Filmkritik: „Mr. Magorium’s Wunderladen“ (2007)

Originaltitel: Mr. Magoriums Wonder Emporium
Regie: Zach Helm
Mit: Dustin Hoffman – Natalie Portman – Jason Bateham – Zach Mills
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
Genre: Komödie

Inhalt: Edward Magorium (Dustin Hoffman) ist der Besitzer eines bunten Spielzeugladens – doch gewiss handelt es sich hierbei nicht um eine stinknormale Einkaufsgelegenheit, die der kauzige Inhaber hier der Öffentlichkeit anbietet. Nicht nur dass Mr. Magorium eigenen Angaben nach bereits stolze 243 Jahre alt ist, nein – auch sein Laden scheint so etwas wie ein Eigenleben zu besitzen. Zweifelsohne ist hier eine seltsame Magie im Spiel ! Doch auch für einen alteingesessene Geschäftsmann wie Herrn Magorium kommt irgendwann einmal die Zeit zu gehen. Er spürt, dass dies bald soweit sein könnte – und bereitet sich, den Laden und seine engste Mitarbeiterin Molly Mahoney (Natalie Portman) auf seinen Abgang vor. Die galt mal als musikalisches Wunderkind, doch verlor offenbar ihr Talent – und arbeitet seitdem als Managerin mit dem gewissen etwas im Spielzeugladen. Mr. Magorium engagiert für die Vorbereitungen ausserdem einen Buchhalter (Jason Bateman), der den Wust von Rechnungen, die sich über die Jahre gesammelt haben, abarbeiten soll. Als er dann Molly als seine Nachfolgerin vorschlägt, zeigt sich diese jedoch nicht wirklich begeistert… viel lieber hätte sie, dass er doch noch bleiben soll. So denkt auch der junge Eric (Zach Mills), einer der größten Fans von Mr. Magorium und dem Wunderladen.

Kritik: Ein Spielzeugladen welchem eine mysteriöse Magie innewohnt, und ein höchst seltsamer Inhaber; der auf seine alten Tage von seinem Posten zurücktreten will – irgendwie muss man sich mit diesem leicht makaber wirkenden Plot erst einmal anfreunden. Immerhin ist die Idee beziehungsweise die Konstellation in der Realisierung keinesfalls „verbraucht“ oder uninteressant – im Gegenteil, von Anfang an weht ein spürbar frischer Wind. Doch die Frage, für welche Zielgruppe der Film letztendlich gemacht ist, oder auf was er abzielt – die bleibt über die gesamte Spieldauer im Raum stehen. Einerseits ein Kinderfilm, andererseits eine etwas erwachsenere Tragik-Komödie – und zwischendurch und nebenbei noch allerlei Fantasy-Aspekte machen Mr. Magoriums Wunderladen zu einem bunten Kuddelmuddel aus verschiedenen Versatzstücken und Stilrichtungen, ohne dass dabei ein wirkliches, in sich schlüssiges Gesamtbild entstehen kann. Das liegt mitunter am Porträt der Hauptfigur, die reichlich schrullig und exzentrisch daherkommt – doch als wenn dies nicht schon genug wäre, werden zu seiner Biografie (und seinem allgemeinen Verhalten) allerlei Merkwürdigkeiten hinzugefügt, die in diesem Film unter dem Stichwort „Magie“ laufen.

Diese Verknüpfung beziehungsweise dieser „‚Erklärungsversuch“ der omnipräsenten Absurditäten gelingt jedoch nur bedingt. Dinge wie das Alter von Mr. Magorium werden dann „mal eben so“ in den Raum geworfen, jedoch wirken sie auffällig wenig magisch; sorgen bei älteren Zuschauern auch nicht unbedingt für Lacher – die Gestaltung des Film-Kontexts sorgt dafür, dass solche Absurditäten noch zusätzlich ins Lächerliche gezogen werden. Sicher, der Film nimmt sich nicht sonderlich erst, und kommt relativ locker und unverkrampft daher – was ein grundsätzlich positiver Aspekt ist. Doch warum gerade dann ein merklich ernster Unterton in Form einer gescheiterten Karrie-Existenz (das ehemalige Talent Molly) eingebaut werden musste, bleibt fraglich. So weiss man als Zuschauer kaum, wie man den Film nun „anpacken“ sollte – weder über die geistige, die Verstandsebene (Kopf), noch über die Emotionsebene (Herz). In keinem Fall vermag der Funke richtig überzuspringen – da alle Ansätze (da es der Genreanleihen doch recht viele sind) nur angekratzt, aber niemals zuendegedacht werden. Dies ist beispielsweise bei Mr. Magorium der Fall – warum erhält man als Zuschauer genau diese (wenigen) Informationen, die eher für ein kritisches Stirnrunzeln als für ein aufkommendes Interesse sorgen – hält sich aber nicht mit weiteren Erklärungen auf ?

Auch das eigentliche Hauptthema des Films, die Existenz des „Wunderladens“ und seine Auswirkungen beziehungsweise seine symbiotische Ko-Existenz (ein metaphorisches Geben und Nehmen) mit dessen Mitarbeitern – wird nicht sonderlich klug ausgearbeitet, es werden eher zufällig wirkende Ereignisse porträtiert als das man einem wahrlich roten Faden folgen könnte. Die technischen Aspekte können zwar ebenfalls nicht für Begeisterungsschreie sorgen, aber sie bewegen sich auf einem annehmbaren Niveau. Bild und Ton bleiben zumeist unspektakulär, die Szenen für einen vermeintlich fantasievollen Kinderfilm voller Inspiration und Magie relativ trostlos. Kurze Szenen mit äusserst „lebendigem“ Spielzeug oder schön bunte Szenenaufbauten innerhalb des Ladens bilden hier die Ausnahmen – und werden somit automatisch zu klaren Highlights des Films. Apropos Highlights: sicher, Dustin Hoffman und Natalie Portman spielen solide – aber eben auch nicht mehr; verantwortlich dafür sind sicher auch ihre abstrusen, niemals ernstzunehmenden Rollen (obwohl durch den manchmal durchsickernden ernsten Unterton anderes beabsichtigt war). Nein, die wahren Helden des Films sind derer zwei andere, nämlich Nebendarsteller: Jason Bateman als sturer Bürokratenkopf und Zach Mills (der fast schon kein Nebendarsteller mehr ist, da er zusätzlich als Erzähler der Geschichte fungiert) als etwas… ungewöhnlicher, Hütesammelnder Junge. Vor allem die Szenen, in denen die beiden zusammen spielen, entwickeln einen enormen Charme; und sorgen so doch noch für den ein oder anderen Lacher oder eben Seufzer (genial: die Szene, in der die beiden mit Stift und Pappe durch ein Glasfenster kommunizieren).

Fazit: Abgesehen von einigen wirklichen Highlights und guten Ideen wirkt Mr. Magoriums Wunderladen wie ein etwas zu unstimmiges Genre-Mischlingswerk aus den unterschiedlichsten Versatzstücken, zusätzlich mit einer fraglichen Zielgruppe. eins steht fest: weder als „echter“ Kinderfilm, noch als Familiencomedy oder -fantasy kann der Film richtig Fuss fassen. Er ist eher ein wenig von allem, und letztendlich auch nichts Ganzes geworden – schade, aus der Idee hätte man sicher mehr machen können. Einzige Lichtblicke sind Jason Bateman und ZAch Mills als perfekt harmonierendes Duo mit einigen wirklich neuen, frischen Szenen; und stellenweise noch Dustin Hoffman als Mr. Magorium. Natalie Portman und ihre „dramatische“ Geschichte wirken leider absolut nicht so, sondern sorgt eher für unfreiwillige Schmunzler. Die gibt es ansonsten leider nur viel zu vereinzelt – viles wirkt einfach schon wieder derart absurd, dass man nicht genau weiss ob man darüber lachen oder doch eher die Stirn runzeln soll. Auch das Finale kann nur bedingt überzeugen: ein klein wenig der offenbar angepeilten „Moral von der Geschichte“ wird zwar ersichtlich; doch letztendlich geht die Wirkung ob der Absurdität des Films (und des plötzlichen Finales – Glitzer, Farben, Magie – Blackscreen) ein wenig flöten. Absolutes Mittelmaß, für jüngere Zuschauer vielleicht noch interessant. Aber auch hier gilt: es gibt weitaus bessere Alternativen.

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