Filmkritik: „Porco Rosso“ (1992, Studio Ghibli #6)

Originaltitel: Kurenai No Buta
Regie: Hayao Miyazaki (Studio Ghibli)
Mit: /
Laufzeit: 92 Minuten
Land: Japan
Genre: Animationsfilm

Inhalt: Porco Rosso war schon immer zu einem Dasein als Pilot berufen. Seine merkwürdige Erscheinung aber besitzt er wohl noch nicht so lange: durch einen seltsamen Fluch befindet er sich im Körper eines Schweins. Dennoch hält ihn dies nicht davon ab, seine Pilotenehre hochzuhalten und gegen Bezahlung gegen allerhand Gesindel wie Luftpiraten vorzugehen. Eines Tages jedoch häuft sich der Ärger, und Porco will ihm aus dem Weg gehen indem er verreist. Unglücklicherweise wird sein Flugzeug dabei vom amerikanischen Luftpiraten Curtis abgeschossen – seine Urlaubspläne sind ersteinmal dahin. Doch er schafft es zu einem guten Freund und Ingenieur, der sein Flugzeug wieder auf Vordermann bringen kann. Zu Porco’s Entsetzen sollen die Arbeiten aber diesmal von einer Frau erledigt werden – der Enkelin des Ingenieus, Fiona nämlich. Sollte er wirklich eine Frau, und dann auch noch eine so junge, an sein geliebtes Flugzeug lassen ? Doch er gibt er letztendlich eine Chance, und so beweist sie ihm ihr wahres Können als Mechanikerin. Mehr noch, sie entschließt sich sogar, Porco fortan auf seiner Reise zu begleiten – und dass, obwohl er ihr mehrmals klarmacht, dass es keine angenehme Angelegenheit sein würde. Was sich alsbald bewahrheitet: der Amerikaner besteht auf eine Revanche, und ausserdem sind noch allerlei Piraten hinter Porco her… das Ganze soll in einem finalen und alles klärenden Luftgefecht entschieden werden.

Kritik: Ein… Schwein als Hauptcharakter in einer sonst doch merklich auf authentisch getrimmten Anime-Welt ? Soetwas kann sich wohl nur das Studio Ghibli, beziehungsweise Anime-Altmeister Hayao Miyazaki erlauben. Denn während diese äusserst makabere Story-Vorraussetzung bei vielen anderen Regisseuren höchstwahrscheinlich in einem lachhaften Desaster geendet wäre, so ist Porco Rosso ein überraschend unterhaltsames Werk geworden – trotz des gewöhnungsbedürftigen Schweinchen-Aspektes. Richtig, dieses Mal kann nicht von einem wegen gesprochen werden: denn selbst Hayao Miyazaki gelingt es nicht, diese kleine Merkwürdigkeit schlüssig und nachvollziehbar in den Film zu integrieren. Es werden keinerlei Informationen zu dieser Verwandlung gegeben, lediglich von einer Art „Fluch“ wird (fast schon nebensächlich) gesprochen. Dass das in einer sonst von Menschen bevölkerten Welt nicht zu allerlei Irritationen führt, sich mancherlei Dame sogar in die jetzige Form des Charakters verliebt, erscheint seltsam – und wird nie erklärt. Man erfährt lediglich, dass es sich bei Porco früher einmal um einen gutaussehenden, fähigen Piloten gehandelt hat – der nur knapp dem Tode entronnen ist. Und, dass seine „Verwandlung“ (warum um wann es geschah, weiss man ebenfalls nicht) möglicherweise rückgängig gemacht werden kann, ähnlich den guten alten Frosch-Prinzessinnen-Erzählungen.

Im Grunde ein reichlich seltsames und bestenfalls zu überspringendes Werk der Ghibli-Reihe, möchte man nun sagen ? Auf manche, vielleicht sogar viele mag das sogar zutreffen. Jedoch muss man dem Film zugestehen, dass er auch einige markante Stärken hat. In erster Linie wäre das Setting zu nennen, welches sich deutlich von vielen anderen Anime-Produktionen abhebt: sowohl Zeitraum des Geschehens, Schauplatz und Ereignisse geben dem Film ein besonderes Flair – eienrseits ein historisches, andererseits ein amüsant-verspieltes; und nicht zuletzt ein beinahe kultverdächtiges. Regisseur Miyazaki konnte in diesem Werk seine Liebe zu Flugmaschinen abermals explizit ausdrücken, wenngleich es dieses Mal (und im Gegensatz zu Das Schloss Im Himmel) in einem weniger Fantasy-bezogenen Kontext stattfindet. Als Kulisse dient eben ein Krieg, beziehungsweise Phasen des Friedens, in denen der Fokus weniger auf die politischen und militärischen Hauptgefechte gelegt wird – sondern auf die Randgebiete, in denen sich allerlei „Aussätzige“ und merkwürdige Gestalten tummeln. Porco ist einer von ihnen, und dabei gleichzeitig noch der tugendhafteste – der Großteil der Charaktere in Porco Rosso sind raubeinige Piraten (zu Wasser oder in der Luft), oder andere finstere Gestalten.

Stichwort finstere Gestalten: so werden diese offensichtlich „bösen“ Protagonisten keiensfalls dargestellt. Dies war zugleich einer der damaligen Haupt-Kritikpunkte am Film – und tatsächlich, die eigentlich angepeilte Zielgruppe bleibt schleierhaft. Das gnädigste aller Urteile (welches eine niedrige Wertung beinahe automatisch verhindern würde) kann man wohl eher nicht fällen: dass es sich möglicherweise um eine Art Geschenk für die Fans (von Miyazaki) handelte. Dafür war er einfach noch nicht etabliert genug – immerhin war Porco Rosso erst seine sechste Animespielfilm-Regeiarbeit im Jahre 1992. So steht einem als kindlicher Zuschauer eine eigentlich auf Erwachsene zugeschnitte Story um die Ehre und den Stolz von Piloten und Piraten gegenüber; als Erwachsener jedoch muss man sich besonders über die viel zu kindischen Porträts der Piratenbanden wundern (in der englischen Synchronfassung nochmals etwas befremdlicher). Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen ! Denn das grundsätzliche Setting bietet sicher einiges an Potential – vielleicht mit ein Grund, wieso gerade ein zweiter Teil des Films in Aussicht ist, laut IMDB-Ankündigungen ? Immerhin kann man dem Film keinsfalls abstreiten, dass er handwerklich sehr gut gemacht ist. Besonders die Optik weiss im typischen Ghibli-Stil zu begeistern. Satte Farben (diesmal viel Blau), die kleinen Details, die liebevollen Landschaften und Hintergründe… und dieses Mal auch ein deutliches „Mehr“ an flüssig animierter Action (wie die vielen Flugszenen). Und, welch eine Überraschung – der Soundtrack avanciert zu einem der vielleicht markantesten und positivsten Aspekte an Porco Rosso.

Fazit: Ein Film, der nicht jedermanns Geschmack treffen wird, ohne Zweifel. Er kommt mit einer großen Portion Unkonventionalität daher, und versucht mit einem frischen Setting und merkwürdigen Charakteren zu punkten. Der größte Schwachpunkt ist und bleibt aber der Charakter des verwandelten Schweins – hier wird einfach keine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte generiert, und auch das Finale des Films weiss nicht gerade zu überzeugen. Warum sich Porco beispielsweise für seine „alte Geliebte“ (man weiss es nicht genau, zumindest sie liebt ihn) entscheidet, und nicht für die quirlige, junge Fiona – die ihn mehr und mehr anzuhimmeln scheint (und sogar einen vielleicht entscheidenden Knutscher verpasst), wird nicht ganz klar. Ebenso wie die restliche emotionale Welt von Porco, die reichlich schleierhaft und oberflächlich porträtiert daherkommt. So weiss man nicht genau was Miyazaki mti dieser Figur beabsichtigte – war sie zumindest in seinen Gedanken eine Figur mit einem tieferen Sinn und einer nachvollziehbaren Geschichte (wäre für den zweiten Teil zu hoffen), oder handelt es sich tatsächlich nur um eine makabere Dreingabe – der Film transportiert nämlich genau das ? Immerhin, wirklich langatmig gerät der Film zu keinem Zeitpunkt, die Flugszenen machen Laune und gerade gegen Ende wird in Sachen Humor noch einmal deutlich angezogen – wenn es nur mehr davon gewesen wäre. Und eben nicht diese kindische, fast schon lächerliche Witz-Gestaltung bei den klar überzeichneten Kinderfilm-Piraten…

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