Oliverdsw’s Bio # 10 | NACH MIR DIE SIN(N)TFLUT

Nun, wo war ich doch gleich stehengeblieben… Ach ja; richtig – mit dem offiziellen Einstieg in die (höchst leidige ?) ALG-II Thematik. Wobei ich mich gewiss nicht mit einer distanzierten, blossen Theorie als Herangehensweise aufgehalten habe. Nein, das Experiment „Hartz-4“ wird in Bezug auf meine Person größtenteils praktisch durchgeführt, nicht umsonst rangiert dieser Beitrag hier in einer speziellen Blog-Kategorie: meiner Über-Mich-Sektion ! Allerdings, ob es wirklich absolut freiwillig durchgeführt wird, ist eine ganz andere Frage – diesmal weniger auf den fragwürdigen Begriff des freien Willens selbst bezogen. Erleichterung macht sich breit – doch ich hoffe, dass aus meinen letzten Biografie-Teilen im ungefähren ersichtlich wurde, wie und warum es zu solch einer Situation kommen konnte – die immerhin als expliziter Stufen-Abstieg auf der sogenannten sozialen Leiter bezeichnet werden könnte. Ob man allerdings komplett absteigt oder sich noch (wacker) auf den unter(st)en Stufen festhält, das obliegt wohl einem jeden Betroffenen selbst.

So spiele auch ich oft mit Gedanken, die sich mit diesem (sozialen) Rang befassen; wobei auch mein Gefühlsleben starken Schwankungen unterworfen ist. Jeder kennt es: mal geht es im Leben bergauf, mal bergab – wenn wir einmal nur von der sozialen Stellung (und damit beinahe automatisch vom Berufsstand) sprächen. Eines ist mir jedoch seit nunmehr vielen Jahren klar: ich, der Freigeist, der eher unangepasste; würde nie eine der obersten Stufen dieser Leiter erklimmen. Einerseits, weil ich gnädig bin und diese Positionen liebend gerne anderen überlassen möchte (schließlich ist der Platz dort oben nicht unbegrenzt – genießt mir die Höhenluft), und andererseits, weil ich schlicht eher gegen als mit dem Strom schwimme. Und, dieser ist heutzutage nun mal mehr denn je geprägt von erbrachten (und nachweisbaren) Leistungen; von schulischen und beruflichen Erfolgen, von gesellschaftlichen Statussymbolen. Es ist doch so: entweder man hat den Ehrgeiz und das Bestreben, einen eben solchen (Lebens-)Weg zu beschreiten – oder man hat eine gänzlich andere Ideologie. Wobei es natürlich auch noch eine dritte Möglichkeit gibt, die am ehesten zu bedauern ist: man setzt sich (hohe) Ziele, ist bestrebt diese zu erreichen – scheitert aber aus irgendwelchen Gründen, die vielfältig sein können.

Glücklicherweise habe ich dieses Gefühl nie gehabt, dieses explizite Gefühl des Versagens (Grüße nach Fernost) – ich spürte schon immer, dass der typische, der normale, der vorhersehbar-geregelte Weg für mich einfach nicht in Frage kommen würde. So kann man sagen, das ich den Stufen-Aufstieg absichtlich meide – auch wenn er mir vielleicht (besonders damals, man wird nicht jünger) möglich gewesen wäre. In erster Linie bringt das natürlich haufenweise Nachteile mit sich: Geld regiert (leider) die Welt, und wer nicht viel verdient (kaum möglich von einer niedrigen Stufe aus), hat es im Leben nicht leicht. Und, wird nicht gerade als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft betrachtet – was aber gewiss keine neuzeitliche Entwicklung ist. Schon immer galt das Credo: wer Geld hat, darf mitbestimmen; der wird angehört. Aber auf der anderen Seite gab es auch schon immer Menschen, die irgendwie aus dem gesellschaftlichen Rahmen fielen, und mehr oder weniger gemeinnützige Ziele verfolgten. Bin also auch ich ein moderner Robin Hood, der im Herzen gut ist und den Schwachen helfen möchte – und gerade deshalb niemals ein Teil der höher gestellten Gesellschaft werden möchte, die sich oftmals allen möglichen Narreteien hingibt ? Oder bin ich vielleicht nur ein hoffnungsloser Wanderprediger, bei dem nur einige wenige am Wegesrand innehalten um seinen (verwirrenden) Worten zu lauschen ? Vielleicht. Nur eines ist klar: ich bin niemand, der die Schwächen anderer ausnutzen würde um so vielleicht doch noch ein oder zwei Schritte auf der Gesellschaftsleiter nach oben klettern zu können. Denn auch das ist heutzutage leider Gang und Gäbe. Noch erschreckender aber ist, dass sich kaum noch jemand daran stört – ein Arschlochtum und eine größtmögliche Gewissenlosigkeit sind stellenweise sogar erwünscht.

Wie also sieht es aus, in Bezug auf meinen fidelen persönlichen Werdegang ? Gewiss ist es kein Geheimnis mehr, dass ich eine Zeit lang erwerbs-, wohl aber nicht gänzlich beschäftigungslos war (nein, keine Schwarzarbeit). So musste der moderne Robin Hood dann doch noch freiwillig das Geld der „Adligen“ annehmen, da sich ein Diebstahl heutzutage nicht mehr rechnen würde – satte 364 Silberlinge gibt es derzeit aus der Tasche des gutmütigen Steuerzahlers. Währenddessen verdingte ich mich mit allerlei (für andere wohl wenig vergnügsamen) Freizeitaktivitäten, wie transzendentalen Ausflügen und eben auch der Pflege dieses Internet-Auftrittes hier. Ursprünglich hatte ich vor ungefähr einem Jahr ein ganz und gar hehres Ziel gefasst, welches ich aus verschiedenen Gründen (alles nachzulesen) aber nicht erreichen konnte – und es daher wohl auch nicht mehr angehen werde. Eine kurze Träne der Melancholie ward vergossen – denn einige schöne Momente waren in dieser Zeit sicherlich inbegriffen. Nun aber, da der Monat Juni (nunmehr Anno 2011) angebrochen ist, gehe ich wieder einer Beschäftigung nach. Man lehrte mich die hohe Kunst des Kisten-Stapelns und der Sortiments-Kommissionierung – ich arbeite allerdings vorerst für einen zu vernachlässigenden Obolus (langweilig – wieder keine Schwarzarbeit). Wie aber wird es sich weiterentwickeln ? Werde ich ein Leben lang mit solchen Tätigkeiten zu tun haben, um so mühsam selbst meinen Lebensunterhalt zu bestreiten ? Werde ich eine eigene Wohnung haben, werde ich jede mir bisher selbst aufgebürdete Schuld (nein, keine gesetzliche…) wieder begleichen können ? Werde ich eine Frau haben, 1 1/2 Kinder zeugen, ein Auto fahren und mich gelegentlich mit Freunden auf einen Umtrunk und eine Runde Poker treffen ?

Jetzt habe ich wohl schon zu weit ausgeholt. Zumindest hoffe ich auf eine Verwirklichung bis zum vorletzten Satz, alles was danach kommt erscheint mir schon wieder viel zu konventionell und Instinkt-Gesteuert. Überhaupt habe ich dem Alkohol als Nervengift schon lange abgeschworen, es gibt genügend körpereigene Opioide die es nur zu aktivieren gilt. Aber muss auch ich noch dafür sorgen, dass die Menschheit in dieser Form weiter existieren kann, hat sie das; haben wir das überhaupt verdient ? Vielleicht, wenn wir alle nur 16 Jahre alt würden. Muss auch ich für weniger gesellschaftlich, als vielmehr wirtschaftlich interessanten Nachwuchs sorgen ? Da freue ich mich doch, jegliche Erwartungshaltungen in diese Richtung enttäuschen zu können. Momentan ist nämlich nichts dergleichen geplant. Und ich werde mich hüten, was weitere Überlegungen in diese Richtung anbelangt. Überhaupt gibt es derzeit mehr als genug Beschäftigungen, denen man als notorischer Freigeist nachgehen kann – denn ein solcher steht bekanntlich niemals still. Wichtig ist nur, den jeweiligen In- und Output regeln zu können; man sollte schon über gewisse Ventile verfügen. Nein, keine körperlichen – aber habe ich somit und gerade eben die Existenzberechtigung für diesen Blog offengelegt… ? Doch selbst in Bezug auf die weniger metaphysische Ebene gibt es derzeit genug anzupackende Dinge. Stichwort Familie (die, aus der man entstammt), Stichwort Arbeitswelt, Stichwort Behördengänge. Und: Stichwort eigenes, selbstversorgerisches Leben. Wohlan denn – das Leben ist bunt… !

Es bleibt die Frage, wo ich mich in der Zukunft sehe… nun, vielleicht erübrigt sich diese Fragestellung ja schon hinsichtlich des Schicksalsjahres 2012 (Sarkasmus, anyone ?). Überhaupt habe ich in meinem (kurzen) Leben schon viel zu viel nachgedacht und über dieses und jenes sinniert. Es gibt ausserdem schon genug andere, die eher dem normalen Bürger-Typus entsprechen – und sich daher sicherlich auch viel besser dafür eignen, über ihre eigene Zukunft und die von anderen zu debattieren. Es freut mich daher, dass ich diese ewiglich-klägliche Linie zu unterbrechen vermag und so ein potentiell wertvolleres Ergebnis mit auf den Weg nach oben nehmen werde. Wenn sich meine Wünsche und Hoffnungen nämlich verwirklichen, werden dort jegliche Informationen und Erfahrungen neutral verarbeitet, es zählt allein die Information, ähnlich dem mathematischen Grundprinzip. Wozu also übermäßig interpretieren, wenn man nicht in Besitz aller dafür nötigen Informationen ist ? Aber ich werde bei Gelegenheit auch noch einmal versuchen, mit einem Verantwortlichen darüber zu sprechen. Bis dahin… zelebrieren wir das Leben so gut es eben geht.

3 Gedanken zu “Oliverdsw’s Bio # 10 | NACH MIR DIE SIN(N)TFLUT

  1. Ich muss schmunzeln…“transzendentale Ausflüge“, klingt für mich wie son Trip nach Holland. ^^ Körpereigene Botenstoffe kannst du tatsächlich pushen…Kraftraining. Ich stolpere mich da auch so langsam rein und dann bin ich wieder fit um in der normalen Welt jämmerlich zu Grunde zu gehen. ^^

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