Metal-CD-Review: HEROIK – Heart Of Battle (2010)

Land: Kanada – Stil: Symphonic Power Metal

01. Heroism (01:04)
02. From My Latest Fall (05:05)
03. Stormseeker(05:20)
04. Goodbye My Friend (04:25)
05. Heart Of Battle (04:52)
06. Chapter 1: Grief (05:39)
07. We Will Fight (05:07)
08. Lost World (04:20)
09. Wings Of Time (04:36)
10. Until The End (06:15)

Nanu, wen oder was haben wir denn hier ? Bis vor kurzen habe ich noch nichts von der kanadischen Bandformation Heroik gehört. Vielleicht ist das aber auch gar kein allzu großes Wunder: beim ihrem 2010’er Album Heart Of Battle handelt es sich nämlich um ihr Debütwerk. Ich muss gestehen, dass ich mich dieses Mal in erster Linie vom Cover (!) verleiten liess, einer mir unbekannten Band eine Chance zu geben – was auch eher zufällig als geplant geschah. Doch gerade in Anbetracht der fantasievollen Gestaltung musste ich unweigerlich an die mir so lieben Epic Metal-Bands a’la Rhapsody Of Fire und Co. denken – mit dem Unterschied, dass das Album von Heroik möglicherweise etwas… düsterer wäre. Schließlich lässt der Kampf mit den grässlichen (aber genial gezeichneten) Dämonen durchaus darauf schließen, und überhaupt, wann sieht man mal ein (dabei aber ernsthaftes) Cover, welches hauptsächlich vom Farbton Lila dominiert wird ? Wohlan denn, Krieger des Metal…

Das Intro Heroism beginnt also durch die Membranen zu schallen, wobei recht schnell klar wird: man hört hier eine „echte“ Symphonic Power Metal-Scheibe. Entsprechend episch-orchestral ist das Intro auch gehalten – es ist fast schon wieder schade, dass es mit einer guten Minute Spieldauer vergleichsweise kurz ist. Immerhin erfüllt es seinen Zweck – es klingt wie der Auftakt zu einer großen Reise, und macht Lust und Mut, diese auch anzutreten. In welche Richtung das Album letztendlich gehen würde (eher kitschig-fröhlich oder doch eher düster) lässt sich hier allerdings noch nicht erahnen. Kurzum: es ist gut, aber wirklich überragend (gerade im Vergleich zu Intro-Werken anderer Bands aus diesem Genre) dann auch wieder nicht – 7/10. Der Opener folgt mit dem vielversprechenden From My Latest Fall. Und tatsächlich wird hier erstmals die ganze Bandbreite der Band ersichtlich, sowohl was die verschiedenen musikalischen Einflüsse und etablierten Stimmungen innerhalb eines einzelnen Songs angeht. Der Track scheint ein wenig von allem zu bieten – allerdings ohne, dass er dabei klingt wie aus kontextlosen Versatzstücken zusammengeschustert. Das Tempo ist noch vergleichsweise gemäßigt, der Klangeindruck mal deutlich sphärisch (was stellenweise und besonders aufgrund der Samples eher nach einem Cosmic Metal klingt), mal getragen-düster (vor allem in den Gesangspassagen), und mal wird es entsprechend „catchy“ wie eben im Refrain. Die Mischung geht auf – das Ganze wirkt eigenständig und klingt wenig nach Musik aus der Konserve. Und auch der Leadsänger Jordan hinterlässt einen positiven Eindruck, bewegt sich seine Stimme doch auf einen angenehm gemäßigten Level – auf High-Pitched Screams muss also verzichtet werden, was aber (zur Abwechslung) auch mal ganz gut tut. Das einzige was noch fehlt, ist ein gewisser Druck – so richtig kraftvoll will dieser Opener noch nicht daherkommen (ob absichtlich oder nicht) – 7/10.

Doch anscheinend war man bei diesem Album um eine ausgewogene Mischung bemüht – so startet das folgende Stormseeker schon etwas kräftiger und flotter, und der musikalische Aufbau hin zum Refrain gestaltet sich als recht interessant und abwechslungsreich. Viele symphonisch-orchestrale Samples und Passagen sorgen für einen gewissen „erhabenen“ Eindruck, und gerade der Refrain (mit den markanten Höhen und Tiefen) und den dezenten Backgroundvocals kristallisiert sich als echtes Highlight heraus. Ebenfalls nicht zu verachten: der spätere Soli- beziehungsweise Instrumentalpart, der technisch perfekt daherkommt. Der Song macht Laune – und weiss sich mit Leichtigkeit über gängige Genre-Klischees hinwegzusetzen. Aber dennoch, der entscheidende zündende Funke scheint noch zu fehlen – 7/10. Bei Goodbye My Friend mag man aufgrund der ersten Klänge und der Titelbezeichnung zuerst an eine Art Ballade denken – das ist der Titel aber wenn überhaupt nur teilweise. Denn eigentlich lassen nur die Lyrics darauf schließen – die zugrundeliegende Instrumentalisierung wirkt gar noch deutlich schneller als bei den vorherigen Titeln, und auch die Drums und Gitarren scheinen nun erstmals aus dem Vollen zu schöpfen. Hinzu kommen einige markante Synthie-Effekte und kultverdächtige Gitarrensoli – und auch der Refrain wirkt erstmals nicht ganz so verhalten präsentiert (trotz des eher traurigen Textinhaltes). Das Ganze klingt episch, und stark Ohrwurm-verdächtig – 8/10.

Was dem Album bis zur Mitte, an der man mit Heart Of Battle angelangt ist, noch fehlte – war eindeutig eine wahrhafte Hymne. Die gibt es diesmal eben nicht gleich als Opener serviert, sondern im Mittelfeld: hier ist sie ! Immer noch wesentlich düsterer als vergleichbare Stücke aus dem selben Genre, besitzt dieser Titel am ehesten einen deutlich einsteigerfreundlicheren Zugang. Der Sound wirkt hier einerseits luftig-locker, einerseits episch-erhaben – ein satter, gut dosierter Doublebass untermalt das Geschehen, deutlich tiefere Gesangsstimmen wechseln sich mit dem glasklaren Gesang des Leadsängers und den abermals geschickt eingesetzten Backgroundvocals ab –  9/10. Wenn die Vermutungen bereits bei Goodbye My Friend in Richtung einer anzunehmenden Ballade gingen, so ist es beim Chapter I: Grief ganz genau so – doch dieses Mal wird diese Vermutung auch bestätigt. Von einer Befürchtung muss man bei Heroik allerdings nicht sprechen – denn auch dieser deutlich balladeskere Titel weiss zu überzeugen. Das Schlagzeug hält sich dezent im Hintergrund, ebenso wie die Gitarren – bis auf den Refrain, wo satte Riffs den emotionalen Gesamteindruck bravourös zu unterstreichen wissen. Eine Beinahe-Ballade, die jedoch keinesfalls weinerlich oder künstlich daherkommt – dafür sorgt in erster Linie auch der Sänger, der stets die richtigen Momente findet um mit seiner Stimme auch mal ins bodenlos-Tiefe abzugleiten. Dennoch, ein Vergleich mit epischen Balladen a’la Rhapsody Of Fire lässt sich kaum anberaumen – das Ganze geht eher in eine etwas unspektakulärere Richtung und hinterlässt einen nicht ganz so ausgeprägten nachhaltigen Eindruck – 7/10.

Immer diese klischeehaften Titel… muss man wirklich immer in den Kampf ziehen ? Doch letztendlich vermögen es viele Bands immer wieder, den Bezug zu den bestenfalls damit assoziierbaren Gefühlen wie Zusammenhalt, Ehre und Siegesfreude herzustellen. Das We Will Fight von Heroik allerdings scheitert daran – wenn auch auf hohem Niveau. Die Samples wirken einfach ein stückweit zu künstlich und eher gewollt als gekonnt eingefügt, bis auf den Refrain und die recht netten Soli- und Instrumentalpassagen wird dieser Titel wohl eher untergehen als herausstehen – 6/10. Auch Lost World ist einer dieser Titel, die zwar ein enormes Potential mitbringen – das wird deutlich, wenn das Ganze auf den Refrain zusteuert; der letzte (melodiöse) Schliff aber noch zu fehlen scheint. So wirkt auch dieser Titel eher wie ein unspektakulärer Lückenfüller, der weder mit nennenswerten Gesangsleistungen noch einer besonders zeitlosen Instrumentalisierung daherkommt – 6/10. Im vorletzten Track wird man noch einmal geladen, mit den Wings Of Time zu reisen – und bereits der Auftakt sorgt für ein gewisses Gänsehaut-Gefühl. Eine Frauensopran-Stimme führt in diesen Titel, der daraufhin mit einer verspielt-ansprechenden Instrumentaliserung aufwartet. Lediglich die Gesangspassagen wirken immer noch ein wenig leidlich – hier hat man gar das Gefühl, als langweilte sich der Sänger etwas. Der Refrain ist ganz nett und entsprechend auf episch getrimmt, insgesamt wirkt aber alles noch viel zu zurückhaltend (sowohl was den Chor als auch die symphonischen Elemente angeht) – 7/10. Nun folgt nur noch der Finaltrack Until The End, der zu Beginn noch ein gemäßigterer Midtempo-Track ist, sich dann aber zu einem markant-flotten Uptempo-Brecher mausert. Und tatsächlich – ist man dann beim Ende des Albums angekommen, so steht man nun doch noch vor der zwiespältigen Entscheidung, ob nun der Titeltrack Heart Of Battle die Hymne des Albums ist – oder vielleicht doch dieses abschließende Until The End – ebenfalls 9/10.

Fazit: Vielleicht sollten sich die Jungs von Heroik am ehesten auf das konzentrieren, was schon in ihrem Bandnamen drinsteckt: auf heroische, epische Erzählungen, die allerdings auch entsprechend musikalisch umgesetzt werden. Wirkliche Brecher-Tracks finden sich nicht, was besonders in Bezug auf das Intro und die eher schwachen Folgetracks schade erscheint. Einzig in der Mitte des Albums bekommt man mit Goodbye My Friend Und Heart Of Battle zwei nette Hymnen spendiert, die einem im Gedächtnis bleiben werden. Hier heissen die Zutaten ganz klar: Unkonventionalität, aber eben auch Eingängigkeit ! Die Band will offensichtlich einen einprägsamen, dabei etwas düsteren Epic Power Metal machen – doch insgesamt hat man das Gefühl, als würde noch ein entscheidender Zusatz fehlen. Und seien es mehr klassische Elemente, noch ein wenig mehr Erhabenheit, noch ein wenig mehr Abwechslung – wie es im Finaltrack am ehesten der Fall ist. Hier scheint die Band alles was sie am besten beherrschen, in einen Topf zu werfen – das klingt im Ergebnis sehr, sehr gut und auch erstmals richtig komplex. In jedem Fall wird einem mit Heart Of Battle ein Album geboten, welches nicht in die schon-tausendmal-gehört-Schublade gesteckt werden kann – es lohnt sich also definitiv.

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