Metal-CD-Review: FALCONER – Armod (2011)

Land: Schweden – Stil: Melodic Folk / Power Metal

01. Svarta Änkan
02. Dimmornas Drottning
03. Griftefrid
04. O, Tysta Ensamhet
05. Vid Rosornas Grav
06. Grimborg
07. Herr Peder Och Hans Syster
08. Eklundapolskan
09. Grimasch Om Morgonen
10. Fru Silfver
11. Gammal Fäbodpsalm

Bonus-Tracks (beim Kauf auf die richtige Version achten):

12. Black Widow
13. Grimborg
14. By the Rose’s Grave
15. O, Silent Solitude

Infos / Allgemeines: Falconer gehören wohl bereits seit ihrem Debütalbum Falconer von 2001 (unter anderem mit dem Brecher Mindtraveller) zu einem echten Geheimtipp, was die Vertreter der Stilrichtung eines Melodic Power Metal angeht. Das besondere Erkennungszeichen der Band sind aber immer wieder die merklich folkigen, traditionellen Einflüsse; welche sie zu einer beinahe doch unvergleichlichen Band machen. Zudem sorgt Leadsänger und Gründungsmitglied Mathias Blad (der zwischenzeitlich von Kristoffer Göbel abgelöst worden war) für einen enorm angenehmen Gesang, der sowohl die flotten Uptempo-Kracher als auch die eher ruhigen Balladen stimmig zu untermalen weiss. Es ist also mehr als gut dass die Band den Sänger wieder mit an Bord geholt hat – denn gerade die mittleren Alben der Diskografie konnten nicht so restlos überzeugen wie das Debüt oder die späteren (unter anderem Northwind, 2006). Nun also veröffentlicht die Band ihr mittlerweile achtes Studioalbum – welches komplett in ihrer Muttersprache eingesungen wurde, schwedisch. Eine durchaus interessante, aber auch zwiespältig zu betrachtende Angelegenheit: für Kenner der Sprache sicherlich eine Art besonderes Geschenk, könnten sich internationale Fans an den Sprachbarrieren stören. Immerhin lieferte man für die 4 Bonustracks mit, die von Blad nochmals auf englisch vertont wurden.

Kritik / Songreviews: Ja, irgendetwas ist anders als sonst… während es schon früher schwedische Songs als abwechslungsreiche Zugaben gab, soll es nun also ein komplettes Album in einer mir (und sicher vielen anderen) unverständlichen Sprache sein. Doch glücklicherweise scheinen sich Falconer ansonsten treu geblieben zu sein: so fällt bereits der Opener Svarta Änkan recht flott und eingängig aus. An die erst fremd klingende Sprache gewöhnt man sich schneller als gedacht, und auch wenn man nur mithilfe von übersetzten Lyrics aus den Weiten des Internets (dann aber auch nur ungefähr) verstehen kann von was die Jungs da singen, erhält man doch einen überraschend leichten Zugang zum neuen Werk Armod. Dieser Opener klingt gar so gut und frisch, dass er wohl auch eigens von der Band ausgewählt wurde, als in englisch eingesungener Bonustrack auf der CD zu fungieren. Und, hört man diese beiden Versionen des Titels direkt hintereinander, braucht man sicherlich einen Moment um sich auf das „plötzliche englisch“ einzustellen. In jedem Fall gibt es keine qualitativen Unterschiede – Mathias Blad zeigt einmal mehr auf, dass es keine Rolle spielt in welcher Sprache er die Texte vorträgt. Aber schließlich hat er auch eine entsprechende Ausbildung genossen, und singt sonst in Musicals… besonders markant sind hier die vergleichsweise harten Riffs, sowie die dargebotene Abwechslung. Gegen Mitte des Titels rückt der Folk-Einfluss mehr in den Vordergrund, gefolgt von genialen überleitenden Gitarrensoli; um dann doch wieder in einem recht flotten Power Metal-Finale zu münden. Da beide Versionen ihre Vorteile haben – in schwedisch klingt das Ganze fast noch ein stückweit besser, dafür ist das Verständnis bei der englischen eher gegeben – jeweils 10/10 Punkten.

Das folgende Dimmornas Drottning ist ein eher ruhiger Midtempo-Titel, der schon deutlicher in Richtung Folk geht.  Dafür sorgen die verwendeten Instrumente, der sehr volkstümlich anmutende, wohlklingende Gesang (der ein wenig nach Lagerfeuer-Musik klingt) sowie der etwas dezentere Einsatz des Schlagzeuges. Dennoch gibt es einen nicht unerheblichen Metal-Anteil, der durch die nach wie vor harten Riffs und ein nettes Solo beschrieben wird. Und gegen Ende gibt es dann tatsächlich noch einmal einen nicht unüberhörbaren Doublebass-Einsatz – Abwechslung ist also definitiv geboten, und das auf höchstem musikalischem Niveau – 8/10 Punkten. Stichwort Abwechslung: Griftefrid startet richtig kräftig-aggressiv, und bombardiert den Hörer mit druckvollen Doublebass-Attacken und ein wenig Choreinsatz. Dieser Eindruck bleibt über den gesamten Titel bestehen – auch in den Gesangspassagen gibt es kaum Tempo-Abstriche. Und wieder folgt ein sehr ansprechendes Gitarrensolo – es scheint, als wäre dies nunmehr Pflicht in einem jeden Falconer-Titel. Das sollte natürlich vor allem diejenigen freuen, die die eher „metallische“ Seite an Falconer schätzen – doch selbst wer folkige Anleihen gegenüber nicht sehr aufgeschlossen dasteht, sollte bei Armod keine Probleme haben. Schließlich vermögen es die Jungs von Falconer, verschiedene Genres zu einem großen Ganzen zu verknüpfen, ohne dass dabei eine Seite zu kurz kommt. Eben deshalb folgt nach diesem Kracher wieder ein deutlich balladeskeres Stück, O, Tysta Ensamhet. Wer mag, darf es sich auch auf englisch zu Gemüte führen – O, Silent Solitude ist einer der Bonustracks. Es beginnt noch sehr ruhig uns musikalisch-minimalistisch; doch gegen Mitte setzen wieder die Gitarren und das Schlagzeug ein – um abermals in einem besinnlichen Finale zu münden. Tatsächlich klingt in diesem Fall die englische Version einen kleinen Tick besser als die schwedische. Es klingt einfach wunderbar wenn Blad seine Musicalstimme hervorholt (bei diesem Titel mehr als deutlich spürbar) und zur netten Melodie dieses Stückes singt. Für die schwedische Version 9/10, für die englische 10/10 – wenngleich hier klar die folkige Seite von Falconer dominiert.

Was folgt nach dieser Art von Ballade – richtig, eine nette Uptempo-Nummer namens Rosornas Grav. Auch von diesem Titel ist eine englischsprachige Version mit Namen By The Rose´s Grave als Bonus vorhanden. Hier dominieren ein sehr folkiger, melodiöser Refrain sowie ein genereller Soft-Pagan-Eindruck, der stellenweise gar ein wenig an das Schaffen von Timeless Miracle erinnert. Das Ganze geht entsprechend nach vorne und rockt einfach, und der Refrain ist schön catchy – 9/10 für die schwedische Version, 10/10 für die englische Variante (nun, es ist meist immer ein stückweit vorteilhafter wenn man alles versteht). Das gilt auch für das folgende Grimborg, welches im englischen genauso betitelt ist. Leider (je nachdem) ist dies auch schon der letzte Bonustrack – alle noch kommenden Songs kann man also ausschließlich in der Muttersprache der Jungs genießen. Mit knappen 3-ein-halb Minuten ist dies einer der kürzeren Tracks, der dennoch mit einem recht ausführlichen Soli- beziehungsweise Instrumentalpart daherkommt. Dies war es dann aber auch schon mit den Besonderheiten – ansonsten dümpelt der Track eher vor sich hin, stets im Midtempo-Bereich und ohne weitere nennenswerten Höhen oder Tiefen. 6/10 für die schwedische Version, 7/10 für die englische. Es folgt Herr Peder Och Hans Syster, ein weiterer folkig-traditionell anmutender Titel, der zudem mit einem sehr kurzen weiblichen Gesangspart daherkommt. Schade eigentlich – eine Art Duett hätte diesem Titel (und der Abwechslung) sicherlich gut getan. Die Riffs sind abermals kräftig und schrammen anmutig im Hintergrund, jedoch könnte man behaupten, dass diese Stücke die eher wenig spektakulären sind wenn es um das Schaffen von Falconer geht – solche, die deutliche Folk-Anteile (eher bezogen auf den Gesang) aber ebenso starke Metal-Anteile haben und sich im Midtempo-Bereich bewegen. Vielleicht ist es nur eine Geschmacksfrage, doch am spannendsten, innovativsten und schlicht stilsichersten erscheinen doch eher die Uptempo-Kracher oder die expliziten Folk-Balladen (die dann als Ganzes ruhig und verträumt wirken). Doch in diesem Fall weiss man nicht so Recht woran man ist, zudem hat gerade dieser Titel eine recht längliche Spieldauer von über 7 Minuten, und bietet in Anbetracht dessen einfach zu 3wenig Abwechslung – 5/10.

Da schickt sich das folgende Eklundapolskan wieder an, es besser zu machen – ein markanter, folkig-klassischer Einstieg sorgt mit den bald einsetzenden Metal-Elementen für eine angenehme Gänsehaut. Bei diesem Stück von gerade einmal 3 Minuten Laufzeit handelt es sich um eine reine Instrumentalversion – Sprachbarrieren gibt es diesmal also definitiv keine. Das Stück ist nett, mehr dann aber auch nicht – 8/10 Punkten. Grimasch Om Morgonen kommt mit einer ganz ähnlichen Spieldauer daher (sogar noch etwas kürzer), dafür aber wieder mit Gesang. Hier handelt es sich um ein sehr ruhiges Stück, welches aber doch ein wenig an den zweiten Titel des Albums erinnert – im direkten Vergleich dafür aber keine Höhen und Tiefen offeriert. Nichts neues also – wenngleich diejenigen, die die Lyrics verstehen größere Freude mit dieser Ballade haben sollten – 5/10. Dafür ist Fru Silfver wieder definitiv ein Stück für jeden Metaller, wo immer man auch herkommen möge. Plötzlich scheinen alle Sprachbarrieren wieder vergessen, man kann sich einfach wunderbar treiben lassen ob der wunderbaren Melodie und der Instrumenten-Vielfalt. Schade nur, dass wirkliche Brecher-Refrains auf diesem Album auszubleiben scheinen (dies war eher auf den vorherigen Alben der Fall). Als Ersatz dient hier allerdings ein Uptempo-Gitarrensolo, untermalt von einem Laune-machenden Doublebass. So kommt erreicht der Titel dennoch locker die 10/10. Und, zum guten Schluss folgt mit Gammal Fäbodpsalm noch ein einmal ein gänzlich anders-klingender Abschlusssong. Eingeleitet wird das Stück von einer Orgel, darauf folgt eine reine Instrumental-Passage, die relativ langsam gehalten ist. Die Orgel kehrt gegen Ende noch einmal zurück – und lässt den Hörer mit einem durchweg positiven Gefühl zurück. Dennoch, ganz so episch und zeitlos wie es vielleicht gewollt war kommt dieser Finaltrack dann nun auch wieder nicht daher – 6/10.

Fazit: Die neue Falconer-Scheibe ist kein Werk für Jedermann, das stand bereits vor dem ersten Hören fest. Schließlich ist die schwedische Sprache nicht jedem verständlich, und auch nicht für jeden eine wohlklingende. Doch selbst als internationaler Hörer, der sonst nur die englischen Werke von Falconer zu schätzen wusste, kann man sich durchaus auf dieses musikalische Erlebnis einlassen; nein, man sollte es. Denn ansonsten würde man ein insgesamt doch großartiges Werk verpassen, welches sich nicht hinter den anderen Longplayern der Band zu verstecken braucht. Es ist eben nur ein wenig… unkonventioneller, und insgesamt sicher auch etwas ruhiger. Die Folk-Elemente haben in beinahe jedem Titel eine n fest angestammten Platz, wirkliche Über-Refrains a’la Mindtraveller gibt es ebenfalls nicht – doch dafür sorgt die musikalische Abwechslung immer wieder für den ein oder anderen Höhenflug. Besonders die flotten Gitarrensoli und die rein-folkig (und etwas mystisch) klingenden Titel werden wohl jeden schnell packen können. 2 oder 3 Titel wirken leider wie bessere Lückenfüller – doch der Rest bewegt sich konstant auf einem hohen Niveau, wobei man darauf achten muss sich die CD-Version mit den englischen Bonustracks zu holen (beispielsweise hat die amerikanische Version diese nicht). Dann kommt man doch noch in den Genuss des textlichen Verständnisses, für alles andere müssen dann eben ausnahmsweise mal Songtext-Übersetzungen aus dem Internet herhalten (sofern Bedarf).  Wichtig: die folgende Wertung gilt für die Version mit den Bonustracks, die die Gesamtwertung doch noch ein stückweit nach oben ziehen. Weitere Pluspunkte ergeben sich aus der ausführlichen Spieldauer, dem netten Artwork sowie der technischen Perfektion. Eine absolute Empfehlung !

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