Ach Ja: Pietro Lombardi Ist Der Superstar 2011

Foto: RTL

Und die Kommerzmaschinerie rattert unaufhörlich weiter… nicht einmal zu knirschen beginnen die Zahnräder ob der kleinen, nebenbei errungen Erfolge; die dieser Tage bei einigen Sendern für ein deutliches Stimmungstief verantwortlich gewesen sein dürften. Eine neu verabschiedete Gewinnspielsatzung sieht nämlich einige Einschränkungen und deutlichere Regelung für sogenannte Call-In Sendungen und den damit verbundenen „Gewinnspielen“ vor. So wird es alle gerechtigkeitsengagierten, kritischen Zuschauer erheblich freuen, dass nach nunmehr 10 Jahren der Sender 9Live seinen dubiosen Sendebetrieb einstellen wird – es rechnet sich einfach nicht mehr ! Zumindest aus der Sicht des Senders, der jahrelang mit Millionenbeträgen hantiert und sich entsprechende Beträge eingesteckt hat ohne mit der Wimper zu zucken.

Aber wozu überhaupt etwas riskieren, wenn es doch auch ganz öffentlich und legal geht ? Telefonabzocke mit „günstigen“ 50 Cent pro Anruf lautet seit einigen Jahren die Devise. Dass bemerkenswerte dabei ist jedoch nicht die Tatsache dass dergleichen stattfindet – sondern dass die Zuschauer immer wieder zahlreich darauf hereinfallen, und sich das Geld auch noch liebend gerne aus der Tasche ziehen lassen – freiwillig ! Wer kann da einen Sender wie RTL also nicht verstehen, der an diesem Konzept natürlich weiter festhält ? Und nein, es geht den Verantwortlichen nicht darum, der Menschheit etwas „Gutes“ zu tun (hilfebedürftigen Kandidaten einer Sendung wie DSDS einen Teil des Gewinns als Spende abgeben, beispielsweise). Es regiert hier wie auch überall sonst in der Medienindustrie das knallharte Prinzip der Marktwirtschaft. Und wer da keine Gewinne einfährt, der kann gleich das Handtuch werfen.

Die Methoden spielen dabei keine Rolle, solange gewisse Regularien eingehalten werden und die Zuschauer entsprechend sensibilisiert werden, ihr Geld etwas lockerer zu handhaben. Wozu monatlich 5 oder 10 Euro an soziale Einrichtungen in Deutschland spenden, die Kindern helfen – wenn man das Ganze doch viel sinnvoller in 20 Anrufe investieren könnte – für wen oder was, spielt dabei absolut keine Rolle. Denn das man dieser Tage nicht für Pietro Lombardi angerufen hat, sollte jedem klar sein – man hat für RTL angerufen, damit dieses wunderbare Phänomen so und nicht anders jedes Jahr aufs Neue stattfinden kann. Millionen sehen zu, Abertausende rufen an – und kaufen sogar noch die (nebenbei: völlig unspektakulären) Endprodukte, das heisst die Songs der Teilnehmer. Gut, aber eben auch nicht jahrelang…

Nun muss man sich fragen: warum überhaupt ein derart kritischer Beitrag zu diesem Thema, nach dem Motto: schon wieder… ? In der Tat, seit vielen Jahren gibt es kaum Bewegung in dieser Hinsicht. Die Fronten sind verhärtet – die einen sind die hoffnungslosen Kritiker, die bestens über die Hintergründe und Abläufe einer solchen Sendung Bescheid wissen und einen großen Bogen um selbige machen – und die anderen sind Anhänger durch-und-durch, die entweder als Teilnehmer oder als Zuschauer Sendungen wie Deutschland Sucht Den Superstar zu ihrem Lebensinhalt erklären; vielleicht sogar zu ihrem einzigen. Ist es also sinnlos, überhaupt noch dagegen vorzugehen ? Vielleicht. Vielleicht sogar sehr wahrscheinlich. Aber dennoch sollte man nicht aufhören mit den Mitteln zu kämpfen, die einem zur Verfügung stehen.

Dieses Jahr waren es also „ultraknappe“ 51 Prozent, die den Sieger zum Sieger machten. Verstörend: niemals würde RTL die Zahlen der Gesamtanrufe preisgeben, weil so den potentiellen Geldgebern (den lieben, engagierten Zuschauern) der Spiegel vorgehalten werden würde. Und so darf man weiter fabulieren… 51 Prozent, so knapp war es also ? Na was ein Glück für Pietro ! Nun, wer weiss schon, ob nicht zumindest der Sieger die Anzahl der Anrufe erfahren darf (dann selbstverständlich unter der Ägide einer vertraglichen Schweigepflicht) – denn der dürfte sich doch wahrscheinlich schon dafür interessieren, ob nun 1000 (unwahrscheinlich) oder 1000000 (now we’re talking !) Anrufe für ihn hereinkamen. Natürlich nur in Bezug auf das Finale, alles andere kommt noch obendrauf. Ebenfalls alle Jahre wieder: die ätzende Heuchel-Ansprache von einem gewissen Marco Shreyl. Tja, wer nichts hat im Leben, der geht eben zu RTL. Genau so hören sich die theatralischen Ansprachen zumindest immer wieder an. Dankt dem lieben Fernsehgott, Amen. Ach, und dieses Mal sollten sie nicht nur für ihren Lieblingskandidaten anrufen, sie MÜSSEN… !

Das Volk gehorcht. Alles andere wäre auch zu anstrengend. Na immerhin haben „wir“ nun einen neuen, kräftig zu bejubelnden Superstar. Aber pssst, bitte nicht die Frage nach den 8 bisherigen (!) stellen. Die sind natürlich längst in den geistigen Rang eines Michael Jackson oder einer Madonna aufgestiegen, mit Millionen von verkauften Platten. Glückwunsch also, Pietro !

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4 Gedanken zu “Ach Ja: Pietro Lombardi Ist Der Superstar 2011

  1. Na sowas…bist du ab und zu etwa doch noch im alten Forum unterwegs, da hab ich auch kurz den Fernsehgott erwähnt. ^^ (Fernseh)gott sei Dank hab ich von DSDS auch ÜBERHAUPT NICHTS mitbekommen, ich lese es hin und wieder in der Programmzeitschrift. Pietro Lombardi wirkt jugendlich, spritzig, sympathisch…ein 18jähriger junger Hüpfer…aber reicht das? Es klebt RTL-Blut an seinem Mikro und das gefällt mir irgendwie nicht.

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    1. Manchmal „geistere“ ich noch hie und da (und nirgendwo) in den unendlichen Weiten des Netzes herum, ja… ^^

      Aber den Begriff „Fernsehgott“ habe ich dort gar nicht vernommen, hast Du tatsächlich von der gleichen Formulierung Gebrauch gemacht ? Wieder einmal vernetzt, unsere Hirne.

      Hammer auch Deine letzte Formulierung… sounds EPIC, genau so sehe ich das auch. Aber wenn man dat Zeuch wegwischt, verschwindet komischerweise meist auch das Mikro…

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