Filmkritik: „Flüstern Des Meeres“ (1993, Studio Ghibli #7)

Originaltitel: Umi Ga Kikoeru
Regie: Tomomi Mochizuki (Studio Ghibli)
Mit: /
Laufzeit: 72 Minuten
Land: Japan
Genre: Animationsfilm

Inhalt: Taku Morisaki und Yutaka Matsuno aus Kōchi auf Shikoku sind schon seit Ewigkeiten beste Freunde, und dass, obwohl sie nie zusammen in eine Klasse gegangen sind. Sie sehen sich dennoch oft, und begrüßen gemeinsam die neue, attraktive siebzehnjährige Schülerin Rikako Mutō aus Tokio. Die wirkt allerdings recht unnahbar und geradezu arrogant, und kann sich nur schwerlich in die neue Klassengemeinschaft integrieren. Aber offenbar will sie das auch gar nicht – am liebsten würde sie zu ihrem Vater nach Tokio zurückkehren, der sich von seiner Frau hat scheiden lassen. Langsam aber sicher beginnt sich eine undurchsichtige Dreiecksbeziehung zwischen Taku, Yutaka und Rikako zu entwickeln – bei der nie ganz klar ist, wie vor allem Rikako zu den beiden Freunden steht. Aber auch, wie sich die Freundschaft der beiden entwickeln würde, sollte sie mit einem von ihnen eine Beziehung beginnen… zumindest legen beide einen dahingehenden Grundstein: Taku leiht ihr Geld und begleitet sie notgedrungen auf eine Reise nach Tokio, und Yutaka bekundet ihr gar direkt seine Liebe – die Reaktion fällt jedoch nicht sehr begeistert aus. Wie wird es für die drei, und für die anderen Klassenkameraden letztenendes ausgehen ?

Kritik: Das Flüstern Des Meeres ist nach dem nur zwei Jahre älteren Tränen Der Erinnerung der zweite eher auf authentisch getrimmte, ernste Anime-Spielfilm aus dem Hause des renommierten Studio Ghibli. Regie führt diesmal aber erstmals Tomomi Mochizuki, nachdem Miyazaki (Das Schloss Im Himmel) und Takahata (Die Letzten Glühwürmchen) schon mal ordentlich vorgelegt haben. Ähnlich wie bei Tränen Der Erinnerung handelt es sich bei diesem Werk um ein eher sentimentales, ruhiges Werk welches den Fokus auf die Gedanken und Emotionen einiger spezieller Charaktere legt. „Neu“ ist in dem Sinne, dass es sich zum ersten Male im Studio Ghibli um eine explizite Liebesgeschichte handelt – wenn auch um keine gewöhnliche. Schließlich besteht der potentielle Love Interest innerhalb eines Kreises von drei Personen, von denen zwei auch noch beste Freunde sind – Konflikte sind also vorprogrammiert. Und auch der weibliche Part sorgt nicht gerade für eine Entspanntheit, zeigt sich das Mädchen Rikako doch zuerst als unnahbare, leicht verbitterte Jugendliche, die offenbar jede Gelegenheit nutzt um andere (wie zuerst Taku) auszunutzen, ohne ihre eigentliche Ziele offenzulegen. Nun, das bleibt gewiss nicht so – nach und nach erfährt man mehr über die Hintergründe, und auch die Beziehung der drei untereinander befindet sich in einem steten Wandel.

Diese Dreiecksbeziehung dient hierbei klar als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt des Films – und setzt voll und ganz auf das potentielle Interesse und die Empathie, die man als Zuschauer bestenfalls für sie entwickelt. Leider gelingt das nur bedingt. Denn im Grunde ist die Geschichte – im Vergleich zu anderen Ghibli-Werken oder genreähnlichen Produktionen aus anderen Studios – doch relativ unspektakulär, und wartet nur mit wenigen Überraschungen auf. Innerhalb der relativ kurzen Spielzeit hat man kaum Zeit, eine entsprechende Bindung zu den Charakteren aufzubauen – weitaus gravierender ist aber die Tatsache, dass der Plot auf keinen nennenswerten Höhepunkt zusteuert, und nicht gerade viele psychologisch interessante Aspekte einstreut. Von einer Vorhersehbarkeit kann man zwar nicht wirklich sprechen – doch in einer Art und Weise ist von Anfang an klar, dass sich für das Trio „mehr“ ergeben würde als dass Rikako sang- und klanglos wieder verschwindet. Auch wenn dies im Finale nur angedeutet wird – wirkliche Gefühlsausbrüche sieht man nicht (Küsse beispielsweise), in dieser Hinsicht hält sich der Film dezent zurück. So wird erst Recht deutlich, dass dieser Film eher für erfahrene, erwachsene Anime-Zuschauer gemacht worden ist – alle anderen werden sich mit größter Wahrscheinlichkeit langweilen. Und das trotz der kurzen Spieldauer.

Denn wenngleich das Werk Tränen Der Erinnerung noch ein echtes Ghibli-Novum darstellte, in Bezug auf die unterschwellige Emotionalität und Authenzität – so bietet das Flüstern Des Meeres kaum neue oder spannende Aspekte. Die Story mag grundsätzlich ein gewisses Potential (gerade durch die Charaktere) bieten, im Gesamteindruck dümpelt sie jedoch nur schwergängig vor sich hin, und lässt sich mit zwei oder drei Sätzen zusammenfassen. Wirklich spannende Twists oder verschachtelte Psychologie-Spielchen auf einem hohen Niveau (hätte sich bestens angeboten) finden sich leider nicht, so zaghaft der Film im Gesamten daherkommt, so verhalten sich auch die Charaktere. Gut, sie sind alle erst im Altersbereich rund um die 17 (später etwas älter) – doch andere Animes (vor allem Serien) zeigen, welch geniale Einblicke man in die Seelenwelt dieser Jugendlichen generell erhalten könnte. Natürlich nur, wenn sich da auch etwas potentiell interessantes, spannendes, nennenswertes (in Bezug auf eine Filmrealisierung) abpielt. Bei das Flüstern Des Meeres scheint diese Vorraussetzung allerdings nicht wirklich gegeben zu sein… ein nachhaltiger Eindruck entsteht nicht; und schon gar nicht, wenn in einer der letzten Szenen auf die ehemalige Klassengemenschaft geblickt wird. Vorher hat man den Zusammenhalt in der Klasse doch auch nicht gezeigt, warum also jetzt ? So entsteht zwar ein gewisses Gefühl der Nostalgie, der Sentimentalität – aber ein merklich konstruiertes.

Fazit: Technisch ist das Flüstern Des Meeres wie alle Ghibli-Filme über jeden Zweifel erhaben. Optik, Szenendesign und Soundtrack bwegen sich auf einem kosntant hohen Niveau; und erlauben so die Etnstehung des typischen Ghibli-Wiedererkennungswertes. Den Inhalt kann man aber nicht wirklich diesem technischen Charme gegenüberstellen – da kann er einfach nicht mithalten. Insgesamt wohl nur für eingefleischte Ghibli-Fans empfehlenswert, die ihre Sammlung vervollständigen möchten – oder für genrell an Anime-Romanzen mit dem gewissen etwas (markante Charakterkonstellation) interessierte. Aber auch die werden keine wirklichen weiteren Besonderheiten feststellen können, Szenen-Highlights gibt es ebenso nicht wie ein nachhaltig beeindruckendes Finale. Eine 08/15 (gut, vielleicht gerade nicht – aber selbst die sind zumeist interessanter) Liebesgeschichte ohne besondere storytechnische Raffinessen – sicher keiner der besseren Ghibli-Filme; aber immer noch empfehlenswerter als so mancherlei Realfilm zum Thema.

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