Manuelina kann wieder als Klassik-Interludium gewertet werden – ein durchaus versiertes, vielleicht nur etwas zu dumpf klingendes (8/10). Mit Awaking The Centuries folgt nun der Titeltrack des Albums, der mit einer satten Spieldauer von 9einhalb Minuten daherkommt. Hier finden sich erstmals wieder die gesamte (!) Bandbreite der Band wieder: rein instrumentelle Openings (welches hier sogar leicht fröhlich wirkt – selten bei Haggard), eine unglaubliche Instrumentenvielfalt (mit entsprechend Soli-Parts von Streichern oder Gitarren), mal rauer Growl-Gesang, mal epische Chöre (8/10). Das Statement zur Lage der Musica kennt man irgendwoher – in der Tat, hier wirkt der Sprecher allerdings außergewöhnlich gut. Lediglich der Sinn des Einbringens dieses Stückes erscheint ein wenig fraglich, aber so sorgt es wenigstens für ein wenig (positivere) Stimmung (9/10). In A Fullmoon Procession klingt schon vom Titel her ein wenig lamentierend, und das ist es auch inhaltlich: schwermütig getragen werden hier emotionaler Tasten- und Streichertöne mit weiblichem Gesang kombiniert, später noch zusätzlich untermalt von einem erhabenen Chor. Hier stört der leichte Growl-Part aber eher als dass es wirkt; und erscheint abermals eher schwach produziert und eingespielt (6/10). Das folgende Menuett weiss wieder zu überzeugen, kann sich aber auch nicht sonderlich aus den bisherigen klassischen Stücken hervorheben (7/10).

Vielleicht erfüllt sich die Prophezeiungen ja mit Prophecy Fulfilled ? Doch auch hier wird leider nicht viel neues geboten, das Stück dümpelt im Midtempo-Bereich vor sich hin, die Growls wirken abermals eher störend als der Gesamtwirkung zuträglich; überhaupt wird deutlich, dass sie noch ein deutliches Stück zu dumpf abgemischt klingen, merklich sobald die kalren Streicher einsetzen (6/10). Courante ist ein weiteres klassisches Interludium, allerdings ein eher getragenes, wenig spektakuläres (5/10). Der gleiche Chor wie aus dem Intro darf das Album nun abschließen – allerdings in einer etwas ausführlicheren Version (9/10).

Fazit: Fans von Haggard werden nichts zu bemängeln haben, Nicht-Kennern der Band könnte dieses Album als guter Einstieg in die Diskografie dienen. Doch noch immer wirken die Metal-Parts nicht gleichberechtigt den klassischen (qualitativ weitaus hochwertigeren) gegenüber, mit den verschiedenen Stimmungen wird noch nicht ausreichend gespielt, der Gesamteindruck ist merklich düster. Dafür gibt es aber ein klares Highlight: das epische The Final Victory.


„Macht Spaß, aber die Abmischung könnte nach wie vor besser sein.“

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: HAGGARD – Awaking The Centuries (2000)

  1. Juten Tach, die Alben von Haggard sind immer Bewertung 7,5 wollt ich glatt schreiben, aber hab noch mal geschaut doch nicht, na ja bis denne, viel spaß auf arbeit.

    tschööö!!!!

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    1. Ja, nur knapp^^

      Beim ersten Album war die Produktionsqualität doch noch etwas schlechter… unter anderem deshalb gibt es wohl auch eine „Remastered“ Version. Doch die lohnt nicht wirklich, wenn man bereits das erste Album besitzt; die Unterschiede seien wohl nur minimal (wie man es anderswo liest). Aber ein Album kommt ja noch, vielleicht mir mehr als 7.5 !? 😉

      Ach ja, Arbeiten macht mir keinen Spaß (mehr), aber trotzdem Danke für die Wünsche. Ich glaube, ich trete doch der APPD bei… lölz.

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